Taoistische Reflektionen

31.12.2007 um 00:37 Uhr

Tao 356

von: tao

Das passiert manchmal Leuten, die Bríllen tragen.

Es geschieht, dass sie die Brille an haben

und sie suchen nach ihr. Sie haben es vielleicht eilig,

und wenn sie in Eile sind, dann suchen sie überall --

sie haben komplett vergessen, dass sie die Brille schon tragen.

Man kann da richtig in Panik geraten.

Du hast vielleicht gewisse Erfahrungen, die so ähnlich waren, in deinem Leben gehabt --

allein schon wegen dem Suchen wirst du beunruhigt und gerätst in Panik

und bist so verstört, dass du keine klare Sicht mehr hast,

und etwas, was genau vor dir ist, nicht sehen kannst.

Genau das ist der Fall.

Du brauchst nicht nach Einzigartigkeit suchen, du bist schon einzigartig.

Es ist nicht möglich, eine Sache einzigartiger zu machen.

Das Wort "einzigartiger" ist absurd. Einzigartig genügt doch schon.

30.12.2007 um 00:00 Uhr

Tao 355

von: tao

Buddha ist, rein äußerlich betrachtet, logisch und rational,

du kannst ihn verstehen, ohne ein Meditierender zu werden,

ohne in sein Sein zu fließen.

Er ist verständlich, aber nicht Lao-tse. Diese Totalität....

Lao-tse akzeptiert diese Welt und jede andere,

und akzeptiert sie total.

Er macht sich keine Gedanken über die andere Welt

denn er weiß, dass die andere aus dieser herauswachsen wird.

Wenn sie aus dieser Welt herauswachsen wird, warum sich darum kümmern ?

Lebe diese so schön wie möglich, so total wie möglich.

Es wird ein natürliches Wachstum sein.

Wenn du Lao-tse begegnest, wird er dich verwirren.

Manchmal wird er etwas sagen,

ein andermal wird er etwas anderes sagen;

er wird etwas in einem Satz äußern

und im nächsten Satz wird er dem widersprechen.

Das ist der Grund, warum nur sehr selten Sucher auf ihn stoßen.

29.12.2007 um 00:51 Uhr

Tao Te King 22 (14)

von: tao

Hier, im Leben, in der Natur, ist niemand derjenige, der nur frißt, und niemand wird nur gefressen:

Jeder kommt beim Fressen an die Reihe

und jeder kommt an die Reihe, selbst zum Futter zu werden.

Wegen dieses ständigen Kreislaufs wurde George Gurdjieff darauf aufmerksam

dass der Mensch auch für etwas Nahrung sein muss.

Wenn alles als Nahrung dient

dann muss auch der Mensch Futter für etwas sein,

wofür sonst existiert der Mensch ?

Er erschuf einen Mythos -- es ist ein Mythos, aber die Idee ist schön --

er kreierte den Mythos, dass der Mensch Nahrung für den Mond ist,

dass der Mond dich verzehrt, wenn du stirbst.

Das ist bloß ein Witz,

aber die Idee ist schön und sinnvoll,

denn wenn alles für etwas anderes Nahrung ist

wird der Mensch auch für etwas anderes Nahrung sein.

Aber es ist nicht nötig, bis zum  Mond zu gehen, der Taoismus geht nicht so weit,

Lao-tse sieht den ganzen Kreislauf hier. Die Erde verzehrt dich,

und der Kreislauf geht weiter, das Rad dreht sich weiter.

Es ist ein einfacher Prozeß, ohne Gewalt, ganz gewaltlos.

Beschäftigt

28.12.2007 um 01:38 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (8)

von: tao

 

Wirklicher Orgasmus ist unmöglich geworden

und wegen diesem Ausbleiben des Orgasmus

sind neunzig Prozent der Leute auf subtile Weise neurotisch geworden.

Das kommt daher, weil du den leichtesten Zugang zum Göttlichen verloren hast.

Du hast die natürliche Möglichkeit, eins zu sein, verloren,

eins zu sein, wenn auch nur für Momente, mit dem Ganzen.

Und die Ganzheit verjüngt, das Ganze gibt dir Leben und Energie,

die Ganzheit erfrischt dich.

Und das Alte wird vom Orgasmus zerstört,

deine ganze Energie wird neu, frisch und jung.

Sonst wirst du zunehmend abgestumpft und abgestorben.

Aber wirklicher Orgasmus ist wegen des Ego unmöglich geworden.

Das Problem ist das gleiche, ob es sich in der Dimension

von Sex, oder der Liebe, oder der Andacht, oder der Meditation abspielt --

das Problem ist das gleiche.

Du mußt dich hingeben,

und das Ego kann nicht aufgeben, es kann nur kämpfen.

 

27.12.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (18)

von: tao

Wenn du effizient bist, ist es in Ordnung,

ansonsten kannst du ausrangiert werden, auf den Schrottplatz geworfen werden,

und jemand anderes, der effizienter ist, wird dich ersetzen.

Was geschieht nach der Arbeit des ganzen Tages ? Du fällst in den Schlaf.

Was passiert ?

Du begibst dich vom Nützlichen zum Nutzlosen.

Und das ist der Grund, warum dich dich am Morgen so frisch fühlst,

so lebendig, so unbelastet.

Deine Beine bewegen sich tänzelnd,

dein Denken kann Höhenflüge machen, dein Herz kann wieder fühlen ..

all der Staub der Arbeit ist wie weggeblasen, der Spiegel ist wieder klar.

Du hast eine Klarheit am Morgen.

Wie kommt das ? Das kommt durch das Nutzlose.

Das ist der Grund, warum Meditation dir die größten Einblicke geben kann,

denn sie ist die nutzloseste Sache auf der Welt.-

26.12.2007 um 00:00 Uhr

Tao 354

von: tao

Statt zu staunen, mußt du fragen. Das ist wie ein Juckreiz --

du kannst nicht mit ihm bleiben, du möchtest kratzen.

Aber versuche es. Beginne mit dem Jucken.

Wenn du eines Tages feststellst, dass dein Fuß juckt,

dann kratze einmal nicht, warte einfach, und bleibe mit dem Juckreiz.

Wie lange kann er anhalten ? Nach und nach legt er sich, löst sich auf,

und hinterläßt keine Spuren, keine Narben.

Bleibe mit dem Sinn fürs Wundern,

sogar wenn eine große Geduld dafür nötig ist --

denn das Denken wird sich ganz unruhig fühlen und wird sagen:

Frage doch nach, untersuche es. Warum denn nur Staunen ? Von woher kommt das denn ?

Wohin geht es ? Wie ist es ? Warum ist es ?

Tausend Fragen werden entstehen,

aber bleibe du bei dem Gefühl des Staunens,

laß nicht zu, dass diese Fragen dich durcheinanderbringen.

Sogar wenn sie da sind, bleibe du indifferent ihnen gegenüber:

Sei aufmerksam auf deine Verwunderung

und achte gar nicht auf die Fragen,

und bald wirst du sehen, dass dieses Staunen

verschwunden ist, in einer Ahnung des Mysteriums.

25.12.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (11)

von: tao

Wenn der Tod an deine Türe klopft. dann wirst du überrascht sein:

Ich habe mein ganzes Leben mit "Ich sollte" verschwendet

und das "ist" war da.

Und das "ist" ist schön.

Das "ist" ist die einzige Religion für Dschuang Dsi.

Der Konflikt zwischen "ist" und "sollte" ist ganz grundsätzlich.

Wenn du dein "ich sollte" aufgeben kannst

bist du vielleicht nicht so respektabel wie du es eben jetzt bist.

Denn wegen deiner "ich sollte" respektieren dich die Leute. Sie sagen:

"Dieser Mensch ist schön, er ist niemals wütend, er lächelt immer",

und sie wissen nicht, dass dieses Lächeln falsch ist

weil ein Mensch, der niemals wütend sein kann, auch nicht wirklich lächeln kann.

Das ist das Problem -- wenn er nicht authentisch in seinem Ärger ist,

kann er nicht authentisch in seinem Lachen sein.

24.12.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 47 (18)

von: tao

 

Du hast den Schöpfer in dir.

Das ist der Grund, warum seit Jahrhunderten

in der Ästhetik

Denker zu definieren versucht haben, was Schönheit ist

und nicht imstande gewesen sind, sie zu definieren.

Sie können es nicht

weil sie nicht im Außen existiert,

sie ergießt sich von innen her.

Die Rosenblüte ist nicht schön,

du kreierst die Schönheit um sie herum.

Sie ist genau wie ein Haken;

du hängst die Schönheit an ihr auf, sie wird schön.

Das ist der Grund, warum die Rosenblüte,

wenn ein Poet an ihr vorbeikommt, so unvorstellbar schön ist !

Und dann geht ein Wissenschaftler vorbei

dem diese Tatsache völlig entgeht

dass die Rose gerade blüht, dass die Rose überhaupt existiert.

Dann geht ein Geschäftsmann vorbei;

der schaut die Rose an

und denkt darüber nach

wieviel er dabei verdienen könnte, wenn er sie verkaufen würde.

Dann kommt ein Kind,

pflückt die Rose,

spielt mit ihr ein paar Momente lang, vergißt sie dann, und geht seines Wegs....

Die Rose

ist nichts.

Du bist es

der ihr ihre Bedeutung gibt.

23.12.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (9)

von: tao

Wenn du in die Kirche gehst, um dort zu beten,

betest du dann einfach oder vergleichst du dich mit anderen ?

Wenn jemand anderes dort betet,

entsteht dann ein vergleichender Gedanke in dir ?

Fragst du dich, ob er es besser macht als du,

oder ob du es besser machst als er ?

Dann ist die Kirche nicht mehr da.

Die Kirche ist verschwunden, sie ist Pollitik geworden.

In der Religion ist Vergleichen nicht möglich;

du betest einfach, und Gebet wird dein inneres Sein.

Das ist nichts Äußerliches, das man vergleichen könnte.

Diese unvergleichliche Andacht, diese unvergleichbare Meditation,

wird dich zur eigentlichen Höherwertigkeit aller Existenz führen.

22.12.2007 um 00:51 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (7)

von: tao

 Ejakulation ist kein Orgasmus, sie ist bloß der physische Teil davon.

Orgasmus ist psychisch, er ist spirituell.

Ejakulation ist völlig unerheblich, sie kann den Körper entlasten, das ist alles.

Sie funktioniert als ein Sicherheitsventil: Wenn sich zuviel Energie aufbaut

kann sie durch Ejakulation freigesetzt werden,

aber das ist nicht das, worum es eigentlich dabei geht.

Das Eigentliche dabei ist, wenn du zu einem Schwingungsgipfel kommst,

kommst du zu einem Gipfel der Ekstase,

und auf dieser Höhe entspannt sich alles, dein ganzes Wesen entspannt sich.

Zuerst vibriert das ganze Wesen in einer neuen Musik

-- es ist in Einklang mit dem Kosmos,

das Ego ist nicht da, du bist bloß Energie;

da ist niemand mehr in dir,

bloß Energie, die wie ein Fluß bei Hochwasser dahinströmt --

und dann ist die Flut weg, der Fluß entspannt sich,

und du bist im Einklang mit dem ganzen Kosmos.

Dann ist es Orgasmus. Orgasmus ist ein inneres Phänomen.

21.12.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (14)

von: tao

Fröhlich 

Wir sind verrückt aufs Planen.

Wir planen das Leben, wir planen den Tod, und durch dieses Planen

wird die Spontaneität zerstört,

wird die Schönheit zerstört,

die ganze Ekstase wird zerstört.

Ein Atheist lag im Sterben.

Er glaubte nicht an Himmel oder Hölle

aber trotzdem dachte er sich

es würde das beste sein, für den Tod gut angezogen zu sein.

Er wußte nicht, wohin er gehen würde

weil er an nichts glaubte,

aber trotzdem, irgendwohin würde er doch gehen,

bevor es also losging, irgendwohin, muss man doch anständig gekleidet sein.

Er war ein Mann mit guten Sitten, der Etikette verpflichtet,

also zog er sich seinen Abendanzug an, mit Krawatte und all dem anderen.

und dann starb er.

Ein Rabbi wurde gerufen, um ihn zu segnen.

Der Rabbi sagte: Dieser Mann war niemals gläubig,

aber seht nur, wie er alles geplant hat !

Er glaubt an nichts, er hatte kein Ziel, wußte nicht, wohin,

und wie schön gekleidet und vorbereitet ist er !

20.12.2007 um 02:25 Uhr

Tao 353

von: tao

 

Was soll man also tun ? Versuche nicht in der Mitte zu sein.

Damit ist gemeint, dass du nicht versuchen solltest, gleichzeitig ein bißchen wütend

und ein wenig mitfühlend zu sein. Nein.

Das heißt: Versuche nicht in der Mitte zu sein -- du wirst überschnappen.

Damit ist vielmehr gemeint: Bewege dich vom einen Gegensatz zum anderen,

aber gehe so achtsam, dass du in dir den Mittelpunkt finden kannst.

In dem Moment, in dem du den Mittelpunkt findest

wirst du zum ersten Mal der Meister deines Lebens.

Bis jetzt bist du bloß ein Sklave gewesen,

bis jetzt hast du fest geschlafen,

aber nun wirst du zum ersten Mal wach.

19.12.2007 um 00:00 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (9)

von: tao

Verschlagenheit kommt aus der Furcht.

Je ängstlicher eine Person ist,

desto mehr Klugheit wirst du in ihr finden.

Ein mutiger Mensch ist nicht schlau, er kann sich auf seine Tapferkeit verlassen,

aber ein Mensch, der Angst hat, der ein Feigling ist,

kann sich nur auf seine Cleverness verlassen.

Je minderwertiger eine Person ist, desto listiger.

Je weiter entwickelt eine Person ist, desto unschuldiger.

Schlauheit ist ein Ersatz.

Wenn man betrunken ist, absolut betrunken,

verschwindet die Zukunft und die Vergangenheit.

Wenn schon gewöhnlicher Wein soviel Macht gibt, wenn man betrunken ist,

wie ist dann das erst mit Tao, der absoluten Trunkenheit.

Was mit Lao-tse oder Liä Dsi, den größten Trunkenbolden --

so trunken vom Göttlichen

dass nicht einmal eine Spur von Ego zurückgeblieben ist ?

18.12.2007 um 03:03 Uhr

Tao Te King 9 (11)

von: tao

Die folgende Kurzgeschichte wurde nicht von einem Taoisten geschrieben, aber diese Anekdote ist taoistisch -- wissentlich oder unwissentlich hat der Mann Taoismus in sie hineingebracht.

Es geschah einmal, ein kleines Huhn sass im Hennenhaus, absolut buddhagleich, sorgenfrei und unbekümmert. Dann erschien plötzlich ein Mann. Es bekam Angst und rannte weg. Als es zurückkehrte, war der Mann weg, aber da lagen einige Körner genau vor dem Hühnerhaus. Es kam ins Grübeln und begann darüber nachzudenken. Eine wissenschaftliche Neugier kam ihm in den Sinn. Von woher waren diese Körner gekommen ? Dann tauchte am nächsten Tag wieder der Mann auf. Es rannte wieder weg, kam zurück, der Mann war gegangen, aber wieder waren Körner da. Sicherlich gab es da irgendeine Beziehung zwischen dem Mann und den Körnern. Aber es war zu früh für einen wissenschaftlichen Denker, um daraus Schlüsse zu ziehen. Es wollte sich nicht so früh, in solch einer Eile, einer Theorie verpflichten. Also wartete es, es muss wirklich ein wissenschaftliches Huhn gewesen sein. Es wartete und wartete und wartete und jeden Tag spielte sich es wieder so ab. Daraufhin materialisierte sich nach und nach die Theorie in seinem kleinen Köpfchen, dass es da eine Beziehung von Ursache und Wirkung gab; immer wenn der Mann auftauchte, erschienen auch die Körner. neunhundertneunundneunzigmal schaute es zu. Nun war es sich absolut sicher -- da gab es eine Kausalbeziehung. Wenn der Mann auftauchte, lagen auch die Körner da. Der Mann war die Ursache, die Körner waren die Wirkung. Neunhundertneunundneunzigmal war genug. Es zog nun den Schluß. dass es eine notwendige Kausalbeziehung war. Es hatte gewartet und experimentiert, zugeschaut und genug beobachtet, nun konnte es sagen, dass es sich ausnahmslos so abspielte. Es muss also ein Gesetz sein. Es war sehr glücklich und wartete auf den Mann, Er erschien zum tausendsten Mal. Das Huhn ging zu dem Mann, um ihm für seine Freundlichkeit zu danken -- und der drehte ihm den Hals um.

So ist das Leben. Es hat keine Kausalbeziehung von Ursache und Wirkung. Sogar wenn etwas neunhundertneunundneunzigmal passiert, zieh keinen bindenden Schluß daraus, das tausendste Mal mag die Ausnahme sein. Und das ist nicht nur eine Geschichte. In wissenschaftlichen Kreisen ist eine Philosophie der Unsicherheit, der Ungewißheit, entstanden und faßt immer mehr Fuß. Nach Heisenberg ist die  Wissenschaft nicht mehr so sicher und gewiß, wie sie vorher zu sein pflegte. Nun sagen sie, alles ist ungewiß und Gewißheit ist bloß annäherungsweise sicher, nicht mehr absolut sicher. Neinhundertneunundneunzigmal, in Ordnung -- aber dann kommt die Ausnahme. Sogar die Wissenschaft ist durch die heisenbergsche Unschärferelation oder Unbestimmtheitsrelation in ihren Grundfesten erschüttert. Sie muss erschüttert werden, denn sie beschäftigt sich auch mit dem Leben. Das Leben kann nicht auf eine wissenschaftliche Kausalbeziehung von Ursache und Wirkung reduziert werden. Das Leben bleibt mysteriös.

17.12.2007 um 01:12 Uhr

Tao Te King 47 (17)

von: tao

Du stehst vor einem Spiegel,

du schaust in den Spiegel,

der Spiegel spiegelt einfach dich,

er ist du.

Wenn du häßlich bist

zeigt der Spiegel dir deine häßliche Figur,

wenn du schön bist

zeigt der Spiegel Schönheit.

Es gibt Momente, wo du häßlich bist

dann werden alle Rosen häßlich,

es gibt Momente, wo du traurig bist

dann werden alle Monde traurig,

es gibt Momente, wo du in der Hölle bist

dann wird die Erde zur Hölle.

Du kreierst die Realität um dich herum,

du projizierst die Wirklichkeit um dich herum.

Du hast in dir den Schöpfer,

denjenigen, durch den, wenn du ihn erkennst, alles erkannt wird.

16.12.2007 um 02:33 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (10)

von: tao

 

Du schaust niemals auf das, was dein Bedürfnis ist.

Und wenn du dich um deine Bedürfnisse kümmerst,

kann das Leben eine wonnevolle Existenz werden,

denn es gibt nicht viele Bedürfnisse.

Die Imitation wird dich auf einen Weg führen

der am Ende nirgendwo ankommt.

Es gibt nicht viele Bedürfnisse,

was du wirklich brauchst, ist immer wenig;

wenn du dich um das kümmerst, was du benötigst, kannst du befriedigt werden.

Zufriedenheit ist leicht, dann was brauchst du schon ?

Es sind wenig Bedürfnisse.

Aber wenn du andere nachmachst, dann bedrängen dich Millionen unnötiger Bedürfnisse. Und das nimmt kein Ende, denn es gibt Millionen Leute  und du würdest gerne jeden nachahmen.

Das wird unmöglich; du beginnst jedermanns Leben zu leben

und dann vergißt du, dass du hier warst, um dein eigenes Ding zu tun,

und du bist ein Imitator geworden. 

15.12.2007 um 02:30 Uhr

Goldene Blüte 6/ 7-8

von: tao

 

Meister Lü sagte: Nun gibt es bestätigende Erfahrungen, die getestet werden können. Eine ist die, dass, wenn man in den Zustand der Meditation eingetreten ist, die Götter im Tal sind. Man hört Menschen reden, so als ob sie meilenweit entfernt wären, und doch jeden einzelnen ganz klar. Aber sie klingen alle wie ein Echo in einem Tal. Man kann sie immer hören, aber niemals sich selbst. Dies wird "Die Präsenz der Götter in dem Tal" genannt.

Zeitweise kann das Folgende erlebt werden: Sobald man ruhig ist, beginnt das Licht der Augen aufzuflammen, so dass alles vor einem ganz hell wird, als wenn man in einer Wolke wäre. Wenn man seine Augen öffnet und den Körper sucht, ist er nicht mehr zu finden. Dies wird "In der leeren Kammer wird es licht" genannt. Innen und außen, alles ist in gleicher Weise hell. Das ist ein sehr günstiges Anzeichen.

14.12.2007 um 01:58 Uhr

Tao Te King 22 (13)

von: tao

 

Wenn der Löwe nicht hungrig ist, attackiert er niemanden;

sogar eine Maus kann in seine Nähe kommen und hat nichts zu befürchten.

Der Löwe ist nicht gewalttätig; er verzehrt einfach sein Fressen.

Und in der Natur ist alles Nahrung für etwas anderes;

du kannst nichts in der Natur finden

was nicht für etwas anderes als Nahrung dient.

Alles ist in einer Nahrungskette:

Der Baum verzehrt die Erde

und die Erde wird in eine Frucht transfomiert.

Dann ißt du die Frucht, und die Frucht wird dein Fleisch,

dann stirbst du und die Erde hat dich wieder und absorbiert dich.

Dann entsteht wieder ein Baum, er frißt die Erde, und eine Frucht reift heran.

Ein anderer Mensch -- dein Sohn oder der Sohn deines Sohnes, dein Enkel --

wird die Frucht essen, genau wie du so deinen Großvater gegessen hast.

Das geht so weiter, es ist ein einfacher Kreislauf. 

13.12.2007 um 02:44 Uhr

Tao 352

von: tao

Wenn deine "Ichs" wegfallen, dann entsteht das wirkliche Ich. Wenn dein Selbst verschwindet, kommt das reale Selbst zum Vorschein. Leute sagen: "Wir haben das Gefühl, dass es sehr schwierig ist, sich hinzugeben, denn Hingabe bedeutet, wir werden uns selbst verlieren." Sie haben recht und sie haben nicht wirklich recht. Es ist wahr, weil ihr Selbst, das Selbst, das sie bis jetzt gekannt haben, wegfallen wird. Aber es ist nicht wirklich wahr, weil, ist erst einmal dieses falsche Selbst weggefallen, das wirkliche Selbst entsteht. Es ist schon da, es ist verborgen hinter der Wolke des falschen Selbst. Du, wie du wirklich bist, in deinem Zentrum, bist die Realität. Alles andere ist illusorisch.

Um diese Wirklichkeit kennenzulernen, muss man zu einem Moment totaler Inaktivität kommen, denn immer, wenn du agierst, bist du außerhalb deiner selbst. Das ist der Grund, warum Liä Dsi, Dschuang Dsi und Lao-tse Passivität so sehr betonten; wenn du aktiv bist, dann stellst du mit der Außenwelt eine Beziehung her.

Was ist Aktivität ? Aktivität bedeutet, sich zur Außenwelt in Beziehung zu setzen. Wenn du passiv bist, dann stellst du überhaupt keine Beziehung her. Du bist einfach da, unbezogen; da ist keine Brücke zwischen dir und der Außenwelt -- alle Brücken sind verschwunden. In diesem totalen Schweigen, in diesem totalen Unbezogensein, wirst du dir bewußt, wer du bist. Sonst hält dich die Aktivität so beschäftigt, dass da kein Raum für das Selbst bleibt, um sich zum Ausdruck zu bringen, um sich selbst zu manifestieren. Es wartet also immer weiter... es wartet immer zu, und du bleibst nach wie vor beschäftigt mit Trivialitäten, mit weltlichen Dingen.

Man muss lernen, nichts zu tun. 

  

12.12.2007 um 01:56 Uhr

Tao Te King 63 (5)

von: tao

Dein ganzes Leben ist so verkrüppelt geworden, so paralysiert,

so beschwerlich,

du würdest gerne Selbstmord begehen.

Es ist selten, dass man einen Menschen findet

der nicht zu irgendeiner Zeit schon mal darüber nachgedacht hat

Selbstmord zu begehen.

Psychoanalytiker sagen

dass jeder Mann und jede Frau

während des langen Verlaufs ihres Lebens

fast zehnmal an Selbstmord denken.

Ihr begeht ihn nicht, weil ihr Feiglinge seid;

es ist nicht etwas, was ihr euch als euer Verdienst anrechnen könntet,

dass ihr es nicht tut.

Du denkst darüber nach -- das reicht schon !

Das heißt doch, dass das Leben so unlebenswert geworden ist

dass du es gerne aufgeben würdest, statt mehr und mehr noch weiter in das Leben hineingezogen zu werden.

Du würdest gerne zum Aussteiger werden.