Taoistische Reflektionen

10.06.2009 um 23:59 Uhr

Tao 514

von: tao

Leute, die keine anderen Menschen lieben können,
beginnen, das Geld zu lieben,
denn Geld ist ein Mittel, Dinge zu besitzen.
Je mehr Geld du hast,
desto mehr Dinge kannst du besitzen,
und je mehr Dinge du besitzen kannst,
desto mehr kannst du die Personen vergessen.
Du wirst viele Dinge haben,
aber du wirst keinerlei Zufriedenheit haben
denn tiefe Befriedigung kommt nur,
wenn du eine Person liebst.
Das Geld wird nicht revoltieren,
aber es kann dir auch nicht antworten,
das ist das Problem.
Darum werden geizige Menschen sehr häßlich.
Niemand hat jemals ihrer Liebe geantwortet.
Wie kannst du schön sein,
ohne dass du von Liebe berührt wirst,
ohne dass Liebe auf dich herabregnet wie Blütenblätter --
wie kannst du schön sein?
Du wirst häßlich. Du wirst verschlossen.
Ein Mensch, der Geld besitzt
oder versucht, Geld zu besitzen, ist geizig
und er wird immer Angst haben vor Personen,
vor Menschen
denn wenn denen gestattet wird,
ihm näher zu kommen,
dann könnten sie vielleicht auch Anteil haben.
Wenn du jemandem Nähe erlaubst,
mußt du ihm auch eine gewisse Anteilnahme gestatten.

09.06.2009 um 23:09 Uhr

Tao Te King 56 (15)

von: tao

 
"Mach seine Öffnungen dicht..."
Das Denken hat viele Öffnungen
durch die es ständig wiederaufgefüllt
und wiederaufgetankt wird.
Ständig hältst du Ausschau --
nach was suchst du denn?
Du hältst nicht nach etwas Speziellem Ausschau,
du siehst dich bloß um;
was auch immer vorbeikommt, du schaust ihm nach.
Das Denken ist ganz scharf darauf
durch die Augen
alles zu sammeln
welche Information es auch immer sammeln kann.
Das Denken ist neugierig --
du liest sogar die Werbeplakate an den Wänden,
und du gehst jeden Tag
an derselben Mauer vorbei,
und du liest es wieder und wieder und wieder.
Und du weißt, was da geschrieben steht,
du hast es schon so viele Male gelesen,
aber immer, wenn du wieder daran vorbeigehst,
dann liest du es wieder,
ganz unbewußt, wie ein Roboter.

08.06.2009 um 21:32 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (20)

von: tao

Ein Rabbi ging an einem jungen Mann vorbei

und das geschah während eines jüdischen Fests.

Der junge Mann rauchte

und Rauchen war an diesem Tag verboten.

Also blieb der Rabbi stehen und fragte ihn:

Junger Mann, weißt du nicht,

dass dies ein jüdischer Feiertag ist,

und du nicht rauchen solltest?

Der junge Mann sagte:

Ja, ich weiß, dass dies ein jüdischer Feiertag ist.

Trotzdem rauchte er weiter --

und nicht nur das, er blies den Rauch dem Rabbi ins Gesicht.

Der Rabbi fragte:

Und weißt du denn nicht, dass Rauchen verboten ist?

Der junge Mann sagte arrogant: Ja, ich weiß, es ist verboten.

Und er rauchte weiter.

Der Rabbi sah gen Himmel und sagte:

Vater, dieser junge Mann ist schön.

Er mag gerade das Gesetz brechen,

aber niemand kann ihn dazu bringen, dass er lügt.

Er ist ein wahrhaftiger Mensch.

Er sagt: Ja, ich weiß, dies ist ein religiöser Feiertag,

und ja, ich weiß, es ist verboten.

Erinnere dich am Tag des Gerichts daran

dass dieser junge Mann sich nicht zum Lügen zwingen ließ.

Das ist ein schöner Rabbi.

Das ist das Denken eines religiösen Menschen.

Er kann es nicht falsch sehen. Er sieht es immer richtig.

Sonstige

07.06.2009 um 15:06 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (19)

von: tao

Das passiert den Politikern,
den Leuten, die besessen sind
von Reichtum, Prestige und Macht:
Ihre Egos werden so groß,
dass ihre Boote
sie nicht mehr tragen können.
Jeden Moment kann es soweit sein,
dass sie ertrinken, sie stehen auf der Kippe,
sie haben Angst, Todesangst.
Und je mehr Angst du hast,
desto besitzergreifender wirst du,
weil du denkst, dass durch Besitztümer
irgendwie Sicherheit erreicht wird.
Je mehr Angst du hast,
desto mehr denkst du
dass du sicherer sein würdest,
wenn dein Königreich
ein wenig größer sein könnte.
"Wer Menschen regiert, lebt in Konfusion."
Wirklich, das Verlangen nach Herrschaft
kommt aus deiner Verwirrung heraus;
das Verlangen,
Anführer von Menschen zu sein,
kommt aus deiner Konfusion heraus.
Wenn du damit anfängst, andere zu leiten,
dann vergißt du deine Verwirrung --
das ist eine Art von Flucht, ein Trick.
Du bist krank,
aber wenn jemand anderes krank ist,
und du dich dafür interessierst,
diesen Menschen zu kurieren,
dann vergißt du deine Krankheit.

06.06.2009 um 13:32 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (18)

von: tao


Dschuang Dsi sagt:
"So ist der vollkommene Mensch --
sein Boot ist leer."
Leer von was?
Leer vom "Ich".
Leer vom Ego.
Leer von jemandem dort in dir.
"Wer Menschen regiert, lebt in Konfusion;
wer von Menschen regiert wird, lebt in Sorge;"
"Wer Menschen beherrscht, lebt in Verwirrung."
Warum? Der Wunsch nach Herrschaft kommt vom Ego;
das Verlangen nach Besitz, machtvoll zu sein,
die Sehnsucht nach Dominanz, all das kommt vom Ego.
Je größer das Königreich, das du beherrschen kannst,
desto größer das Ego, das du erreichen kannst.
Durch all deine Besitztümer wird dein innerer Jemand
ständig größer und größer und größer.
Manchmal wird das Boot sehr eng
weil das Ego so groß wird....

05.06.2009 um 16:10 Uhr

Tao Te King 70 (11)

von: tao

Staunen ist keine mentale Sache,
es ist eine Angelegenheit des Herzens.
Dann bist du erstaunt
von allem, was dir begegnet --
einer Knospe, die sich öffnet
und eine Blüte wird.
Wieder wird die ganze Schöpfung erschaffen
und da wird noch törichterweise gefragt:
Wie erschuf Gott die Welt?
Warum erschuf Gott die Welt?
-- und dabei erschafft er sie doch gerade jetzt!
Vor deinen Augen!
Schau zu!
Lass diese Knospe dort sich öffnen
und zur Blüte werden
und bring nicht dein Denken mit hinein,
voll mit Fragen.
Sieh einfach zu, mit einem staunenden Herzen --
und du wirst verstehen!
Du wirst zum Verstehen durch das Staunen kommen,
nicht durch das Forschen.

04.06.2009 um 22:39 Uhr

Tao Te King 67 (15)

von: tao

Es hängt immer davon ab,
ob du etwas als eine Barriere
oder als eine Leiter benutzt.
Da ist ein Stein --
ein Felsbrocken
liegt da auf dem Weg.
Du kannst ihn
für ein Hindernis halten,
aber du kannst ihn übersteigen, und dann wird er zum Trittbrett, und du steigst höher.
Darum akzeptiert
der Mensch des Tao alles.
Er verurteilt nichts.

03.06.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (37)

von: tao


In den Mutterschoß dringt kein Lärm ein;
es ist, als wenn es die Welt überhaupt nicht geben würde.
Das Kind muss keine Wahl treffen und geteilt sein;
es gibt kein Training, keine Konditionierung.
Es genießt sich einfach selbst
als wenn es das eigentliche Zentrum der Welt ist.
Und dann kommt plötzlich die Geburt. Das ist traumatisch.
Zum ersten Mal
kommt Unsicherheit in das Leben des Kindes.
Nun muss es atmen;
jetzt muss es schreien, wenn es Hunger fühlt,
wenn es Durst spürt, wenn es sich unwohl fühlt.
Es muss selbst zurechtkommen,
sich mit den anderen arrangieren
und es muss nun damit anfangen, sich Sorgen zu machen.
Wenn die Mutter nicht da ist, ist es beunruhigt.
Es hat sich naßgemacht, es schreit und weint
und niemand hört es.
Dann kommt die Anspannung, die Unsicherheit;
es hat immer Angst, die Mutter könnte es verlassen.
Und die Mutter stößt immer wieder Drohungen aus:
Gehorche mir, sonst werde ich dich verlassen.
Mütter drohen sogar dem Kind:
Hör mir zu, folge mir, sonst werde ich sterben.
Das ist eine Drohung! Dem Kind fährt das in Mark und Bein.
Traurig

02.06.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 11 (21)

von: tao


Fast neunundneunzig Prozent
der Liebesaffären auf dieser Erde
sind also falsch,
und früher oder später
kommst du zu der Erkenntnis,
dass sie trügerisch gewesen sind,
Liebende kommen zur Erkenntnis,
dass sie getäuscht
und genarrt worden sind.
Aber sie denken,
dass der andere
sie zum Narren gehalten hat,
sie denken niemals,
dass sie das gleiche
auch dem anderen angetan haben.
Und sie verstehen nicht die Misere menschlicher Wesen
und ihre Stupidität;
wenn sie ihre eigene Dummheit
verständen,
was sie da eigentlich tun,
würden sie imstande sein,
Mitgefühl für alle zu empfinden.
 
Sonstige

01.06.2009 um 15:54 Uhr

Tao 513

von: tao

Was ist Geld? Das ist eine heikle Frage.
Die meisten Leute fühlen sich dabei zutiefst unwohl,
auf die eine oder andere Weise, denn Geld ist nicht das,
wonach es aussieht.
Geld ist tiefer verwurzelt.
Geld ist nicht bloß da draußen in den Banknoten.
es hat etwas mit deinen inneren Gedankengängen
und Einstellungen zu tun.
Geld ist deine Liebe zu Dingen,
Geld ist deine Flucht vor Menschen,
Geld ist deine Sicherheit vor dem Tod,
Geld ist deine Anstrengung, das Leben zu kontrollieren,
Geld bedeutet tausend Sachen.
Geld ist nicht bloß in den Geldscheinen und Münzen
sonst würde das alles sehr leicht gewesen sein.
Geld ist deine Liebe --
die Liebe zu Dingen, und nicht zu Personen.
Die bequemste Liebe ist Liebe zu Sachen,
denn Sachen sind tot,
du kannst sie leicht besitzen.
Du kannst ein großes Haus besitzen, einen Palast
du kannst leicht den größten Palast dein eigen nennen
aber du kannst nicht einmal das kleinste Baby besitzen;
sogar dieses Baby wehrt sich dagegen,
sogar dieses Baby kämpft um seine Freiheit.
Ein kleines Baby, wie klein es auch immer ist,
ist gefährlich
für den Menschen, der besitzen möchte.
Es wird rebellieren, es wird rebellisch werden,
aber es wird niemandem erlauben, es zu besitzen.