Taoistische Reflektionen

25.07.2015 um 03:21 Uhr

Taoistische Liebeskunst

von: tao

Zu einem Gipfel der Erregung zu kommen ist eine Art, den Orgasmus zu erfahren. Das Schwergewicht der taoistischen Lehre liegt aber auf einer anderen Art. Die erste Art von Orgasmus nenne ich einen Gipfel-Orgasmus und die taoistische  Art einen Talorgasmus. Dabei komme ich nicht zu einem Gipfel der Erregung, sondern gleite ins tiefste Tal der Entspannung. Bei beiden Arten wird die sexuelle Erregung der Anfangsphase benutzt. Deshalb gleichen sich beide Arten am Anfang, aber das Ende ist völlig verschieden. Die anfängliche Erregung wird auf zwei völlig verschiedene Arten benutzt: Entweder erklimme ich damit den Gipfel meiner Leidenschaft oder falle ins tiefste Tal der Entspannung. Bei der ersten Art muss die Erregung immer mehr gesteigert werden, ich muss dazu beitragen, dass sie immer intensiver dem Höhepunkt entgegenstrebt. Bei der zweiten Art bin ich nur beim Vorspiel erregt. Sobald der Mann in die Frau eingedrungen ist, entspannen sich beide. Sie bewegen sich überhaupt nicht mehr und gehen völlig in der Umarmung auf. Und nur wenn einer von beiden spürt, dass die Erektion nachlässt, bewegen sie sich ein wenig, um das Feuer wieder zu entfachen; dann sinken sie wieder in einen Zustand vollkommener Entspannung.
Diese Art von tiefer, zärtlicher Vereinigung kann stundenlang dauern, ohne dass es zum Samenerguss kommt. Danach fallen beide in einen tiefen Schlaf. Das nennt man einen Talorgasmus. Nach einem taoistischen Liebesakt bin ich mit Energie aufgeladen, ich bin lebendiger und frischer als je zuvor. Und dieser ekstatische Zustand kann stundenlang, ja tagelang anhalten. Das hängt davon ab, wie sehr ich darin aufgegangen bin. Wenn ich tief in diese Art Sex hineingehen kann, wird mir früher oder später klar, dass ein Samenerguss reine Energieverschwendung ist. Ich brauche nicht zu ejakulieren, es sei denn, ich will ein Kind zeugen. Nach einem tantrischen Sex-Erlebnis bin ich den ganzen nächsten Tag zutiefst entspannt, selbst viele Tage lang fühle ich mich ruhig und gelassen, in mir selbst zentriert.


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