Taoistische Reflektionen

30.11.2008 um 23:58 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (11)

von: tao


 

Schau doch... du kannst in diesem Moment ein Heiliger sein

und im nächsten Moment ein Sünder.

Was ist das Problem für das Leben?

Du kannst in diesem Moment ein Sünder sein

und im nächsten Moment kannst du dich darüber erheben

und ein Heiliger werden.

Was ist das Problem?

Schau dir das innere Phänomen an:

Wie Dinge verschmelzen, in den Gegensatz hinein,

wie Gegensätze zusammen existieren.

Du warst glücklich, glücklich wie eine Blume,

glücklich wie ein Stern,

und plötzlich wirst du traurig.

Schau... ist dieses Traurigsein etwas,

das von deinem Glücklichsein getrennt ist?

Oder ist dieselbe Energie Traurigkeit geworden?

Wer war glücklich und wer ist traurig?

Sind da zwei Personen in dir

oder hat dieselbe Person Stimmungen?

Verrückt

29.11.2008 um 18:55 Uhr

Quellender Urgrund 1/9 (10)

von: tao

 

Das Ziel kann nicht wertvoll sein, im gewöhnlichen Sinn des Begriffs. Wenn zum Beispiel dich jemand fragt: "Du liebst, aber was ist der Wert von Liebe?", was wirst du dann sagen? Du wirst sagen: "Wert ist nicht der richtige Name dafür." Liebe ist kein Wert im gleichen Sinn, in dem ein Auto einen Wert hat, ein Haus seinen Wert hat. Geld hat einen Wert, Gesundheit hat einen Wert, aber Liebe? Liebe ist das Ultimative, das Ziel. Du  liebst um der Liebe willen. Sie ist kein Mittel für irgendetwas anderes, sie ist ihr eigenes Ziel. Ihr Wert ist intrinsisch, ihr Wert liegt in ihr selbst; es ist nicht nach außen gerichtet.

Wenn jemand fragt: "Was ist der Wert des Lebens?", wirst du sicherlich sagen: "Wert ist nicht der richtige Name dafür."
"Warum lebst du denn?" Du wirst sagen: "Weil ich es genieße, lebendig zu sein."
"Aber was hat das für einen Wert?" "Wert... da gibt es keinen."
Alles, was letztendlich ist, ist wertlos im gewöhnlichen Sinn des Wortes, aber wegen dem Ultimativen ist alles andere wertvoll, Wert ist also nicht der passende Name dafür, obwohl alle Werte wegen des Letztendlichen existieren.

28.11.2008 um 23:59 Uhr

Tao Te King 48 (15)

von: tao

Bedenke, deine Agonie klammert sich nicht an dir fest,
sie kann sich gar nicht an dich hängen,
dein Wissen kann sich nicht an dir festhalten,
du hältst an deinem Wissen fest.
Du klammerst dich nicht nur daran,
du läßt es ständig noch weiter wachsen,
du hilfst ihm laufend dabei, mehr und mehr anzuwachsen.
Lao-tse sagt:
"Der Student des Wissens
ist auf tagtägliches Lernen ausgerichtet."
Seine ganze Anstrengung zielt darauf ab, mehr zu lernen,
mehr Informationen anzuhäufen,
mehr zu wissen.
Und je mehr er weiß
desto weniger wird er innerlich,
denn dann geht das Wesen mehr verloren.
Dann wird er zu einem Haufen Informationen,
zu einem Schrottplatz,
und er kann sich selbst nicht finden, wo er überhaupt ist.
Er ist verloren
im Dschungel seines eigenen Wissens.

27.11.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (10)

von: tao

Die Existenz ist widersprüchlich,
aber da ist eine tiefe Harmonie
zwischen den entgegengesetzten Polaritäten.
Für das Denken sieht das unmöglich aus,
das kann doch nicht sein.
Wie kann das Entgegengesetzten zusammen existieren?
Wie kann es eine Harmonie
zwischen Leben und Tod geben?
Wie kann es eine Harmonie
zwischen Hass und Liebe geben?
Das Denken sagt: Liebe ist niemals Hass
und Hass ist niemals Liebe.
Das Denken sagt: A ist A und B ist B
und A ist niemals B.
Das Denken ist logisch
und das Leben ist widersprüchlich,
das ist der Grund, warum sie niemals zusammenkommen.
Wenn du also sagst, dass dieser Mensch gut ist,
dann kannst du nicht glauben,
dass dieser Mensch auch schlecht ist.
Aber so ist das Leben:
Der Sünder existiert im Heiligen
und der Heilige existiert im Sünder.
Nur die Logik ist klar umrissen,
mit Grenzlinien und Definitionen.
Das Leben ist nicht so scharf abgegrenzt,
es bewegt sich vom einen Gegensatz zum anderen.
Traurig

26.11.2008 um 14:19 Uhr

Tao 456

von: tao

Sogar ein Buddha muss suchen, in die Irre gehen und leiden. Dieser Schmerz ist ein Muss. Das ist der Preis, den wir zahlen. Dann, eines Tages, wenn du in jeder Richtung gesucht hast, in jeder Dimension, und nirgendwo hast du irgendetwas gefunden, was du wolltest, wenn deine Frustration aufs Äußerste gestiegen ist, in genau diesem Moment der Frustration fällt alles Suchen weg. Plötzlich bist du zurück daheim. Aber um nach Hause zu kommen, muss man an viele Türen klopfen.

Du solltest also nicht dein Suchen stoppen -- bevor du nicht völlig konfus bist und äußerst frustriert. Wenn du immer noch hinter etwas her bist, wenn irgendwo in deinem Denken immer noch irgendein Funken Hoffnung glimmt, dass du durch Suchen finden kannst, dann suche, suche mit allen Mitteln -- sogar obwohl niemand jemals durch Suchen angekommen ist. Also such nur, such auf jede Weise -- so dass du frustriert sein kannst, so dass du die Hoffnungslosigkeit der Anstrengung an sich erkennen kannst. In dieser Hoffnungslosigkeit ist Hoffnung, in dieser Frustration tanzt eine total neue Existenz -- die Welt des Seins. Suchen ist die Welt des Werdens.

 

25.11.2008 um 21:31 Uhr

Tao 455

von: tao

Beschäftigt
Versuche es doch mal.
Ziele -- zuviele Leben hast du schon darauf verwendet.
Und nun versuch mal, von Moment zu Moment zu leben,
als wenn es keine Zukunft gibt.
Am Anfang wird es nur "als ob" sein,
aber nach und nach wird dir bewußt werden
dass dieses "als ob" die einzige Realität ist.
Zu Beginn mag es bloß wie ein "so tun als ob" sein.
Bald wirst du feststellen,
dass dieses "so tun, als ob" die einzige Wirklichkeit ist.
Du bist mit einem Ziel hierher gekommen
aber die Existenz wird dir nicht gestatten,
bei einem Ziel zu bleiben.
Wenn du nicht vor dem Leben davonläufst
wird das Ziel wegfallen müssen.
Häng nur noch ein wenig mehr in der Gegenwart herum
und das Ziel wird zwangsläufig wegfallen müssen.
Du kannst entweder im Hier und Jetzt beim Tao bleiben
oder im Dort und Dann bei deinem Ziel:
Du mußt dich schon entscheiden.

24.11.2008 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (14)

von: tao


 

Diese Berauschung, das göttliche Rauschmittel,

ist nicht temporär,

es ist zeitlos, nicht nur momentan -- es ist ewig.

Und die Sufis reden von Gott als der Frau.

Diese Umarmung ist ewig. Sie ist ultimativ.

Dann gibt es keine Trennung mehr.

Wenn du dies verstehen kannst, dann bist du intelligent,

aber nicht durch deine Strategien,

deine Schlauheit, Arithmetik, nicht durch deine Logik.

Wenn du es kannst, dann schau tief in die Existenz hinein.

Von woher bist du gekommen? Wohin gehst du gerade?

Mit wem kämpfst du gerade, und warum?

Diese gleichen Momente, die du durch Kämpfen verlierst

können ekstatisch werden.

Fröhlich

23.11.2008 um 17:54 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (6)

von: tao


Das Kind ist glücklich und wir haben das Gefühl,
dass etwas verkehrt daran ist.
Bedenke, immer wenn ein Kind glücklich ist
dann assoziiere dazu nicht,
dass etwas falsch daran ist,
sonst wird tief in dir
Glücklichsein zu etwas Verkehrtem werden.
Und genau das ist passiert.
Immer wenn du dich glücklich fühlst,
fühlst du dich schuldig,
und immer wenn du dich traurig fühlst,
fühlst du dich glücklich.
Was für ein Unsinn --
immer wenn du dich glücklich fühlst
hast du das Gefühl,
dass irgendwo etwas falsch daran ist!
"Irgendetwas mache ich wohl gerade falsch."
Immer wenn du traurig bist, ist alles in Ordnung,
es ist, wie es sein sollte.
Das ist deswegen so, weil immer,
wenn ein Kind glücklich ist,
sofort, von irgendwo her, die Gesellschaft
sich einmischt und Nein dazu sagt.
Das Kind hat keine Vorstellung davon, was falsch
und was richtig ist. Es hat keine Moral.
Ein Kind ist amoralisch.
Er kennt nur Glücklichsein und Unglücklichsein
-- es ist wild.
Und wenn du "Hör auf damit" sagst,
was wird das Kind dann tun?
Wellen von Glücksgefühlen
strömten über den ganzen Körper
von Kopf bis Fuß: vom ersten Sexzentrum,
bis zum siebten Zentrum des Sahasrar --
die Kundalini war erweckt worden,
und das Kind erstarrt.

22.11.2008 um 22:06 Uhr

Tao 454

von: tao


Alles, ausgenommen der Wechsel, ist in Veränderung.
Die Wandlung ist der einzige permanente Faktor in der Existenz
wie kannst du dich also auf die Vergangenheit verlassen?
Wenn du dich darauf stützt,
wirst du immer die Gegenwart verpassen.
Alte Leute, weise, wie sie sich fühlen,
sind immer bereit, jedermann großartige Ratschläge zu geben --
sie sind voll des guten Rats; niemand hört auf sie -- das ist gut,
niemand hört zu,
denn du wirst niemals dieselben Erfahrungen erleben,
wie sie sie erlebt haben.
Der Fluss wird niemals wieder derselbe sein.
Wenn du ihnen folgst
wirst du falsch werden,
unauthentisch, unwahr,
du wirst eine Lüge sein.
Und höre auch niemals auf deine eigene Erfahrung
denn du wirst auch jeden Tag älter,
und immer wird es das Gestern sein, das dich berät.
Eine neue Situation entsteht und das Gestern macht sich bereit,
und das Gestern, der alte Mann in dir, sagt:
Das ist mein Ratschlag, tue dies,
denn das haben wir gestern getan
und es war gut, und es hat funktioniert,
und du hattest Erfolg damit.
Höre nicht auf deinen eigenen inneren alten Mann.

21.11.2008 um 23:59 Uhr

Tao 453

von: tao


 

Regeln sind für all diejenigen,

die Feiglinge sind.

Ein Taoist lebt mit seiner inneren Disziplin,

er glaubt an keine andere Diszipin.

Sein eigenes Bewußtsein ist das einzige Gesetz.

Er folgt ihm.

Wo immer es ihn hinführt, er ist bereit, dort hinzugehen --

wenn es in die Hölle geht, wird er in die Hölle gehen.

Denn das ist sein Weg

zur Erkenntnis

der Wahrheit.

Er folgt seinem eigenen Wesen.

Er gestattet niemandem, ihm irgendetwas aufzuzwingen.

Er rebelliert.

Gewöhnliche christliche Heilige sind harmlos

aber Heilige wie Jesus sind gefährlich --

für die Gesellschaft, für die Kultur,

für den Status quo, die festgeschriebene Lebensweise,

für das Establishment.

20.11.2008 um 14:39 Uhr

Tao 452

von: tao

Sonstige
Gib das Wissen auf,
und dann lass auch die Weisheit los.
Glaube nicht an die Erfahrungen anderer
und glaube auch nicht einmal
an deine eigenen Erfahrungen,
denn sie gehören zur Vergangenheit --
du bist von dort damals weitergegangen,
sie sind nicht mehr ein Teil der Existenz,
die Dinge sind weitergegangen,
der Fluss ist unter tausend-und-einer Brücke hindurchgeflossen,
und es ist nicht mehr derselbe Fluss,
sogar wenn du ihn immer noch fließen siehst.
Es ist nicht der selbe Fluss,
er verändert sich ständig.

19.11.2008 um 18:43 Uhr

Tao 451

von: tao

Beschäftigt

Was passiert denn tagtäglich?

Ein Vater, auch wenn er sein Kind liebt, wird ärgerlich --

aber was tut er dann? Er unterdrückt die Wut.

Und das kann ein Kind niemals vergeben,

denn wenn ein Vater seinen Ärger unterdrückt,

wird die Wut kalt.

Versuche, dies zu verstehen.

Immer wenn Wut kalt ist, gehört sie zum Teufel;

immer wenn Wut heiß ist, ist sie von Gott.

Eine heiße Wut ist schön, lebendig;

eine kalte Wut ist tödlich, giftig.

18.11.2008 um 16:56 Uhr

Tao Te King 9 (20)

von: tao

Es geschah einmal, dass ein Amerikaner

von Picasso ein Porträt gemalt haben wollte.

Er wußte, dass der einen fanstastischen Preis verlangen würde, aber er würde ihn zahlen,

er hatte genug. Also legten sie vorher keinen Preis fest.

Er bat ihn darum und Picasso machte das Porträt.

Als es fertig war, verlangte Picasso tatsächlich einen fantastischen Preis.

Sogar der Amerikaner konnte es nicht glauben

dass Picasso für solch ein kleines Porträt,

bloß ein kleines Stück Leinwand mit ein paar Farben darauf,

zehntausend Dollar wollte.

Der Amerikaner sagte: Es erscheint mir ein wenig zuviel, sogar für mich.

Was in dem Bild ist zehntausend Dollar wert ?

Picasso sagte: Was siehst du?

Er sagte: Ich sehe ein Stück Leinwand und ein paar Farben.

Picasso sagte: In Ordnung. Bring mir zehntausend Dollar,

oder was auch immer du willst.

Er sagte: Ich werde dir fünftausend Dollar bringen.

Als er fünftausend Dollar brachte, gab ihm Picasso

nicht das Porträt, sondern ein Stück Leinwand und ein paar Tuben mit Farben.

Und er sagte: Nimm das. Das ist doch alles, was du wolltest.

Ein Porträt ist mehr als ein Stück Leinwand, mehr als ein paar Farben.

Es ist eine Harmonie.

Und wenn Picasso etwas malte, war es für ihn eine große Harmonie.

Der Preis ist nicht für die Farbe und die Leinwand,

der Preis ist für die Harmone, die er hergestellt hat

mit den Farben und der Leinwand.

Traurig

17.11.2008 um 23:59 Uhr

Tao 450

von: tao

Verrückt
Wenn du einem Menschen des Tao eine Frage stellst,
dann gibt er dir keine Antwort,
er erzeugt eine Antwort gebende Situation.
Und das hat eine qualitativ andere Dimension.
Er erzeugt einfach eine antwortende Situation
in der du die Tatsache sehen kannst:
Ja, deine eigene Wahrheit kann dich befreien,
und nicht die von irgendjemand anderem;
in der du zu der Realisation kommst,
in der dir bewußt wird:
Richtig!
Wie kann die Wahrheit irgendeines anderen mich befreien?
Niemand hat deine Bindung erzeugt,
niemand kann deine Freiheit erschaffen.
Du erzeugst deine Gefangenschaft,
nur du kannst deine Freiheit erschaffen.
 
 

16.11.2008 um 19:21 Uhr

Tao Te King 78 (9)

von: tao

Wenn du im Körper verwurzelt bleibst,

wirst du niemals das kennenlernen können,

was über den Körper hinausgeht,

das, was in dir ist

aber doch darüber hinaus geht,

das, was im Körper verborgen ist

aber nicht behindert durch den Körper,

nicht begrenzt durch den Körper ist.

Ein Jenseits in dir.

In jedem Atemzug muss dieses Leben entdeckt werden.

Yoga nennt diese Methoden Pranayama.

Das Wort pranayama bedeutet

Expansion des Lebens.

Man muss das Leben grenzenlos ausdehnen

in jedem Atemzug.

 

15.11.2008 um 14:04 Uhr

Tao Te King 41 (13)

von: tao

Ein perfekter Maler braucht keinen Pinsel und keine Leinwand;
ein vollkommener Musiker
braucht keine Violine oder Gitarre oder Sitar.
Nein, das ist für den Amateur.
Da gab es in Indien einen sehr alten Musiker,
er wurde über einhundertzehn Jahre alt.
Ravi Shankar war sein Schüler.
Der konnte mit allem Musik erzeugen, mit allem, was auch immer.
Er ging zum Beispiel gerade an zwei Felsen vorbei
und dann machte er Musik mit ihnen;
er fand ein Stück Eisen und dann begann er damit zu spielen
und man hörte schöne Musik, so, wie man sie niemals gehört hatte.
Das war ein Musiker. Nun war sogar seine Berührung musikalisch.
Wenn er dich berührte, dann würdest du sehen
dass er das innerste Instrument berührt hatte
von deiner inneren Harmonie und Musik --
plötzlich würdest du zu vibrieren beginnen.

14.11.2008 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (13)

von: tao

Verrückt

Du hast komplett vergessen, was Natur ist.

Du hast sie von Grund auf verdammt.

Und wenn du die Natur verurteilen willst

mußt du damit beginnen, indem du den Sex verdammst,

denn die Ganzheit der Natur entsteht daraus.

Die gesamte Natur ist ein Überfließen von Sex-Energie, von Liebe.

Die Vögel singen, die Bäume blühen --

das ist alles sexuelle Energie, die explodiert.

Blüten sind Sex-Symbole, das Singen der Vögel ist sexuell,

die Ganzheit von Tao ist nichts als Sex-Energie --

die Gesamtheit der Natur propagiert sich selbst, sie liebt sich selbst,

begibt sich in tiefere Ekstasen der Liebe und der Existenz.

 

13.11.2008 um 16:27 Uhr

Tao Te King 41 (12)

von: tao

Es war einmal, so erzählt man sich,
dass ein großer Bogenschütze
seinen Schüler bis zur größten Perfektion
im Bogenschießen trainierte,
und dann sagte er ihm: Nun vergiß alles darüber.
Zwanzig Jahre lang pflegte der Schüler nun
zum Meister zu kommen
aber der Meister sagte gar nichts mehr,
also mußte der Schüler geduldig warten.
Nach und nach vergaß er komplett alles
über das Bogenschießen --
zwanzig Jahre sind eine lange Zeit,
er war schon fast ein alter Mann geworden.
Dann kam er eines Tages wieder 
und als er in das Zimmer des Meisters eintrat,
sah er einen Bogen,
aber er erkannte nicht mehr, was das war.
Da ging der Meister auf ihn zu, umarmte ihn und sagte:
Nun bist du ein vollkommener Bogenschütze geworden, du hast sogar den Bogen vergessen.
Nun geh einfach vor die Tür
und schau auf die Vögel am Himmel,
und bloß durch den Gedanken,
dass sie zu Boden fallen sollten,
werden sie es.
Der Bogenschütze ging hinaus
und er konnte es nicht glauben.
Er konzentrierte sich auf die vorüberfliegenden Vögel, fast ein Dutzend Vögel waren das, und augenblicklich fielen sie vom Himmel.
Der Meister sagte: Nun gibt es nichts mehr zu tun.
Ich habe dir damit einfach gezeigt, dass man nur,
wenn man die Technik vergißt, perfekt wird.
Nun sind Pfeil und Bogen nicht mehr nötig,
nur Amateure brauchen das.

12.11.2008 um 16:17 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (11)

von: tao


   
 
Bedenke: Hindus haben eine Theologie,
Mohammedaner eine andere, Christen wieder eine andere,
aber Religion, die mystische Religion, ist die gleiche;
sie kann nicht anders sein.
Buddha und Jesus, Dschuang Dsi und Lao-Tse,
sie sind die gleichen, weil sie keine Theologen sind.
Sie reden nicht vom Kopf her,
sie schütten einfach ihr Herz aus.
Sie sind keine Logiker, sie sind Dichter.
Sie zitieren nicht etwas aus den Schriften,
sie sind nicht ausgebildet dafür,
sie antworten einfach auf eine Notwendigkeit in dir.
Ihre Worte sind nicht vorformuliert,
ihr Benehmen nicht festgelegt,
ihr Verhalten ist nicht geplant.
Das ist der Einstieg in Dschuang Dsis Text:
"Wenn ein Mann einem Fremden auf den Fuß steigt
auf dem Marktplatz,
dann entschuldigt er sich höflich:
"Dieser Platz ist so überfüllt.""

11.11.2008 um 21:24 Uhr

Tao 449

von: tao


 

Macchiavelli sagte: Sage einem Freund keine Sachen

die du dem Feind nicht gerne sagen würdest;

und sage nichts über den Feind, schlechte Dinge über den Feind,

denn, wer weiß, am nächsten Tag wird er ein Freund werden

und dann wird da immer etwas zwischen euch sein.

Das ist Cleverness, Schlauheit.

Dieser Mann, Macchiavelli, war wirklich sehr, sehr clever, listig.

Niemand hat jemals wieder diesen Gipfel an Klugheit erreicht.

Jeder Monarch im Westen las sein Buch

und jedes gekrönte Haupt war beeindruckt -- er hatte recht.

Jeder Monarch versuchte, ihm zu folgen,

aber kein Staatsoberhaupt nahm ihn in seine Dienste auf

denn solch ein gefährlicher Mensch könnte einem selbst gefährlich werden.