11.08.2007 um 02:47 Uhr
10.08.2007 um 03:24 Uhr
Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (6)
Man sagt, dass im Himmel die Sonne aufgeht und die Götter spazieren gehen
aber sie werfen keine Schatten, sie sind transparent.
Aber das ist bloß ein Traum.
Nirgendwo existiert irgendetwas, kann irgendetwas existieren,
ohne einen Schatten.
Wenn es ist, dann wird ein Schatten erzeugt werden;
wenn es nicht ist, nur dann kann der Schatten verschwinden.
Zu sein bedeutet einen Schatten zu erzeugen.
Dein Ärger, dein Sex, deine Gier - sind alles Schatten.
Aber denke daran, dass sie Schatten sind.
In gewisser Hinsicht sind sie, und trotzdem sind sie nicht,
das ist der Sinn eines Schattens. Er ist nicht substantiell.
Ein Schatten ist bloß eine Abwesenheit.
Du stehst, die Sonnenstrahlen fallen auf dich, und wegen dir,
können ein paar Strahlen nicht durchkommen.
Dann wird die Figur erzeugt, der Umriss des Schattens.
Er ist bloß eine Abwesenheit.
Du stehst der Sonne im Wege, das ist der Grund, warum der Schatten erschaffen wird.
Der Schatten ist nicht substantiell, du bist substantiell.
Du bist substantiell, darum wird der Schatten erzeugt.
Wenn du wie ein Geist wärst, dann würde es keinen Schatten geben.
Und die Engel im Himmel sind nichts als Geister,
Geister, erträumt von dir und deinen Ideologen,
von Menschen, die Ideale erzeugen.
Dieser Mann in der Parabel war verstört, weil er gehört hatte
dass du nur ein Gott wirst, wenn der Schatten verschwindet.
„Da war ein Mann
der war so verstört
durch die Sicht seines eigenen Schattens
und so unangenehm berührt von seinen eigenen Fußspuren,
dass er beschloss, beides loszuwerden."
09.08.2007 um 03:30 Uhr
Tao Te King 6 (4)
Es gibt zwei Arten der Verführung.
Wenn ein Mann eine Frau verführt, ist er aggressiv,
er versucht es auf viele Weisen, er ergreift die Initiative, er stellt eine Falle;
er macht all die Anstrengungen, die er machen kann.
Aber eine Frau verführt auf eine total andere Art und Weise.
Sie ergreift nicht die Initiative, sie stellt keinerlei Fallen,
sie geht dem Mann nicht hinterher,
tatsächlich tut sie so, als ob sie nicht sehr interessiert sei.
Der Mann kann scheitern, aber die Frau versagt nie -
das ist die weibliche Verführung.
Ihre Falle ist sehr subtil;
du kannst aus ihr nicht herauskommen, weil sie keine Schlupflöcher hat.
Und ohne dass sie dich verfolgt, verfolgt sie dich.
Sie sucht dich in deinen Träumen heim -
niemals klopft sie an deine Türe, aber sie sucht dich in deinen Träumen auf;
niemals zeigt sie irgendein Interesse,
aber sie wird zur intensivsten Fantasie in deinem Wesen.
Das ist der feminine Trick.
Und Lao-tse hält viel vom weiblichen Denken.
Darauf werden wir noch kommen.
Also denke daran... Lao-tses Welt ist nicht die der Logik, sondern die der Analogie.
Logik ist offensichtlich, direkt -
entweder musst du überzeugt werden,
oder du musst die Opponenten überzeugen;
in beiden Fällen musst du ihr folgen, ein Nachfolger werden,
oder du wirst der Feind.
Du musst dich entscheiden. Bei der Logik muss dein Denken aktiv sein.
Das ist leicht, daran ist nichts schwierig, jeder argumentiert.
Mehr oder weniger ist jeder ein Logiker;
gut oder schlecht, jeder ist ein Philosoph.
08.08.2007 um 03:44 Uhr
Tao 303
Ganz langsam entsteht die Idee in dir, dass all diese Dinge, die du brauchst und die du unbedingt erreichen willst, dir weggenommen werden werden. Der Tod wird kommen und wird alles annullieren: Du bekommst Angst, Furcht entsteht. Aus der Furcht heraus beginnst du daran zu denken, nach etwas zu suchen, das dir nicht weggenommen werden wird: Tao, Wahrheit, Erleuchtung, Nirwana, oder du kannst dem irgendeinen Namen geben. Nun beginnst du Nirwana zu suchen, Erleuchtung, Tao, Samadhi auf die gleiche Art und Weise, wie du vorher Geld, Macht und Ruhm gesucht hast. Weil du eine Logik gelernt hast, du hast ein Programm gelernt; nun sagt das Programm: „Du kannst kein Geld bekommen, wenn du nicht danach suchst, wie kannst du Erleuchtung bekommen, ohne danach zu suchen? Also suche, begehre, kämpfe und streite." Und das ist die ganze Crux dieser Angelegenheit - und du machst dich lächerlich.
Geld muss gesucht werden, wenn du mehr Geld haben willst, aber Erleuchtung ist schon da. Du bringst es mit dir. Es ist dein ursprüngliches Gesicht. Es ist dein Leersein, dein Bewusstsein. Es ist dein Wesen. Wenn du stirbst, wird alles andere auch sterben, außer deiner Wachheit, außer deiner Bewusstheit. Niemand kann sie dir wegnehmen.
Aber die Logik, die du in der Welt gelernt hast, macht dich verrückt. Es ist sehr logisch, Geld, Macht und Ruhm zu suchen und zu begehren; es ist sehr unlogisch, Erleuchtung zu suchen. Und dann wird es ein schwerer Trip, sehr ernsthaft. Das ist der Grund, warum religiöse Leute so ernsthaft dreinschauen.
Religiöse Leute können sich nicht vorstellen, dass jemand religiös ist, wenn er nicht ernsthaft ist. Ernsthaftigkeit ist schon fast synonym mit Religiosität geworden - traurige, lange Gesichter. Siehst du deine Heiligen lachen? Heilige können es nicht glauben, dass ein erwachter Mensch Witze erzählen kann. Sie können es einfach nicht glauben!
Nur ein Mensch des Tao kann Witze erzählen. Was bleibt ihm noch? Er hat den großartigsten Witz von allen gesehen: Er hat die ganze Absurdität des Suchens nach Erleuchtung gesehen. Man findet Wachheit nicht durch Suchen, sondern indem man eines Tages an solch einen Punkt der Verzweiflung kommt, dass man alle Anstrengung fallen lässt. In eben diesem Moment wird man sich dessen bewusst. Wenn das Suchen aufhört, das Begehren verschwindet, bleibst du alleine zurück mit deinem Wesen; es gibt nichts mehr, wohin du gehen könntest, du bist drinnen.
07.08.2007 um 03:08 Uhr
Tao Te King 16 (10)
Bewusstsein ist ein zweischneidiges Schwert;
es schneidet auf zwei Seiten.
Es kann dich so überglücklich machen
dass diese Art von Glücklichsein nirgendwo sonst in der Existenz bekannt ist;
es kann dich so unglücklich und miserabel machen
dass diese Art von Unglücklichsein
auch nirgendwo sonst in der Welt gekannt wird.
Der Mensch ist eine doppelte Möglichkeit;
dadurch dass er bewusst ist, eröffnen sich plötzlich zwei Wege vor ihm.
Bewusstsein kann ein Segen werden,
aber es kann auch ein Fluch werden.
Jeder Segen kommt mit einem Fluch,
das Problem ist, dass es davon abhängt, wie du dich entscheidest.
Lass es mich dir erklären, dann können wir leicht das Kapitel 16 angehen.
Der Mensch ist bewusst. In dem Moment, in dem der Mensch bewusst wird
wird er sich auch des Endes bewusst -
dass er sterben wird.
Er wird sich des morgigen Tages bewusst,
zeitbewußt, er wird sich des Verstreichens der Zeit bewusst -
dann wird früher oder später das Ende nahen.
Je bewusster er wird,
desto mehr wird der Tod ein Problem, das einzige Problem.
Wie kann man ihn vermeiden?
Das heißt, das Bewusstsein in falscher Weise zu verwenden.
Das ist genau, wie wenn du einem Kind ein Teleskop gegeben hast,
und das Kind weiß nicht, wie es das benutzen kann.
Es kann in das Teleskop vom falschen Ende her hineinschauen.
Bewusstsein ist ein Teleskop,
du kannst durch es vom falschen Ende her hindurchsehen.
Und das falsche Ende hat seine eigenen Vorzüge -
und das macht noch mehr Probleme.
Durch das falsche Ende des Teleskops
kannst du sehen, dass viele Vorzüge möglich sind.
Leute, die zeitbewußt sind, gewinnen viel
im Vergleich zu Leuten, die nicht zeitbewußt sind.
Leute, die todesbewußt sind, erreichen viele Dinge
im Vergleich zu denjenigen, die nicht todesbewußt sind.
Das ist der Grund, warum der Westen immer mehr materiellen Wohlstand akkumuliert
und der Osten arm geblieben ist.
Wer kümmert sich schon um so etwas, wenn er nicht todesbewußt ist.
06.08.2007 um 23:59 Uhr
Tao 302
Man sagt, als Tennen noch ein Sucher war, ging er zu einem großen Meister, dessen Name Matesi war. Matesi sah ihm in die Augen, schüttelte seinen Kopf und sagte: „Nein, nein, ich bin nicht dein Meister - zumindest nicht jetzt. Geh zu Sakito." Sakito war ein Meister, der ein Opponent von Matesi war. Sein Kloster war auf einem nahe gelegenen Hügel. Matesi sagte: „Nein, nein, ich bin nicht dein Meister - noch nicht. Geh zu Sakito. Er ist dein Meister." Er sagte nicht: „Er wird es sein", er sagte: „Er ist es." Also ging Tennen zu Sakito. Lass dir diese delikate Subtilität auf der Zunge zergehen. Weil Tennen Matesi als seinen Meister akzeptiert hatte, musste er seinem Ratschlag folgen. Er konnte nicht sagen: „Ich werde nicht hingehen. Du bist doch mein Meister." Das würde töricht gewesen sein, das würde ungehorsam gewesen sein. Er sagte: „In Ordnung, Meister, wenn du das sagst, ich kann überall hingehen. Sakito ist mein Meister." Die anderen, die anwesend waren, dachten sich: „Armer Bursche, wohin geht er nur? Er sollte darauf bestanden haben, dableiben zu können. Er hätte sich dazu zwingen sollen. Er hätte an der Türe warten, fasten und darauf bestehen sollen, dass Matesi sein Meister sei und dass er bei ihm bleiben würde. Armer Kerl. Wohin geht er nur?" Aber Tennen war wirklich unschuldig. Er sagte: „Okay, wenn du das sagst, dann kann ich überall hingehen. Wenn du mich in die Hölle schickst, dann werde ich da hingehen." Er ging zu Sakito. Drei Jahre lang diente er dem Meister - er meditierte, diente, meditierte und diente. Nach drei Jahren sagte der Meister: „Du bist nun bereit. Ich werde dich in Sannyas einweihen." Tennen kam, verbeugte sich vor seinen Füßen und sagte: „Ja, Meister, weihe mich ein." Nicht ein einziger Zweifel kam ihm in den Sinn: „Was passiert jetzt? Wenn er mich einweiht, was ist dann mit meinem Meister, Matesi? Ich bin doch eigentlich sein Schüler. Er hat mich hierher geschickt und nun komme ich in Probleme. Dieser Mann sagt, er wird mich initiieren." Sakito schor ihm seinen Kopf, so wie buddhistische Bhikkhus rasiert werden müssen, und sagte ihm, er solle das Gelöbnis eines buddhistischen Bhikkhu wiederholen. Er sagte: „Wiederhole, was auch immer ich sage." Aber als Tennen den ersten Satz hörte, hielt er sich beide Ohren zu und rannte lachend weg. Der buddhistische Mönch muss ein Gelübde ablegen, ein traditionelles feierliches Versprechen: „Ich werde niemals irgendein Verbrechen begehen, ich werde niemals irgendetwas Illegales tun, ich werde nicht stehlen, ich werde nicht morden, ich werde nicht dies tun und nicht das." - tausend Sachen, es ist eine lange Liste. In dem Moment, in dem Sakito zu ihm sagte: „Nun lege diesen Schwur ab", drückte sich Tennen seine Hände auf seine Ohren, so dass er nichts mehr hören konnte, lachte und lief davon. Und Sakitos Schüler sagten: „Wir hatten uns schon immer gedacht, dass er ein wenig verrückt ist." Jemand folgte ihm, holte ihn außerhalb des Aschrams ein und fragte ihn: „Was ist los mit dir?" Der sagte: „Ich habe niemals irgendeine Sünde begangen. Wie kann ein Mensch eine Sünde begehen? Die ganze Lehre des Buddha besteht darin, dass alles Tun falsch ist und illusorisch. Ich habe niemals irgendetwas Falsches getan, und wie kann ich es in der Zukunft begehen? Was für ein Unsinn ist dieser Eid? Ich gehe jetzt zu meinem Meister und ich werde ihn hart schlagen. Warum schickte er mich zu solch einem Narren?" Er rannte zum Kloster seines alten Meisters, aber der Meister war nicht da. Als er in den Tempel ging, saß nur die Buddhastatue da. Er sprang auf die Schultern des Buddhas und er saß da, saß auf diesen Schultern. Und er war so außer sich, dass ein paar Schüler von Matesi kamen und von außen in den Tempel blickten und sagten: „Er schaut wahnsinnig aus. Sitzt da auf einem Buddha!" Sie rannten zum Meister und sagten zu ihm: „Ein eigenartiger Mönch ist gekommen und ist auf die Schultern des hölzernen Buddha gestiegen. Was sollen wir tun?" Matesi selbst kam, um nach dem Rechten zu sehen. Er erkannte den jungen Sucher wieder und er erkannte auch sein Erwachen. Er sagte: „Du bist so unschuldig. Du bist die Natur selbst, Tao an sich. Tennen bedeutet Natur, Tao, Unschuld. Und nun bin ich dein Meister und du bist mein Schüler." Tennen kam von der Holzstatue herunter, fiel Meister Matesi zu Füßen und sagte: „Ich bin dir dankbar dafür, dass du mir meinen Mönchsnamen gibst." Und der Meister sagte: „Nun bin ich dein Meister und du bist mein Schüler. Diese drei Jahre mit Sakito waren nötig. Diese drei Jahre waren ein Muss."
05.08.2007 um 14:47 Uhr
Tao 301
Du kannst einen Schmetterling aufspießen, aber dann ist er kein Schmetterling mehr,
das Leben hat ihn verlassen.
Genau wie ein Schmetterling ist die innere Balance,
du kannst sie nicht aufspießen. Das ist der Grund, warum sie undefinierbar und schwer fassbar ist. Sagt Lao-tse: Das Tao, das gesagt werden kann, ist nicht mehr Tao.
Die Wahrheit, die geäußert werden kann, ist schon unwahr geworden.
Indische Schriften sagen „Das" kann nicht durch Schriften erkannt werden:
Nayam atma pravachanen labhya.
Du kannst „Das" nicht durch irgendeine verbale Kommunikation verstehen.
„Das" ist schwer nachvollziehbar, weil es so lebendig ist. In der Zeit, in der du ihn erreichst
ist der Schmetterling schon weg. Geh bloß hin und sieh selbst. Begib dich in den Garten.
Du kommst näher und näher und der Schmetterling macht sich schon bereit
um wegfliegen zu können. Wenn du schon fast an dem Punkt bist, wo du ihn fangen könntest
hat er die Blüte verlassen, er ist schon auf einem anderen Baum.
Du kannst ihn nicht aufspießen. Wenn du es kannst, ist er tot.
Einer der sehr scharfsinnigen Dichter des Westens, Wallace Stevens,
sagt in einer seiner Maxime: Aristoteles ist ein Skelett.
Das mag ich. Logik ist ein Skelett.
Logik gehört immer zu den Toten, zum Tod.
Sie gehört nicht zum Leben.
Alles Fixierte ist immer tot -
das ist der Grund, warum Ehe ein aufgespießter Schmetterling ist,
und Liebe ein lebendiges Phänomen.
Inneres Gleichgewicht kann nicht festgenagelt werden,
du wirst den Dreh herausfinden müssen, um den es dabei geht. Und du kannst ihn finden.
Wenn Lao-tse es finden kann, warum nicht du?
Wenn nur ein Mensch das innere Gleichgewicht findet, die innere Ruhe,
die innere stille, kaum vernehmbare, Stimme,
das innere Gewußt-Wie „das alles Verstehen übersteigt",
dann wird jedes menschliche Wesen fähig dazu.
04.08.2007 um 01:32 Uhr
Quellender Urgrund 3/8 (7)
Es gibt viele Geschichten über Thomas Alva Edison. Er war ein Mann, der perfekt geistesabwesend genannt werden konnte. Eines Tages ging er in ein Restaurant, nahm sein Mittagessen zu sich, kam heraus und traf einen Freund an der Türe, genau davor auf der Straße. Sie sprachen ein paar Minuten miteinander und dann sagte der Freund: „Warum kommst du nicht mit mir und isst dein Mittagessen?" Da sagte er: „Richtig. Du erinnerst mich wieder daran. Ich kam doch hierher wegen meines Mittagessens." Darauf gingen sie wieder nach innen in dasselbe Restaurant. Das Essen wurde serviert. Der Freund sagte zu Edison: „Du schaust ein wenig durcheinander drein." Und Edison sagte: „Ja. Ich weiß nicht, was los ist. Ich habe überhaupt keinen Appetit." Und der Kellner lachte und sagte: „Mein Herr, Sie aßen Ihr Mittagessen hier vor genau fünf Minuten." Das ist Geistesabwesenheit. Einmal geschah es, dass er seinen eigenen Namen vergaß. Er stand in einer Warteschlange und als er dran kam und sein Name aufgerufen wurde, begann er, hierhin und dorthin zu schauen, er suchte nach dem Mann, dessen Name aufgerufen worden war. Und dann sagte jemand, der hinter ihm anstand, zu ihm: „Mein Herr, soweit ich weiß, sind Sie Edison. Nach wem schauen Sie sich also um?" Und Edison sagte: „Danke. Ich hatte das tatsächlich komplett vergessen." Das ist Geistesabwesenheit. Edison ist kein Mensch im Satori; er lebt immer noch in der Erinnerung, aber sein Gedächtnis ist ein Chaos. Er kann sich nicht darüber klar werden, was was ist. Er ist kein Mensch des Tao, er ist kein Hua Dsi. Er lebt nicht im Moment, er lebt immer noch in der Vergangenheit. Natürlich ist seine Vergangenheit sehr schusselig. Demgegenüber sind die Memoiren eines äußerst ungewöhnlichen Menschen lesenswert. Er war ein Heiliger, der vor 30 Jahren starb. Er lebte ein wirklich langes Leben - fast einhundertundvierzig Jahre. Sein Name war Shivapuri Baba, Shivapuri Baba aus Nepal. In seinen Memoiren erzählt er eine Geschichte. Als er nach Jaipur reiste, gab ihm ein sehr reicher Mann eine Schachtel voll mit Geldscheinen, Hundert-Rupien-Scheinen. Als er im Zug war, schaute er in die Schachtel hinein; sie war voll mit Geldscheinen und er wollte nun wissen, wie viele Geldscheine er hatte. Also begann er zu zählen. In dem Abteil waren nur zwei Personen, Shivapuri Baba, ein sehr alter Mann, zu der Zeit muss er ungefähr einhundertundzwanzig Jahre alt gewesen sein, und eine englische Lady, eine junge Frau. Sie wurde darauf aufmerksam. Dieser alte Bettler war in der ersten Klasse und trug bei sich eine Schachtel, ganz voll mit Einhundert-Rupien-Scheinen? Da kam ihr eine Idee. Sie sprang auf und sagte: „Gib mir die Hälfte des Geldes, sonst werde ich die Notbremse ziehen und werde dann den Leuten sagen, dass du versucht hast, mich zu vergewaltigen." Shivapuri Baba lachte und zeigte mit seinen Händen auf seine Ohren, als ob er taub sei. Und er gab ihr irgendein Blatt Papier und sagte: „Schreib mir es auf, ich kann dich nicht hören." Also schrieb sie es ihm auf. Er nahm es, steckte es in seine Tasche und sagte: Nun kannst du die Notbremse ziehen." Das ist Geistesgegenwart! Sie funktioniert nicht aus der Vergangenheit heraus, weil dies niemals zuvor passiert ist und vielleicht auch nie wieder geschehen wird. Aber ein Mensch, der wirklich gegenwärtig ist, wird aus seiner Präsenz heraus handeln, blitzartig, urplötzlich. Du würdest in Schwierigkeiten gewesen sein, denn du würdest in deine Erinnerung hineingeschaut haben - was soll ich jetzt tun? Du würdest in deinem Gedächtnis herumgestolpert sein - gibt es da etwas in der Vergangenheit, woher ich irgendeine Idee herbekommen könnte, was ich jetzt tun soll? Aber im wirklichen Leben wiederholt sich nichts.
03.08.2007 um 02:11 Uhr
Tao 300
Das Ego repräsentiert den ungesunden Zustand unseres Wesens. Es ist bestimmend und möchte sich durchsetzen. Sich zu entspannen geht gegen das Ego, nicht ehrgeizig zu sein geht gegen das Ego. Bloß ein Moment der Entspannung ist genug und du wirst den Geschmack von Tao haben, denn es ist immer da, es ist niemals verloren gegangen. Du kannst laufend Mauern bauen, aber alle Mauern zerbröseln im Bruchteil einer Sekunde. Daher, wo immer es geschieht, in welcher Situation es auch immer passiert, du kriegst Angst vor dieser Situation.
Die Leute haben Angst vor der Liebe bekommen aus dem einfachen Grund, weil Liebe die Kraft mit dem meisten Potenzial in der Existenz ist - wenn sich das Fenster zum Tao ganz von selbst öffnet. Liebe bedeutet, die Mauer verschwindet, die Wand steht nicht mehr, und die Brücke entsteht. Natürlich geschieht es nur zwischen zwei Personen, aber sogar es auch nur zwischen zwei Personen geschehen zu lassen, gibt dir solche Freude, solch orgasmisches Glühen, solch eine gewaltige Erfahrung vom Glanz des Lebens, dass das Ego Angst bekommt. Das Ego hat manch falschen Ersatz für die Liebe geschaffen. Das Ego ist völlig bereit für die Heirat, aber nicht für die Liebe. Die Ehe ist eine legale Institution, eine soziale Einrichtung, vom schlauen Denken produziert, von listigen Priestern, von den Interessen des Establishments. Liebe ist natürlich. Liebe ist gefährlich für das Ego. Wenn Liebe zugelassen wird, wirst du beginnen, kleine Stückchen von Tao zu kosten, aber dieser Vorgeschmack wird in dir ein Verlangen erzeugen, mehr davon zu bekommen. Es ist so süß, es ist so exquisit, es ist so schön! Dann wirst du bereit sein, all den Unsinn zu opfern, der mit dem Ego zusammenhängt. Du wirst bereit sein, in die Ganzheit zu verschwinden. Es ist Liebe, die dir den Mut geben wird, den ultimativen Sprung zu tun - zuerst mit einer einzigen Person... Aber ist die Erfahrung erst einmal erlebt, dann kannst du nicht mehr zurücktreten, du wirst weiter nach vorne gehen müssen, du kannst nicht mehr zurück. Zuerst ist es mit einer einzigen Person, aber du kannst den Prozess jetzt nicht mehr stoppen. Es ist so ekstatisch, wenn es mit einer einzigen Person so schön ist, wie schön wird es dann erst mit dem Ganzen sein. Ein Mensch des Tao ist jemand, der sich in einer orgasmischen Beziehung zum Ganzen befindet. Tao ist der ultimative Orgasmus, nicht zwischen zwei Individuen, sondern zwischen dem Teil und dem Ganzen, zwischen dem Tautropfen und dem Ozean. Aber der Tautropfen muss verschwinden, und er verliert nichts dabei.
02.08.2007 um 16:09 Uhr
Tao 299
Nur ein Moment der Gegenwart existiert - dieser Moment ist Ewigkeit.
Du hast die beiden Möglichkeiten.
Du kannst durch das Denken existieren, dann bist du limitiert.
Das ist genau, wie wenn du von einem Fenster aus zum Himmel schaust -
der Fensterrahmen wird zum Rahmen deiner Welt.
Dann springst du aus dem Fenster heraus
und du kommst hinaus, unter den ganzen Himmel. Nun ist da kein Rahmen mehr.
In der französischen Malerei war eine neue Mode entstanden,
der Kult der Gemälde ohne einen Rahmen.
Das ist ein schönes Phänomen, denn alle Rahmen sind falsch.
Im Leben existiert alles ohne Rahmen,
aber wenn du ein Bild malst, machst du einen Rahmen um es herum.
Dieser Rahmen ist ganz falsch.
Und die Ironie ist, dass die Leute manchmal
solch schöne und dekorative Rahmen kaufen
dass sogar das Bild nicht so kostbar ist wie der Rahmen.
Der Rahmen ist kostbarer und wertvoller; und der Rahmen ist falsch.
Das Leben existiert ohne einen Rahmen.
Hast du irgendwo Leben gesehen mit einem Rahmen?
Aber du nimmst ein Bild
und sofort kommt ein Rahmen mit ins Spiel. Der Rahmen ist falsch.
Alle Rahmen gehören zum Denken;
das Denken gibt allem, was zeitlos und formlos ist, einen Rahmen.
Du kannst beides sein, das hängt von dir ab.
In tiefer Meditation ist das Denken nicht mehr involviert.
Zu Beginn funktioniert es noch weiter, aber nach und nach,
wenn du nicht auf es hörst, hört es auf zu schnattern.
Wenn es sieht, dass sich niemand darum kümmert,
wenn es sieht, dass niemand ihm irgendeine Aufmerksamkeit zollt, hört es auf.
01.08.2007 um 01:18 Uhr
Tao Te King 64 (6)
Hast du erst einmal einen Schimmer davon, wer du bist,
dann verlangsamst du das Denken mehr und mehr
weil das so herrlich ist!
Aktivität des Denkens ist die Hölle,
Untätigkeit des Denkens ist der Himmel -
und das komplette Verschwinden des Denkens ist moksha.
Es gibt im Deutschen kein Wort für moksha
also verwende ich dieses Wort.
Es bedeutet: Jenseits aller Dualitäten; Himmel und Hölle, beides;
wo es weder Schmerz noch Vergnügen gibt,
sondern einfach dich
in deiner absoluten Reinheit, in deinem Alleinsein.
„Das, was still daliegt, ist leicht zu halten;
das, was noch nicht offenkundig ist, ist leicht zu verhindern;"
Und denke immer daran,
wenn eine Krankheit dich befallen hat
ist es schwierig.
Sie kann kuriert werden, aber das wird dauern.
Es hätte verhindert werden können
wenn du darauf aufmerksam geworden wärst
bevor es offensichtlich wurde.
In Russland
wurde eine neue Fotografie entwickelt,
ein Fotografieren mit sehr, sehr großem Potenzial.
Sie nennen es Kirlian-Fotografie.
Kirlian hat sehr sensitive Filme entwickelt
die Fotos aufnehmen können
von deiner Aura, von deinem elektrischen Körper.
Durch solche Fotografien ist es möglich geworden
dass man sehen kann, ob jemand innerhalb von sechs Monaten krank werden wird;
das Foto wird es anzeigen, schon jetzt, heute,
dass du nach sechs Monaten ein Opfer von TBC oder von etwas anderem werden wirst.

