Taoistische Reflektionen

30.09.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (8)

von: tao

Du bist... das ist genug. Nichts sonst ist nötig.

Daher, merke dir das als das Grundgesetz:

Wenn du in der Religion ständig vergleichst,

bist du in der Politik, nicht in der Religion.

Das ist der Grund, warum alle Religionen politisch geworden sind.

Sie verwenden religiöse Terminologie, aber dahinter versteckt ist die Politik.

Was ist Islam ?

Was ist Hinduismus ?

Was ist Christentum ?

Das sind alles politische Gruppen, politische Organisationen,

die Politik betreiben im Namen der Religion.

29.09.2007 um 01:37 Uhr

Tao 325

von: tao

Der Heckschütze war angeklagt wegen Pflichtverletzung und das Militärgerichtsverfahren war sehr streng. "Sagen Sie uns, was Sie im Kopfhörer hörten", forderte das Gericht.

"Ich hörte den Schwadronführer brüllen: "Japanische Flugzeuge kommen bei fünf Uhr herein. Japanische Flugzeuge kommen bei fünf Uhr rein...""

"Warum taten sie dann nichts ?"

"Warum sollte ich ? Es war erst halb fünf."

Vor Jahren ging der Wanderprediger, der noch neu im Geschäft war, in eine kleine Dorfkirche, um dort zu predigen. Nur ein Bauer fand sich ein. Sie saßen da und warteten in gegenseitiger Verlegeneheit. Schließlich wandte sich der junge Prediger an den Landwirt. "Mein Freund", sagte er, "wenn du eine Ladung Heu für deine Kühe auf die Weide bringen würdest, und nur eine Kuh ließe sich sehen, würdest du sie dann füttern ?"

Der Farmer überlegte. "Ja,. Prediger", sagte er schließlich, "ich glaube, das würde ich tun."

Der Prediger nahm die Herausforderung an, stand auf, sang ein paar Lieder, ließ  den Sammelteller herumgehen, predigte eine Stunde lang, verkündete den Segen, und ging mit dem Farmer nach außen.

An der Türe schüttelten sie sich die Hände, und der Farmer sagte: "Weißt du, Prediger, ich habe nochmal nachgedacht, während du gepredigt hast. Wenn ich diese Heuladung runter zur Weide bringen würde, und nur eine einzige Kuh würde auftauchen -- ja, ich würde sie wohl füttern, in Ordnung, aber ich glaube nicht, ich würde ihr die ganze Ladung geben !"  

28.09.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (13)

von: tao

Darauf legt Dschuang Dsi sehr großen Wert:

Sei achtsam und sei nicht sehr nützlich

sonst werden die Leute dich ausbeuten.

Dann werden sie anfangen, dich zu managen

und dann wirst du in Schwierigkeiten sein.

Und wenn du Dinge produzieren kannst,

werden sie dich zwingen, dein ganzes Leben lang zu produzieren.

Wenn du eine bestimmte Sache tun kannst, wenn du geschickt darin bist,

dann kannst du nicht verschwendet werden.

Er sagt, dass Nutzlosigkeit ihre eigene Nützlichkeit in sich trägt.

Wenn du nützlich für andere sein kannst,

dann mußt du für andere leben.

Bist du nutzlos, schaut niemand dich an,

niemand schenkt dir irgendeine Aufmerksamkeit,

niemand ist von deinem Da-Sein beunruhigt.

Du wirst alleine gelassen.

Auf dem Marktplatz lebst du, als wenn du im Himalaja leben würdest.

In dieser Einsamkeit wächst du. Deine ganze Energie geht nach innen.

 

27.09.2007 um 00:55 Uhr

Tao 324

von: tao

Wenn Jesus sagt: "Sorgt nicht für morgen, der morgige Tag wird für das seine sorgen", dann muss er diese Botschaft von irgendeiner taoistischen Quelle bekommen haben. Es gibt Geschichten, dass er nach Indien reiste, es gibt Geschichten, dass er sogar nach Japan reiste. Es gibt einen Platz in Japan, von dem die Leute sagen, dass er dorthin gekommen sei. Es gibt Geschichten, dass er nach Tibet reiste. Wenn er nach Japan und Tibet gereist war, muss er dort etwas kennen gelernt haben, etwas über Tao; er muss etwas mitbekommen haben. Vielleicht ging er niemals nach Japan und ging niemals nach Tibet, vielleicht war es seine eigene Erfahrung, zu der er bei seiner eigenen inneren Suche kam, aber er ist ein Taoist - Jesus kann dazugezählt werden. Er ist ein Taoist, daher konnten die Juden kein Vertrauen in ihn haben. Sie sind grundsätzlich ein gesetzesfürchtiges Volk, sie haben nach dem Gesetz gelebt: Die zehn Gebote von Moses. Und Jesus sagt: Moses hat euch das Gesetz gegeben. Ich werde euch ein anderes Gesetz geben und ein höheres Gesetz -- das Gesetz der Liebe. Aber Liebe kennt kein Gesetz -- er ist trickreich -- Liebe ist immer Gesetzlosigkeit. Aber um die Juden zu überzeugen, die gesetzestreuen Leute, sagt er: Ich werde euch das Gesetz der Liebe geben. Gesetz der Liebe ? Das ist ein Widerspruch in sich: Das Gesetz ist niemals liebevoll, Liebe ist niemals gesetzestreu -- das kann sie nicht sein. Liebe ist Freiheit, das Gesetz ist eine Bindung -- sie können niemals zusammen gehen, es ist unmöglich, sie zusammen zu tun.

Ein Mann ging gerade durch einen Friedhof, als er vor einem Grab stehenblieb. Da war ein schöner Marmorstein auf dem Grab, und er sah ihn sich an und las, und dort stand: Hier liegt ein großer Rechtsanwalt und ein großer Liebender. Er sagte: "Unmöglich ! Wie können zwei Männer in einem Grab sein ? Ein Liebhaber ? Und ein großer Rechtsanwalt ? Nicht möglich !"

Jesus hat die Liebe gebracht und er hat die Gesetzlosigkeit gebracht, darum konnten die Juden ihm nicht vergeben. Er musste bestraft werden: Er war dabei, die ganze Gesellschaft zu zerreißen. Er war gefährlich, er war wirklich gefährlich -- sehr wenige Leute sind auf der Erde geboren worden, die so gefährlich gewesen sind.  Er war dabei, die ganze Struktur zu sabotieren, als er sagte: "Gott ist LIebe"; und der Gott der Juden war niemals Liebe. Er war ein sehr zorniger Gott und ein sehr eifersüchtiger Gott, und er würde dich wegen kleiner Anlässe zerstören, wenn du dich nicht an seine Gebote halten würdest. Er warf Adam und Eva aus dem Garten Eden heraus, weil sie nicht gehorchten.

26.09.2007 um 01:22 Uhr

Tao Te King 70 (4)

von: tao

 

Ein kindliches Bewußtsein ist nötig, dann ist Lao-tse so einfach --

und keiner kommt Lao-tse gleich;

er macht keine Probleme,

er ist kein Philosoph,

kein Systeme-Macher,

er ist jemand

der zurückgefallen ist zur ursprünglichen Quelle der Unschuld,

und von da aus schaut er aufs Leben,

und er kann einfach nicht verstehen, warum du so durcheinander bist,

er kann nicht verstehen, wo das Problem liegt,

warum du ständig etwas hinterherjagst und nirgendwo ankommst !

Warum du ständig etwas zu lösen versuchst und nichts gelöst ist.

Ganz im Gegenteil,

je mehr du Dinge zu lösen versuchst

desto mehr verschlimmern sie sich,

desto mehr Verstörung,

desto mehr Spannungen, desto mehr Beklemmung,

desto mehr Besorgnis.

25.09.2007 um 01:15 Uhr

Tao 323

von: tao

Sonstige 

Lao-tse scheint absurd zu sein

denn manchmal verhält er sich wie ein weiser Mensch

und manchmal verhält er sich wie ein törichter Mensch.

Und du kannst dich nicht auf ihn verlassen, er ist nicht vorhersagbar,

niemand weiß, was er im nächsten Moment tun wird --

er lebt von Moment zu Moment.

Du kannst keine Doktrin aus ihm machen

denn er ist kein weiser Mann, er ist auch närrisch.

Diese Torheit wird dich verstören.

Er ist auch immer inkonsequent -- an der Oberfläche.

Natürlich existiert tief innen eine Beständigkeit,

eine absolute Einheitlichkeit: Er ist so konsequent

dass seine Weisheit und Torheit auch folgerichtig sind,

aber dafür wirst du tiefer in diesen Menschen hineingehen müssen.

Bloß eine oberflächliche Bekanntschaft wird nicht genügen, bloß Vertrautheit genügt auch noch nicht;

du wirst Satsang benötigen,

du wirst in einer tiefen Partizipation mit seinem Wesen sein müssen.

Nur dann wirst du imstande sein, die Totalität zu verstehen.

24.09.2007 um 00:23 Uhr

Tao 322

von: tao

 

Sei achtsam, das ist alles.

Du wirst viele Fehler begehen müssen,

aber begehe den gleichen Fehler nicht wieder, das ist alles.

Sei aufmerksam, schau hin -- und lerne !

Die Welt der Sünde

ist die Welt des Lernens.

Ohne das kann man nicht lernen.

Man muss tief in die Sünde hineingehen.

Das ist genau wie die Wurzeln eines Baumes:

Je tiefer die Wurzeln gehen, desto höher wachsen die Äste.

Ein Baum wächst in eine große Höhe,

aber das ist abhängig von, basiert auf, den Wurzeln, die tiefer und immer tiefer gehen.

Wenn du auf einen großen Heiligen stößt

dann mußt du wissen, dass er in großem Stil gesündigt haben muss.

Die Wurzeln müssen tief gehen !

Wie kann er sonst soviel kennen ?

Wenn er niemals gesündigt hat, wird er nicht unschuldig sein, sondern nur stupide.

23.09.2007 um 02:46 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (8)

von: tao

Es geschah, als Sigmund Freud noch lebte, aber schon sehr alt war,

genauer gesagt, es war in seinem letzten Lebensjahr,

da versammelte er all seine Schüler um sich --

und er hatte überall auf der Welt eine große Gefolgschaft.

Er hatte eine sehr bedeutende Schule für Psychoanalyse geschaffen,

und er wurde verehrt.

Zwanzig seiner engsten Schüler nahmen das Mittagessen mit ihm ein

Sie begannen zu erörtern, was Freud über etwas gemeint hatte

und sie vergaßen völlig, dass Freud anwesend war.

Sie waren so vertieft in die Diskussion,

widersprachen einander, argumentierten miteinander.

Eine Theorie -- zwanzig Interpretationen.

Und der Meister lebte noch, er saß am Tisch,

aber sie hatten ihn komplett vergessen !

Da hämmerte er auf den Tisch und sagte: Eine Sache bitte !

Ich bin immer noch am Leben, ihr könnt mich fragen, was ich meine.

Ich habe euch zugehört, und mir ist bewußt geworden

was ihr tun werdet, wenn ich einmal tot bin.

Ich lebe noch, und doch fragt mich niemand, was meine Meinung ist.

Und ihr habt schon zwanzig Meinungen !

Wenn ich tot bin, dann werdet ihr

zweihundert, zweitausend, zwei Millionen Meinungen haben,

und dann wird es nicht mehr möglich sein, mich zu fragen, was ich meine.

Auf diese Weise werden Sekten und Glaubensbekenntnisse geboren.

22.09.2007 um 01:35 Uhr

Tao 321

von: tao

Das einzige Wunder, das Zen-Meister Rinzai tat, war: Wenn er hungrig war, aß er und wenn er müde war, schlief er. Du wirst das für kein großes Wunder halten, aber das ist es: Es ist ein ganz tiefgründiges Phänomen. Es scheint völlig natürlich zu sein. Du kämpfst fast schon. Wenn du dich hungrig fühlst, dann ißt du nicht, weil tausend andere Dinge getan werden müssen; wenn du nicht hungrig bist, dann ißt du, denn nun ist es Essenszeit. Wenn du dich müde fühlst, dann weichst du aus, denn da läuft eine Party, die man nicht versäumen sollte, oder ein Film, der sehenswert ist, wenn du also müde bist, dann sitzt du im Kino. Wenn du dann nicht mehr müde bist, weil der Film dich zu sehr aufgewühlt hat, dann versuchst du jetzt, schlafen zu gehen, und du mußt Schlaftabletten nehmen.

21.09.2007 um 03:13 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (12)

von: tao

Osho ist das passiert, dass man einfach nicht mehr merkte, dass er da ist.

Er war eben ein nutzloser Mensch.

In den Tagen seiner Kindheit saß er einfach da

genau neben seiner Mutter.

Sie schaute dann um sich und sagte;

Ich würde gerne jemanden losschicken

damit er mir Gemüse vom Markt holt,

aber ich kann keinen sehen, den ich losschicken könnte.

Und Osho saß da, genau neben ihr !

Sie sagte: Ich kann hier niemanden sehen !

Und Osho lachte in sich hinein --

sie konnte ihn nicht zum Markt schicken,

er war so nutzlos, dass ihr gar nicht bewußt war, dass er auch da war.

Aber einmal kam seine Tante zu Besuch,

und sie wußte nichts von seiner Nutzlosigkeit.

Seine Mutter sagte wieder:

Niemand ist im Haus, der zum Markt gehen könnte.

All die Kinder sind ausgegangen und der Diener ist krank,

was kann ich also tun ? Jemand muß doch hingehen.

Also sagte seine Tante: Warum schickst du nicht den Rajneesh ?

Er sitzt doch da, und tut sowieso nichts.

Also wurde Osho geschickt.

Der bat den Standverkäufer auf dem Marktplatz:

Gib mir das beste Gemüse, das du hast,

die besten Bananen, die besten Mangos.

Der sah ihn an und hörte, wie er redete,

und muss ihn für einen Narren gehalten haben

denn niemand fragt jemals nach dem Besten.

Also verlangte er von ihm das Doppelte

und gab ihm all die vergammelten Sachen, die er hatte,

und Osho kam ganz glücklich nach Hause.

Seine Mutter warf alles weg und sagte:

Da schau ! Das ist der Grund, warum ich sage, dass niemand hier ist.

 

20.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao 320

von: tao

 

Du kannst irgendeine esoterische, okkulte Bedeutung in allem finden. Das ist immer leicht: Wenn du sonst nichts finden kannst, dann versuche immer, irgendeine esoterische, geheime Bedeutung darin zu finden -- es muss sie geben.

Der gutaussehende und gutangezogene Mann händigte dem armen Bettler einen Fünfzig-Euro-Schein aus. "Hier, mein guter Mann", sagte er, "iß dich satt und das reicht auch noch für ein oder zwei Drinks". Der Bettler betrat Tony´s Restaurant, wo er die größte Mahlzeit seines Lebens aß und dann das Ganze mit einer Flasche Wein krönte und einem großen Trinkgeld für Luigi, den Kellner. "Ah", sagte der attraktive und gutgekleidete Fremde, "das ist eine gute Welt. Jeder ist glücklich. Der arme Bettler, weil er nicht mehr hungrig ist, Tony, weil er ein gutes Geschäft gemacht hat, der Kellner, weil er ein hübsches Trinkgeld bekommen hat. Und ich ?...Ich bin auch glücklich, denn der Schein war falsch."

Also mache jeden glücklich. Kreiere ein paar Fiktionen, ein paar gefälschte Scheine; mache jeden glücklich. Die Welt ist wirklich schön.

 

19.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 18 (3)

von: tao

Wenn das Streben nach Glück sehr stark ist, dann nimmt das Unglücklichsein im gleichen Ausmaß zu. Das Leben besteht aus Dualität; und zwischen den Gegensätzen besteht eine spezielle Balance. Zum Verstehen dieses Kapitels wäre es besser, diesen Dualismus und dieses Gleichgewicht zu verstehen. Zwischen den beiden besteht ein Gegensatz und eine Einheit. Wo es eine offene Opposition gibt, besteht aber auf der anderen Seite auch eine Verbindung, ein Zusammenhang. Wo Feindschaft eine Tatsache ist, ist diese Feindseligkeit sehr oberflächlich. Tief innen hängen die Feinde gegenseitig voneinander ab, es besteht eine Interdependenz. Wir stellen fest, wenn einige Leute reicher werden, werden einige andere ausnahmslos ärmer. Dann kritisieren wir die Reichen und sind gegen sie. Wenn wir beginnen, die Wahrheiten des Lebens zu verstehen, werden wir herausfinden, dass nicht nur im Falle von Reichtum dies so ist. George Gurdjieff dachte, dass Wissen auch begrenzt ist. Er war eine der weisesten Personen des letzten Jahrhunderts. "Das Wissen ist auch beschränkt", sagte er. Deswegen, wenn eine Person das höchste Bewußtsein erreicht, erleidet eine andere die äußerste Verarmung des Bewußtseins. Das ist aber nicht wegen der Begrenzung des Bewußtseins, sondern weil es notwendig ist, ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Ansonsten würden alle Arrangements des Lebens drunter und drüber sein, sie wären völlig durcheinander. Das ist der Grund, warum wir eine einzigartige Tatsache in der Geschichte der Menschheit bemerken. So wie das Streben nach Integrität und Tugend zunimmt, entwickelt sich auch das Böse im gleichen Ausmaß. Lao-tse sagt, dass es in der Natur jedoch einen Zustand gibt, in dem wir die Gegensätze überhaupt nicht zur Kenntnis nehmen. Das ist der höchste Zustand. Er nennt ihn Tao. Tao ist der Zustand der eigenen Natur, wo wir uns weder des Guten noch des Bösen bewußt sind. Wenn wir nicht einmal wissen, was es heißt, gut zu sein und was es ausmacht, schlecht zu sein, ist dies die höchste beschauliche Gelassenheit. Sobald wie wir wissen, was Rechtschaffenheit ist, heißt das, wir haben auch Wissen von dem, was keine Rechtschaffenheit mehr ist. Daher kommt eine sehr interessante Tatsache ans Tageslicht: Der rechtschaffene Mensch ist voll informiert über fehlende Rechtschaffenheit, die nicht einmal dem tugendlosen Menschen bekannt ist. Ein guter Mensch kennt das Böse in seinem winzigsten Detail. Wenn ein Mensch gesundheitsbewußt wird, heißt das, er ist krank geworden. Je mehr Wissen ein Mensch über Gesundheit hat, desto kränker ist er. Wer sich seiner Gesundheit ständig bewußt ist, kann keine gesunde Person sein. Das ist dann eine sehr tiefgehende Krankheit. Lao-tse sagt: Der Niedergang des Tao begann mit dem Niedergang der Natur. "Nach dem Niedergang des großen Tao entstanden die Doktrinen von Menschlichkeit und Gerechtigkeit." Lao-tse sagt: Als der Mensch kein Mensch mehr war, entstanden die Lehrsätze von Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Wir denken, dass das Umgekehrte der Fall sei. Wir glauben, wir werden menschlich werden, wenn wir den Doktrinen von Menschlichkeit und Gerechtigkeit gehorchen. Lao-tse sagt: Diese Doktrinen tauchten nur auf, als der Mensch kein Mensch mehr war. Dann erst begannen wir, die Menschen zu ermahnen, menschlich zu sein.

18.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao 319

von: tao

Das Denken ist genau wie ein Kind. Hast du schon gesehen, wie ein Kind das tut ?
Wenn es hinfällt, dann schaut es zuerst nach seiner Mutter,
es schaut erst, ob sie irgendwo in der Nähe ist. Wenn sie es ist, dann weint es.
Wenn sie es nicht ist, was hat es dann für einen Sinn ?
Dann steht es einfach auf
und fängt wieder zu spielen an, weil es nichts bringt.
Niemand schenkt ihm gerade irgendeine Aufmerksamkeit,
niemand wird sich darum kümmern, solange die Mutter nicht da ist.
Und manchmal kommt es vor, dass es, wenn nach einer halben Stunde
die Mutter auftaucht, noch zu weinen beginnt.
Jetzt ist es eigentlich absurd, aber in gewisser Weise doch logisch.
Denn was hat das Weinen für einen Sinn, wenn die Mutter nicht da ist ?
Sogar, wenn du dich verletzt hast, ist es sinnlos.
Wenn die Mutter kommt, ist zwar der Schmerz schon verflogen,
aber es ist doch sinnvoll. jetzt zu weinen und zu schluchzen, wegen einer Verletzung, die nicht mehr da ist, denn von der Mutter kann es erwarten, dass es ihm Aufmerksamkeit schenkt !

  

17.09.2007 um 00:00 Uhr

Quellender Urgrund 4/8 (6)

von: tao

 

Fröhlich

 Ein ganzes Jahr hielt das an: Osho lag einfach auf dem Boden und schaute an die Decke und zählte von ein bis einhundert und dann zurück von einhundert bis eins. Es war schon eine Leistung, noch zählen zu können. Immer wieder vergaß er es. Es dauerte ein Jahr, bis er sich wieder konzentrieren konnte, bis er eine Perspektive hatte.

Es geschah. Es war ein Wunder. Aber es war schwierig. Es gab niemanden, der ihn unterstützte, da war niemand, der ihm sagte, wohin er gerade ginge und was sich da abspielte. Tatsächlich war jeder dagegen -- seine Lehrer, seine Freunde, alle, die nur gut mit ihm meinten. Alle waren dagegen. Aber sie konnten nichts machen, sie konnten es nur verdammen, sie konnten nur fragen, was er da täte.

Dabei tat Osho gar nichts ! Es war schon über ihn hinausgegangen; es passierte einfach. Er hatte etwas getan, ohne es zu wissen, hatte er an die Türe geklopft, nun hatte sich das Tor geöffnet. Osho hatte viele Jahre lang meditiert, war bloß still dagesessen, ohne irgendetwas zu tun, und nach und nach fing es an, dass er in diesen Raum hineinkam, in diesen Herzraum, wo du bist und du gar nichts tust, du bist einfach da, eine Präsenz, ein Zuschauer.

Du bist nicht einmal ein Beobachter, weil du nicht zuschaust -- du bist bloß eine Gegenwart. Die Worte sind nicht adäquat dafür, denn welches Wort auch immer benutzt wird, es gibt den Anschein, als wenn es getan würde. Nein, Osho tat es nicht. Er lag einfach da, saß, ging -- tief innen war da kein Tuender. Er hatte allen Ehrgeiz verloren; da war kein Verlangen mehr, irgendjemand zu sein, keine Sehnsucht, irgendwohin zu kommen -- nicht einmal der Wunsch nach Gott, nicht einmal nach Nirwana. Die Buddha-Krankheit war komplett verschwunden. Osho wurde einfach auf sich selbst geworfen.

Aber wenn du einen Meister hast, sind solche Dinge einfach. Er kann deine Hand halten, wenn du dabei bist, alle Spur von deinem Wesen zu verlieren. Er kann dein Rückhalt wreden. Wenn du deinen Meister liebst, wird diese Liebe das letzte Bindeglied sein. Jede andere Verbindung verschwindet, aber dieser Anknüpfungspunkt bleibt. Der verschwindet nur, wenn du deine eigene Perspektive, deine eigene Klarheit erlangt hast, Das ist genau wie eine Nabelschnur. Das Kind lebt durch die Mutter im Mutterschoß neun Monate lang und wenn du die Nabelschnur zerschneidest, wird es sterben. Er lebt dadurch. Das ist die einzige Verbindung.

In genau der gleichen Weise entsteht, wenn du den Meister liebst, eine subtile Silberschnur zwischen dir und dem Meister -- ein ganz unsichtbares Phänomen für andere, aber sehr sichtbar für den Schüler. Er kann sie fast berühren. Du wirst mit deinem Meister verbunden von deinem Nabel her. Der Meister ist deine Mutter, der Meister ist dein Mutterschoß. Und diese Nabelschnur, diese unsichtbare Silberschnur, bleibt nährend für dich, bis du bereit bist und die Schwangerschaft herangereift ist, bis du bereit bist, wiedergeboren zu werden und bis du eigenständig atmen kannst.

16.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 56 (9)

von: tao

 

Bodhidharma ging nach China

vor vielen Jahrhunderten,

auf der Suche nach einem Schüler.

Er trug etwas in sich

und seine Tage waren gezählt;

bald würde er aus seinem Körper verschwinden müssen.

Und er suchte nach jemandem

mit dem Kommunion, Gemeinschaft, möglich sein würde.

Indien war voll von großen Gelehrten,

aber er mußte nach China gehen

um jemanden zu finden

der die Sprache des Herzens verstehen konnte,

die Sprache des Schweigens --

die überhaupt keine Sprache ist.

Er wartete neun Jahre lang.

Dann kam sein Schüler.

Niemand weiß

was zwischen diesen zwei Leuten geschah,

niemand kann es wissen !

Aber es passierte ein Transfer, eine Übertragung.

Bodhidharma gab alles, was er hatte, an Hui-neng weiter.

Die Tradition des Zen war geboren worden.

 

15.09.2007 um 01:02 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (11)

von: tao

 

Lao-tse, Dschuang Dsi oder Liä Dsi

sind keine Philosophen, wie Hegel und Kant.

Wenn du Hegel liest, muss die Bedeutung entdeckt werden.

Das ist sehr mühsam, als ob Hegel alles dafür tut

um es für dich so schwierig wie möglich zu machen,

indem er Worte um Worte herumwebt,

indem er alles rätselhaft macht.

Wenn du also zum ersten Mal auf Hegel triffst

wird er erhaben auf dich wirken, ein sehr hoher Gipfel,

aber je mehr du dich einliest und je mehr du verstehst,

desto weniger wird er in deinen Augen.

An dem Tag, an dem du ihn verstehst, ist er einfach bloß nutzlos.

Der ganze Trick besteht darin, dass du ihn nicht verstehen kannst,

darum beschleicht dich das Gefühl, dass er großartig ist.

14.09.2007 um 02:49 Uhr

Tao 318

von: tao

 

Es ist schon nötig,

dass du dich gewaltig anstrengst !

Du kannst die Suche nicht schon jetzt aufgeben, wie kannst du sie aufgeben,

wenn du es noch nicht bekommen hast ?

Suche intensiv.

Streng dich nur an, so sehr, wie du kannst,

gib deine totale Energie da hinein,

auch wenn das nicht heißt, dass du dadurch ankommen wirst.

Doch ohne das wirst du niemals ankommen, dadurch ist keiner jemals angekommen.

Du wirst da hindurchgehen müssen.

Geh hinein,

und dann kommt ein Moment, wenn du herauskommst

befreit von allem Suchen und Fragen.

Plötzlich wendest du dich nach innen,

denn das Suchen ist immer im Außen:

Wenn du suchst, dann schaust du dich immer irgendwo anders um,

wenn du suchst, dann rennst du überall im Raum herum,

wenn du suchst, gehst du in alle Richtungen --

und da ist in dir

etwas, das jenseits aller Richtungen ist.

Du kannst es die elfte Richtung nennen.

13.09.2007 um 03:08 Uhr

Tao 317

von: tao

 

Wenn der Abstand nicht mehr da ist

-- und er ist ja eigentlich gar nicht da --

dann ist der Sucher das Gesuchte.

Wenn das realisiert wird...

und das verwirklicht sich nach viel Suche, denk daran --

gib die Suche nicht auf, das ist nicht damit gemeint --

nach vielen Fehlschlägen wird dies erkannt,

wenn alle Hoffnung verloren ist.

Dies wird nur verstanden

wenn du auf allen möglichen Wegen gesucht hast,

wenn du alles getan hast, was du konntest,

kein Stein ist geblieben, den du nicht umgedreht hättest,

nicht einmal eine einzige Ecke ist geblieben, in der du nicht gesucht hättest,

du hast alles getan, was getan werden kann,

nichts bleibt übrig --

dann sitzt du einfach da;

die Suche fällt von dir ab;

keine Hoffnung,

keine Möglichkeit

jemals noch dieses Ziel zu erreichen;

in einem Moment absoluter Frustration

gibst du die Suche auf -- auf diese Weise ist es Buddha passiert,

so ist es Osho passiert,

auf diese Weise geschieht es immer.

12.09.2007 um 03:49 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (8)

von: tao

Dschuang Dsi sagt:

Es ist besser, nichts anzufangen

denn hast du erst einmal etwas gestartet, muss es komplettiert werden.

Verstehe, und begib dich nicht in einen Teufelskreis.

Das ist der Grund, warum Dschuang Dsi ein seltenes Erblühen darstellt,

seltener als ein Buddha oder ein Jesus.

Denn er kam an, einfach dadurch, dass er verstand.

Da ist keine Methode, keine Meditation für Dschuang Dsi.

Er sagt: Verstehe einfach die Faktizität dessen, was ist.

Du bist geboren worden. Welche Anstrengung hast du gemacht, damit du geboren wurdest ?

Du wächst. Welche Anstrengung hast du unternommen, damit du wächst ?

Du atmest. Welche Anstrengung hast du gemacht, damit du atmest ?

Alles bewegt sich ganz von selbst, warum sich also Sorgen machen ?

Lass das Leben ganz von selbst fließen, dann wirst du loslassen können, dich fließen lassen können.

11.09.2007 um 02:53 Uhr

Tao 316

von: tao

Es war einmal:

Ein Mann kam zu Mulla Nasruddin und sagte; "Nasruddin, hast du schon gehört ? Der größte Gelehrte der Stadt ist gestorben und zwanzig Euro sind nötig, ihn zu begraben."

Mulla gab ihm einen Hundert-Euro-Schein und sagte: "Nimm ihn, und wenn du schon dabei bist, warum nicht gleich fünf davon begraben ? Bedenke, diese Gelehrten sind sehr berechnende und schlaue Leute -- begrabe sie so tief wie möglich, sonst werden sie zurückkommen. Und wenn du noch mehr Geld brauchst, komm zu mir, geniere dich nur nicht !"

Gelehrte oder Gelehrsamkeit verdienen keinerlei Respekt. Das ist alles große Scheiße.

Ein paar Zeilen aus einem schönen Gedicht von E.Y.Harburg sind von großer Bedeutung. Es lohnt sich, darüber zu meditieren.

Gedichte sind gemacht von Narren wie mir,

Aber nur Gott kann einen Baum machen;

Und nur Gott, der den Baum macht

Macht auch Narren wie mich.

Aber siehst du, nur Narren wie ich

Können einen Gott machen, der einen Baum macht.

Fröhlich