Taoistische Reflektionen

10.02.2010 um 02:52 Uhr

Goldene Blüte 3/10 (7)

von: tao

Musik: Benjy Wertheimer – Meditation of the Night

 

Mit der Idee des Ich ist es genau so, wie wenn man eine Fackel in die Hand nimmt und beginnt, die Fackel in der Hand zu drehen, sie kreisen und rotieren zu lassen. Dann wird man einen feurigen Kreis sehen, den es nicht gibt. Aber die Fackel bewegt sich so schnell, daß sie einen illusionären Feuerkreis erzeugt, das erschafft die Illusion eines Kreises aus Feuer. Er ist nicht da. Die Gedanken bewegen sich so schnell, daß sie die Idee des Ich erzeugen. Lü-tse sagt, man muss sich vom selbstbewußten Herzen zum nicht selbstbewußten Herzen bewegen: Man muss sich vom Ego zur Egolosigkeit bewegen, man muss sich vom Selbst zum Nicht-Selbst bewegen. Das Selbst ist der manifestierte Teil – winzig, sehr klein, vergröbert. Das Nicht-Selbst ist der unmanifestierte Teil – unbegrenzt, ewig. Das Selbst ist ein temporäres Phänomen, eines Tages geboren, wird es eines Tages sterben müssen. Das Nicht-Selbst, das Buddha anatta nennt, das Unselbst, ist Teil der Ewigkeit – niemals geboren und es wird niemals sterben – es bleibt für immer.

"Innerhalb unseres 1,83m großen Körpers müssen wir nach der Form streben, die schon existierte, bevor Himmel und Erde errichtet wurden."

Und innerhalb unseres 1,83 m großen Körpers haben wir diese ursprüngliche Qualität immer noch lebendig, sie vibriert immer noch – diese originale Eigenschaft, die da war, bevor Himmel und Erde gemacht wurden. Die Zenleute nennen es "das ursprüngliche Gesicht": Als noch nichts geboren worden war – nicht einmal die Erde, nicht einmal der Himmel – war alles  unmanifestiert; als alles noch Schweigen war, kein Ton war schon geboren; als keine Form da war und alles war formlos, war alles in Keimform. Wir haben diese ursprüngliche Stille in uns. Die Hindus nennen sie anahat nad. Die Zenbuddhisten haben auch einen speziellen Ausdruck dafür: "Den Ton einer klatschenden Hand". Das ist in uns, es ist unsere Realität. Dies zu kosten heißt unsterblich zu werden, es zu schmecken bedeutet, golden zu sein. Dann ist der Staub in das Göttliche transformiert. Das Ziel aller Alchemie ist, das niedrigere Metall in Gold zu transformieren.

"Wenn heutzutage die Leute sitzen

und nur ein oder zwei Stunden meditieren,

wobei sie nur auf ihre Egos schauen und dies Reflektion nennen,

wie kann irgendetwas dabei herauskommen ?"

Man kann in Meditation sitzen und nur auf das eigene Ego schauen. Das ist es, was die Leute Kontemplation nennen: Sie schauen in ihre Gedanken, sie verändern nicht die Gestalt, die Perspektive ihrer Aufmerksamkeit. Alles, was ihnen passiert, ist: Gewöhnlich sind sie mit so vielen Dingen beschäftigt, dass sie nicht in ihre Gedanken schauen können.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenVincentos schreibt am 05.03.2010 um 01:51 Uhr:Mal wieder eins der schönsten beschreibungen, um das Egolose besser fassen zu können.

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