Kleiner Blütenzauber

25.07.2007 um 18:58 Uhr

ewig sinnlos Suchen ..

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Hofmannsthal, Suchen, Strand, Theater, Tor, und, Tod, Schiffe, Sehnsucht

Stimmung: gut

Jetzt rückt der goldene Ball, und er versinkt
Im fernster Meere grünlichem Kristall;
Das letzte Licht durch ferne Bäume blinkt,
Jetzt atmet roter Rauch, ein Glutenwall
Den Strand erfüllend, wo die Städte liegen,
Die mit Najadenarmeen, flutentaucht,
In hohen Schiffen ihre Kinder wiegen,
Ein Volk, verwegen, listig und erlaucht.
Sie gleiten über ferne, wunderschwere.
Verschwiegene Flut, die nie ein Kiel geteilt,
Es regt die Brust der Zorn der wilden Meere,
Da wird sie jedem Wahn und Weh geheilt.
So seh' ich Sinn und Segen fern gebreitet
Und starre voller Sehnsucht stets hinüber,
Doch wie mein Blick dem nahen näher gleitet,
Wird alles öd, verletzender und trüber;
Es scheint mein ganzes so versäumtes Leben
Verlorne Lust und nie geweinte Tränen
Um diese Gassen, dieses Haus zu wehen
Und ewig sinnlos suchen, wirres Sehen.

( Zitatausschnitt: Hugo von Hofmannsthal )

Dieses ist ein Ausschnitt, aus Hugo Hofmannsthal Einakter "Der Tor und der Tod"
Hofmannsthal schrieb sie 1894 - mit 19 Jahren.
Der junge Edelmann Claudio, hat im Genuss der Kunst, den Genuss des Lebens und seiner wertvollen Gaben verloren; Der Tod tritt vor ihm hin und zeigt ihm den Reichtum des Lebens, an dem der Jüngling achtlos vorübergegangen ist.
Diese Verse finde ich wunderschön, frage mich aber, was ein 19 jähriger junger Mann, wie Hofmannsthal es war, gefühlt haben muss, als er diesen Einakter schrieb?

23.07.2007 um 16:20 Uhr

Wissensdurst und Halt machen..

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Wissensdurst, Reichtum, Macht, Gier, genießen, Gut, Natur, vergiften, schaden

Stimmung: gut

Der Mensch versteht es nicht, genau da halt zu machen, wo sein Bedarf befriedigt ist;
sinnliche Lust, Reichtum, Macht beansprucht er mehr, als er geniessen kann: seine Gier will kein Maß.
Ich finde, beim Wissensdurst ist es ebenso: er mutet sich viel mehr zu, als er leisten kann, und vielmehr als ihn wirklich angeht; er denkt der Nutzen des Wissens ist so groß wie sein Umfang......
Das Wissen ist, wenn man es ruhig überlegt, ein Gut, in dem, wie in den anderen Gütern des Menschen, vieles von Natur leer und schwach ist und das man teuer bezahlen muss.
Manches Wissen ist uns nur im Wege und belastet uns, anstatt uns zu fördern; und manches andere vergiftet uns, statt uns zu heilen.

( Zitat: Michel de Montaigne, 1533 - 1592 )

Dem füge ich mal nichts hinzu.

18.07.2007 um 18:42 Uhr

Pfirsichblueten

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Li, Tai, Poh, Lyrik, China, Gedicht, Prosa, Wald, Nisten, Welt, Menschen

Stimmung: gut

Ihr fraget mich, warum im grünen Wald ich niste -
Ich lächle schweigend, und mein Herz ist selig leicht;
Die Pfirsichblüten schwimmen fort und schwinden -
Es gibt noch eine Welt, von Menschen nicht erreicht.

( Chinesisches Gedicht, Li T' ai poh )

die Zeit des Herrschergeschlechts derT'ang
(618 - 907 )
gilt als die Blütezeit der chinesischen Lyrik. Die Übersetzungen können immer nur andeutende Umschreibungen des Inhaltes sein, da zum völligen Genuss dieser Lyrik, die Kenntnis und Anschauung der Schrift notwendig ist, die gewisse Begriffe dem Auge sinnfällig vermittelt.
Li T'ai poh lebte von 699 bis 762, er galt als bedeutendster Dichter seiner Zeit, in China, der eine grosse Anzahl Liebesgedichte, Landschaftsstimmungen sowie Balladen schrieb. Es gibt von ihm aber auch viele Trinklieder sowie humoristische Texte.
Sein obenstehendes Gedicht, finde ich sehr leicht, tiefsinnig, ja, sogar modern. Das selbst noch nach fast 1300 Jahren. Erstaunlich.

18.07.2007 um 06:11 Uhr

Unmögliches und Ungewohntes

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Unmögliches, Ungewöhnliches, Natur, Menschen, Chilon, Montaigne

Stimmung: gut

Wenn man den Unterschied beachten wollte, der zwischen dem Unmöglichen und Ungewohnten besteht
und zwischen dem, was der Naturordnung und dem, was der üblichen Meinung der Menschen zuwiderläuft, so würde man der von Chilon empfohlenen Lebensregel folgen: "Nichts zuviel" ; denn dann würde man nicht unbesonnen glauben, aber auch nicht leichtsinnig behaupten, dass es nicht so sei .....

( Zitat: Michel De Montaigne )

Das hat er schon um 1550 gesagt. Auch wenn wir heute denken, wir wissen inzwischen so vieles mehr, gilt dieses wohl trotz allem auch noch heute. Selbst wenn wir uns als Wissensgesellschaft bezeichnen, wird unser Wissen späteren Generationen nur ein muedes Laecheln entlocken. Sie werden glauben fast alles zu wissen, so wie wir heute auch, und auch das wird wohl ein Irrglaube sein.

16.07.2007 um 16:43 Uhr

Schrift und Sprache

von: sternenschein   Stichwörter: Schrift, Sprache, Runen, Lateinschrift

Stimmung: gut

Die älteste germanische Schrift war die Runenschrift.
Die Runen ( got. runa= Geheimnis ) dienten ursprünglich, in Stäbchen ( Runenstäbe ) eingeritzt, religiösen Zwecken, erst später wurden sie eigentliche Schriftzeichen. Sie sollen aus dem Alphabet der ältesten römischen Kaiserzeit gebildet worden sein.
Das Christentum verdrängte sie dann. Die gotische Schrift, die Wulfila auf der Grundlage der griechischen Schrift geschaffen hatte, ging mit den Goten unter. Die althochdeutschen und mittelhochdeutschen Schriften sind in der lateinischen Schrift geschrieben. Sie war die Schrift des christlichen Abendlandes überhaupt.
Seit dem 13. Jahrhundert wurde es üblich, die Rundung der lateinischen Schrift zu brechen, so dass eine eckige Schrift ( Fraktur aus dem lateinischen frangere = brechen ) entstand.
Zur Zeit Gutenbergs war sie im ganzen Abendlande üblich geworden und ging nun auch in den Druck über. Allerdings kehrten die meisten Staaten zur Lateinschrift zurück. Nur Deutschland, teilweise Dänemark und Schweden blieben bei der Fraktur, die man deshalb auch - nicht ganz mit Recht - deutsche Schrift nennt.

Unsere Schrift ist ein sehr unvollkommenes Mittel zur Darstellung der Sprache. Die Buchstaben reichen nicht für alle Laute aus, auch geben sie die Laute nicht immer genau wieder, schließlich folgt die Schrift, der Entwicklung der Sprache und Aussprache sehr langsam nach. Auffallend ist auch in der Rechtschreibung eine gewisse Willkür.

Entnommen: Die neue Volkshochschule
Erschienen 1926, Leipzig Verlagsbuchhandlung E.G.Weimann

09.07.2007 um 20:38 Uhr

abbauen ..

Stimmung: gut

Wer hier liest, hat selbst schuld! Ist halt nur ein Testblog.*lach*
Manchmal fällt mir zuviel ein, um es in meinem Hauptblog zu schreiben.
So brauche ich manchmal nur ein Wort zu sehen, und schon geht es los.
abbauen
Dieses Wort abbauen, man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Abbauen macht in der Regel viel weniger Spass, als aufzubauen. Es ist einfach destruktiver, mühsamer, und ausser Leere, ist hinterher ja kein Ergebnis zu erkennen. Das Objekt wurde abgebaut, entfernt. Manche bauen sogar ihren Partner ab, oder zumindest die Partnerschaft, dieses fällt dann eher unter das Stichwort Entsorgung.
Wir sagen sogar von Menschen, sie hätten abgebaut. Fragt sich, was sie aufgebaut hat. Aber doch ist dieses Wort "abgebaut" damit eher nagativ besetzt.
Nur im Zusammenhang mit Vorurteilen, die man abbaut, hat es einen eher positiven Charakter. Wenn Worte überhaupt einen Charakter besitzen koennen.
Einiges wird abgebaut um es anschliessend mitzunehmen, sich anzueignen, und es wieder aufzubauen.
So ist der Mensch, er baut auf, er baut ab, solange er lebt, bis er selbst abgebaut hat und ist.
Aber wer will das wirklich wissen? *smile*

08.07.2007 um 07:00 Uhr

Fehler suchen...

Stimmung: gut

Um zu großen und hohen Dingen Stellung zu nehmen zu können, braucht man eine entsprechende seelische Verfassung;sonst suchen wir in ihnen den Fehler, der in uns liegt: eine gerades Ruder sieht im Wasser gebogen aus;
es kommt nicht nur darauf an, daß man die Sache sieht, sondern darauf, wie man sie sieht...

( Zitat: Michel de Montaine, 1533 -1592 )

Auch da hat er Recht, es kommt immer auf die Sicht der Dinge an.

06.07.2007 um 18:00 Uhr

Goethe und der Arzt

von: sternenschein   Stichwörter: Arzt, Krank, begraben, Sonne

Stimmung: gut

Oft begrub der Kranke den Arzt,
der das Leben ihm kürzlich abgesprochen,
genesen und froh der leuchtenden Sonne.
( Zitat: J.W. Goethe )

So kann es gehen. Leben ist Unvorhersehbar.