Taoistische Reflektionen

11.05.2009 um 22:53 Uhr

Tao Te King 56 (14)

von: tao


Diejenigen, die wissen, haben bloß gesprochen, um zu zerstören, so dass Leere übrig bleibt.
In diesem Leer-Sein ist Kommunion.
Das Wort Kommunion bedeutet:
zur Union, zur Vereinigung kommen.
Da ist dann eine tiefe Einheit.
In dieser Einheit
kann das gesagt werden,
was nicht gesagt werden kann.
Keine Worte sind nötig,
nicht einmal Zeichensprache ist nötig.
Es wird einfach übertragen
ohne irgendeine Schrift.
"Wer versteht, spricht nicht;
wer spricht, versteht nicht.
Fülle seine Öffnungen auf..."
Nun sagt Lao-tse, was zu tun ist;
wie man zu diesem Schweigen kommen kann,
das Wahrheit erkennt;
wie man zu diesem Leer-Sein gelangen kann
in dem Wahrheit in dich absinkt,
in dem du ein Vehikel wirst,
und Tao Besitz ergreift.
Du wirst ein Tempel,
und Tao kommt, und läßt sich in dir nieder.
Beschäftigt

10.05.2009 um 21:40 Uhr

Tao Te King 71 (17)

von: tao

  • Photo URL
Sterben, und doch nicht sterben.
Völlig sterben -- und doch äußerst lebendig sein!
Das ist die schönste Erfahrung,
die ein Mensch haben kann.
Auf dieser Ebene des Todes, der vierten Stufe,
gibt es zwei Möglichkeiten.
(Auf jeder Schicht gibt es zwei Möglichkeiten.)
Die eine: Wenn du wirklich tot wirst ohne Bewußtheit,
dann wirst du wie ein Zombie existieren,
wie ein Roboter, abgestumpft und geistesabwesend.
Du kannst in vielen Irrenhäusern Leute finden,
die zu dieser vierten Ebene gehören,
die alles Leben, alle Vitalität verloren haben.
Sie existieren,
aber ihre Existenz ist mehr wie ein Vegetieren.
Im Osten haben sie einen speziellen Namen
für diesen vierten Typus,
der die Bewußtheit verpaßt hat;
sie nennen ihn einen Fakir.
Fakir ist ein Sufi-Begriff;
er bezeichnet einen Yogi, der das Ziel verfehlt hat.
Er kam bis ganz nah ans Ziel,
und dort plötzlich angekommen,
konnte er nicht achtsam bleiben.
Also ist er nun gestorben.
Der eine Teil der Sache, um die es geht, ist geschehen,
der andere hat sich nicht ereignet;
er ist gestorben
und er ist nicht wiedergeboren worden.
Er wird abwesend bleiben,
er wird dich mit leeren Augen anblicken.
Wenn du ihm Nahrung gibst, wird er essen,
wenn du ihm kein Essen gibst, wird er sitzen bleiben, tagelang, ohne etwas zu essen.
Er wird ein totes Leben leben.
Er ist auf der vierten Stufe, aber gescheitert.
Sonstige

09.05.2009 um 22:28 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (32)

von: tao

Es geschah einmal, dass
einer von Oshos Universitätslehrern ihn besuchen kam.
Er sagte: Du mußt dich doch noch daran erinnern,
dass ich dein Lehrer war.
Da sagte Osho zu ihm: Ja, ich erinnere mich.
Wie kann ich dich vergessen?
Es ist trotz dir, dass ich bin, was auch immer ich bin.
Du konntest mit mir keinen Erfolg haben.
Du hast es versucht und ich
werde immer dir gegenüber Dankbarkeit empfinden,
dass du gescheitert bist.
Du konntest keinen Erfolg haben.
Er liebte Osho wirklich und er versuchte auf jede Weise
ihn in die akademische Welt zu hineinzuzwingen.
Er liebte ihn so sehr
und er kümmerte sich so sehr um ihn
dass er immer, wenn eine Prüfung anstand,
am Morgen mit seinem Auto zu ihm kam
und ihn zur Prüfungshalle brachte,
denn er hatte immer Angst
dass Osho nicht hingehen würde
oder dass er vielleicht meditieren würde.
Vor der Prüfung kam er zu ihm und sagte:
Lies dies, lies das und dann noch das.
Dies wird drankommen,
denn ich stelle die Prüfungsfragen.
Und immer wieder erinnerte er ihn daran:
Hast du das gelesen oder nicht?
Und denk daran,
ich verfasse die Examenspapiere
und das wird drankommen.
Er hatte immer Angst,
dass Osho nicht auf ihn hören würde.
Er liebte ihn.
Deine Lehrer liebten dich auch,
aber sie wissen nicht, was sie tun.
Sogar obwohl sie dich lieben, geht etwas schief,
und dieses Etwas ist, dass sie versuchen,
dir etwas zu geben, was ihnen entspricht.
Oshos Lehrer wollte, dass
er ein großartiger Universitätsprofessor werden solle,
irgendwo an irgendeiner großartigen Universität --
der Leiter eines Lehrstuhls
oder ein Dekan oder ein Vizekanzler.
Diese Dinge stellte er sich vor und Osho lachte immer und fragte ihn: Was werde ich dadurch gewinnen?
Was hast du davon gehabt?
Du bist der Inhaber eines Lehrstuhls,
ein Dekan mit so vielen Auszeichnungen
-- Ehrendoktor der Literatur, und dies und das --
was hast du dabei gewonnen?
Und er lächelte dann wissend und sagte:
Warte nur und tue, was auch immer ich dir sage.
Denn bei dieser Frage:
"Was hast du dadurch gewonnen?"
fühlte er sich immer ein wenig perplex und konfus.
Was konnte er schon sagen?
Er hatte gar nichts davon gehabt
und nun kam er dem Tod immer näher.
Er hätte es gerne gehabt,
dass seine Ambition durch Osho
weitergeführt worden wäre.
Er wollte, dass Osho
seinen Ehrgeiz weitertragen würde.
Traurig

09.05.2009 um 01:59 Uhr

Tao 503

von: tao

Ein junger Mann kam zu Osho und fragte ihn
ob er heiraten oder unverheiratet bleiben sollte.
Das ist genau wie  Selbstmord, das gleiche Problem.
Sollte man Selbstmord begehen
oder sollte man am Leben bleiben?
Ein Junggeselle zu bleiben ist eine Art von Selbstmord
denn das halbe Leben bleibt abgeschnitten,
du hast dich entschieden, halb zu bleiben.
Ehe ist ein ganzes Leben.
Also fragte Osho den jungen Mann:
Warum fragst du mich das?
Wenn sich in dir kein Verlangen nach der Frau regt,
von woher kommt dann diese Frage? Steig aus!
Das ist in Ordnung,
es ist nicht nötig, sich auf eine Heirat einzulassen.
Aber wenn die Sehnsucht entsteht, dann geh und heirate.
Daraufhin fragte er: Warum hast du dann nicht geheiratet?
Osho sagte ihm: Weil ich mich dazu entschieden hatte.
Aber ich habe niemals
irgendjemand anderen danach gefragt.
Ich habe niemals irgendjemanden irgendetwas gefragt,
Man sollte selbstverantwortlich sein.
Ich habe niemals irgendjemandem
auch nur eine einzige Frage über das Leben gestellt.
Was hat das für einen Sinn?
Wenn ich die Klarheit habe, dann gehe ich da durch,
und sogar wenn ich mich irre,
dann ist das die Art und Weise,
wie mein Leben verlaufen muss --
durch Fehler, durch Versuch und Irrtum.
Aber ich schiebe niemals irgendjemand anderem
die Verantwortung zu.

07.05.2009 um 21:08 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (18)

von: tao

Nachdem du Liebe mit einer Frau gemacht hast
beginnst du plötzlich,
an sexuelle Enthaltsamkeit zu denken.
Und sexuelle Abstinenz hat in diesem Moment
so eine verlockende Faszination
dass du das Gefühl hast,
als ob es sonst nichts mehr zu erreichen gäbe.
Du fühlst dich frustriert, betrogen,
du hast das Gefühl, dass das nichts war mit diesem Sex,
nur Enthaltsamkeit beinhalte Glückseligkeit.
Aber nach vierundzwanzig Stunden,
wird Sex wieder wichtig und signifikant,
und wieder mußt du dich darauf einlassen.
Was tut das Denken da?
Nach dem Sex-Akt begann es
über den Gegensatz nachzudenken,
das heißt, wieder Geschmack am Sex zu bekommen.
Ein gewalttätiger Mensch beginnt,
über Gewaltlosigkeit nachzudenken,
dann kann er leicht wieder gewalttätig werden.
Ein Mensch, der immer wieder wütend wird
denkt immer an "Mensch, ärgere dich nicht",
beschließt immer wieder,
nicht noch einmal zornig zu werden.
Diese Entscheidung hilft ihm,
wieder ärgerlich zu werden.
Wenn du wirklich nicht wieder wütend werden willst,
dann entscheide dich nicht gegen den Zorn.
Schau einfach in den Ärger hinein
und schau dir einfach den Schatten der Wut an
den du für Zornlosigkeit hältst.
Schau in den Sex hinein, und auf den Schatten des Sex,
den du für sexuelle Enthaltsamkeit, für Abstinenz hältst.
Das ist bloß Negativität, Abwesenheit.
Schau dir das Sich-Überessen an, und seinen Schatten -- das Fasten.
Fastem folgt immer dem Zuviel-Essen;
maßlose Schwelgerei wird immer gefolgt
von Schwüren der Enthaltsamkeit;
Spannung zieht immer
irgendwelche Meditationstechniken nach sich.
Schau sie zusammen an,
spüre, wie sie miteinander verknüpft sind;
sie sind Teil eines Prozesses.
Wenn du dies verstehen kannst,
wird sich Meditation für dich ereignen.

06.05.2009 um 17:35 Uhr

Tao Te King 16 (17)

von: tao

Das Bewußtsein wird sich am Ende des Todes bewußt.
Wenn das Bewußtsein sich zuletzt
des Todes bewußt wird
entsteht eine Furcht.
Diese Furcht erzeugt in dir eine ständige Flucht.
Dann läufst du vor dem Leben davon;
wo immer Leben ist, da läufst du weg
denn wo immer das Leben ist,
da kommt auch ein Hinweis auf den Tod,
ein Vorgeschmack davon.
Leute, die zuviel Angst vor dem Tod haben
verlieben sich niemals in Personen,
sie verlieben sich in Dinge --
Dinge sterben nie, weil sie niemals gelebt haben.
Du kannst Dinge haben, für immer und ewig
und außerdem sind sie ersetzbar.
Wenn das eine Auto kaputt geht
kannst du es durch ein anderes Auto
in genau der gleichen Machart ersetzen.
Aber du kannst keine Person ersetzen --
wenn deine Frau stirbt, stirbt sie für immer.
Du kannst eine andere Frau haben
aber keine andere Frau wird sie jemals ersetzen --
ob nun im guten oder im schlechten,
keine andere Frau kann die gleiche Frau sein.
 

05.05.2009 um 20:35 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (20)

von: tao


Die Gesellschaft in dir, das ist dein Denken,
und darum sind all die, die verstehen
gegen das Denken und für die Natur.
Weil das Denken eine künstliche Sache ist,
in dir implantiert  von der Gesellschaft.
Wenn du also von Dschuang Dsi liest,
wird dein Denken Barrieren aufrichten.
Dein Denken wird das nicht lesen wollen
denn was er sagt, ist so gegen das Denken.
Wenn du das zuläßt,
wenn du dein Denken beiseitestellst
und das in dich eindringen läßt,
wird allein schon das Lesen Meditation werden,
wird das bloße Lesen dich transformieren.
Es gibt nichts anderes  zu tun, bloß lesen.
Dschuang Dsi glaubt an das Verstehen, nicht an Meditation.
Und Meditation ist nur deswegen ein Muss für dich,
weil das Verstehen so schwierig für dich ist.
Meditation wird dich nicht zum Ziel führen --
keine Methode kann dich zum Ziel führen.
Dafür gibt es keine Methode, keine Technik.
Fröhlich

04.05.2009 um 22:06 Uhr

Tao 502

von: tao


Wenn alles Unglück
von der Welt verschwindet
werden die großen Wohltäter
der Menschheit
höchst unglücklich sein.
Denn dann werden sie nichts zu tun haben.
Gott scheint Mitleid
mit ihnen zu haben --
er verlängert die Misere.

03.05.2009 um 22:41 Uhr

Tao Te King 6 (12)

von: tao

 

Ein Mensch, der geliebt hat, nicht nur sexuell,

sondern total,

wird "Liebe ist Gott" auf andere Weise verstehen.

Für ihn wird diese Analogie tiefgründiger sein.

Wenn du Liebe kennengelernt hast,

die über den Sex hinausgeht,

in der der Sex einfach verschwindet

und die ganze sexuelle Energie

in Ekstase transformiert wird,

wenn du diese Liebe kennengelernt hast

dann wird "Liebe ist Gott"

eine andere Bedeutung für dich haben.

Also hängt eine Analogie von dir ab.

Und ein Analogie-Buch wie das von Lao-tse

muss immer wieder gelesen werden --

es ist ein Lebenswerk.

Du kannst es nicht einfach

wie irgendein anderes Taschenbuch lesen

und es dann wegwerfen.

Es ist ein Schatz, den man weitertragen muss;

es ist eine lebenslange Arbeit;

es ist eine lebenslängliche Disziplin,

in diese Analogie einzudringen.

02.05.2009 um 13:52 Uhr

Tao Te King 76 (10)

von: tao


Freude ist grundlos.

Sie entsteht einfach, weil du bist.

Sie blubbert einfach in dir hoch

bloß, weil du bist.

Bist du erst einmal offen,

und fließt mit dem Leben,

dann sprudelst du ständig über vor Freude.

Und das aus überhaupt keinem Grund!

Du beginnst einfach zu spüren:

Zu sein heißt glücklich zu sein.

Darum haben die Hindus das Letztendliche

satchitananda genannt.

Das bedeutet: Zu sein heißt glückselig zu sein.

Es gibt keine andere Seinsweise.

Wenn du unglücklich bist

zeigt das nur, dass du den Kontakt mit dem Sein verloren hast.

Traurig

01.05.2009 um 16:28 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (31)

von: tao

 

Du bist so unzufrieden,
du hast nicht einmal so viel, wie du brauchst.
Wie kannst du tanzen? Wie kannst du singen?
Wie kannst du meditieren?
Meditation ist das letztendliche Erblühen,
die Ekstase, die nur kommt,
wenn du flutartig überströmst,
wenn du so viel Energie hast
dass du nicht sitzen kannst, du kannst nur tanzen;
wenn du so viel Energie hast
dass du nichts anderes tun kannst, als sie zu teilen
und dir Gäste einzuladen,
um sie an deiner Energie und an deinem Entzücken,
an deinem Singen und an deinem Tanzen
teilhaben zu lassen. 
Deine Eltern liebten dich, aber sie sind unbewußt.
Ein Vater stirbt unerfüllt,
aber er hofft,
dass zumindest sein Sohn das Ziel erreichen wird.
Und auf diese Weise geht das immer weiter,
und niemand kommt an.
Liebe ist nicht genug; Bewußtheit ist nötig.
Wenn die Liebe ohne Bewußtheit ist,
wird sie zur Gefangenschaft
und wenn die Liebe mit Bewußtheit ist,
wird sie zur Freiheit.
Sie hilft dir, du selbst zu sein.