Taoistische Reflektionen

10.09.2009 um 17:02 Uhr

Tao Te King 43 (16)

von: tao

 

Du kannst Männer und Frauen

und ihre Beziehungen beobachten, millionenfach.

Ungeachtet all der überheblichen

und anmaßenden Prätentionen der Männer,

die man getrost vergessen kann,

ist es fast unmöglich für eine Frau,

wenn sie Frau bleibt, nicht zu gewinnen.

Eine Frau kann es dem Mann gestatten,

so zu tun, als ob er der Gewinner sei,

aber alle Frauen wissen,

dass sie die Gewinnerinnen sind.

Tatsächlich ist es falsch,

irgendeinen Ehemann Pantoffelheld zu nennen,

denn alle Ehemänner

stehen unter dem Pantoffel.

Das Gegenteil ist nicht möglich,

denn die Frau ist so weich,

so anpassungsbereit wie Wasser.

Wie kannst du sie zerstören?

Ihre Weichheit gewinnt dich nach und nach;

ihre Anmut, ihre Liebe, ihre Bescheidenheit,

ihre Egolosigkeit gewinnt

allmählich die Oberhand.

09.09.2009 um 14:34 Uhr

Tao 548

von: tao

 
Wissen ist krank, Unwissenheit ist gesund.
Wissen ist krank wegen des Ego --
das Ego ist das größte Leiden.
Du kannst das Ego nicht füttern,
wenn du dich nicht ans Wissen klammerst.
Wenn du daran festhältst, dann kannst du das Gefühl haben,
dass du jemand bist -- dass du etwas weißt,
dass du keine ignorante Person bist;
du kannst dich mit anderen vergleichen --
dass du mehr weißt,
dass jeder andere unwissend und dumm ist,
aber du, du bist sehr intelligent,
du hast schließlich einen Universitätsabschluß.
Und du stellst deine Diplome in deinem Wohnzimmer aus,
du rahmst sie ein, du machst jeden darauf aufmerksam
dass du kein gewöhnlicher Mensch bist;
du bist sehr kultiviert und gebildet, kenntnisreich.
Du zeigst dein Wissen ständig und überall.
Wo immer du eine Möglichkeit dafür siehst,
und sei es auch nur eine kleine Chance,
da stürzt du dich darauf,
mischst dich ein und beginnst,
dein Wissen zu demonstrieren, deine Software.
Du beginnst zu argumentieren;
du fängst damit an den Beweis zu erbringen,
dass du recht hast.
Diese ganze Anstrengung ist egoistisch.

08.09.2009 um 23:45 Uhr

Tao Te King 48 (19)

von: tao

Wenn du das Denken transzendierst,
ein Beobachter im Ausguck wirst
dann kannst du sehen, was sich im Denken abspielt.
Wenn du getrennt vom Denken bist, nur dann besteht eine Möglichkeit, etwas loszulassen, das Wissen aufzugeben, wieder zu verlernen.
"Der Student des Tao ist darauf aus, Tag für Tag zu verlieren."
Das ist sein Gewinn.
Er gewinnt dadurch, dass er tagtäglich verliert.
Das ist sein Lerngewinn, er lernt dadurch, dass er Tag für Tag verlernt.
Ein Moment kommt
wo er dann wieder ein Kind ist,
ohne noch irgendetwas zu wissen.
Ein Moment kommt
wo er wieder in das Paradies eingeht.
Er kostete die bittere Frucht des Wissens,
aber er fand heraus
es war dumm.
Wissen ist tiefere Stupidität.
Er fand das heraus,
nun kommt er wieder ins Paradies.
 
  

08.09.2009 um 23:35 Uhr

Tao Te King 48 (19)

von: tao

Wenn du das Denken transzendierst,
zum Beobachter im Ausguck wirst
dann kannst du sehen, was sich im Denken abspielt.
Wenn du getrennt vom Denken bist,
nur dann besteht eine Möglichkeit, etwas loszulassen,
das Wissen aufzugeben, wieder zu verlernen.
"Der Student des Tao ist darauf aus,
Tag für Tag zu verlieren."
Das ist sein Gewinn.
Er gewinnt dadurch, dass er tagtäglich verliert.
Das ist sein Lerngewinn,
er lernt dadurch, dass er Tag für Tag verlernt.
Ein Moment kommt
wo er dann wieder ein Kind ist,
ohne noch irgendetwas zu wissen.
Ein Moment kommt
wo er wieder in das Paradies eingeht.
Er kostete die bittere Frucht des Wissens,
aber er fand heraus
es war dumm.
Wissen ist tiefere Stupidität.
Er fand das heraus,
nun kommt er wieder ins Paradies.
 

07.09.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 4/4 (4)

von: tao

Moral ist immer relativ. Du kannst mehr Intelligenz haben als jemand anderes oder jemand anderes kann mehr Tugenden haben als du. Jemand kann couragierter sein als du oder feiger sein als du. Jemand kann mehr mit anderen teilen, liebevoller sein oder du kannst liebevoller sein als jemand anderes. Moral ist vergleichend, ist komparativ.

Niemand kann religiöser sein als du oder weniger religiös sein als du -- Religion ist unvergleichlich. Wenn Religion da ist, ist sie einfach da. Kannst du sagen: Buddha war religiöser als Jesus? Kannst du sagen: Moses war religiöser als Mohammed? Kannst du sagen: Lao-tse war religiöser als Krischna? Das wäre absurd, allein so ein Statement würde absurd sein -- denn Religion ist keine Quantität, sie ist die Qualität des Seins. Du kannst nicht mehr oder weniger haben. Es gibt keine Abstufungen. Du kannst aufrichtiger sein als jemand sonst, du kannst diebischer sein als jemand anderes -- da gibt es Möglichkeiten -- aber wie kannst du mehr oder weniger religiös sein als jemand anderes? Religion bedeutet Aufwachen. Religion meint, du bist nach Hause gekommen. Wie kannst du weniger daheim oder mehr zuhause sein als jemand anderes?

Wenn ein Mensch bewußt geworden ist, ist seine Bewußtheit immer total und komplett, ganz und gar vollständig. Sie kommt nicht in Teilen daher, sie kommt als ein Gesamtpaket -- daher ist sie heilig und heilend. Religion kommt als eine Ganzheit, Moral kommt in allen Formen und Größen. Du kannst Moral in der Familienpackung haben oder in Medium-Größe -- wie Zahnpasta. Moral kommt in allen Schattierungen und Größenordnungen, Religion ist einfach vollständig. Entweder es ist Religion oder es ist keine Religion.

Manchmal fragen Leute: "Wer ist mehr erleuchtet -- Buddha oder Jesus?" Die Frage ist absurd. Wer ist mehr erleuchtet? Erleuchtung bedeutet, dass du über die Relativität hinausgegangen bist; nun kann es kein Mehr oder Weniger mehr geben. Wer ist erleuchteter? Erleuchtung bedeutet, dass du verschwunden bist -- und mit dir alle relativen Konzepte. Du bist einfach da -- ein reines So-Sein, ein Ist-Sein. Immer wenn jemand ein reines So-Sein wird, eine reine Existenz, eine ursprüngliche Unschuld, gibt es keinen Vergleich mehr. Über das Vergleichen hinauszugehen bedeutet zu erwachen -- also kannst du nicht die Frage stellen: "Wer ist erleuchteter?" Allein schon die Frage ist sinnlos.

Religion ist entweder oder sie ist nicht. Dies sollte man sich merken.    

 

06.09.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 2/1 (9)

von: tao


Ich habe über eine Frau gelesen, die vor Gericht gegen einen Mann klagte. Der Richter fragte: Sie sagen immer wieder, dass dieser Mann sie vergewaltigte: Wann hat er sie vergewaltigt?"
Und die Frau sagte: "Wann? Im Januar, Februar, März. April, Mai, Juni, Juli, August, September. Oktober, November und Dezember. Das ganze Jahr -- Vergewaltigung und Vergewaltigung und Vergewaltigung und sonst nichts."
Der Richter war erstaunt. Er sagte: "Wie konnte er sie das ganze Jahr lang vergewaltigen?"
Die Frau sagte: "Er ist mein Ehemann."
"Aber warum nennen sie das dann Vergewaltigung? Aus gesetzlicher Sicht ist es keine Vergewaltigung."
Die Frau sagte: "Es ist trotzdem Vergewaltigung. Er hat mich nicht geliebt."
Du kannst sogar deine Frau vergewaltigen, wenn du sie nicht liebst.

05.09.2009 um 16:30 Uhr

Tao Te King 41 (18)

von: tao

 
"Wenn der höchste Menschentyp
vom Tao (die Wahrheit) hört,
Dann bemüht er sich sehr,
in Übereinstimmung damit zu leben."
Das ist sein erster Standpunkt.
Versteht er erst einmal,
dann hört, fühlt und schmeckt er,
er spürt die Affinität dazu,
und beginnt nun mit der harten Anstrengung,
dementsprechend zu leben.
Aber nach und nach, so wie er da hineinwächst,
beginnt er zu verstehen,
dass Anstrengung nicht nötig ist
-- sondern Anstrengungslosigkeit.
Schließlich gibt er die Anstrengung auf
und wird eins mit der Natur.
Dann ist er nicht mehr Teil der Menschheit,
er wird übermenschlich.
Dann ist er nicht mehr Teil
der sich abmühenden Menschheit,
er kämpft einfach nicht mehr.
Er sieht wie ein Mensch aus,
aber er ist kein Mensch mehr
Wenn du einem Menschen wie Lao-tse begegnest,
ist der kein Mensch;
wenn du auf einen Buddha stößt,
ist der kein Mensch.
Darum wurden solche Leute avataras genannt,
bloß um sie von der gewöhnlichen Menschheit
zu unterscheiden.

04.09.2009 um 17:49 Uhr

Tao 547

von: tao

Du bleibst verschlossen im Bekannten.

Du möchtest dich nicht in das Unbekannte begeben.

Du möchtest nicht lernen,

du möchtest nicht neuen Fakten gegenüber offen sein.

Das Denken

möchte immer

entweder ein Linker oder ein Rechter sein,

entweder dies oder das sein -- aber eben etwas sein.

Und das Leben

ist im Fluss -- was bedeutet, nichts zu sein;

die Kapazität, alles zu sein

und nichts zu sein;

die Fähigkeit, jede Rolle anzunehmen

und nicht damit identifiziert zu sein.

"Keine Rolle" sollte dein Lebensstil werden.

Du solltest weitergehen können,

alles aufgeben und loslassen können,

so wie du deine Kleider ausziehst.

03.09.2009 um 15:03 Uhr

Tao Te King 41 (17)

von: tao

Wissenschaft ist hintergründige Naturpolitik,
ein tiefgehender Kampf, eine  Feindschaft.
Taoismus ist überhaupt kein Kampf;
tatsächlich geht es ihm um die Erkenntnis,
dass du Teil der Natur bist.
Wie kann der Teil mit dem Ganzen kämpfen?
Und wenn der Teil versucht,
mit dem Ganzen zu kämpfen
und dann von Ängsten heimgesucht wird,
was kannst du anderes erwarten?
Das ist natürlich.
Wenn der Teil versucht,
mit dem Ganzen zu kämpfen,
wenn meine Hand versucht,
mit meinem ganzen Körper zu kämpfen,
wird die Hand krank werden.
Wie kann die Hand mit dem Körper kämpfen?
Der Körper versorgt sie mit Blut,
der Körper liefert ihr die Nahrung,
wie kann sie mit dem Körper kämpfen?
Die Hand kämpft mit dem Körper?
Das ist töricht.
Der Mensch, der mit der Natur kämpft,
ist idiotisch,
du kannst nur im Einklang mit der Natur leben.
Taoismus ist Hingabe,
Wissenschaft ist ein Krieg.
Die Wissenschaft stärkt das Ego
und für den Taoismus
besteht das ganze Problem darin,
wie man das Ego loslassen kann.
Durch Anstrengung
kann es nicht aufgegeben werden.
Sei dir dessen bewußt.

02.09.2009 um 14:51 Uhr

Tao Te King 9 (27)

von: tao

Die Dschainas glauben, dass ihre Tirthankaras, alle von ihnen, vierundzwanzig an der Zahl, in jedem Zeitalter kommen werden. Die Namen und die Formen werden sich ändern, aber die Begleitumstände werden ständig wiederkehren. Deswegen hielt man es im Osten nicht für notwendig, historische Ereignisse niederzuschreiben. Der Osten schrieb die Puranas. Puranas bedeutet das, was die Essenz ist, das, was sich immer wieder und wieder ereignen wird. Die Geschichte ist ein Bericht, der sich niemals wieder ereignen wird. Wenn das Leben in einem Kreislauf fließt, dann ist es nicht nötig, die Geburts- und Todesdaten von Rama aufzuzeichnen. Solange wir die Bedeutung im Sinn behalten, die hinter dem Leben von Rama steht, seinen wesentlichen Charakter, ist das genug. Dann wird es bedeutungslos, zweitrangige Angelegenheiten festzuhalten, wie zum Beispiel, wann er geboren wurde und wann er starb. Wir bemühen uns nur das schriftlich festzuhalten und aufzubewahren, was sich nicht mehr wiederholen wird. Was wieder und wieder geschieht, braucht nicht festgehalten werden. Das östliche Konzept ist es, das Leben als ein kreisförmiges Fließen zu sehen. Dieses Verständnis ist sehr signifikant. Alle Bewegungen sind kreisförmig, sei es die Bewegung der Sterne, oder des Mondes oder die Bewegung der Erde oder des Lebens des Menschen. Keine Bewegung irgendwo im Universum verläuft geradeaus. Wenn alle Dinge sich in ihrem eigenen Orbit bewegen, dann kann das Leben nicht die einzige Ausnahme bilden.
 

01.09.2009 um 23:57 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (26)

von: tao

Wie auch immer du dich entscheidest,
es ist eine demokratische, eine parlamentarische Entscheidung.
Du hast dich mit der Mehrheit deines Denkens entschieden,
aber es gibt immer noch die Minderheit.
Und keine Minderheit ist eine feste Größe,
keine Mehrheit ist eine sichere Sache.
Niemand kennt ihre Größe,
Parteimitglieder wechseln ständig Seiten.
Du hast dich entschieden, hierher zu kommen.
Einundfünfzig Prozent deines Denkens wollten kommen
und neunundvierzig wollten auf eine andere Seite gehen.
Aber kaum bist du hier,
hat sich das Verhältnis schon wieder geändert.
Allein schon die Entscheidung,
hierher zu kommen und dies hier zu lesen, erzeugt eine Störung.
Die Minderheit ist vielleicht schon zur Mehrheit geworden
in der Zeit, bis sich diese Seite geöffnet hat.
Wenn sie noch keine Mehrheit geworden ist,
wird sie es geworden sein, bis du wieder diese Seite verläßt,
und du wirst denken: Schon wieder zwei Minuten verschwendet!
Wie werde ich die nun wieder gutmachen?
Es wäre besser gewesen, ich wäre nicht hierher gekommen --
spirituelle Dinge können aufgeschoben werden,
aber diese Welt kann nicht hintangestellt werden.
Das Leben ist lang genug, wie können später noch meditieren.