ewig sinnlos Suchen ..
Stimmung: gut
Im fernster Meere grünlichem Kristall;
Das letzte Licht durch ferne Bäume blinkt,
Jetzt atmet roter Rauch, ein Glutenwall
Den Strand erfüllend, wo die Städte liegen,
Die mit Najadenarmeen, flutentaucht,
In hohen Schiffen ihre Kinder wiegen,
Ein Volk, verwegen, listig und erlaucht.
Sie gleiten über ferne, wunderschwere.
Verschwiegene Flut, die nie ein Kiel geteilt,
Es regt die Brust der Zorn der wilden Meere,
Da wird sie jedem Wahn und Weh geheilt.
So seh' ich Sinn und Segen fern gebreitet
Und starre voller Sehnsucht stets hinüber,
Doch wie mein Blick dem nahen näher gleitet,
Wird alles öd, verletzender und trüber;
Es scheint mein ganzes so versäumtes Leben
Verlorne Lust und nie geweinte Tränen
Um diese Gassen, dieses Haus zu wehen
Und ewig sinnlos suchen, wirres Sehen.
( Zitatausschnitt: Hugo von Hofmannsthal )
Dieses ist ein Ausschnitt, aus Hugo Hofmannsthal Einakter "Der Tor und der Tod"
Hofmannsthal schrieb sie 1894 - mit 19 Jahren.
Der junge Edelmann Claudio, hat im Genuss der Kunst, den Genuss des Lebens und seiner wertvollen Gaben verloren; Der Tod tritt vor ihm hin und zeigt ihm den Reichtum des Lebens, an dem der Jüngling achtlos vorübergegangen ist.
Diese Verse finde ich wunderschön, frage mich aber, was ein 19 jähriger junger Mann, wie Hofmannsthal es war, gefühlt haben muss, als er diesen Einakter schrieb?
