Taoistische Reflektionen

08.02.2009 um 21:52 Uhr

Tao 478

von: tao

Man sagt: Immer wenn ein Witz erzählt wird
gibt es dreierlei Gelächter.
Das erste Lachen kommt von denen, die ihn sofort verstehen
Dann ist da die zweite Art des Lachens.
Diese Leute verstehen den Witz,
aber sie benötigen etwas Zeit dafür.
Dann trifft er sie nur intellektuell, nicht existentiell;
ihr Lachen kommt, aber das Lachen ist nur auf den Lippen --
ein intellektuelles Phänomen.
Das erste Lachen kommt aus dem Bauch,
das zweite Lachen bloß vom Kopf her.
Sie verstehen die Pointe,
aber der Intellekt braucht immer Zeit,
er kann nicht sehr schnell begreifen.
Sogar die intelligenteste Person ist ein wenig stupide,
denn die Natur des Intellekts ist so beschaffen,
dass er nicht springen kann.
Er bewegt sich in logischen Schritten, das braucht Zeit,
das ist ein Fortschreiten, ein graduelles Phänomen --
Schritt für Schritt kommst du zur Schlußfolgerung.
Das ist das zweite Lachen.
Es wird blass sein, nicht sehr tiefgehend,
nicht sehr entspannend, keine Katharsis,
bloß ein intellektuelles Phänomen: Im Kopf macht etwas Klick,
erzeugt kleine Gehirnwellen und das ist alles.
Und dann ist da die dritte Art des Lachens.
Diese Leute lachen, weil andere gerade lachen.
 

07.02.2009 um 21:59 Uhr

Tao 477

von: tao

Wäre Jesus in Indien geboren worden,
er wäre nicht gekreuzigt worden, nein.
Das ist dort niemals praktiziert worden,
denn die haben sogar gefährlichere Leute kennengelernt --
Jesus ist nichts dagegen.
Die haben Krischna kennengelernt.
Tatsächlich ist es höchstwahrscheinlich
dass Christus eine verfälschte Form von Krischna ist.
Jesus muss etwas an sich gehabt haben
etwas von der Qualität des Krischna.
In Bengalen heißt Krischna Kristo;
in vielen europäischen Sprachen heißt Christus Christo.
Christus scheint eine Form von Krischna zu sein;
Christus ist nicht der Name von Jesus.
Jesus Christus bedeutet Jesus der Krischna --
etwas von Krischna war in ihm.
Verliebt in Maria Magdalena;
das ist so etwas wie Krischna verliebt in Radha.

06.02.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 1 (18)

von: tao

 

Das leere Boot wird in das Unbegrenzte hineinfahren
und dann ist überall das Ziel.
Aber man muss nach innen gehen.
Das Bedürfnis zu gewinnen ist der Drang zu beweisen,
dass du jemand bist
und der einzige Weg, den wir kennen,
wie man das beweisen kann
ist, dies in den Augen der anderen zu beweisen,
denn ihre Augen werden Reflexionen.
Wenn er in die Augen der anderen sah
konnte Alexander sehen, dass er jemand war;
als er neben Diogenes stand, spürte er, dass er niemand war.
Diogenes erkannte keine äußerliche Größe an.
Vor ihm muss sich Alexander töricht gefühlt haben.
Es wird gesagt, dass er Diogenes erzählte:
Wenn Gott ihm eine weitere Geburt gewähren würde
würde er lieber Diogenes sein als Alexander --
das nächste Mal!
Das Denken geht immer in die  Zukunft!
In eben diesem Leben könnte er Diogenes werden,
es gab kein Hindernis, niemand hielt ihn davon ab.
Es wird Millionen von Barrieren geben
ein Alexander der Große zu werden
weil jeder versuchen wird, dich daran zu hindern.
Wenn du beweisen willst, dass du jemand bist
dann verletzt du das Ego von jedem anderen.

05.02.2009 um 21:44 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (17)

von: tao

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Tief drinnen, da ist der Minderwertigkeitskomplex,
wie eine Krankheit, wie ein Wurm, der am Herzen nagt,
immer in Angst vor dem Besseren.
"Hui Dsi war Premierminister von Liang.
Er hatte, wie er glaubte, die Insider Information bekommen
dass Dschuang Dsi  seinen Posten begehrte
und insgeheim plante, ihn zu stürzen."
Politiker können gar nicht anders denken.
Das erste, was es dabei zu verstehen gibt
ist, dass du das bist, was du von anderen denkst.
Deine Sehnsüchte, deine eigenen Ambitionen
geben dir das Strickmuster.
Wenn du hinter Geld her bist, dann denkst du,
dass jeder nur auf Geld aus ist.
Wenn du ein Dieb bist,
dann paßt du ständig auf deine Brieftasche auf:
Auf diese Weise zeigst du, dass du ein Dieb bist.
Dein inneres Verlangen ist deine Verstehensweise.
Politiker denken immer gleich an eine Verschwörung
und an ein Komplott:
Jemand ist dabei, mich zu verdrängen,
jemand möchte mich loswerden....
Denn ist das ist je genau das, was sie schon getan haben,
das ist das, was sie ihr ganzes Leben lang schon getan hatten: Intrigieren.
Politiker sind Verschwörer. Das ist ihre Sprache.

04.02.2009 um 16:39 Uhr

Tao Te King 76 (8)

von: tao

Sonstige
Zwischen der Vergangenheit und der Zukunft stirbst du gerade, du lebst nicht.
Es gibt einen anderen Weg, zu sein --
was in Wirklichkeit der einzige Weg ist, zu sein, denn
dieser Weg ist ja nicht gerade der Weg, zu sein,
der Weg des Kampfes ist nicht der Weg, zu sein.
Der andere Weg ist, mit dem Fluss zu fließen,
so zusammen mit ihm zu fließen
dass du nicht einmal mehr die Trennung spürst --
dass du separat bist und mit ihm fließt.
Nein, du wirst ein Teil,
nicht nur ein Teil, du bist in den Fluss eingetaucht,
du bist der Fluss geworden,
es gibt keine Trennung mehr.
Wenn du nicht gerade kämpfst, wirst du zum Leben.
Wenn du nicht mehr kämpfst,
bist du ungeheuer weit geworden,
bist du das Unbegrenzte geworden.
Wenn du nicht mehr kämpfst,
dieser Zustand ist im Osten als Hingabe bekannt gewesen;
als Vertrauen, was sie "shraddha" genannt haben;
dem Leben zu vertrauen,
nicht deinem individuellen Denken zu vertrauen,
sondern dem Ganzen zu vertrauen.
 

03.02.2009 um 16:45 Uhr

Tao 476

von: tao

Moskitos sind sehr unparteiisch --
sogar einem Buddha werden sie das gleiche antun.
Das taten sie, in Sarnath,
dem Platz, wo Buddha seine erste Predigt hielt.
Buddha zog nur in einem kleinen Teil Indiens herum, dem Bihar,
also kam er in den vierzig Jahren seines Wanderns
viele Male durch jedes Dorf,
aber nach Sarnath kam er niemals wieder.
Er besuchte es nur einmal,
das erste Mal. und kam nie wieder.
Der buddhistische Bhikkhu
der dem Sarnath Tempel vorstand, wurde gefragt,
was da los war.
Warum kam Buddha niemals wieder?
Er dachte darüber nach und sagte dann:
Vielleicht wegen der Moskitos....
Sarnath hat die größten Moskitos in Indien.
Moskitos sind unparteiisch.
Sie kümmern sich nicht darum,
ob du ein Buddha bist oder nicht;
ob du gerade meditierst oder jemanden ermordest
sie sind auf der Suche nach ihrer Nahrung.
Und so wie du auf der Suche nach deinem Essen bist
und niemals das Gefühl hast, dass du böse bist,
warum sollten sie für bösartig gehalten werden?
Niemand ist bösartig.
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02.02.2009 um 15:52 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (18)

von: tao

Wenn ein alter Mönch, ein Sannyasin,

mit nur zwei Stunden Schlaf pro Tag auskommen kann,

wird das für so etwas wie eine Errungenschaft gehalten.

Das ist töricht. Das ist keine Leistung.

Und das ist nicht das, was Krischna meint,

wenn er in der Bhagavad-Gita sagt,

dass der Yogi wach ist, wenn die Welt schläft.

Das ist nicht der Sinn. Die Bedeutung ist

dass der Körper entspannt ist, der Körper geht schlafen,

aber das innere Bewußtsein bleibt sogar im Schlaf wach.

Das ist etwas ganz anderes

es hat nichts mit gewöhnlichem Schlaf zu tun.

Ein Yogi schläft wirklich besser als du.

Das wird er, weil er entspannen kann, er hat keine Angst.

 

 

01.02.2009 um 15:33 Uhr

Tao Te King 63 (7)

von: tao

Die Existenz wird dir nicht folgen,

du kannst der Existenz folgen

und Dankbarkeit empfinden.

Aber die Existenz kann dir nicht folgen, du kennst das Ganze nicht.

Du weißt nicht, worauf die Ganzheit aus ist,

du kennst die Bestimmung des Ganzen nicht.

Und du machst private Pläne;

die müssen zwangsläufig gegen das Ganze gerichtet sein,

und notgedrungen werden sie platzen.

Dann ist dein Herz gebrochen.

Laß die Vergangenheit los.

Und bring die Zukunft nicht ins Spiel.

Dieser Moment ist alles.

Wenn du diesen Moment achtsam lebst,

dann wirst du mit den Dingen, den momentanen Kleinigkeiten,

fertig werden,

und indem du die kleinen Sachen bewältigst,

wirst du wachsen,

und es wird keine großen Probleme geben.