Taoistische Reflektionen

10.09.2007 um 02:17 Uhr

Tao Te King 67 (6)

von: tao

Ein Mensch, der auch nur bis zu einem Schimmer der Liebe gekommen ist

wird so liebevoll sein, es wird sehr schwierig für ihn sein, destruktiv zu sein.

Aber alle Nationen benötigen destruktive Leute

die innerlich vor Destruktivität kochen,

die in gewisser Weise geisteskrank sind;

was würde sonst mit den Armeen der Welt passieren ?

Eine bestimmte Geisteskrankheit ist nötig, damit ein Mensch ein Soldat wird.

Wenn das Leben schön ist

und es Liebe regnet

wer kümmert sich darum, in den Krieg zu ziehen ?

Und wer möchte dann ein Soldat werden ?

Du bist nicht hier, um zu zerstören

sondern um zu erfüllen.

Also versucht jede Kultur, jede Religion, jede Nation,

ohne irgendeine Ausnahme

deine Sexualität zu pervertieren,

sie gestatten dir nicht, dich zu genießen.

Sie erlauben dir nicht, natürlich zu sein.

Bist du erst einmal natürlich

dann bist du jenseits ihrer Kontrolle.

Du kannst nur kontrolliert werden, wenn du krank bist.

 

09.09.2007 um 22:16 Uhr

Tao Te King 1 (20)

von: tao

Über Tao kann etwas gesagt werden, aber Tao kann nicht gesagt werden;

über Liebe kann etwas gesagt werden, aber Liebe kann nicht gesagt werden;

dieses "etwas" bleibt relativ.

Es bleibt abhängig vom Zuhörer und seinem Verständnis,

seinem intellektuellen Fassungsvermögen, seiner Ausbildung, seinem Verlangen nach Verstehen.

Es hängt auch vom Meister ab, es steht auch im Verhältnis zu ihm:

Seiner Ausdrucksweise, seinen Kommunikationshilfen.

Aber es bleibt relativ -- relativ bezüglich vieler Dinge,

es kann niemals die absolute Erfahrung werden.

Das ist der erste Grund dafür, dass Wahrheit nicht ausgedrückt werden kann.

Der zweite Grund dafür, dass Wahrheit nicht ausgedrückt werden kann

ist, weil es eine Erfahrung ist.

Keine Erfahrung kann kommuniziert werden ... von der Wahrheit ganz zu schweigen.

Wenn du niemals Liebe kennengelernt hast,

dann wirst du, wenn jemand etwas über Liebe sagt, das Wort hören

aber du wirst die Bedeutung verfehlen.

08.09.2007 um 01:39 Uhr

Tao 315

von: tao

 In seiner Lebensgeschichte erzählt ein christlicher Missionar, dass er neu in eine östliche Stadt gekommen war. Der Bungalow und die Kirche waren außerhalb der Stadt. Da waren nur zwei Bungalows; er belegte den einen -- und vom allerersten Tag an, von dem Morgen an, wo er sich umschaute, bloß um sich mit der Umgebung und mit dem Platz vertraut zu machen, begann er sich für den anderen benachbarten Bungalow zu interessieren. Er sah schön aus. Die Bäume waren sehr grün, und da waren viele Blumen. Er ging darum herum, er wollte wissen, wem der Bungalow gehörte, und er wollte Bekanntschaft schließen, sich vorstellen, aber er fand dort niemanden vor. Er zügelte seine Neugier, aber mit jedem Tag wurde seine Neugier immer stärker. Eines Tages konnte er sich nicht mehr zurückhalten -- es muss wohl dann gewesen sein, als er schon einen Monat dort gewesen war -- er betrat den Garten, ging zur Haustüre, aber sie war abgeschlossen. Er ging um das Haus herum, er konnte kein Anzeichen dafür entdecken, dass jemand da war, es war absolut leer und still. Er machte sich nun ein wenig Sorgen -- was war da los ? Dann verließ er das Grundstück wieder. Am Gartentor fiel ihm etwas auf, das ihm bisher entgangen war, genau an dem Tor befand sich eine kleine Notiz: "Schlüssel nächste Tür". Aber er war erstaunt, denn die nächste Türe war doch sein eigenes Zuhause ! Es gab kein anderes Haus, nur die zwei Häuser.

Er kam zurück, er erkundigte sich bei seiner Frau und die sagte: "Ja, der Schlüssel ist hier, warum hast du mich nicht gefragt ? Am Tag unserer Ankunft kam jemand vorbei und sagte: Nehmen Sie diesen Schlüssel. Ich verreise für ein paar Monate. Ich werde bald zurückkommen, aber ein Sohn ist in den Krieg gezogen und er kehrt vielleicht inzwischen zurück, und vielleicht möchte er sich ein paar Tage lang hier aufhalten und erholen, also bitte bewahren Sie diesen Schlüssel auf." Der Schlüssel war in dem Haus.

Der Missionar begann zu lachen. Er sagte. "Das war ja ein Witz ! Seit einem Monat hat mich das Haus verfolgt wie sonst nichts, und ich wollte dorthin gehen, aber ich beherrschte mich -- das ist doch nicht in Ordnung, einfach dort einzutreten, sich einzumischen, Hausfriedensbruch zu begehen; aber gerade heute konnte ich meine Neugier nicht mehr zurückhalten, ich sagte zu mir: In Ordnung, ich muss hingehen und nachschauen, was da los ist. Und dabei ist der Schlüssel immer schon hier im Haus gewesen ! 

Der Schlüssel ist bei dir. Der Schatz ist in dir. Du hast beides vergessen. Wenn die Energie nach innen zurückkehrt -- das ist der Schlüssel. Die Energie, die sich wieder nach innen wendet, ist der Schlüssel, sie öffnet die Türe -- und plötzlich ist er da, der Schatz aller Schätze.

07.09.2007 um 00:53 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (7)

von: tao

Beschäftigt


Wenn du dich selbst nicht kennst, wie können dich dann die anderen kennen ? Sie sind sehr weit weg. Du bist die Person, die dir am nächsten ist, um dich kennenzulernen. Wenn du deine Realität nicht kennst, wie können sie andere kennen ? Aber weil uns Selbsterkenntnis fehlt, brauchen wir einen Ersatz: Das Ego ist das Surrogat und das Ego stellt sich ständig zur Schau. Du bist wie ein Schaufenster in einer Einkaufszone. Du bist eine Handelsware geworden, du hast dich selbst zu einem Handelsgut gemacht, das ausliegt, immer ausgestellt ist, immer darum bettelt, dass jemand sagt: Du bist gut, schön, du bist heilig, du bist großartig, außerordentlich. Der Taoismus ist dagegen, denn der Taoismus sagt: So vergeudest du dein Leben. Die gleiche Energie kann direkt zu deinem Wesen fließen und wenn das Sein enthüllt ist, ist es außerordentlich. Ein Mensch, der auf der  Suche nach Selbsterkenntnis ist, wird also gewöhnlich bleiben in den Augen der anderen. Er wird sich nicht darum kümmern, er wird sich verbergen, er wird sich nicht zur Schau stellen. Er wird keine Ausstellung aus sich machen, er wird kein Bühnenkünstler sein. Er wird still bleiben, still leben, still das Leben genießen. Er hätte es gerne, wenn sich niemand um ihn kümmert, denn immer wenn sich jemand um dich kümmert, an dich denkt, wird es schwierig werden und komplex -- die Selbsterkenntnis wird immer schwieriger. Du mußt dort alleine hingehen, und wenn du auf die Masse schaust, und wenn du denkst, dass die Menge dir folgen sollte, wirst du es niemals erreichen. Wenn du ein Exhibitionist bist, dann wirst du ein Konsumartikel bleiben, ein Ding. Du kannst niemals eine Person werden, denn "Person" ist tief verborgen in den Falten des Wesens. Das ist die tiefste Möglichkeit in der ganzen Existenz. Du bist der größte Abgrund. Niemand sonst kann mit dir dort hingehen. Du wirst alleine gehen müssen. Und wenn du zu sehr mit anderen beschäftigt bist, mit dem, was sie sagen, was sie denken, wirst du an der Peripherie bleiben. Das ist die eine Sache.

Die zweite Sache ist: Bloß um dich vorzeigen zu können, verbirgst du, was auch immer häßlich ist. Mit Kleidern, mit Worten, mit Gesten, mit Masken, mit Aktionen, versuchst du zu verstecken, was auch immer häßlich und falsch ist. Was tust du damit ? Dieses Falsche wird in dir zur Saat werden und es wird wachsen. Und je mehr du es nach innen drückst, desto mehr wirfst du es hin zur Quelle aller Energie; es wird dadurch gestärkt werden. Und das Schöne, das wirfst du nach außen -- das wird niemals zur Saat werden. Tu genau das Gegenteil. Wenn du etwas Häßliches hast, zeige es den anderen: Es wird verstreut. Wenn du ein ärgerlicher Mensch bist, erzähle es jedem: Ich bin ein wütender Mensch, liebe mich nicht, sei mir kein Freund. Ich bin ein sehr schlechter Mensch. Ich bin häßlich, ich bin unmoralisch, ich bin gierig, ich bin auf Sex aus. Sage, was auch immer häßlich an dir ist, und sage es nicht nur, sondern agiere es authentisch aus. Und du wirst erstaunt sein, dass immer, wenn etwas hinausgeworfen wird, es sich dann auflöst und zerstreut. Und verberge das Schöne; lass es tiefer gehen, so dass es Wurzeln fassen kann in deinem Wesen, und dann wird es wachsen. Aber du hast immer ganz genau das Gegenteil getan.

 

06.09.2007 um 02:28 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (17)

von: tao

Dies tust du dein ganzes Leben lang: Ein Fragment nimmt dich gefangen. Viele Leute sagen: "Zu Beginn, als ich diese Frau heiratete, war alles sehr schön. Aber innerhalb von Tagen ging alles verloren. Nun ist alles häßlich geworden, jetzt ist es eine einzige Misere."

Da gab es einmal einen Autounfall. Der Wagen überschlug sich in einem Straßengraben. Der Mann lag am Boden, schwer verletzt, und war kaum mehr bei Besinnung. Ein Polizist kam zum Unfallort und begann in seinem Protokoll die Formalitäten auszufüllen. Er fragte den Mann: "Sind Sie verheiratet ?" Der Mann sagte: "Ich bin nicht verheiratet. Das ist das größte Schlamassel, in das ich bis jetzt jemals geraten bin."

Man sagt, diejenigen, die Bescheid wissen, werden niemals heiraten. Aber wie kannst du wissen, was in einer Heirat abgeht, ohne verheiratet zu sein ? Du siehst auf eine Person, auf ein Fragment, und manchmal wird das Bruchstück sehr töricht aussehen, wenn du am Ende darüber nachdenkst. Die Farbe der Augen -- welche Torheit ! Wie kann dein Leben von deiner Augenfarbe abhängen oder von der Farbe der Augen von jemand anderem ? Wie kann dein Leben schön sein, bloß wegen der Farbe der Augen ? -- Ein kleines Pigment, drei oder vier Cent wert. Aber du wirst romantisch. Oh, die Augen, die Farbe der Augen. Dann geht es mit dir durch und du denkst: "Wenn ich nicht mit dieser Frau verheiratet sein kann, ist das Leben verloren. Ich werde Selbstmord begehen." Aber du siehst nicht, was du da tust. Man kann nicht für immer von der Farbe der Augen leben. Innerhalb von zwei Tagen wirst du dich an diese Augen gewöhnt haben und du wirst sie vergessen. Dann liegt das ganze Leben immer noch vor dir, seine Totalität. Dann beginnt das Unglück. Bevor die Flitterwochen zu Ende sind, beginnt die Misere; die ganze Person wurde niemals berücksichtigt -- das Denken kann nicht das Ganze sehen. Es schaut bloß auf die Oberfläche, auf die Figur, das Gesicht, das Haar, die Augenfarbe, die Art und Weise, wie die Frau geht, wie sie redet, der Klang ihrer Stimme. Das sind die Teile, aber wo ist die ganze Person ?

Das Denken kann das Ganze nicht sehen. Das Denken schaut auf die Fragmente, und an den Fragmenten bleibt es hängen. Hat es sich erst einmal fixiert, kommt die Ganzheit dazu -- das Ganze ist nicht weit weg. Die Augen existieren nicht als separate Phänomene, sie sind Teil einer ganzen Person. Wenn du den Augen an die Angel gehst, bist du der ganzen Person auf den Leim gegangen. Und wenn diese Ganzheit auftaucht, wird alles häßlich.

Wer ist also verantwortlich ? Du hättest die Ganzheit berücksichtigen sollen. Aber wenn es noch Morgen ist, schaut das Denken auf den Morgen und vergißt völlig den Abend. Bedenke wohl -- in jedem Morgen ist der Abend verborgen. Der Morgen wandelt sich ständig in den Abend und man kann gar nichts machen, du kannst dies nicht aufhalten.

05.09.2007 um 16:37 Uhr

Tao Te King 22 (11)

von: tao

Ein Sannyasin namens Dandani existierte zur Zeit des Alexander, in den Tagen, als Alexander in Indien war. Seine Freunde hatten Alexander erzählt, als er gen Indien aufbrach, dass er einen Sannyasin mitbringen solle, wenn er zurückkäme, denn diese seltene Blume würde nur in Indien blühen. Sie sagten: Bring uns einen Sannyasin mit. Du wirst viele Dinge mitbringen, aber vergiß nicht, einen Sannyasin mitzubringen; wir würden gerne das Phänomen von Sannyas sehen, was es ist, was genau ein Sannyasin ist. Er war so beschäftigt mit Krieg, mit Kämpfen und Abschlachten, dass er fast darauf vergaß, aber als er umkehrte, auf dem Rückzug, schon an der indischen Grenze, erinnerte er sich plötzlich daran. Er war gerade dabei, das letzte indische Dorf zu verlassen, also befahl er seinen Soldaten, in das Dorf zu gehen und nachzufragen, ob sich irgendwo in der Umgebung ein Sannyasin aufhalten würde. Zufällig hielt sich gerade Dandani in dem Dorf auf, am Flußufer, und die Leute sagten: Ihr habt zur rechten Zeit gefragt, und ihr seid zur rechten Zeit gekommen. Es gibt viele Sannyasins, aber ein wirklicher Sannyasin ist immer selten, doch hier ist nun einer. Ihr könnt Darshan haben, ihr könnt zu ihm gehen und ihm einen Besuch abstatten. Alexander lachte. Er sagte: Ich bin nicht hier, um Darshan zu bekommen, meine Soldaten werden hingehen und ihn herholen. Ich werde ihn mit zurück in meine Hauptstadt nehmen, in mein Land. Die Dorfbewohner sagten: Das wird nicht so leicht sein. Alexander konnte das nicht glauben -- was könnte es für eine Schwierigkeit geben ? Er hatte Herrscher bezwungen, große Könige, was sollte es da für Schwierigkeiten geben mit einem Bettler, mit einem Sannyasin ? Seine Soldaten zogen los, um sich diesen Dandani anzuschauen, der da nackt am Ufer des Flusses stand. Sie sagten: Der große Alexander lädt dich ein, ihn in sein Land zu begleiten. Für jeden Komfort wird gesorgt werden, was du auch immer benötigst, wird dir geliefert werden. Du wirst ein Gast des Königs sein. Der nackte Fakir lachte und sagte: Geht und sagt eurem Herrn, dass ein Mensch, der sich selbst groß nennt, nicht groß sein kann. Und niemand kann mich irgendwohin nehmen -- ein Sannyasin zieht umher wie eine Wolke, in totaler Freiheit. Ich lasse mich von niemandem versklaven. Sie sagten: Du mußt doch schon von Alexander gehört haben, er ist ein gefährlicher Mann. Wenn du nein zu ihm sagst, wird er nicht auf dich hören, er wird dir einfach deinen Kopf abschlagen. Der Sannyasin sagte: Bringt besser euren Meister hierher, vielleicht kann er verstehen, was ich sage. Alexander mußte hingehen, denn die Soldaten, die zurückgekehrt waren, sagten: Er ist ein eigenartiger Mensch, strahlend, da ist etwas uns Unbekanntes um ihn herum. Er ist nackt, aber in seiner Gegenwart hast du nicht das Gefühl, dass er nackt ist -- erst später erinnert man sich wieder daran. Er ist so machtvoll, dass du in seiner Präsenz einfach die ganze Welt vergißt. Er ist magnetisch, und eine große Stille umgibt ihn, und das ganze Areal um ihn herum fühlt sich so an, als wenn es diesen Menschen genießen würde. Er ist sehenswert, aber auf ihn scheinen Probleme zuzukommen, denn der arme Mann sagt, dass ihn niemand irgendwohin nehmen könnte, dass er von Niemandem der Sklave ist. Alexander kam, ihn zu sehen, mit einem gezückten Schwert in seiner Hand. Der Sannyasin lachte und sagte: Steck dein Schwert wieder ein, es ist nutzlos hier. Schiebe es zurück in die Scheide, es ist nutzlos hier, denn du kannst nur meinen Körper zerschneiden, und den habe schon seit langem verlassen. Dein Schwert kann mich nicht treffen, also steck es zurück, sei nicht kindisch. Und man sagt, dass dies das erste Mal war, dass Alexander dem Befehl von jemand anderem folgte; nur allein wegen der Präsenz dieses Menschen konnte er sich nicht daran erinnern, wer er war. Er steckte sein Schwert zurück in die Scheide und sagte: Ich bin noch nie solch einem schönen Mann begegnet. Und als er wieder zurück daheim war, sagte er: Es ist schwierig, einen Menschen zu töten, der bereit zum Sterben ist, es ist sinnlos, ihn zu töten. Du kannst eine Person töten, die kämpft, dann hat das Töten einen gewissen Sinn, aber du kannst keinen Menschen töten, der bereit ist und der dir dann noch sagt: Hier ist mein Kopf, du kannst ihn abschlagen. Und Dandani hatte tatsächlich gesagt: Dies ist mein Kopf, du kannst ihn abschlagen Wenn der Kopf fällt, wirst du ihn in den Sand fallen sehen und ich werde ihn auch in den Sand fallen sehen, denn ich bin nicht mein Körper. Ich bin ein Zuschauer. Alexander mußte seinen Freunden berichten: Es gab Sannyasins, die ich hätte mitbringen können, aber das waren keine Sannyasins. Dann stieß ich auf einen Mann, der wirklic etwas Seltenes verkörperte, und ihr hattet es richtig gehört, damals, diese Blume ist selten, aber niemand kann ihn zwingen, denn er hat keine Angst vor dem Tod. Wenn eine Person keine Angst mehr vor dem Tod hat, wie kannst du ihn dann dazu zwingen, irgendetwas zu tun ?

04.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao 314

von: tao

Es gibt zwei Wege, aus der eigenen Situation der Halbheit und des Zersplittertseins herauszukommen: Komplett die Kontrolle zu verlieren oder völlig die Kontrolle zu haben. Es gibt zwei Pfade.
Der eine ist tiefgehendes Involviertsein, so tief, dass nichts zurückbleibt.

Zum Beispiel Sufis in ihren Derwischtänzen

sie engagieren sich ganz und gar; sie gehen darin auf, sind ganz weg.

Dann ist da noch eine andere Dimension, die der Bewußtheit.

Zen-Leute bleiben achtsam und bewußt:

Sie holen Wasser vom Brunnen, schlagen Holz im Wald,

essen, sitzen, gehen spazieren, gehen schlafen, machen ihre Betten --

was auch immer sie tun, sie bleiben ganz achtsam.

Das sind zwei Wege.

Werde entweder komplett bewußt

so dass, was auch immer geschieht, ganz objektiv wird,

du bist total davon abgeschnitten, du wirst ein Zeuge.

Oder du bist komplett beteiligt, so dass es überhaupt keinen Zuschauer gibt,

du bist zu dem geworden, was auch immer gerade geschieht -

wenn du tanzt, dann wirst du der Tanz,

da ist kein Beobachter mehr.

Beides führt zu dem gleichen, denn tief innen

ist das, worum es wirklich geht, nicht, ob du ganz darin aufgehst oder ob du wach bleibst.

Worum es wirklich geht, ist, total zu sein -- total weg oder total da und bewußt.

In beiden Fällen erfüllst du die Bedingung des Total-Seins.

Also denke nicht, dass das Gegensätze sind. 

03.09.2007 um 00:00 Uhr

Tao 313

von: tao

Sonstige 

Wenn du das Leben verstehst,

wirst du, je tiefer du gehst, umso tiefer verstehen,

dass das Ganze wünschenswert ist.

Das bedeutet, dass es nicht nötig ist, sich zu entscheiden.

Die Auswahl wird die Ganzheit zerschneiden

und was du auch immer bekommst, wird fragmentarisch und tot sein.

Weisheit und Torheit gehen im Leben Hand in Hand; wenn du sie zertrennst

dann wird die Weisheit separat sein und die Torheit wird getrennt sein,

aber beide werden tot sein.

Die größte Kunst des Lebens

ist, sie zusammen so ausbalanciert wachsen zu lassen

dass deine Weisheit eine gewisse Qualität von Torheit in sich trägt,

und deine Torheit eine bestimmte Eigenschaft der Weisheit beinhaltet.

Dann bist du total.

Das ist der Grund, warum nur selten Sucher zu Lao-tse gehen werden.

02.09.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (7)

von: tao

Fröhlich 

Einmal geschah es

eines Morgens um drei Uhr

dass Mulla Nasrudin den Barkeeper anrief und sagte:

Um wieviel Uhr wird die Bar geöffnet werden ?

Der Barkeeper sagte: Das ist doch keine Zeit, um nach so etwas  zu fragen.

Du bist ein Stammkunde, Nasrudin,

und du weißt doch, dass wir nicht vor neun Uhr am Morgen aufmachen;

geh wieder schlafen und warte bis neun Uhr.

Aber zehn Minuten später rief er wieder an und sagte;

Das ist dringend. Sag mir, wann die Bar geöffnet werden wird.

Nun war der Barkeeper richtig sauer. Er sagte:

Was denkst du dir eigentlich dabei ?

Ich sagte dir doch, Punkt neun, keine Minute früher.

Und ruf mich nicht laufend an.

Aber zehn Minuten später rief er schon wieder an.

Der Barkeeper sagte: Bist du verrückt geworden ?

Du wirst bis neun Uhr warten müssen.

Nasrudin sagte: Du verstehst das nicht.

Ich bin in der Kneipe eingesperrt und ich möchte hinauskommen !

 

01.09.2007 um 02:41 Uhr

Tao 312

von: tao

Fröhlich 

Was du als Intellekt kennst, ist nur ein Teil. Wenn wir unser Denken in Teile aufteilen, dann versteht ein Teil, wohingegen neun Teile in der Dunkelheit sind. Alle Konfusionen des Lebens und der ganze Aufruhr kommt von der Dunkelheit dieser neun Teile. Wenn das Verlangen nach Sex in dir entsteht, kommt das von diesen neun Teilen des Denkens und wenn du ein Buch über Enthaltsamkeit liest, ist es 1/10 deines Denkens, das es liest, der bewußte Teil, der der Schutzmann ist. Das Buch gefällt dir und du sagst, es ist korrekt. Aber wenn die anderen neun Teile des Denkens erfüllt sind mit Sehnsucht nach Sex, wird dieser eine Teil des bewußten Denkens wirkungslos und hilflos. Es wird weggefegt von der Welle des Verlangens, die aus den Faltungen des Unbewußten aufsteigt.

Dem Intellekt wird nur ein Job zugeteilt: Es erst einmal zu versuchen und zu verstehen, und dann wieder dazusitzen und zu bereuen. Dieser eine Teil des Denkens hat nirgendwo etwas zu sagen.

Bedenke, je tiefer die Schicht, desto stärker ist sie. Die Stärke ist niemals an der Oberfläche. Sie ist immer im Zentrum. Was wir als Intellekt kennen, ist an der Oberfläche. Er ist der Gartenzaun und keiner bewahrt seine Schätze dort auf. Der Schatz wird immer in den innersten Winkeln des Hauses verborgen. Unsere Lebensenergie ist also versteckt im innersten Teil unseres Wesens, während der Intellekt an der Türe steht. Es ist dieser Intellekt, mit dem wir lesen, es ist dieser Intellekt, mit dem wir hören und verstehen.

Wenn Lao-tse sagt: "Wenn es in den Bereich deines Verstehens kommt, findet die Transformation statt", spricht er von dem Zentrum in dir. Wenn es bis zum Verstehen von dem, was in dir ist, kommt, bis zum ultimativen Meister, wenn der zu verstehen beginnt, dann findet die Transformation statt.

Nun ist auch unsere Schwierigkeit ganz authentisch. Wir haben das Gefühl, verstanden zu haben und doch findet keine Transformation statt. Wir sind, wo wir waren. Dann beginnt dieses sogenannte Verstehen eine andere Art von Konfusion ! Dann sind wir in zwei geteilt. Das Denken treibt uns dazu, das eine zu tun und wir wünschen uns, etwas anderes  zu tun, was sich jedoch niemals ereignet, denn wir können nur das tun, was von innen her kommt. Dann nimmt Reue und das Gefühl von Niedrigkeit und Minderwertigkeit vom Denken Besitz. Dann fallen wir in unserer eigenen Selbstachtung. Dann haben wir das Gefühl: "Ich bin nichts. Ich bin gar nichts wert."

Lao-tse spricht also nicht über dieses Verstehen. Dieses intellektuelle Verstehen ist eine Täuschung. Das ist genauso, wie wenn jemand uns sagt, dass wenn wir Wasser auf einen Baum tröpfeln werden, dieser Baum Blüten treiben wird. Dann gehen wir hin und besprühen die Blätter mit Wasser, aber keine Blüten erscheinen. Von daher ist es evident, dass das, was uns erzählt wurde, nicht wahr ist. Oder vielleicht war das Wasser, das wir verrieselten, kein Wasser. Dann ist es natürlich, dass wir uns fragen sollten, warum da keine Blüten sind. Aber der, welcher uns sagte, wir sollten den Baum wässern, sprach davon, die Wurzeln des Baums zu gießen.