Tao 33
Musik: Gandalf – Blossoms Falling Like Snow
Methoden sind bloß Spiegel.
Sie reflektieren unser eigenes Unbewußtes.
Das ist nicht viel. Sie geben uns niemals irgendetwas Neues,
sie spiegeln uns einfach wider.
Aber wir kennen uns eben nicht selbst,
darum denken wir, wir hätten etwas Neues erreicht,
wir hätten durch diese Methoden
irgendein neues Wissen gewonnen.
Als der russische Diktator Chruschtschow nach Paris kam,
besichtigte er eine Ausstellung mit modernen Gemälden.
Er war ein unkultivierter Mensch
und in keiner Weise ästhetisch,
er hatte keinen Sinn für Schönheit.
Er war genau genommen vulgär.
Aber er war eingeladen worden und mußte hingehen.
Großartige Gemälde wurden in dieser Ausstellung gezeigt.
Er sah sich ein Gemälde an und sagte:
Ich verstehe es nicht. Das schaut häßlich aus.
Der Mann, der ihn herumführte, ein großer Kunstkritiker, sagte:
Dies ist ein Picasso und es ist eines der schönsten Dinge,
die in diesem Jahrhundert geschaffen wurden,
aber es braucht ein Vorverständnis.
Es ist nicht so gewöhnlich, daß es jeder verstehen könnte.
Sie müssen Ihr ästhetisches Gefühl,
Ihre Sensitivität schon steigern,
nur dann werden Sie sehen können, was es darstellt.
Sie gingen weiter. Chruschtschow fühlte sich unwohl.
Er hätte sich niemals vorstellen können,
daß so etwas passieren könnte.
Tatsächlich hätte auch in Rußland so etwas
niemals geschehen können.
Kein Kritiker, kein Künstler wäre so mutig gewesen,
ihm zu sagen, daß ihm das Verständnis fehlen würde.
Dann stand er vor dem nächsten Gemälde,
betrachtete es minutenlang intensiv,
und sagte dann: Ich denke, dies ist auch ein Picasso.
Der Kritiker sagte: Es tut mir leid, mein Herr,
dies ist bloß ein Spiegel.
Sie betrachten sich gerade selbst in ihm.
Er war ein häßlicher Mann –
für ihn mag es wie ein Picasso ausgesehen haben –
ein Gemälde von Picasso, eine Verzerrung, eine Karikatur.
