Taoistische Reflektionen

31.05.2009 um 23:56 Uhr

Tao 512

von: tao

Einfach, aber so mysteriös, wie es nur möglich ist:
Ein Lao-tse, ein Liä Dsi, ein Ma-tsu Tao-i, ein Osho,
sie sind der siebte Typ Mensch.
Aber über sie kann nichts gesagt werden.
Leute, die zu den ersten drei Kategorien gehören
sind sich fast gleich.
Leute, die zu der vierten Kategorie gehören
werden sich mehr oder weniger gleichen.
Leute, die zu der vierten Kategorie gehören
werden sich von den ersten drei Kategorien unterscheiden,
aber sie werden sich nicht sehr viel voneinander unterscheiden.
Yogis, Fakire, unterscheiden sich sehr
von den ersten drei Kategorien,
aber sie sind einander sehr ähnlich.
Der Mensch der fünften Kategorie beginnt
einzigartig zu werden,
er wird zu etwas Seltenem.
Du würdest feststellen,
dass zwei Personen der fünften Kategorie
so unterschiedlich wie nur möglich sind.
Der sechste Personentyp ist absolut integriert.
Er ist absolut einzigartig geworden.
Und mit dem siebten sind
all die Möglichkeiten des Einzigartig-Seins
erreicht worden.
Das ist der höchste Gipfel,
undefinierbar und unerkennbar durch den Intellekt.
Es gibt nur einen Weg,
den siebten Typus kennenzulernen,
die Hindus nennen es Satsang.
Das  bedeutet,
einfach in der Gegenwart dieses Menschentyps zu sein.
Wenn du das Glück hast,
einen Menschen des siebten Typs zu finden,
dann erlaube bloß seinem Wesen,
dein Wesen zu durchdringen --
werde zum Empfänger.
Und dann wirst du ein Gefühl dafür bekommen,
was das ist.
Es ist der größte Diamant des Seins in der Welt.

30.05.2009 um 15:36 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (20)

von: tao


 

Dschuang Dsi sagt; Was auch immer natürlich ist, ist gut.

Er ist bloß ein Tier

und er wird keinerlei Moral produzieren,

bloß um sich überlegen zu fühlen.

Diese Geschichte besagt: Sei bloß gewöhnlich

und genieße es, gewöhnlich zu sein,

nur dann kannst du nach und nach

in das Natürliche hineinfallen.

Dieses Angeln ist bloß symbolisch.

Ob Dschuang Dsi nun fischte oder ob nicht, spielt keine Rolle,

aber er ist die Art von Mensch, der angeln kann,

der mit seiner Angelrute aus Bambus dasitzen kann.

Darum kannst du keine Statue von Dschuang Dsi machen,

das ist schwierig.

Ein Buddha ist perfekt, du kannst eine Statue von ihm machen;

es ist, als wenn er bloß dazu geboren worden wäre,

damit man Statuen von ihm machen und haben könnte.

Du kannst keinen besseren Mann finden,

der so einer Statue gleicht.

Darum gibt es natürlicherweise

Millionen von Buddha-Statuen,

mehr als von irgendjemandem sonst.

29.05.2009 um 17:22 Uhr

Tao 511

von: tao

 

Der Unterschied zwischen

Reaktion und Antwort ist groß,

eine Menge Unterschied,

nicht nur quantitativ, sondern qualitativ.

Eine Reaktion erfolgt

von der Vergangenheit her,

eine Antwort geschieht aus der Gegenwart.

Du reagierst mit den alten Mustern

der Vergangenheit.

Jemand beleidigt dich:

Plötzlich beginnt der alte Mechanismus

zu funktionieren.

In der Vergangenheit haben dich

Leute beleidigt

und du hast dich

auf eine bestimmte Weise verhalten;

du verhältst dich wieder

in der gleichen Art und Weise.

Du antwortest nicht auf diese Beleidigung und auf diesen Menschen,

du wiederholst einfach eine alte Gewohnheit.

28.05.2009 um 23:23 Uhr

Tao Te King 71 (18)

von: tao

Sonstige
Ab der dritten Stufe,
der Ebene des Chaos,
wird ein Meister
zur absoluten Notwendigkeit.
Auf der vierten,
der Ebene des Todes,
ist es fast unmöglich
ohne einen Meister.
Das Sterben ist leicht,
was dich betrifft,
aber wer
wird dir zur Wiedergeburt
verhelfen?
Wer wird dich
aus dieser Todeserfahrung herausziehen,
die so schockierend
und erschütternd ist,
dass das Ego einfach wegfällt?
Die vierte ist die Erfahrung,
wo das christliche Symbol
des Kreuzes bedeutungsvoll wird.
Dafür wird das Kreuz sinnvoll;
man stirbt.
Aber das ist nicht alles:
Jesus wird wieder belebt.
Kreuz und Auferstehung.

27.05.2009 um 16:28 Uhr

Südliches Blütenland 1 (20)

von: tao

Wo immer Alexander hinging,

da war Diogenes bei ihm, wie ein Schatten.

Nachts, in seinen Träumen, war Diogenes da und lachte.

Und eine schöne Geschichte erzählt,

dass sie am selben Tag starben.

Sie starben also am selben Tag

aber Diogenes muss schon ein wenig gewartet haben

so dass er Alexander folgen konnte.

Während sie den Fluss überquerten,

der diese Welt von jener trennt,

traf Alexander also Diogenes wieder,

und diese zweite Begegnung war gefährlicher

als die frühere.

Alexander war voraus

weil er ein paar Minuten früher gestorben war --

Diogenes hatte damit gewartet,

um ihm folgen zu können.

Als Alexander das Geräusch

von jemandem hinter ihm im Fluss hörte,

schaute er zurück und sah dort Diogenes, wie er lachte.

Er muss ganz sprachlos gewesen sein,

wie vor den Kopf geschlagen,

denn dieses Mal war alles absolut anders

als beim ersten Mal.

Er war auch nackt, wie Diogenes

denn du kannst deine Kleider

nicht in die andere Welt mitnehmen.

Dieses Mal war er absolut niemand, kein Herrscher.

Aber Diogenes war der gleiche.

Alles, was der Tod wegnehmen kann,

dem hatte er schon entsagt

also konnte der Tod ihm nichts mehr wegnehmen.

Er war genau der gleiche wie damals am Flussufer;

hier war er in diesem Fluss,

genau der der gleiche wie zuvor.

Um also lässig und locker zu sein,

um sich selbst Mut und Zuversicht zu suggerieren,

lachte Alexander also auch und sagte:

Großartig, wundervoll!

Wiederum das Zusammentreffen des größten Herrschers

mit dem großartigsten Bettler.

Diogenes erwiderte: Du hast absolut recht.

Nur bist du ein wenig konfus

darüber, wer der Herrscher und wer der Bettler ist.

Dies ist eine Begegnung des größten Herrschers

mit dem größten Bettler,

aber der Herrscher ist hinten und der Bettler ist vorne.

Und ich sage dir, Alexander,

bei unserer ersten Begegnung war das schon ebenso.

Du warst der Bettler, aber du dachtest, ich sei es.

Nun sieh dich doch an!

Was hast du dadurch gewonnen,

dass du die ganze Welt gewonnen hast?

 

26.05.2009 um 21:38 Uhr

Tao 510

von: tao

Die Dschainas in Indien haben behauptet, dass Mahavira allwissend ist. Buddha lachte über die ganze Idee. Er war ein intelligenter Mann, eine wirklich durchdringende Intelligenz, aber er erhob niemals den Anspruch, dass er unfehlbar sei. Kein intelligenter Mensch kann das tun. Er lachte über die ganze Vorstellung, dass Mahavira unfehlbar sei. Wir wissen nicht, was Mahaviras eigenes Statement darüber war, denn gemäß der Dschaina-Tradition bewahrte er Stillschweigen, er sagte niemals auch nur ein einziges Wort. Es gab Interpreten seines Schweigens, die den Leuten dann sagten, was er meinte. Es ist unvorstellbar, dass er jemals gemeint hätte, dass er unfehlbar sei. Ein Mann mit solcher Intelligenz wie Mahavira könnte das nicht tun. Buddha sagt: "Ich habe gehört: Mahavira steigt während eines Morgenspaziergangs einem Hund auf den Schwanz, und als der Hund dann bellt, wird ihm klar, dass da ein Hund liegt -- weil es am Morgen immer noch dunkel war. Und dies ist der allwissende Mann, der die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt, und er weiß nicht, dass er gerade einem Hund auf den Schwanz tritt!"

25.05.2009 um 16:36 Uhr

Tao 509

von: tao

Der sechste Typ Mensch ist sehr, sehr rar.
Jahrhunderte vergehen,
dann gibt es wieder mal den sechsten Menschentyp.
Der sechste Typ Mensch ist jemand,
der nicht nur bewußt ist,
sondern der zentriert worden ist,
der zu seiner Mitte gekommen ist.
Der fünfte Menschentyp beobachtet;
der sechste Typ Mensch
schaut von einem ewigen Zentrum aus zu:
Er ist zu einem Turm in seinem Inneren gelangt.
Und seine Bewußtheit schwankt nicht mehr,
seine innere Flamme bleibt unerschütterlich.
Und dann ist da noch der siebte Typ Mensch
über den nichts mehr gesagt werden kann.
Bis zum sechsten ist noch eine Beschreibung möglich
aber für den siebten gibt es keine Beschreibung.
Du mußt dem siebten Typ nahekommen,
um zu wissen, was er ist.
Je mehr du über ihn weißt,
desto weniger wirst du wissen.
Je mehr du weißt, desto mehr wirst du fühlen
dass immer noch viel mehr übrig bleibt,
was verstanden werden müßte.
Der siebte Typ Mensch ist absolutes Mysterium,
außergewöhnlich gewöhnlich.

24.05.2009 um 23:51 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (14)

von: tao

 
Wenn du eine Entschuldigung abgibst,
brauchst du nicht authentisch zu sein,
es ist bloß ein sozialer Kunstgriff,
es funktioniert wie ein Schmiermittel.
Steigst du jemandem auf den Fuß,
dann entschuldigst du dich,
bloß um damit zu sagen:
Ich bin nicht verantwortlich dafür,
der Platz hier ist so überfüllt, es ist ein Marktplatz,
da kann man nichts machen,
es mußte so kommen.
Es ist eine Erklärung, die besagt:
"Ich trage keine Verantwortung."
Liebe ist immer verantwortlich,
ob der Platz nun überfüllt ist oder nicht --
denn Liebe ist immer bewußt und achtsam.
Du kannst die Verantwortung
nicht auf die Situation schieben,
du bist verantwortlich.
Betrachte dieses Phänomen:
Die Entschuldigung ist ein Hilfsmittel,
genau wie Schmieröl,
um einen Konflikt zu vermeiden.

23.05.2009 um 17:50 Uhr

Tao te King 15 (21)

von: tao

 
Die Hindus haben zwei Namen
für ihre Schriften:
shruti und smriti.
Shruti bedeutet: "Wir haben es gehört,
wir haben es von denjenigen gehört,
die es wissen".
Smriti bedeutet: "Wir haben es von denen,
die es wissen, abgespeichert".
Da wird von niemandem der Anspruch erhoben,
dass sie es gewußt haben,
denn schon der Anspruch:
"Ich habe es erkannt"
ist der Anspruch des Unwissens,
das "Ich" ist die kondensierte Ignoranz.
Sie gehen immer weiter zurück und zurück.
In den Upanischaden sagen sie,
soweit du auch zurückgehen willst:
Ich lernte es von meinem Lehrer.
Mein Lehrer lernte es von seinem Lehrer,
der lernte es von seinem Lehrer...
Und sie gehen immer weiter zurück,
bis sie ganz am Anfang sagen:
Brahma, der Schöpfer der Welt,
lernte es von der kosmischen Existenz selbst, vom Brahman.
Er lernte von Brahman
Brahman ist die unsichtbare Göttlichkeit
und Brahma ist die sichtbare Göttlichkeit.
Die sichtbare Göttlichkeit lernte es
von der unsichtbaren Göttlichkeit.

22.05.2009 um 23:43 Uhr

Tao 508

von: tao

 
Ein Vater kann nicht mit dem Kind reden
denn er hat Angst, dass er, wenn er redet --
wirklich kommuniziert, sich in Rage reden wird --
Wut wird hochkommen.
Also ist es besser, nicht zu reden,
der Situation aus dem Weg zu gehen.
Kommuniziere einfach nicht.
Das gleiche ist im Westen
zwischen Frauen und Männern passiert,
und nun passiert es auch im Osten.
Denn der Osten ist tatsächlich am Verschwinden,
die ganze Welt ist nun schon westlich.
Es gibt keinen Osten mehr,
er existiert nur noch in den Geschichtsbüchern,
in den Museen;
er ist zur Nostalgie geworden.
Der Osten verschwindet --
geographisch gibt es ihn noch,
aber im menschlichen Bewußtsein
hat er keinen Platz mehr.
Was passiert nun im Westen?
Das gleiche -- wenn du deine Frau liebst,
wie kannst du sie dann hassen?
Wenn du deine Frau liebst, wie kannst du sie schlagen?
Wenn sie dich liebt,
dann liebt sie dich vierundzwanzig Stunden lang, ständig.
Du verlangst Unmögliches.

21.05.2009 um 17:05 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (19)

von: tao

Fröhlich
Das Denken eines Polizisten und das Denken eines Diebes
unterscheiden sich nicht --
Diebe im Dienst der Regierung, das ist die Polizei.
Ihr Denken, ihre Denkweise sind die gleiche,
nur ihre Herren sind anders.
Ein Dieb steht in seinem eigenen Dienst,
ein Polizist steht im Dienst des Staates --
aber beide sind Diebe.
Darum können Polizisten Diebe fangen.
Wenn du einen Mönch losschickst, um einen Dieb zu finden,
wird er ihn nicht finden,
denn er wird andere durch die Brille seines Denkens betrachten.
Und deswegen konnte die Polizei auch nicht Dschuang Dsi finden,
es war unmöglich.
Sie hätten ihn finden können,
wenn er ein ehrgeiziger Mensch gewesen wäre,
wenn er ein Verschwörer gewesen wäre,
wenn er machtpolitisch gedacht hätte --
dann hätte er gefaßt werden können.
Die Polizei muss an Orten gesucht haben, wo er nicht war,
und ihre Wege müssen sich viele Male gekreuzt haben.
Aber er war ein Bettler, ein ehrgeizloser Mensch.
Er war kein Intrigant.
Er hatte keinen Kopf für Verschwörungen, er war wie der Wind.

20.05.2009 um 17:27 Uhr

Quellender Urgrund 2/21 (8)

von: tao

Das Weibliche ist das Prinzip der Mitte, ob du also darüber hinausgehst oder hinuntergehst, das macht keinen Unterschied -- es ist die Leiter.
Mit dem Körper, mit der Sonnenenergie, mit dem männlichen Prinzip, wirst du ein Vergewaltiger -- du vergewaltigst das Leben. Du bist kein Liebender. Die Wissenschaft kommt von der Sonnenenergie; die Wissenschaft orientiert sich am männlichen Prinzip. Darum konnte der Osten sie nicht entwickeln. Der Osten hat durch das Mondprinzip gelebt -- passiv, still, lässig, ohne auf Eroberung aus zu sein, in tiefer Liebe zur Natur, ohne auf Kampf aus zu sein. Der Osten ist niemals vergewaltigend gewesen, der Westen hat die Natur vergewaltigt. Deswegen ist das Problem mit der Ökologie entstanden: Alle Natur wird nach und nach zerstört.
Mit dem femininen Prinzip, mit dem Mondprinzip, geht Liebe einher. Du liebst, aber du vergewaltigst nicht. Manchmal mag der physische Akt danach aussehen, aber die innerste Eigenschaft ist anders.
Der physische Vorgang, eine Frau zu lieben oder sie zu vergewaltigen, mag sich gleichen, aber die innere Qualität ist anders.
Mit der Sonnenenergie wird die Wissenschaft geboren; das ist die Vergewaltigung der Natur.

19.05.2009 um 16:25 Uhr

Tao 507

von: tao

 
Die Juden konnten es nicht glauben,
dass Jesus in Maria Magdalena verliebt war.
Sie sind sehr moralistische Leute;
mathematisch und kalkulativ;
und da kommt dieser Mann
und ist drauf und dran,
die ganze Struktur zu zerstören!
Die Inder erlaubten Krischna
sechzehntausend Freundinnen.
Sie nennen sie Gopis.
Gopi ist ein besseres Wort als Freundin,
lieblicher und tiefgehender.
Sechzehntausend gestatteten sie ihm
und sie haben diesen Mann nicht gekreuzigt.
Und nicht alle waren verheiratet mit ihm,
ein paar von ihnen waren die Frauen anderer.
Radha selbst, seine große Liebe,
war nicht seine Frau,
sondern die von jemand anderem.
Den Namen von Krischnas Hauptfrau
haben die Leute komplett vergessen.
Ihr Name war Rukmani.
Das ist ein völlig vergessener Name.
Radha war nicht seine Frau.
Radha war seine Geliebte.

18.05.2009 um 21:50 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (15)

von: tao

Fröhlich
Es geschah einmal
in einem Männerklub,
dass drei Philosophieprofessoren diskutierten,
in einer Forumsdiskussion,
was bei einer Frau am schönsten ist. Der eine Philosoph sagte:
Es sind die Augen --
die Augen beinhalten die ganze Frau, sie sind der schönste Teil
in einem weiblichen Körper.
Der zweite sagte:
Dem stimme ich nicht zu.
Das Haar ist der schönste Teil
eines weiblichen Gesichts
und Körpers,
es gibt ihm die Schönheit
und das Mysterium.
Und der dritte sagte:
Ich stimme dir nicht zu,
ihr beide liegt falsch --
es sind die Beine,
die Art und Weise,
wie eine Frau geht,
die Kurven ihrer Beine,
wenn die Beine wie aus Marmor sind, das gibt ihr
die ganze feminine Schönheit.
Eine Frau, eine alte Frau,
die sehr ernst
dieser Diskussion lauschte,
hob ihre Nase und sagte:
Ich muss hier rauskommen,
bevor einer von euch Jungs
die Wahrheit sagt!
Eine Frau ist kein Philosoph,
sie hat keine Theorien --
sie weiß es einfach.
 

17.05.2009 um 13:37 Uhr

Tao Te King 41 (14)

von: tao

 
Wenn irgendetwas perfekt wird
muss die Anstrengung, mit der du das gelernt hast, vergessen werden,
sonst bleibt dir genau dieser Stress erhalten
und belastet dich.
Also ist es nicht so,
dass der höchste Typus es dadurch erreicht,
indem er sich hart anstrengt,
um in Übereinstimmung mit dem Tao zu leben, nein.
Erst bemühen sie sich sehr,
in Übereinstimmung damit zu leben,
dann nach und nach beginnen sie zu verstehen
dass keine Anstrengung nötig ist,
um in Einklang mit der Natur zu leben.
Das ist wie Dahintreiben auf dem Wasser:
Niemand kann sich einfach dahintreiben lassen,
du mußt zuerst schwimmen lernen.
Geh nicht vorher in den Fluss, du würdest ertrinken.
Man muss zuerst schwimmen lernen
und wenn das Schwimmen perfekt wird,
braucht man nicht mehr zu schwimmen,
man kann bloß im Fluss sein und sich dahintreiben lassen;
man kann im Fluss liegen,
als wenn man in seinem Bett liegen würde.
Nun hat man gelernt,
wie man in Übereinstimmung mit dem Fluss sein kann,
nun kann der Fluss einen nicht mehr ertränken,
nun hegt man keine Feindschaft mehr gegenüber dem Fluss.
Tatsächlich existiert man nicht mehr getrennt vom Fluss.

16.05.2009 um 20:15 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (13)

von: tao

Ein Freund wird niemals eine Erklärung abgeben
-- nicht nötig, denn wir sind keine Fremden
und der andere kann es verstehen.
Wenn der andere es nicht verstehen kann,
nur dann ist eine Entschuldigung vonnöten.
Und wenn Liebe nicht verstehen kann,
wofür wird die Entschuldigung dann gut sein?
Wenn die Welt zu einer Heimat wird,
werden alle Entschuldigungen verschwinden,
werden alle Erklärungen verschwinden.
Du gibst Erklärungen ab,
weil du dir des anderen nicht sicher bist.
Die Erklärung ist ein Trick,
um Konflikte zu vermeiden,
die Entschuldigung ist ein Hilfsmittel,
um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
Aber der Konflikt ist schon da,
und du hast Angst davor.
Das ist ein zivilisierter Weg,
aus dem Konflikt herauszukommen!
Du bist einem Fremden auf den Fuß getreten,
du siehst die Gewalt in seinen Augen --
er wird aggressiv, er will dich schlagen.
Da ist eine Entschuldigung dringend nötig,
die Entschuldigung wird seine Wut besänftigen --
das ist ein Trick.
Sonstige

15.05.2009 um 21:29 Uhr

Tao Te King 64 (15)

von: tao

Das Unglück ist Teil deines Wesens geworden:
Wenn du es abschneiden wiillst, dann blutest du.
Das ist nicht wie bei einem Gewand,
aus dem du einfach herausschlüpfen kannst,
es ist wie deine Haut;
wenn du deine Haut abschälst, wirst du leiden.
Vielleicht ist deine Haut erkrankt.
Vielleicht hast du Ekzeme.
Aber trotzdem ist es deine Haut.
Du leidest darunter,
aber du kannst sie dir nicht abziehen,
denn das würde sogar noch größeres Leiden bedeuten.
Die Leute klammern sich ans Unglücklich-Sein
denn wenigstens ist es etwas,
an das sie sich halten können.
Wenn das Unglück weg wäre,
gäbe es nichts mehr,
an was sie sich festhalten könnten.
Und das Unglück ist wenigstens bekannt und vertraut,
ein alter Freund,
und du hast dich darauf eingestellt,
du weißt, es ist da;
eine alte Krankheit.
Dann gewöhnt sich die Person daran.
Du klammerst dich ans Unglück,
denn das abzuschneiden hieße,
in dein eigenes Wesen zu schneiden.
Denke immer daran,
die Dinge zu fassen zu bekommen,
solange sie noch
in einem unmanifestierten Zustand sind.
 

14.05.2009 um 15:30 Uhr

Tao 506

von: tao

Anhaltende Erinnerung,
auch nur eine einzige Minute lang,
ist schwierig,
aber wenn du dich auch nur
eine einzige Minute lang
an etwas erinnern kannst,
dann zahlt sich das gewaltig aus. Wenn du also
das nächste Mal spürst,
wie dich das Staunen überkommt, dann bleibe dabei, behalte es bei.
Das wird schwierig sein,
aber wenn du es auch nur
für eine einzige Minute lang beibehalten kannst,
wird dir das viel geben.
Eine tiefe Stille
wird dich umgeben,
und nach und nach,
je mehr du davon kostest,
je mehr du es geschehen läßt,
desto mehr Möglichkeiten
werden sich auftun.

13.05.2009 um 14:17 Uhr

Tao 505

von: tao

Aus taoistischer Sicht der einzige Narr
ist der Mensch
der immer weise ist.
Das Leben braucht Polaritäten und Proportionen.
Torheit ist sehr erfrischend.
Sie reinigt deine Augen, gibt dir Perspektive.
Sie bringt die Unschuld des Kindes wieder.
Sie gibt dir wieder Spontaneität.
Dann bist du nicht auf ein Muster fixiert,
du fließt dahin.
Aber versuche nicht, ständig ein Narr zu sein --
auch das ist töricht.
Und es ist leicht für das Denken,
sich an ein Extrem zu klammern.
Die schwierigste Sache für das Denken ist,
Polaritäten zu verändern
denn das stört deinen Lebensstil.
Du würdest gerne festgelegt sein
aurf ein Muster --
das ist der Weg des geringsten Widerstands.
Du hast einen Trick gelernt
und dann bleibst du fixiert darauf.

12.05.2009 um 15:37 Uhr

Tao 504

von: tao

Niemand hat Angst vor dem Tod.
Wie kannst du Angst vor etwas haben,
das du nicht kennengelernt hast?
Wie kannst du Angst haben
vor dem absolut Unbekannten,
Unvertrauten und Fremdartigen?
Furcht kann es nur vor etwas geben, was bekannt ist.
Nein, wer sagt "Ich habe Angst vor dem Tod",
hat nicht Angst vor dem Tod --
er kennt ihn doch gar nicht!
Wer weiß? -- der Tod mag besser sein als das Leben.
Die Furcht ist keine Todesfurcht,
es ist die Furcht vor der Zeit.
In Indien haben sie für beides denselben Begriff.
Zeit nennen sie kala
und Tod nennen sie auch kala.
Sie haben einen Begriff für beides, Tod und Zeit.
Das ist sinnvoll,
das Wort kala ist bedeutungsvoll, sehr signifikant,
denn Zeit ist der Tod,
und Tod ist nichts als die Zeit.