Taoistische Reflektionen

31.01.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 48 (7)

von: tao

 

Die Unschuld sagt: Du bist es schon.

Nichts muss noch getan werden.

Du musst es einfach genießen und es feiern und dich daran freuen.

Das Wissen sagt;

So, wie du bist, bist du verdammt, du bist nichts;

du wirst erst wie die Götter werden müssen.

Versuche es !

Streng dich an !

Tu etwas !

Diszipliniere dich !

30.01.2008 um 00:57 Uhr

Tao 366

von: tao

Wegen seiner Widersprüchlichkeit existiert keine organisierte Religion für Lao-tse.

Es kann sie nicht geben. Nur individuelle Sucher können ihn erreichen

denn organisierte Religion muss perfekt sein,

muss sich nach dem Denken richten, muss sich nach dir richten.

Organisierte Religion bedeutet eine Religion, die mehr an der Masse interessiert ist,

mehr am Mob interessiert ist.

Sie muss mit der Menge und mit dem Kollektiv existieren.

Lao-tse kann unkontaminiert bleiben, pur. Er macht keine Kompromisse.

Er ist total und seine Totalität wird unbegreifbar --

das ist der Grund, warum nur selten Sucher zu ihm gelangen.

Je ganzheitlicher eine Person ist, desto unbegreiflicher wird sie,

desto mehr wird sie wie Gott.

Er ist nicht klar umrissen. Er ist nicht wie ein Garten, menschengemacht:

Er ist eine Wildnis, ein Urwald, ohne Regeln, ohne Pläne,

ungeplant, ein Wildwuchs. Das ist die Schönheit.

29.01.2008 um 02:08 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (3)

von: tao

Das Leben ist ein flüssiges, flexibles Dahinströmen.

Und niemand weiß, wohin es sich gerade  bewegt,

Beginnst du erst einmal, mit Regeln zu leben

dann weißt du, wohin es geht.

Aber tief innen hat die Bewegung angehalten.

Nun vegetierst du einfach nur noch,

nun stirbst du einfach vor dich hin -- weil du eingesperrt bist.

Und die Gefangenschaft ist sehr subtil --

bevor du nicht absolut achtsam wirst

wirst du sie nicht sehen können,

sie ist wie eine unsichtbare Rüstung um dich herum.

Einer der größten revolutionären Denker dieses Zeitalters,

Wilhelm Reich, stieß auf diese Rüstung.

Aber er wurde von der Gesellschaft für verrückt erklärt und ins Gefängnis gesteckt.

Er starb im Gefängnis in tiefer Qual:

Sein Kummer war,

was auch immer er sagte, war wahr

aber niemand war bereit, auch nur auf ihn zu hören.

28.01.2008 um 01:36 Uhr

Tao Te King 70 (7)

von: tao

Ich habe einen Witz gelesen:

Ein Professor für Logik

ging in ein Spielzeuggeschäft

mit senem kleinen Kind

fünf Jahre alt

und seiner Frau, die auch sehr gebildet, sehr kultiviert war,

und sie suchten nach einem neuen Spielzeug für das Kind für seinen Geburtstag.

Sie stießen auf ein sehr verwirrendes Puzzle-Spiel.

Der Vater, selbst ein logisch denkender Mensch, versuchte es zu lösen.

Er tat alles, was er konnte

aber es schien keine Möglichkeit zu geben, es zu lösen.

Er kam ins Schwitzen, die Leute im Geschäft hatten sich schon um ihn versammelt

-- und er, ein Professor der Logik, konnte ein einfaches Puzzlespiel nicht lösen

was dafür gedacht war, von Kindern gelöst zu werden !

Die Frau vesuchte ihm zu helfen.

Nur das Kind hatte Spaß an dem ganzen Spiel

weil es nicht daran interessiert war, es zu lösen.

Es machte Vorschläge: Tu dies und das -- und es war das einzige

das unbekümmert blieb.

Und dann fragte der Logiker den Besitzer des Geschäfts: Was ist denn los?

Wenn ich dieses Puzzle nicht zusammenbringen kann

wie können Sie dann erwarten, dass ein Kind mit fünf Jahren

imstande sein wird, das fertigzubringen?

Der Geschäftsinhaber begann zu lachen, er lachte wie verrückt,

dann sagte er; Das ist gar nicht dafür gedacht, gelöst zu werden,

dieses Spielzeug ist nicht dafür da, dass man es löst.

Es ist bloß dafür da, dass das Kind in die moderne Welt eingeführt wird,

an das moderne Leben gewöhnt wird:

Was auch immer du tust, du kannst es nicht lösen.

Es ist für einen spezifischen Zweck gemacht worden --

dass es nicht gelöst werden kann!

27.01.2008 um 02:42 Uhr

Tao 365

von: tao

Wissen ist ausgeborgt.
Andere kennen es,
du glaubst, sie müssen es doch wissen.
Du glaubst, dass sie die Wahrheit sagen.
Weisheit
kommt durch deine eigene Erfahrung.
Wissen ist eine Anhäufung,
Weisheit ist auch eine Akkumulation.
Aber Wissen
ist die Anhäufung der Erfahrungen anderer,
Weisheit ist die sich akkumulierende eigene Erfahrung.
Ein junger Mensch kann niemals weise sein;
er kann gebildet sein,
aber für Weisheit benötigt man Zeit.
Alte Leute könnten weise sein,
denn du mußt erst einmal Erfahrungen sammeln.

26.01.2008 um 23:34 Uhr

Tao Te King 16 (11)

von: tao

Leute ohne Todesbewußtsein leben von Moment zu Moment, als wenn das Morgen nicht existiert.

Wer wird da sparen ? Und wofür ?

Das Heute ist so schön, warum es nicht feiern, und um das Morgen werden wir uns kümmern, wenn es kommt.

Im Westen haben sie grenzenlosen Reichtum angehäuft, weil sie so zeitbewußt sind.

Sie haben ihr ganzes Leben auf Dinge reduziert, materielle Dinge -- Wolkenkratzer.

Sie haben viel Wohlstand erreicht...

das ist der Vorteil, wenn man das Leben vom falschen Ende her sieht, wenn man von der falschen Seite her hineinschaut.

25.01.2008 um 02:29 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (12)

von: tao

 

Kinder sind authentisch;

wenn sie wütend sind, dann sind sie wirklich wütend.

Schau sie nur an -- ihre Wut ist schön.

Sie werden ganz wie wilde Tiere, sie springen und schreien,

ihre Gesichter komplett rot. Sie sind wie Löwen,

sie würden in diesem Moment die ganze Welt zerstören.

Ihr Zorn ist wahrhaftig, und was auch immer wahr ist, ist schön.

Schau dir ein Kind an, wenn es wütend ist,

beobachte es einfach und du wirst ein schönes Erblühen sehen,

ein Erblühen von Stärke, Kraft, Energie -- strömender Energie.

Und im nächsten Moment ist das Kind glücklich, es lächelt wieder.

Nun ist das Lächeln auch wahrhaftig, jetzt ist sein Lächeln auch schön;

was auch immer natürlich ist, ist schön.

24.01.2008 um 01:43 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (7)

von: tao

 

Es geht nicht darum, ob der Hinduismus, das Christentum oder sonst ein -ismus richtig oder falsch ist, es geht darum, ob du recht oder nicht recht hast.

Wie kannst du im Unrecht sein ? Wenn du falsch liegst,

dann fängt dein Bild von dir das Wackeln an -- nein, du kannst nicht unrecht haben.

Da beginnst du lieber wegen kleiner Dinge, ganz kleiner Sachen

zu kämpfen und zu argumentieren.

Aber der wirkliche Kampf, die Basis allen Kämpfens,

ist, dass du gegen das Leben ankämpfst.

Mit deinen Antworten versuchst du das Leben zu bezwingen;

mit deinen Theorien versuchst du nur, das Leben zu manipulieren.

Und du denkst, wenn du die Theorien kennst

dann wirst du der Meister sein.

23.01.2008 um 01:10 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (19)

von: tao

 

In der Meditation tust du gar nichts, du begibst duch einfach in das Schweigen.

Das ist großartiger als der Schlaf, denn im Schlaf bist du unbewußt,

was auch immer geschieht, passiert unbewußt.

Du magst im Paradies sein, aber du weißt es nicht.

In der Meditation gehst du bewußt,

dann wirst du dir des Weges bewußt:

Wie du dich von der nützlichen Außenwelt

in die nutzlose Innenwelt begibst.

Und kennst du erst einmal den Pfad,

kannst du jederzeit einfach nach innen gehen.

Wenn du in einem Bus sitzt, dann brauchst du doch gar nichts zu tun,

du sitzt einfach da;

wenn du in einem Auto oder in der Eisenbahn oder im Flugzeug reist,

dann tust du doch gar nichts,

alles wird von anderen getan;

du kannst deine Augen schließen und nach innen gehen, ins Nutzlose.

Und plötzlich wird alles still,

und alles ist plötzlich kühl,

und plötzlich bist du an der Quelle alles Lebens.

22.01.2008 um 01:15 Uhr

Tao Te King 6 (7)

von: tao

Von dem, was du weißt,

bringt Lao-tse dich zu dem, was du nicht weißt.

Analogie bedeutet, sich auf das Bekannte zu beziehen, um das Unbekannte zu erklären.

Wenn er also sagt: "Der Geist des Tals", meint er viele Dinge.

Eine Analogie ist immer sehr gehaltvoll,

Die Logik ist immer eng.

Die Analogie ist weit und unbegrenzt,

je mehr du in ihr suchst, desto mehr kannst du durch sie finden.

Die Logik ist erschöpfend, die Analogie niemals.

Das ist der Grund, warum du Bücher wie das "Tao-te-King" oder "Quellender Urgrund"

oder Dschuang Dsi´s "Südliches Blütenland"

immer wieder lesen und lesen und lesen kannst

und sie sind unerschöpflich.

Weil sie Analogien sind, kannst du laufend mehr und mehr in ihnen finden.

21.01.2008 um 00:54 Uhr

Tao Te King 1 (23)

von: tao

 

Bevor du nicht eine Erfahrung gemacht hast, kannst du sie nicht haben.

Was kannst du also machen, wenn du es eben nicht erfahren hast ?

Der einzige Weg -- und ich betone das -- der einzige Weg

ist, mit jemandem zu leben, der die Erfahrung gemacht hat. 

Wenn du bloß in der Gegenwart von jemandem bist

der diese Erfahrung gemacht hat

wird etwas Mysteriöses auf dich übertragen werden.

Nicht durch Worte -- es ist ein Sprung der Energie,

genau wie eine Flamme von einer angezündeten Kerze auf eine unangezündete Kerze überspringt.

Wenn du die nicht brennende Kerze näher an die brennende Kerze heranbringst,

kann die Flamme überspringen.

Die gleiche Sache geschieht zwischen einem Meister und einem Schüler;

da gibt es eine Übermittlung jenseits der Schriften --

eine Übermittlung von Energie, nicht einer Botschaft,

eine Übertragung von Leben, nicht von Worten.

20.01.2008 um 02:12 Uhr

Tao 364

von: tao

 

Ein junger Mensch

kann sehr informiert sein.

Da gibt es kein Problem.

Du brauchst ein gutes Gedächtnis,

du mußt dich nur ein wenig anstrengen.

Das gleiche kann mit einem Computer erreicht werden:

Du kannst schon einen Taschencomputer mit dir herumtragen,

es ist gar nicht mehr nötig, dir deinen Kopf in Bibliotheken zu schwer zu machen,

der Computer beinhaltet schon all das Wissen.

Bedenke das, Computer werden all dein Wissen ersetzen.

Der Schriftgelehrte wird von der Welt verschwinden, der Computer nimmt seinen Platz ein.

Und es ist der passende Platz für einen Computer,

denn ein Schriftgelehrter ist ein Mechanismus, er ist kein Mensch mehr.

Das ist doch alles, was du mit dem Gehirn angestellt hast --

du fütterst es laufend mit Informationen.

19.01.2008 um 03:06 Uhr

Quellender Urgrund 1/6 (4)

von: tao

Die Taoisten nennen die Person einen Meister, dessen Glücklichsein absolut sein eigenes ist. Er kann glücklich sein ungeachtet der Situation: Jung ist er glücklich, alt ist er glücklich; als ein Herrscher ist er glücklich, als ein Bettler ist er glücklich. Seine Freude bleibt ungetrübt von den Umständen; er singt sein eigenes Lied, seine Melodie ist sein eigener Rhythmus.

Der Mann in der Geschichte (Quellender Urgrund 1/6) war einhundert Jahre alt. Normalerweise wird ein Mensch im Alter von einhundert Jahren nicht mehr singen können - was gibt es noch, worüber er jetzt singen könnte ? Das Leben ist verschwunden, das Leben ist ausgelaufen, er ist fast schon knochentrocken, und es gibt nichts mehr, auf was er hoffen könnte -- nur der Tod kann noch kommen. Und da noch singen und feiern -- wofür ? Ein Mensch mit einhundert Jahren hat keine Zukunft: Sein Leben ist verbraucht, er ist erschöpft, jeden Moment wird der Tod ihn niederschlagen. Für wen ? Für was ? Aus welchem Grund kann ein Mensch noch so singen ? Und im Alter von einhundert Jahren muss man noch losziehen und solch einen miesen Job tun... man muss die Ähren auflesen, die die Erntehelfer fallen ließen. Das bedeutet, es gibt niemanden, der nach dem alten Mann schaut. Er ist allein geblieben -- keine Familie, wie es scheint, kein Sohn, keine Töchter, keine Frau, keine Brüder; niemand, der sich um ihn kümmert. Worüber sollte er da singen ?

Aber wenn du das Lied hast -- das wirkliche Lied, das Lied, das aus deinem innersten Kern aufsteigt, von deinem innersten Zentrum kommt -- dann macht das nichts aus. Du kannst immer weitersingen, sogar wenn sich der Tod auf dich herabsenkt. Du kannst immer noch weitersingen, sogar wenn jemand dich gerade umbringt. Dein Körper kann getötet werden, aber nicht dein Lied. Dein Körper kann eingesperrt werden, aber nicht dein Lied. Dein Lied ist ewig, weil es unverursacht ist.

Bedenke dieses fundamentale Gesetz des Lebens: Das, was eine Ursache hat, ist niemals ewig, das, was verursacht wird, ist temporär. Wenn die Ursache verschwinden wird, wird es auch verschwinden; es ist ein Nebenprodukt. Das, was ohne Ursache ist, wird für immer und ewig sein, denn es gibt nichts, das es zerstören kann. Dein Körper wird sterben -- er ist verursacht worden; das Zusammentreffen deines Vaters und deiner Mutter sind die Ursache dafür gewesen. Dein Körper wird sterben: Eines Tages ist er verursacht worden. Er hat eine gewisse Energie, eine bestimmte Lebensspanne, dann wird es zu Ende sein. Jeden Tag stirbst du schon, eines Tages wirst du einfach im Grab verschwinden.

Aber ist das alles, was du hast ? Ist das alles, was dein Wesen ausmacht ? Gibt es da nicht noch etwas ?

18.01.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (13)

von: tao

 

Essen ist nahrhaft, aber iß zuviel und es wird Gift, es tötet.

Das, was Ernährung war, wird zum Gift und bringt dich um.

Liebe ist Nahrung, aber mach zuviel davon, übertreibe es,

und sie tötet. Dann bleibt nur Hass.

Tu irgendetwas zuviel

und du wirst feststellen, das Gegenteil davon hat sich ereignet.

Sei zu sehr hinter Geld her und am Ende

wirst du feststellen, du bist ein Bettler, und bleibst leer.

Du hast ein ganzes Leben verpaßt und den eigentlichen Sinn, den es hat.

Du versäumtest all die Bereicherungen, die das Leben dir hätte geben können

weil du sehr hinter Reichtümern her warst.

Sei hinter dem Glück her und geh bis zum Extrem

und du wirst der unglücklichste Mensch in der Welt sein.

Um glücklich zu sein, braucht man gar nicht zu sehr dem Glücklichsein hinterherjagen.

Manchmal muss man das alles ganz einfach vergessen;

manchmal muss man sogar das Unglücklichsein genießen.

17.01.2008 um 03:02 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (8)

von: tao

 

Bevor der Tod anklopft, akzeptiere dich selbst --

und dann geschieht ein Wunder.

Dieses Wunder ist: Wenn du dich selbst akzeptierst ,

dann rennst du nicht mehr vor dir selbst davon.

Eben jetzt, rennt jeder von euch noch von sich selbst weg.

Sogar wenn ihr das hier lest,

lest ihr das als Teil eurer Flucht vor euch selbst.

Das ist der Grund, warum ihr Tao nicht erreichen könnt; das ist die Kluft.

Wenn ihr hierher gekommen seid als eine Flucht vor euch selbst

könnt ihr das hier nicht verstehen, denn hier geht es darum,

nicht mehr vor sich selbst davonzulaufen.

Versuche nicht vor dir selbst davonzulaufen, du kannst niemand anderes sein.

Du hast eine ganz bestimmte Bestimmung und Individualität.

Genau wie dein Daumen einen Abdruck macht, eine Signatur hat,

einzigartig und individuell

-- diese Art von Daumen hat niemals zuvor existiert

und es wird ihn niemals wieder geben,

er gehört nur zu dir, es wird niemals wieder einen anderen geben, der genau so ist --

das gleiche gilt auch für dein Wesen.

Traurig

 

16.01.2008 um 02:17 Uhr

Tao 363

von: tao

Bedenke, Wachheit ist nicht irgendwo anders,weder in der Zeit, noch im Raum, sie ist hier-jetzt. Und wenn du es zu eilig hast, wirst du dich verlaufen, du wirst weit weg gehen. Es geht darum, langsamer zu werden -- so weitgehend dich zu verlangsamen, dass eines Tag sich nichts mehr in dir bewegt. In genau diesem Moment, in diesem Moment der Nicht-Bewegung, wirst du erwachen.

Speziell für das westliche Denken ist Geschwindigkeit eine Obsession. Sie denken, dass sie vom Ochsenkarren zum Düsenjäger gekommen sind, warum also können keine schnellen Methoden für das Erwachen entwickelt werden ? Wenn der Kaffee Instantkaffee sein kann, warum kann es dann nicht auch Instant-Nirwana geben ? Aber sie verstehen nicht, dass Nirwana nicht irgendwo anders ist, denn sonst hätte es möglich sein können, den Gang dorthin zu beschleunigen. Es ist aber schon erreicht. Du mußt nur noch dahin kommen, wo du schon bist. Du mußt nur das sein, was du schon bist. Je schneller du gehst, desto weiter weg wirst du gelangen -- weit weg von der Wachheit.

15.01.2008 um 03:09 Uhr

Tao 362

von: tao

Fröhlich 

Wenn du zu fühlen beginnst, wie schön es wäre, erleuchtet zu sein,

wie schön es wäre, die Wahrheit zu erkennen,

wie schön es wäre, Gott zu verwirklichen,

dann beobachte diese Gier,

sonst wird Gott zu einem Objekt werden,

und alle Objekte gehören zur Welt.

Es gibt kein überirdisches Objekt.

Alle Objekte gehören zum Markt.

Es gibt keine anderen Objekte, die keine Gebrauchsgüter für den Markt darstellen;

denn was auch immer deine Sehnsucht unterstützt,

hilft dir, in diesem Mist,

in diesem Albtraum zu sein.

Also versuche nicht, etwas zu tun.

Versuche nicht, das Wünschen sein zu lassen,

verstehe einfach den Prozess des Verlangens.

In dem Moment, in dem du das verstanden hast

wirst du sehen, es ist von dir abgefallen.

14.01.2008 um 02:42 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (15)

von: tao

 

Sogar wenn du das Gefühl hast, dass du nirgendwo hingehst, planst du das auch,

denn das Denken möchte immer mit der Zukunft spielen.

Es ist sehr glücklich, wenn es für die Zukunft planen kann,

es ist sehr unglücklich, wenn es in der Gegenwart leben muss.

Aber das Planen für die Zukunft erscheint schön.

Immer wenn du Zeit hast, beginnst du, für die Zukunft zu planen,

ob für diese Welt oder schon für die nächste, Hauptsache Zukunft.

Und das Denken genießt das Planen.

Planung ist bloß Fantasie, Träumerei, Tagträume.

Personen wie Dschuang Dsi beschäftigen sich mit dem Sein,

 nicht mit dem Werden. Sie beschäftigen sich nicht mit dem Tun,

sie beschäftigen sich nicht mit der Zukunft.

Kein Planen ist nötig. Die Existenz kümmert sich um sich selbst.

 

13.01.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (12)

von: tao

Lao-tse sagt: Hüte dich vor dem Extrem.

Geh nicht bis zum Äußersten, sonst wirst du fallen.

Am Extrem verändert sich alles in sein Gegenteil.

Wenn du verliebt bist

und vierundzwanzig Stunden lang hinter deinem Geliebten her bist,

also bis zum Äußersten gehst, wie es Verliebte tun,

dann wird alles zerstört werden.

Du wirst die Liebe selbst zerstören, denn das ist zuviel.

Es wird unerträglich.

Du kannst nicht vierundzwanzig Stunden lang lieben.

Vierundzwanzig Stunden lang zu lieben

ist wie ein Mensch, der vierundzwanzig Stunden lang ißt.

Liebe ist Nahrung. Du solltest nicht bis zum Extrem gehen

sonst kann Essen zum Gift werden.

Auf diese Weise wandeln sich Dinge in ihr Gegenteil.

12.01.2008 um 23:59 Uhr

Tao 361

von: tao

Bedenke, wenn du deine Meditationen mit einer Negation beginnst, wirst du steckenbleiben. Und, noch etwas, wenn du zu sehr an das Negative denkst, wirst du austrocknen, du wirst nicht erblühen, du wirst verdorren, deine Säfte werden nicht fließen. Die Säfte können nicht in die Verneinung fließen -- dafür brauchst du irgendeinen positiven Antrieb, etwas Lebendiges, so dass es blühen kann.

 Wenn du über etwas meditieren, eine Kontemplation abhalten möchtest, gut. Aber such dir etwas Positives aus. Meditiere über eine Rosenblüte, das ist positiv. Meditiere über die aufgehende Sonne, das ist positiv. Meditiere über den Mond. Meditiere über ein spielendes Kind, wie es lacht, springt und tanzt. Meditiere über etwas, was erblüht und sich öffnet, entfaltet, was lebendig ist. Über Negatives zu meditieren bedeutet, über die Wüste zu meditieren -- und du wirst das, worüber du meditierst. Du wirst das werden, worüber du meditierst, also meditiere über die Liebe, meditiere über das Leben, meditiere über Tao.

Und wenn dir etwas sehr schön vorkommt, aber eine negative Äußerung ist, dann verwandle sie in eine positive Aussage. Jede Aussage kann in eine positive Äußerung verwandelt werden. Und das ist eine große Änderung. Wenn du "Nein" sagen willst, dann versuche es so zu sagen, dass es die Form eines "Ja" hat. Sage nicht "Nein". Du kannst immer einen Weg finden, etwas auf solch eine Weise zu sagen, dass es, sogar wenn es ein "Nein" ist, in der Form eines "Ja" daherkommt. Und das wird hilfreich für dich sein.

Du mußt auch schon Leuten begegnet sein, die sich so auf das "Nein" fixiert haben, dass sie sogar, wenn sie manchmal "Ja" sagen wollen, eine negative Ausdrucksweise dafür finden.

Mach es lieber umgekehrt..