Taoistische Reflektionen

30.04.2009 um 15:49 Uhr

Tao Te King 1 (34)

von: tao

Laotse sagt
dass Gegensätze nicht wirklich Gegensätze sind,
sondern Ergänzungen.
Teile sie nicht auf, Teilung ist falsch;
sie sind eins, sie sind voneinander abhängig.
Wie kann Liebe ohne Hass existieren?
Wie kann es Mitgefühl ohne Ärger geben?
Wie kann Leben ohne Tod sein?
Wie kann es Glück geben ohne Unglück?
Wie ist Himmel möglich ohne Hölle?
Die Hölle ist nicht gegen den Himmel,
sie sind komplementär,
sie existieren zusammen;
tatsächlich sind es zwei Aspekte derselben Münze.
Triff keine Wahl. Genieße beides.
Erlaube beidem, da zu sein.
Erschaffe eine Harmonie zwischen den beiden.
Wähle nicht.
Dann wird dein Leben
zu einer Symphonie der Gegensätze werden
und das ist das großartigste Leben, das möglich ist.
Es wird einerseits höchst gewöhnlich sein,
und andererseits höchst außergewöhnlich.

29.04.2009 um 16:07 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (14)

von: tao

 
Wenn ein Mensch des Tao lacht,
lacht er so tief, wie Tränen gehen können;
und wenn er weint,
weint er so schön, wie du lächelst.
Die Widersprüche
haben ihre "Widersprüchlichkeit" verloren,
sie sind eins geworden.
Darum ist es schwierig,
einen Menschen des Tao zu verstehen
denn er ist so widersprüchlich
wie die Existenz selbst geworden.
Er ist eine Absurdität --
nun ist er selbst ein Mysterium.
Eine religiöse Person
ist auf der Suche nach der Wahrheit,
ein Philosoph
ist auf der Suche nach Interpretationen.
Ein religiöser Mensch
hat eine intuitive Auffassungsgabe --
das ist kein Intellekt, es ist sein ganzes Wesen.
Er spürt mehr als er weiß.
Und das Gefühl trifft ins Schwarze.
Also bedenke eines --
durch Philosophie
wirst du niemals die Wahrheit erreichen,
du wirst bloß ständig
darüber reden und reden und reden.
Nichts wird dabei gewonnen,
nur das Leben ist vergeudet.
Je eher du achtsam wirst, desto besser.
Je eher du bewußt wirst
und aus der Falle der Philosophie aussteigst, desto besser.

28.04.2009 um 15:24 Uhr

Tao 501

von: tao

 

  Sei achtsam!

Sei dir der Gesamtsituation bewußt.

Und reagiere nicht; antworte.

Wenn alles neu ist

dann lass deine Antwort auch neu sein.

Nur das Neue kann dem Neuen begegnen,

nur das Neue kann das Neue lösen,

nur mit dem konstant Frischen und Neuen

bleibst du lebendig und wahr zum Leben.

Das ist die einzige Furcht, die es gibt:

Die Furcht vor der Zeit.

Die Furcht vor dem Tod ist auch

Furcht vor der Zeit,

denn der Tod stoppt alle Zeit.

27.04.2009 um 14:43 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (19)

von: tao


Nun werden wir uns
dieser Geschichte
(s. 21.08.2006) zuwenden.
Lies dir jedes ihrer Worte
so gründlich wie möglich durch, denn dein Denken wird
Barrieren errichten,
dein Denken wird
dir nicht gestatten,
sie wirklich zu lesen.
Das Denken ist die Gesellschaft
in dir.
Die Gesellschaft ist sehr schlau: Sie ist nicht nur
außerhalb von dir,
sie ist in dich eingedrungen.
 
Verrückt

26.04.2009 um 19:30 Uhr

Tao Te King 47 (28)

von: tao

 

Religion ist

die Suche nach dem, was schon der Fall ist.

Religion ist die Suche nach dem

was schon Realität ist.

Wenn du weiter weg von dir selbst gehst

wirst du immer weniger erkennen

und du wirst denken, dass du immer mehr weißt.

Du wirst Schriften kennenlernen,

du wirst Worte wissen, Theorien kennen,

und du kannst immer weiter spinnen

und du kannst ständig immer mehr herumfantasieren

und aus diesen Worten herausholen

und du kannst Luftschlösser bauen,

aber die können nur aus Luft sein,

abstrakt --

es gibt sie nicht,

sie sind aus dem gleichen Stoff gemacht,

aus dem die Träume sind.

25.04.2009 um 14:53 Uhr

Tao Te King 64 (14)

von: tao


Wenn du das erste Erzittern der Wut spürst,
sei wachsam.
Wenn du das erste Erbeben der Sexualität spürst,
sei aufmerksam.
Wenn du die erste Erschütterung der Gier fühlst,
sei achtsam.
Wenn du es an diesem Punkt verpaßt,
dann wird es immer schwieriger werden, es noch zu lösen.
Im ersten Moment ist alles so leicht --
es ist genau wie ein Samenkorn;
du kannst es wegwerfen;
du brauchst dir noch keine Mühe machen --
aber wenn es erst ein großer Baum wird,
dann ist es schwierig.
Und äußere Bäume sind eine Sache -- du kannst sie fällen,
aber dieser Zorn, diese Gier, dieser Sex --
das sind innere Bäume,
sie vernetzen sich mit deinem Wesen;
wenn du sie abschlägst, dann blutest du;
wenn du sie abschneidest, dann leidest du.
Warum klammern wir uns ständig an das Leid,
wenn wir doch verstehen
von woher Leiden entsteht?
Dies ist der Grund:
Das Leid ist zu einem Teil unseres Wesens geworden.

24.04.2009 um 23:09 Uhr

Tao Te King 63 (10)

von: tao

 
Das Leben ist kein Problem, das gelöst werden muss.
Es muss gelebt werden
und zwar total gelebt werden. Dann fühlst du dich dankbar. Dann
ist es ein Segen gewesen. Bedenke dies,
und dann versuche,
Lao-tses Verse zu verstehen.

23.04.2009 um 15:07 Uhr

Tao 500

von: tao

Wenn ein Vater wirklich heiß vor Zorn ist,

schwitzt und ganz rot im Gesicht ist

und dann das Kind schlägt,

dann weiß das Kind, dass der Vater es liebt,

warum sollte er sich sonst solche Mühen machen?

Wenn ein Vater kalt ist, sarkastisch, nicht zornig,

aber in subtiler Weise seine Wut zeigt,

auf eine kühle Art,

so wie er sich bewegt, wie er das Haus betritt,

wie er das Kind ansieht

oder eben das Kind gar nicht mehr ansieht,

zeigt ihm diese Gefühlskälte,

dass der Vater es nicht liebt,

es zumindest nicht genug liebt,

um richtig zornig zu sein.

Und das hat den Generationenkonflikt erzeugt.

Nichts sonst.

Die Kinder sind ihrer Wege gegangen,

und die Eltern

sind in einer kalten, toten Emotion verharrt,

wie eingesperrt darin.

Weitgehende Entfremdungen sind entstanden.

Es gibt keine Kommunikation mehr.

 

22.04.2009 um 14:26 Uhr

Tao 499

von: tao

Wütend
Mulla Nasrudin ging einmal nach Frankreich.
Seine Frau reiste mit
und sie besuchten eine Comedy-Show.
Die Frau war erstaunt,
denn immer wenn der Mann,
der Comedian auf der Bühne,
einen Witz erzählte oder etwas machte,
lachte Mulla so laut
dass er die ganze Zuhörerschaft übertönte
und die Leute fingen an,
sich nach íhm umzudrehen.
Die Frau konnte das nicht verstehen,
weil sie genau wußte
dass er kein Französisch verstand,
also fragte sie ihn: Mulla,
ich lebe nun schon seit dreißig Jahren mit dir
und doch wußte ich nicht,
dass du Französisch kannst.
Wie verstehst du das nur?
Und warum lachst du so laut?
Mulla sagte: Ich vertraue diesem Mann.
Er muss etwas Lustiges sagen,
und wenn man schon lachen muss,
warum dann erst als Letzter lachen?
Warum nicht gleich als Erster lachen?
Und wenn man schon lachen muss,
dann sollte man laut lachen.
Das kostet nichts und ich habe Spaß dabei.
Das ist die dritte Art zu lachen --
mit dir passiert gar nichts,
es ist bloß vorgetäuscht.

21.04.2009 um 18:07 Uhr

Tao Te King 45 (19)

von: tao

Deine sogenannten Gurus haben viel verneint

und das, was sie verneint haben,

ist immer noch in ihrem Unterbewußtsein,

in ihrem Unbewußten,

und kämpft sehr darum, wieder hochzukommen.

Das ist der Grund, warum deine Heiligen,

deine sogenannten Heiligen,

ständig am Zittern sind --

sie haben Angst vor den Sünden,

die sie noch nicht begangen haben.

Das ist doch wirklich etwas.

Stell dir nur vor --

ein Sünder hat keine Angst vor den Sünden,

die er begangen hat,

aber ein Heiliger hat große Angst vor Sünden,

die er nicht begangen hat,

denn die sind in ihm und klopfen an die Tür:

Öffne das Tor und lass uns raus.

Heilige haben immer Angst,

darum zogen sie für gewöhnlich aus der Stadt heraus,

aus der Gesellschaft heraus, und gingen in die Berge, in ein Kloster.

 

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20.04.2009 um 20:57 Uhr

Tao Te King 76 (9)

von: tao

Vertrauen bedeutet, nicht dem Teil zu vertrauen, sondern dem Ganzen.
Vertrauen heißt, nicht dem Denken zu vertrauen, sondern der Existenz zu vertrauen.
Hast du dich ihr hingegeben, wirst du plötzlich weich,
denn dann ist es nicht mehr nötig, hart zu sein,
du kämpfst ja nicht mehr,
es gibt keine Feindseligkeit,
es ist nicht mehr nötig, sich zu schützen,
da ist kein Drang, sicher zu sein,
du bist schon mit dem Leben verschmolzen.
Und das Leben ist sicher,
nur individuelle Egos sind unsicher,
die brauchen Protektion,
die benötigen Sicherheit,
sie brauchen eine Rüstung um sich herum;
sie haben Angst, sie zittern ständig.
Wie kannst du so leben?
Du lebst in Angst und Beklemmung.
Du lebst doch gar nicht.
Du verlierst alles Entzücken,
das schiere Vergnügen, hier zu sein
-- und das ist eine reine Freude.

19.04.2009 um 20:27 Uhr

Tao 498

von: tao

Devas können in das Leben eintreten,
sie können aus ihm herausgehen --
Eingang und Ausgang,  beides steht ihnen offen.
Sie haben mehr Freiheit, etwas mehr Freiheit.
Wenn du Selbstmord begehen möchtest,
dann bedenke, ob es wegen Wunschlosigkeit ist
oder nicht.
Wenn es wegen Wunschlosigkeit ist,
von woher kommt dann das Verlangen,
Selbstmord zu begehen?
Und wenn es wegen Wunschlosigkeit ist,
wirst du dir keine Gedanken mehr machen,
du wirst es einfach tun.
Wenn du wirklich gelebt hast, dann bist du erfüllt;
wirst du dir dann noch die Mühe machen,
dies in Frage  zu stellen?
Wofür?
Vielleicht bist du frustriert
und du würdest gerne durch etwas getröstet werden
oder du würdest gerne
von jemandem besänftigt werden.
Vielleicht hast du schon Angst vor der Idee,
Selbstmord zu begehen,
also möchtest du, dass jemand zu dir sagt:
"Nein, tu es nicht",
dann liegt die Verantwortung beim anderen,
nicht mehr bei dir.
Osho war nicht so ein Mensch.
Er sagte: Wenn du wirklich Selbstmord begehen willst, dann tu es --
aber warum bist du dann hier bei mir und fragst mich?

18.04.2009 um 22:56 Uhr

Tao Te King 1 (33)

von: tao

  • Photo URL 
"Sein und Nicht-Sein
hängen beim Wachsen voneinander ab;"
- also sei und sei nicht,
beides zusammen -
"Schwierig und leicht
hängen beim  Vervollkommnen voneinander ab;
Lang und Kurz
hängen beim Vergleichen voneinander ab;
Hoch und Niedrig
hängen beim Positionieren voneinander ab;
Töne und Stimme
hängen bei der Harmonie voneinander ab;
Vorne und Hinten 
hängen  beim  Begleiten voneinander ab."
Fröhlich

17.04.2009 um 23:59 Uhr

Tao 497

von: tao

  •  
Das Denken lebt in Illusionen. Und in Illusionen zu leben heißt, arm dran zu sein, denn die können nicht erfüllt werden. Du kannst immer weiter hoffen, aber du wirst immer unterwegs zu einer Fata Morgana sein. In dem Moment, in dem du den Platz erreichst, auf den du hofftest, wird das Trugbild verschwinden, und du wirst in äußerster Verzweiflung sein. Aus deiner Verzweiflung heraus wirst du wieder hoffen.
Hoffnung ist bloß eine Anstrengung, sich selbst irgendwie am Leben zu erhalten. Du wirst wieder eine Illusion erschaffen. Auf diese Weise geht das ganze Spiel weiter: Du bist verzweifelt, in deiner Verzweiflung erzeugst du eine Illusion; durch diese Illusion wird noch mehr Verzweiflung hervorgerufen, und je verzweifelter, desto mehr Illusionen. Man geht immer weiter, von der Verzweiflung zur Illusion, von der Illusion zur Verzweiflung. Fürs Feiern bleibt keine Energie mehr. Du bist in einer konstanten Spannung zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Dein Leben wird nichts als eine Spannung zwischen dem, was ist und dem, was sein sollte. Du kannst das Sein nicht spüren, du bleibt ins Werden verstrickt; das Werden ist die Misere, das Sein ist das Feiern.
Fröhlich

16.04.2009 um 23:45 Uhr

Tao Te King 11 (20)

von: tao

Wenn du nicht mehr das Faktum des Todes versteckst,
wenn du nicht mehr dein inneres Hohl- und Leer-Sein verbirgst,
wenn du nicht mehr versuchst, es mit Mist zu füllen,
dann genießt du einfach die Reinheit des Leer-Seins.
Nichts ist so rein wie Leere, nichts kann das sein --
denn immer wenn da etwas ist, kommt Unreinheit mit herein.
Nur Leere kann absolut rein sein.
Aber wir haben solche Angst vor dem Leer-Sein.
Es ist so schwierig, alleine zu sein
weil man dann seine eigene Leere zu spüren beginnt.
Dann suchst du Freunde, dann suchst du Liebhaber,
und diese ganze Anstrengung
ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt;
denn ein Mensch, der Angst vor seiner Leere hat,
kann nicht wirklich lieben.
Er hat Angst. Tief in ihm steckt die Furcht. Wie kann er lieben?
Wenn er loszieht und so tut, als ob er in jemanden verliebt wäre
dann versucht er doch bloß, vor sich selbst davonzulaufen,
vor seiner eigenen Leere zu flüchten;
er versucht also zu vergessen, dass irgendwo in ihm
die Leere und das Nichts sind;
er versucht dadurch
diese Leere mit der Gegenwart eines anderen zu füllen,
und der andere auch, der tut das gleiche.

15.04.2009 um 14:27 Uhr

Tao 496

von: tao

Wütend
Stille existiert mit Ton. Wenn der Ton verschwindet, wird auch die Stille verschwinden.
Die Stille existiert als ein Intervall zwischen zwei Tönen. Wenn diese zwei Töne verschwinden, wird die Stille verschwinden. Es gibt einen Zustand der Stille und es gibt einen Zustand jenseits von beidem, jenseits von Stille und Ton. Ein Mensch, der wirklich ein Meister ist, kann durch seine Präsenz Schülern helfen; nicht, dass er etwas tut, seine Gegenwart ist bloß ein Katalysator -- in seiner Gegenwart ereignet sich etwas.
Wenn sich in seiner Gegenwart etwas ereignet, dann hat der Mensch des Tao nicht das Gefühl, dass er es getan hat. Er ist nicht hier, um es zu tun. Er weiß einfach, es ist passiert. Man mag ihm dankbar sein, aber er weiß wohl, dass es bloß ein Geschehen ist: "Ich habe es nicht getan. Du hast es zugelassen, ich habe nichts getan, daher ist es passiert." Es ist, grundsätzlicher gesehen, abhängig von deiner Bereitschaft, es zuzulassen. Wenn du es zuläßt, werden sich in der Gegenwart eines Meisters Dinge ereignen. Wenn sich in der Präsenz eines Meisters etwas ereignet, wenn du es zuläßt, dann ist er ein Meister. Das ist mit "Meister" gemeint. Ein wirklicher Meister tut nichts... sondern bloß seine Gegenwart hilft, dass energetische Prozesse sich ereignen können.

14.04.2009 um 18:47 Uhr

Tao 495

von: tao

Beschäftigt
Gerätst du erst einmal in diese Falle:
"Wie kann ich ein Buddha werden?",
wirst du den springenden Punkt verpassen,
Millionen von Leben lang.
Du bist schon immer ein Buddha gewesen.
Es geschah in Buddhas eigenem Leben,
in seinem vergangenen Leben
als er von einem Mann hörte,
der ein Buddha geworden war.
Also ging er zu ihm und berührte seine Füße.
Aber dann war er völlig überrascht
denn als er die Füße des Buddha berührte
berührte der Buddha augenblicklich seine Füße.
Also sagte er: Das ist verwirrend.
Ich berühre deine Füße,
weil ich ein unwissender Mensch bin,
der sucht und forscht.
Aber warum berührst du meine Füße?
Du bist doch schon erleuchtet.
Der Buddha lachte und er sagte:
Du magst das nicht wissen.
Ich sehe, du weißt noch nicht, wer du bist.
Aber ich kenne dich gut.
Als ich erkannte, wer ich war,
erkannte ich auch, was diese ganze Existenz ist.
Aber du bist vielleicht noch nicht bewußt.
Es mag ein wenig Zeit dauern
bis dir bewußt wird, wer du bist.
Wachheit ist keine Errungenschaft.
Es ist bloß ein Wiedererkennen, wer du bist,
es ist bloß ein Erinnern.
Also geht es nicht darum, wie man verschmelzen kann.
Und wenn du ein intensives Verlangen danach hast,
zu verschmelzen,
dann wird das um so schwieriger sein
je intensiver das Verlangen ist.

13.04.2009 um 23:47 Uhr

Tao Te King 45 (18)

von: tao

 
Es war einmal,
da arbeitete Mulla Nasrudin in einer Firma.
Einst gab der Boss ihm eine Flasche mit Brandy.
Dann wartete er,
und dann, nach zwei oder drei Tagen,
als Mulla immer noch nichts gesagt hatte,
nicht einmal ein Dankeschön,
fragte er ihn:
Was ist denn nun mit dem Brandy passiert,
den ich dir gab?
War er gut?
Mulla Nasrudin sagte: Ja, ganz gut.
Der Boss fragte: Was meinst du denn mit "ganz gut"?
Mulla sagte: Eben gerade recht.
Der Boss sagte: Das verstehe ich nicht.
Was meinst du mit "gerade recht" oder "ganz gut"?
Der Mulla sagte:
Wenn er ein wenig besser gewesen wäre
hättest du ihn mir nicht gegeben,
und wenn er ein wenig schlechter gewesen wäre
würde ich ihn jemand anderem gegeben haben.
Er war also ganz gut, gerade richtig.
Ganz recht zu sein ist also gar nichts,
es ist ein sehr mittelmäßiger Geisteszustand.
Traurig

12.04.2009 um 23:36 Uhr

Tao 494

von: tao


Wenn alles zu einem Zwang
und zu einer Verpflichtung geworden ist,
dann ist da immer noch die Hoffnung,
dass du Selbstmord begehen kannst,
das ist deine Freiheit.
Der Mensch hat die Freiheit,
Selbstmord zu begehen.
Kein anderes Tier kann Selbstmord begehen,
kein anderes Tier ist so frei.
Du hast nicht die Freiheit, geboren zu werden,
aber du hast die Freiheit, zu sterben.
In Indien gibt es eine höhere Stufe --
die Stufe der Devas.
Devas sind keine Parallele
zu den Engeln im Christentum,
nein, Engel gehören ins Reich der Märchen.
Devas sind auf einer höheren Bewußtseinsstufe.
Tiere sind absolut gefangen,
sie können keinen Selbstmord begehen;
der Mensch ist ein wenig freier --
er hat nicht die Freiheit, geboren zu werden,
er hat nicht die Freiheit,
ins Leben hineinzukommen,
aber er hat die Freiheit,
aus dem Leben zu scheiden;
die Devas haben die Freiheit zu beidem --
frei, um geboren zu werden, frei zum Sterben.
Die Tiere existieren,
wobei ihnen beides verschlossen bleibt,
der Mensch existiert
mit nur der einen offenen Möglichkeit,
und Devas
sind in einem höheren Bewußtseinszustand,
wo ihnen beide Wege offenstehen.

11.04.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 6 (11)

von: tao

 

Ein Mann oder eine Frau, die gedacht haben,
dass Sex Liebe ist,
und dass der sexuelle Akt der Liebesakt ist,
werden denken,
wenn Jesus sagt:
"Liebe ist Gott"
- und natürlich gibt es für sie
keine andere Möglichkeit, so zu denken,
weil dies ihre Analogie ist --
dass Sex Gott ist.
In Schweden machten sie einen Film
über das Liebesleben von Jesus,
weil sie dachten,
dass ein Mann, der sagt:
"Liebe ist Gott",
damit meinen muss, dass Sex Gott ist.
Und dieser Film
wurde zu einem der profansten Machwerke,
so unheilig wie nur möglich,
denn in dem Film versuchten sie,
einen Jesus abzubilden,
der in ihrem Sinn Liebe macht
-- sich in sexuelle Handlungen hineinbegibt.
Kein Land war damals bereit,
ihnen zu gestatten, diesen Film zu machen,
aber sie machten ihn trotzdem.
Es war zu schwierig, sie aufzuhalten.
Das Liebesleben von Jesus
bedeutete für sie bloß Sex-Leben.
Du verstehst eine Analogie eben immer
von deinem Standpunkt aus.
Eine Analogie kann dir nur soviel geben,
wie du in sie hineinlegen kannst. 
Sex ist ein lokales Phänomen, physisch;
nichts ist verkehrt damit,
aber es ist nicht total.
Es wird total,
wenn du eine Person in ihrer Ganzheit liebst,
nicht nur sexuell, nicht nur körperlich --
nicht dass der Körper dabei verneint wird,
aber die Anziehung ist größer
als die körperliche Anziehung,
die bloß eine kleinere Teilmenge darin ist
-- nicht nur physisch,
sondern auch spirituell.