Taoistische Reflektionen

10.04.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (18)

von: tao

 
Wenn du nicht ständig Arrangements
für die Zukunft triffst,
wenn du hier und jetzt lebst,
dann ist dieser Moment alles,
dann ist dieser Moment Ewigkeit.
Und Buddhaschaft ist schon der Fall,
du bist schon ein Buddha.
Das Einzige, was noch fehlt, ist,
dass du dem keine Chance zum Erblühen gegeben hast
weil du mit deinen eigenen Projekten so engagiert bist.
Eine Blume blüht ohne irgendeine Anstrengung
weil die Energie
nicht durch irgendwelche Projekte vergeudet wird;
die Blume plant nicht für die Zukunft,
die Blume ist hier und jetzt.
Sei wie eine Blume, sei wie ein Vogel, sei wie ein Baum,
ein Fluss oder das Meer -- aber sei nicht wie ein Mensch.
Denn der Mensch ist irgendwo falsch abgebogen.
Die Natur und das Natürlich-Sein
-- anstrengungslos natürlich, spontan natürlich --
das ist die Essenz all der Lehren
die Dschuang Dsi dir geben kann.
 

09.04.2009 um 23:35 Uhr

Tao 493

von: tao

Wenn du haßt, dann haßt du wirklich intensiv --
hast du die Tatsache beobachtet,
dass dein Mitgefühl impotent,
vielleicht bloß eine Fassade, eine Maske ist,
aber dass deine Wut real ist?
Alles. was falsch ist, scheint real zu sein
und alles, was schön ist, scheint falsch zu sein.
Wenn ein Mensch total ist,
dann ist seine Liebe so intensiv wie sein Hass.
Und wenn ein ganzheitlicher Mensch haßt, beinhaltet sein Haß auch totale Liebe --
er kann nur hassen, weil er liebt,
und er kann nur wütend sein,
weil er Mitgefühl hat.
Aber das ist schwierig.
Es wird tiefe Verwirrung in dir erzeugen,
denn du kannst es jetzt noch nicht verstehen,
du wirst es erst ausprobieren müssen,
bevor dein Verständnis reif dafür ist.

08.04.2009 um 23:26 Uhr

Tao Te King 43 (14)

von: tao

Die neue, befreite Frau ist nicht weich, sie ist sehr hart.

Sie wird besiegt werden.

Sie versucht nun,

männliche Methoden gegen Männer anzuwenden;

sie wird unterliegen.

Und sogar wenn sie nicht besiegt wird

wird sie mit sich selbst alleine bleiben, ohne Liebe.

Frauen, die sich in der Frauenbewegung engagieren,

sind meist wie Wüsten, sandtrocken.

Die Regenwolken der Liebe sind aus ihrem Leben verschwunden.

Sie sind zu Kämpfern geworden.

Sie haben die Klarheit und Weichheit des Wassers verloren,

sie sind hart geworden.

Ich habe ein Manifesto

von einem Zweig der Frauenbewegung gelesen.

Das Manifesto ist von einer Gesellschaft mit dem Namen SCUM.

SCUM ist eine Abkürzung von "Society to Cut up Men" (Gesellschaft zum Aufschlitzen von Männern). 

Eine Vereinigung, um Männer aufzuschlitzen? 

 

 

07.04.2009 um 17:31 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (25)

von: tao


Du spielst doch niemals mehr,
andere tun dies für dich.
Bei keinem Spaß bist du noch
ein aktiver Teilnehmer,
andere tun das für dich.
Du ziehst los,
um dir ein Fußballspiel anzuschauen,
andere spielen es für dich
und du schaust bloß  zu --
du bist ein passiver Zuschauer, unbeteiligt.
Du gehst in ein Kino, um einen Film zu sehen, und andere machen Liebe,
brechen einen Krieg vom Zaun,
schwelgen in Gewalt -- alles.
Du bist bloß ein Zuschauer in deinem Sessel.
Es ist so nutzlos,
du brauchst dich nicht darum zu kümmern,
es selbst zu tun.
Das kann irgendjemand anderes tun,
du brauchst bloß zuschauen.
Arbeiten tust du,
was Spaß macht, tun andere für dich.
Warum dann nicht auch Liebe?
Bei A
Bei Anwendung der gleichen Logik
wird jemand anderes dies tun.
Das Leben erscheint sinnlos
weil der Sinn aus einem Gleichgewicht besteht
zwischen dem Nützlichen und dem Nutzlosen.
Und du hast das Nutzlose komplett verneint.
Du hast die Türe davor verschlossen.
Nun ist nur noch das Nützliche da
und das belastet dich zu sehr .

06.04.2009 um 15:13 Uhr

Tao 492

von: tao

Nein, du weißt nicht, was Liebe ist,
du kennst nur Verhaftungen;
und diejenigen Anhaftungen,
die du nicht als Anhänglichkeiten erkennst,
die kennst du als Liebe;
das ist das, wo die ganze Sache schief läuft.
Wenn Verbundenheit als Bindung erkannt wird
fällt sie weg.
Und ich bestehe wieder darauf, sie fällt weg --
du läßt es niemals los.
Bloß indem du die Tatsache siehst
dass dies ein Anklammern ist,
dass Anhänglichkeit eine Bindung ist --
ein schönes Wort für Gebundenheit --
dass bindende Verbindung nicht Liebe ist...
bloß indem du die Häßlichkeit des Klammerns siehst -- läßt es los;
dann entsteht Liebe.
Die gleiche Energie
die zum Anklammern wurde,
wird, wenn sie vom Anhaften befreit wird
eine total andere Energie;
sie wird Liebe.
Aber das muss dein Verstehen sein.
Also schau genau hin.

05.04.2009 um 15:03 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (36)

von: tao

 

Das Kind im Mutterschoß muss nicht einmal selbst atmen,

die Mutter atmet für das Kind.

Das Herz des Kindes schlägt durch den Herzschlag der Mutter,

das Blut der Mutter ernährt ständig das Kind.

Es ist ganz und gar im Himmel.

Kannst du dir einen besseren Himmel denken als den Mutterschoß --

komfortabel, man schläft, nicht einmal ein Traum flackert auf,

in diesem stillen Schlaf?

Und dann kommt die Geburt!

Und Psychologen sagen, dass die Geburt sehr traumatisch ist

weil das Kind hinausgeworfen wird,

entwurzelt aus seiner Sicherheit.

Ein bequemes Heim, äußerst gemütlich....

Wir sind noch nicht imstande gewesen, irgendetwas zu erschaffen, was dem gleich kommt.

04.04.2009 um 22:28 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (35)

von: tao

Nur der Tod ist sicher.
Das Leben muss unsicher sein,
das liegt in seiner Natur. Warum?
Immer wenn etwas lebendig ist, dann verändert es sich;
nur eine tote Sache ändert sich niemals.
Wo immer Veränderung geschieht, da ist Unsicherheit.
Was bedeutet Veränderung?
Eine Veränderung bedeutet,
sich vom Bekannten ins das Unbekannte hineinzubegeben.
Und die Basis all der Unsicherheit ist,
dass du dich am Bekannten festhalten möchtest.
Sieh es mal so:
Ein Kind ist im Mutterschoß.
Wenn es auf Nummer sicher gehen wollte
wäre es besser, sich an die Gebärmutter zu klammern und nicht herauszukommen.
Kannst du eine sicherere Situation erhalten,
in einer sichereren Position sein,
als für immer und ewig im Bauch der Mutter zu sein?
Das Kind trägt keinerlei Verantwortung --
kein Job, kein Amt, kein Problem, das es lösen muss.
Alles löst sich automatisch.
 

03.04.2009 um 15:32 Uhr

Tao Te King 67 (14)

von: tao

Sex ist schön.
Benutze diese Energie, um nach innen zu fließen.
Geh weiter mit ihr,
erlaube der Sex-Energie, sich in Liebe zu verwandeln.
Aber bleibe nicht bei der Liebe stecken,
erlaube ihr, zur Andacht zu werden.
Aber bleibe nicht bei der Andacht stehen.
Bevor nicht das Nichts-Sein erreicht ist
sollte man weiter  und weiter gehen.
Wenn alles aufgelöst ist
bist du zu dem letztendlichen
Erblühen des Lotus gekommen.
Das ist der Grund, warum die Hindus, die die
tiefgründigsten Sucher in der inneren Welt waren, gesagt haben:
Wenn die Energie
an ihren höchsten Gipfelpunkt kommt
ist es wie ein Erblühen der Lotusblume,
des sahasrar, des tausendblättrigen Lotus.
Das ist das letzte Chakra in deinem Körper.
Das erste ist das Sex-Zentrum, das letzte ist der Lotus, das sahasrar.
Bleibe nicht irgendwo stecken!
Das sollte immer erinnert werden.
Wenn du dich daran erinnern kannst
dann kann nichts zu einer Barriere für dich werden.

02.04.2009 um 15:28 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (20)

von: tao

Beschäftigt
Ein Mensch, der furchtlos ist,
ist weder ein Feigling noch tapfer,
er ist keines von beiden --
er kann es nicht sein,
weil er einfach furchtlos ist.
Ein Lao-tse, ein Buddha, ein Dschuang Dsi, ein Jesus, das sind keine tapferen Männer, überhaupt nicht,
weil sie keine Feiglinge sind.
Du kannst nur tapfer sein,
wenn du ein Feigling bist!
Du kannst nur über deinen Schatten springen, wenn du einen Schatten wirfst.
Wenn du niemals zugestimmt hast,
dich eingrenzen zu lassen,
wie kannst du dann über deine Grenzen gehen und deine Tapferkeit zeigen?
Ein furchtloser Mensch ist jemand,
der zu der Erkenntnis des Todlosen
in sich selbst gekommen ist.

01.04.2009 um 15:24 Uhr

Tao Te King 48 (18)

von: tao

Das Verlernen ist die größte Aufgabe.
Es ist leicht auf deinen Reichtum zu verzichten,
denn der ist außerhalb von dir.
Räuber können es dir wegnehmen,
es kann gestohlen werden,
es ist nichts, das ein Teil von dir wäre,
es ist im Außen!
Du kannst es leicht loslassen.
Aber dein Wissen
wird zu einem inneren Phänomen,
das geht in dich ein,
es fließt in deinem Blut, es wird Teil deiner Knochen,
es wird zu Mark und Bein;
es ist schwierig, das aufzugeben.
Es ist leicht, eine Sache zu lernen,
es ist sehr, sehr schwierig
es zu verlernen.
Wie kannst du es wieder verlernen,
wenn du etwas Bestimmtes weißt?
Es wird sehr, sehr schwierig
es nicht zu wissen.
Wie kann man das loslassen?
Es ist so tief in dir.
Bevor du nicht über das Denken hinausgehst,
weil du ja mit dem Denken identifiziert bist,
kannst du es nicht loslassen
denn dann denkst du: "Das bin ich".
Dann denkst du, dass dein Wissen dein Wesen ist.
Beweg dich!
Alle Meditationen sind Techniken
sich vom Denken wegzubewegen,
einen kleinen Abstand vom Denken zu gewinnen,
etwas distanzierter und weniger identifiziert damit zu sein.