Tao 93 (9)
Sogar ein Judas wird eines Tages ein Buddha, ein Christus werden.
Und die Zeit macht nicht viel aus.
Die Zeit spielt nur für das Denken eine Rolle, aber für einen Menschen, der über das Denken hinausgegangen ist,
ist Zeit nicht von Bedeutung.
Jemand ist heute aufgewacht, jemand wird morgen aufwachen,
ein anderer übermorgen –
aber das ist unwichtig für einen, der zum Nicht-Denken-Sein gelangt ist.
Das ist Ewigkeit.
Jemand fragte Jesus: Warum berührst du unsere Füße ?
Was tust du da ?
Und es wird berichtet, Jesus habe gesagt:
So daß ihr euch daran erinnert
daß der Meister die Füße der Schüler berührt hat;
so daß ihr nicht hochmütig werdet
so daß ihr nicht stolz werdet
so daß ihr die Leute nicht dazu zwingt, euch die Füße zu küssen
so daß ihr daran denkt,
daß schließlich bloß der Meister die Füße der Schüler zu berühren
und sich zu verneigen hat.
Denn auch im Schüler ist der Morgen verborgen.
Es mag immer noch dunkle Nacht sein,
aber je dunkler die Nacht
desto heller wird der Morgen sein.
Er ist schon im Kommen,
er ist schon bloß noch um die Ecke;
ihr könnt es nicht sehen, aber der Meister kann es sehen
und er verbeugt sich vor euch – vor dem Morgen, der sich in euch ereignen wird.
