Taoistische Reflektionen

16.02.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 22 (23)

von: tao

Musik: Aeoliah – Emanation of Grace

Christus ist für die Juden ein Fremder,
darum wurde er gekreuzigt.
Er war kein Insider,
für ihre Köpfe war er einfach unbegreifbar.
Er war unverständlich für ihr Denken und ihre Logik --
und Juden sind sehr logisch,
ein äußerst logisches, mathematisches
und berechnendes Volk.
Sie konnten diesen Mann nicht verstehen;
dieser Mensch lehrte verrücktes Zeug:
"Wenn jemand dir deinen Mantel raubt,
dann gib ihm auch dein Hemd."
Wenn jemand dich deines Mantels beraubt,
dann wehre dich tapfer dagegen,
lass ihn dich nicht so leicht berauben.
Und dieser Mann sagt:
Lass ihn den Mantel nehmen
und gib ihm auch noch dein Hemd!
Absurd! Darum konnte Jesus nicht akzeptiert werden.
Sogar die Christen haben ihn nicht akzeptiert.
Sie beten ihn an, aber sie haben ihn nicht akzeptiert --
warum sonst so viele christliche Kriege?
Christen haben so viele Millionen von Menschen getötet --
sie nennen es einen Kreuzzug, einen religiösen Krieg.
Wie kann es einen Religionskrieg geben?
Alle Kriege sind religionslos, irreligiös;
ein Krieg kann nicht religiös sein,
Gewalt kann nicht religiös sein.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenameparia schreibt am 05.04.2010 um 00:48 Uhr:"Wie kann es einen Religionskrieg geben?
    Alle Kriege sind religionslos, irreligiös;
    ein Krieg kann nicht religiös sein, Gewalt kann nicht religiös sein."

    Aber wieso steht im alten Testament dann "tötet die Ungläubigen"...? Wieso steht dort, die Gläubigen sollen ganze Städt niederbrennen und vernichten? Nicht nur im Christentum, auch im Islam, im Jugendtum (ist doch das christliche AT ihre heilige Schrift). Gewalt kann sehr religiös sein... Sonst wäre die Ausgeübte Gewalt nicht in den monotheistischen Religionen verankert. Oder...?
  2. zitierentao schreibt am 06.04.2010 um 00:10 Uhr:Ich weiß, was du meinst, auch wenn, streng genommen, im Alten Testament nicht steht: "Tötet die Ungläubigen", auch wenn dort nicht steht, "die Gläubigen sollen ganze Städte niederbrennen und vernichten". Aber sinngemäß kann man es herauslesen: Jahwe (der jüdische Stammesgott) wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Israeliten in Kanaan eine ethnische Säuberung vornehmen, auf seinen Befehl hin, und dass Saul, der König der Israeliten, in Ungnade fällt, weil er nicht alle umgebracht hat. Was folgt daraus? Diese Religionen sind nicht religiös, zumindest nicht religiös im taoistischen Sinn.
    Religion entsteht im Staunen und in Ehrfurcht. Wenn du staunen kannst, wenn du Andacht empfinden kannst, bist du religiös. Nicht dadurch, dass du die Bibel oder den Koran oder die Tora liest, sondern dadurch, dass du eine ehrfürchtige Scheu empfindest. Wenn du den Himmel voll mit Sternen siehst, spürst du dann, wie dein Herz tanzt? Siehst du, wie ein Lied in deinem Wesen entsteht? Fühlst du eine Kommunion mit den Sternen? Dann bist du religiös. Du bist nicht religiös dadurch, dass du zur Kirche gehst oder in die Synagoge oder in die Moschee gehst und Gebete aus zweiter Hand wiederholst, die nichts mit deinem Herzen zu tun haben, die bloß eine Angelegenheit des Kopfes sind. Religion ist eine Liebesaffäre -- eine Liebesaffäre mit der Existenz.
  3. zitierenameparia schreibt am 06.04.2010 um 09:58 Uhr:Ich hab eben nachgelesen, du hast Recht. Das Beispiel um die Amalekiter hat nichts mit Unglauben zu tun, sondern weil sie sich dem israelischen Volk nach dem Auszug aus Ägypten entgegen gestellt haben.

    Das andere Zitat finde ich gerade nicht wieder, kann es nur sinngemäß wiedergeben: "Wenn jemand, der dir nahe steht, der dir dein Leben ist, dich von deinem Gott entfremden möchte, so warte nicht, bis Andere kommen, sondern erhebe als erster den Stein."

    *lachen muss* jetzt ist meine Lust geweckt, nochmal genau nachzulesen und zu überprüfen.. Ich könnte schwören, es gab ein paar Zitate über Gewalt gegen Ungläubige. Es ist nicht böse gemeint, ich will nicht mit dir kämpfen oder streiten, nur meine Neugierde, die braucht gerade Luft. (und natürlich mein Ego *lach*)

    Was mich aber eben mehr beeindruckt hat ist deine Definition von Religion. Ich kam bisher fast nur mit den üblichen Religionsdefinitionen in Kontakt. Deine Definition aber gibt mir Ruhe und Gelassenheit. So verstehe ich deinen Eintrag, stimme zu und kann nur lächeln.
    Entschuldige meine Unterbrechung.
  4. zitierentao schreibt am 06.04.2010 um 11:36 Uhr:Auch ich bin an den Zitaten interessiert, die du finden kannst. Aber im Judentum, also im Alten Testament, ist der Glaube nun mal in erster Linie auf das Judentum beschränkt, Jahwe, Gott, ist der Stammesgott der Juden, hat exklusiv einen Bund mit dem jüdischen Volk geschlossen, deshalb wird von keinem Nicht-Juden erwartet, dass er diesen Glauben teilt. Deshalb gibt es auch bis heute keine jüdische Missionierung. Dieses Konzept, dass mein seinen Glauben der ganzen Welt aufdrängen muss, ist erst mit dem Christentum entstanden. Also muss man im Alten Testament alle Gewalttaten, die man Nicht-Juden zufügt, damit begründen, dass Jahwe über irgendwelche Ungeheuerlichkeiten, die dieses Volk begangen hat, erzürnt ist, oder dass es eben Gottes eigenem Volk nun mal im Wege steht.
  5. zitierenameparia schreibt am 06.04.2010 um 12:10 Uhr:Hm, was du schreibst, ist logisch (und interessant, den Gedankengang hatte ihc noch nicht - danke!). Aber wie lässt sich dann das AT mit dem NT vereinen? Das ist sowieso eine Frage, auf die ich keine Lösung finde, nun aber noch einen Knackpunkt hinzufügen kann.
    Das Christentum hat als Grundlage die jüdischen Schriften des AT, Schwerpunkt aber eher auf dem NT und Jesus. Wie sind sie darauf gekommen, zu missionieren? (Und Frage am Rande: missioniert der Islam auch, oder ist das Christentum die einzige Religion?)
  6. zitierentao schreibt am 06.04.2010 um 13:02 Uhr:Jesus war ein Jude, lehrte unter Juden, war an keiner Missionierung anderer Völker interessiert, sondern er versuchte, wenn überhaupt, das Judentum zu reformieren. Er hatte weite Reisen gemacht und wollte den Juden neue Perspektiven aufzeigen. Das hat wohl nicht geklappt. Am Anfang war das Christentum eine jüdische Sekte, das AT war die Thora, die heilige Schrift der Juden, die christlichen Schriften mußten erst noch geschrieben werden, das hat über hundert Jahre lang gedauert. Als der römische Kaiser Konstantin das Christentum zu einer staatlich akzeptierten Religion machte, mußten viele Auflagen erfüllt werden, das Christentum wurde neu modelliert und seitdem wundert man sich zu Recht über die Unterschiede zwischen AT und NT. Aber schon Jesus stand ja schon im Widerspruch zum AT, was ja viele Rabbiner erboste. Und seitdem sind viele Juden erzürnt darüber, dass ihre heilige Schrift von den Christen als "Altes Testament" usurpiert worden ist. Wahrscheinlich haben sie Recht damit. Die Schlüsselfigur ist Paulus, der erst fanatischer Jude und Christenverfolger war (als Saulus), dann sich "bekehrte", das Pendel schlug also, wie so oft, in das andere Extrem um, seitdem war er fanatischer Christ und Judenhasser. Wahrscheinlicher war er ein römischer Agent, der den Auftrag hatte, das revolutionäre Potential der Christen zu entschärfen und eine neue Staatskirche für das religiös auseinanderfallene römische Reich zu konstruieren.
    Seit das Christentum beschloss, seine jüdischen Wurzeln zu verlassen, um "marktgerechter" zu sein für die hellenische Kultur und das große römische Reich und sich konsequenterweise so zurechtschneiderte (als erste Plastikreligion), dass sie damit größtmögliche Akzeptanz erreichen konnten, seitdem hat fast jede chronologisch nachfolgende Religion das Konzept weltweiter Missionierung übernommen. Der Islam ist aus frühchristlichen Strömungen entstanden, die seit dem konstantinischen Konzil von der offiziellen Kirche als Ketzer verfolgt wurden, und so hat auch der Islam Missionierung in sein Konzept aufgenommen, noch viel unverhüllter als das Christentum: Bekehre dich oder stirb!!!

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