Taoistische Reflektionen

10.04.2008 um 15:49 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (13)

von: tao

Immer wenn du gerade nicht kämpfst

und nicht auf der Suche nach jemandem bist, den du imitieren kannst,

fällt dein Bewußtsein vom Kopf ins Herz.

Dann bist du offen, dann bist du einfach in Liebe.

Das ist mit shraddha, Zuversicht, Vertrauen gemeint.

Das ist weder Glauben noch Unglauben.

Denke nicht, dass Vertrauen oder Überzeugtsein Glauben ist, das ist es nicht.

Der Glaube steckt im Kopf, der Unglaube ist im Kopf angesiedelt,

das Vertrauen ist im Herzen.

Das hat nichts mit Glauben oder Unglauben zu tun.

Ob du glaubst oder nicht glaubst, spielt überhaupt keine Rolle;

du liebst einfach.

Du siehst eine Rosenblüte.

Glaubst du an sie oder glaubst du nicht an sie?

Du tust nichts dergleichen, du schaust sie einfach an.

Niemand ist ihr Jünger und folgt ihr nach, niemand ist gegen sie eingestellt.

Verrückt

09.04.2008 um 01:15 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (12)

von: tao

Es liegt an dir, wie oft du an anderer Türen klopfst

und wie sehr du hierhin und dorthin wanderst.

Schließlich wirst du zu deiner eigenen Türe kommen und zur Erkenntnis

dass, was zu dir gehört, immer schon da gewesen ist. Niemand kann es wegnehmen.

Die Natur, das Tao, kann dir nicht weggenommen werden.

Dieser Mann aus der Geschichte war wegen seines Schattens verstört.

Seine Lösungsmethode, auf die er stieß, war, vor ihm davonzurennen.

Das ist die Methode, auf die jeder verfällt.

Es scheint, dass das Denken eine seltsame Logik hat.

Wenn du zum Beispiel wütend wirst, was tust du dann?

Das Denken wird sagen: Sei doch nicht wütend, nimm dich zusammen.

Was wirst du dann tun? Du wirst die Wut unterdrücken

und je mehr du sie unterdrückst,

desto mehr wird die Wut sich bis in die tiefsten Wurzeln deines Wesens verlagern.

Dann wirst du nicht bloß manchmal wütend und manchmal nicht wütend sein;

wenn du das zu sehr unterdrückt hast, dann wirst du ständig nur noch wütend sein,

die Wut wird in deinem Blut stecken, sie wird sich als ein Gift überallhin verbreitet haben.

Sie wird sich auf all deine Beziehungen auswirken.

Sogar wenn du in jemanden verliebt bist,

wird du Wut da sein und die Liebe wird gewalttätig werden.

Sogar wenn du jemandem zu helfen versuchst,

wird in dieser Hilfe dieses Gift enthalten sein, weil dieses Gift in dir ist.

Und all deine Handlungen werden dies beinhalten, sie werden dich widerspiegeln.

Wenn du das dann wieder spürst, wird das Denken sagen:

Du hast es eben nicht genug unterdrückt, unterdrücke die Wut noch mehr.

Aber die Wut ist ja schon wegen dieser Unterdrückung da,

und das Denken sagt: Unterdrücke deine Wut noch mehr!

Dann wirst du  noch wütender sein.

08.04.2008 um 00:51 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (11)

von: tao

Wütend 

Wenn du auch nur einen Tag lang ohne Ego leben würdest, was würde dann mit diesem Ego passieren

das du schon so viele Leben lang mit dir herumgetragen hast?

Sogar innerhalb von vierundzwanzig Stunden wird es einfach verschwinden

denn es benötigt ein ständiges Wiederaufladen, wieder und wieder.

Es ist kein natürliches Phänomen, es ist kein Perpetuum mobile.

Die Existenz dagegen geht ewig weiter, als Perpetuum mobile;

sie hat etwas Ewiges an sich, unerschöpflich.

Der eine Baum mag sterben, aber augenblicklich wird ein anderer Baum ihn ersetzen;

die Energie begibt sich in einen anderen Baum.

Dein Körper mag wegfallen, aber die Energie begibt sich in einen anderen Körper hinein.

Du hast tief in dir, wie alles andere in der Existenz,

eine bestimmte ewige Energie, die nicht erschöpft werden kann.

Du brauchst Brennstoff für den Körper.

Wenn du nicht ißt und nicht trinkst, wirst du sterben.

  

07.04.2008 um 01:53 Uhr

Tao 390

von: tao

Es gibt sehr hoch entwickelte Tiere

die als menschliche Wesen geboren werden werden

in ihrer nächsten Inkarnation. Sie sind fast menschlich.

Hunde werden vom Menschen korrumpiert.

Tiere, die mit dem Menschen zusammenleben, sind schon fast verdorben,

sie sind menschlich geworden: Tiere, Katzen und andere Tiere.

Wenn du in Situationen kommst, wo du das Gefühl hast

dass Tiere nur aus Spaß Gewalt ausüben,

dann sind sie schon fast menschliche Wesen.

Bald wirst du sie dann irgendwo in ihrer menschlichen Form treffen können.

Aber nur der Mensch ist gewalttätig.

Andere Tiere verstehst du vielleicht nicht:

Sie mögen mehr Tiere getötet haben, als sie fressen können;

das zeigt einfach, sie wissen nicht, wie sie das vorher abschätzen können.

Aber es ist kein Sport für sie.

Sie tun das nicht bloß deswegen, weil es ihnen Spaß macht, nein..

06.04.2008 um 01:57 Uhr

Tao 389

von: tao

Aber ihr zerstört. Ihr zerstört eine Gesellschaft
ohne die geringste Idee, was ihr als nächstes tun werdet,
ohne irgendeine kreative Idee im Sinn. Ihr genießt einfach die Zerstörung.
Du zerstörst ein Haus, du zerstört ein Objekt,
und wenn jemand fragt: "Warum tust du das?"
dann sagst du einfach: "Mir gefällt das Zerstören."
Dann bist du verrückt, etwas ist dann in dir schief gelaufen --
die Zerstörung an sich ist zu einem Ganzen geworden,
sie versucht nun den Anspruch zu erheben, dass sie das Ganze darstellt.
Wenn die Zerstörung beansprucht, dass sie alles ist, dann ist das der Teufel;
wenn die Zerstörung Teil eines größeren Ganzen ist, der Schöpfung,
dann ist das göttlich.
Wenn du eine Person liebst, wirst du viele, viele Male
sie auch hassen müssen, aber das ist dann Teil der Liebe.
Ein Vater liebt sein Kind, aber oftmals wird er auch wütend sein
und er wird das Kind schimpfen und bestrafen.
Aber ein Kind wird niemals durch Wut verletzt, niemals.
Ein Kind wird verletzt, wenn du einfach wütend bist, ohne irgendeinen Grund,
wenn du ohne jeglichen Grund destruktiv bist.
Wenn ein Kind das Warum nicht verstehen kann, dann kann es dir nicht vergeben.
Wenn es das Warum verstehen kann -- es hat eine Uhr kaputt gemacht --
dann kann es verstehen, dass der Vater es bestrafen wird, und es akzeptiert das.
Tatsächlich, wenn der Vater es nicht bestraft, wird es die Schuld mit sich herumtragen
und das ist sehr destruktiv;
es wird ständig Angst davor haben, dass eines Tages
es herauskommen wird, dass es eine wertvolle Uhr kaputt gemacht hat
oder eine Vase oder sonst etwas, und ein Schuldgefühl wird da sein
und eine Wunde wird vorhanden sein. Es möchte, dass das geklärt wird,
es möchte, dass damit Schluß ist, und der einzige Weg, wie es beendet werden kann
ist, dass der Vater wütend wird -- jetzt ist alles im Gleichgewicht.
Es hat etwas falsch gemacht, der Vater wurde wütend, es wird bestraft.
Die Angelegenheit ist abgeschlossen. Es ist bereinigt.
Nun kann es unbelastet weiterleben.

 
 

05.04.2008 um 01:44 Uhr

Tao 388

von: tao

 Verstehen ist immer frisch,
Weisheit ist ein wenig staubig und alt,
Weisheit gehört immer zur Vergangenheit,
deiner eigenen Vergangenheit.
 Wissen gehört auch der Vergangenheit an - der Vergangenheit anderer.
Aber welchen Unterschied macht das letztlich aus?
Denn deine eigene Vergangenheit ist so weit weg von dir wie die Vergangenheit anderer;
du bist nicht mehr derselbe.
In jedem Moment fließt der Fluß weiter, sagt der alte Heraklit,
du kannst nicht zweimal in denselben Fluß steigen.
Deine eigene Jugend --
du kannst nicht zweimal in sie einsteigen;
du hast etwas aus deiner Erfahrung gelernt,
du trägst sie mit dir.
Wissen kann weggewaschen werden, Weisheit auch.
Sie können gehirngewaschen werden,
völlig aus deinem Denken weggewischt werden.
Verstehen kann niemals gehirngewaschen werden,
es ist kein Teil des Gehirns,
es ist nicht akkumulativ.
Alles was akkumulativ ist, wird im Gehirn gespeichert.
Das Verstehen gehört zu deinem Sein,
es kann nicht weggewaschen werden -- du kannst einem Menschen des Tao keine Gehirnwäsche verpassen; tatsächlich hat er sich selbst komplett gehirngewaschen,
er hat seine Tafel selbst gereinigt, seine Speicher selbst bereinigt, wie kannst du ihn da noch gehirnwaschen? Er häuft nichts an, er speichert nichts,
er lebt von Moment zu Moment.
 Durch das Leben wächst sein Wesen.
Wenn durch das Leben dein Wissen wächst, ist es Weisheit;
wenn durch das Leben dein Wesen wächst, ist es Verstehen;
und wenn, ohne es zu leben,
deine Speicher wachsen,
ist es Wissen.
Verstehen ist das reale Erblühen
des Wesens.
Verrückt 

04.04.2008 um 15:09 Uhr

Tao Te King 15 (14)

von: tao

Das ist wie der Himmel, der ewiglich der gleiche bleibt:

Jahreszeiten kommen und gehen, jetzt ist es Winter, nun ist es Sommer,

erst regnet es, dann sind die Regenwolken wieder verschwunden.

Bäume kommen und vergehen, Generationen kommen und gehen,

das Drama des Lebens bewegt sich ständig weiter, aber der Himmel bleibt, wie er ist,

auf ewig der gleiche, ewiglich neu, immer frisch und immer alt.

Weisheit ist wie der Himmel.

Natürlich kann Wissen gelehrt werden

in den Universitäten, Hochschulen und Schulen,

aber Weisheit kann niemals gelehrt werden, es kann nirgendwo beigebracht werden.

Weisheit muss durch das Leben eingesaugt werden; es gibt keinen anderen Weg.

Also kann nur ein alter Mensch ein weiser Mensch sein.

Was Weisheit betrifft, kann ein junger Mensch niemals den alten Menschen übertrumpfen,

aber was das Wissen betrifft, kann er ihn immer übertreffen.

03.04.2008 um 03:01 Uhr

Tao Te King 47 (19)

von: tao

Was ist der Sinn des Lebens?

Es hat keinen Sinn.

Du bringst den Sinn in das Leben hinein.

Du kreierst die Bedeutung.

Der Sinn ist keine objektive Tatsache,

also schau dich nicht nach dem Sinn um und suche nicht nach der Bedeutung.

Wenn du immer weiter suchst, wirst du zwangsläufig zu der Wahrheit kommen

dass das Leben sinnlos ist.

Auf diese Weise sind die Existentialisten zu der Entdeckung gekommen

dass das Leben bedeutungslos ist;

und da sind sie stehengeblieben,

was sehr bedauernswert ist.

Im Taoismus ist man auch zu dieser Erkenntnis gekommen, aber wir sind niemals dabei stehen geblieben.

Buddha kam auch zu der Erkenntnis, dass das Leben sinnlos ist

aber er blieb nie dort stehen.

Das heißt auf halbem Weg stehen zu bleiben!

Das Leben ist sinnlos,

aber das bedeutet nicht, dass dein Leben notwendigerweise ohne Bedeutung sein muss, nein;

das Leben ist sinnlos, wenn du ihm keinen Sinn gibst.

02.04.2008 um 01:24 Uhr

Tao 387

von: tao

Wenn das Denken stehenbleibt, ist da kein Ego,

wenn das Denken nicht funktioniert, gibt es kein Ego.

Wenn das Denken funktioniert, dann ist das Ego da

und wenn das Denken zu sehr funktioniert, ist das Ego zu sehr da.

Das ist der Grund, warum du es sehen kannst, dass Leute, die zuviel

mit dem Kopf arbeiten, egoistischer sind als sonst irgendjemand.

Priester, Gelehrte, Professoren, Schriftgelehrte,

die sogenannte Intelligenzia, sie haben die subtilsten Egos.

Intellektuelle, Schriftsteller, Dichter, Philosophen,

sie haben die subtilsten Egos.

Sie sind nichts als Egos -- zuviel im Kopf.

Leute, die mit den Händen arbeiten,

die technisch gesehen "Handwerker" genannt werden, sind bescheidene Leute.

Geh und besuche ein kleines Dorf mit Bauern, Arbeitern, Handwerkern,

die mit den Händen arbeiten. Das sind bescheidene Leute.

01.04.2008 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (22)

von: tao

Was ist Taoismus? Was hat Taoismus für eine praktische Bedeutung?

Für einen Menschen bedeutet es, sich dafür zu entscheiden, niemanden zu versklaven

und sich von niemandem versklaven zu lassen;

sich dafür entschieden zu haben, authentisch wahr sich selbst gegenüber zu bleiben,

und wohin auch immer diese Wahrheit ihn führt, er ist bereit dorthin zu gehen.

Das ist Mut --

weil das dich vielleicht in Unsicherheit führt

und du dich gerne sicherer fühlen würdest;

du würdest also auf andere hören und auf ihre besten Absichten

und dann werden ihre Symphonien dich töten.

Sie haben dich schon getötet.

Warum hörst du auf andere?

Weil du das Gefühl hast, dass sie mehr wissen.

Nicht die Menge an Erfahrungen macht dich weise, nur die Qualität.