Kleiner Blütenzauber

10.12.2012 um 08:12 Uhr

Da war ein Schiff

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Nena, weisses, Schiff, Nebelhorn, ruft, gehen, Lagerfeuer, Tochter, singen, Gitarre

"Und wenn das Nebelhorn mich ruft..."
Sang Nena, in ihrem Song "Da war ein Schiff, ein weisses Schiff"

Wir sassen in der Dunkelheit draussen am knisternden und knackenden, wärmenden Lagerfeuer.
Die Flammen züngelten rotorange. Ab und an flogen ein paar Funken auf, durch die Dunkelheit. Der Rauch kräuselte sich wenn er nach oben stieg.
Meine Tochter war ein Nena Fan, sie sang am Feuer "Da war ein Schiff, ein weisses Schiff". Meine Freundin spielte dazu auf der Gitarre oder sang es mit ihrer wunderbaren Stimme selbst.
Denn man merkte an ihrer Stimme wenn ein Lied sie berührte. Dann klang es besonders schön, wenn ihre Stimme sich leicht belegte, gerade in dieser Lagerfeueratmosphäre.
Es wurde ganz still und leise. Nur dem Text und Gesang lauschten wir.

Es war eine unbeschreiblich schöne, aber auch sehr nachdenkliche Stimmung, dort in der Dunkelheit.
Wir fühlten uns alle unbeschreiblich nah beieinander.
Fast so, als könnten wir dieses Schiff auch sehen, auf dem diese sind, die noch immer von uns gehen.
Nein, es ist kein lustiges Lied, wohl auch kein Partysong, aber ein Lied welches nachdenklich macht, wenn dazu das Holz des Feuers durch die Dunkelheit glimmt und glüht.

"Wir alle müssen gehen, und wenn das Nebelhorn mich ruft..."
Ja, wenn es mich ruft..aber noch ruft es nicht, was auch gut so ist.



13.09.2011 um 18:32 Uhr

Vor einer Bude steht ein Kind

Vor einer Bude steht ein Kind.

Vor einer Bude steht ein Kind
Und greift nach allen Waaren
Und lässt das nächste dann geschwind
Um's Fernste wieder fahren.

Du holdes Mädchen, wärst du mein
Und all die hübschen Sachen;
Der Augen milder Sternenschein,
Der Wange schelmisch Lachen;

Der Mund so süss, das Haar so lind,
Der Leib so voll gegossen,
Ich ständ vor dir wie jenes Kind
Und auch so unentschlossen.

Zitat: Herrmann von Gilm zu Rosenegg
Österreichischer Jurist, und Dichter. 1812 - 1864

Erstaunlich für einen Juristen, dass Herrmann von Gilm zu Rosenegg, so viele, derart feinfühlige und zu Herzen gehende Gedichte über die Liebe, die Natur und den Tod schrieb.
Seine Gedichte berühren einfach tief das Innere des Menschen. Einige seiner Stücke wurden auch vertont.
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07.08.2011 um 13:32 Uhr

Sommer und Winter

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Marlen, Haushofer, Die, Wand, Sommer, Winter, Holzarbeiten, Tiere, Leben

"Manchnal, wenn ich Bella und Stier betrachtete,
war ich froh, dass sie nichts ahnten von dem langen Winter im Stall.
Sie kannten nur die Gegenwart, die zarten Gräser, die Weite der Wiese, die warme Luft, die ihre Flanken streichelte, und das Mondlicht, das nachts auf ihr Lager fiel. Ein Leben ohne Furcht und ohne Hoffnung. Ich hatte Angst vor dem Winter, der Holzarbeit in der Kälte und der Feuchtigkeit. Jetzt spürte ich nichts mehr von meinem Rheuma-Anfall, aber ich wusste, dass er sich im Winter wiederholen konnte.
Und ich musste doch um jeden Preis beweglich bleiben, wenn ich mit meinen Tieren am Leben bleiben wollte. Ich legte mich stundenlang in die Sonne und wollte sie speichern für die lange kalte Zeit."

Zitat: Marlen Haushofer "Die Wand"
ISBN 3-423-12597-7 Deutscher Taschenbuchverlag

Ein Roman nur, diese Schilderung, aus "Die Wand".
Und doch schien die Autorin Marlen Haushofer ziemlich genau zu wissen worüber sie schrieb, wie es sich anfühlt, dieser Sommer und der Winter, für Mensch und Tier, auf sich alleine gestellt, dort im Wald in den Bergen.
Sehr gut nachzuempfinden, ihre Zeilen, wenn man ähnlich lebt wie sie es in ihrem Roman beschreibt.
Miss Hyde wird mir da wohl zustimmen, sie kennt es ja auch, dieses Leben im Wald.
Und ich frage mich, wissen und ahnen die Tiere wirklich nichts vom Winter, wenn sie im Sommer in der Sonne liegen? Dann müssten sie im Winter ja auch nichts von dem Sommer wissen, denken es wird niemals wieder warm werden, wenn sie immer nur im Augenblick leben.

Und wir Menschen?
Wir wissen, bereiten uns deswegen vor. Leben immer auch ein Stück weit in der Zukunft, um gegen Überraschungen gefeit zu sein. Vorbereitet zu sein für das kommende.
Denkt ein Vogel, schon an den Nestbau im nächsten Jahr? Wer weiss das schon und wer weiss ob dieser Vogel, sollte er daran denken, den Winter überstehen wird.
Ich aber weiss, ich werde ihn im Winter füttern, damit er es schafft.
..

25.04.2010 um 12:49 Uhr

Ratschläge einer Mutter

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Carl, Marx, Student, Mutter, Brief, Ordnung, Haushalt

Auch der 1818 in Trier geborene Carl Marx hatte eine Mutter. Sie machte sich wie wohl viele Mütter Sorgen und Gedanken um ihren Sohn.

So schrieb sie ihrem Sohn, als er als Student in Bonn weilte:

"Nun kannst du mir's garnicht
als eine Schwäche unseres Geschlechts ansehen, wenn ich neugierig bin, wie Du Deine kleine Haushaltung eingerichtet, ob die Ökonomie auch eine Rolle spielt, was bei grossen wie bei kleinen Haushaltungen eine unerläßliche Notwendigkeit ist. Dabei erlaube ich mir zu bemerken, lieber Carl, dass Du deine Reinlichkeit und Ordnung nie als Nebensache betrachten mußt, denn davon hängt Gesundheit und Frohsinn ab.
Halte pünktlich darauf, dass Deine Zimmer öfters gescheuert werden. Und scheuere Du, mein lieber Carl wöchentlich mit Schwamm und Seife"

Ratschläge einer Mutter, Frohsinn durch das wöchentliche Scheuern der Zimmer mit Schamm und Seife. Aber dennoch liebevoll gemeint.

Vielleicht musste sich die Mutter ja auch Sorgen um ihren Carl machen.

Etwas anders und härter schreibt da schon der Vater Marx:

"Ordnungslosigkeit, dumpfes Herumschweben
in allen Teilen der Wissens, dumpfes Brüten bei der düsteren Öllampe; Verwilderung im gelehrten Schlafrock statt der Verwilderung bei dem Bierglase, zurückscheuchende Ungeselligkeit mit Hintenansetzung allen Anstandes"

So sieht der Vater seinen studierenden Sohn, der die Vorlesungen kaum besuchte, aber dennoch mit 23 Jahren in Jena über ein philosophisches Thema promovierte.
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27.12.2009 um 14:20 Uhr

Schillers einfache Wahrheit

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Zitate, Friedrich, Schiller, bestehen, zusammen, loesen, Jungfrau, Orleans

Was nicht zusammen kann Bestehen,
tut am besten sich zu lösen.

ZItat: Friedrich Schiller
( Die Jungfrau von Orleans II, 2. )

Wie wahr ist dieser Satz doch.
Was könnten Menschen sich doch ersparen, an Kraft, Energie und an Herzeleid, wenn sie danach handeln würden.
Und doch versuchen manche es immer und immer wieder, obwohl sie es besser wissen sollten.
Und je mehr Energie sie hineingesteckt haben, umso schwerer fällt ihnen das lösen.

13.11.2009 um 00:46 Uhr

Liebe überbrückt die Kluft

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Zitat, Liebe, Blueten, Duft, Tod, Friedrich, von, Bodenstedt

Nur Liebe überbrückt die Kluft,
die zwischen Sein und Nichtsein droht,
dass wie gepflückter Blumen Duft,
doch etwas überlebt den Tod.

Zitat: Friedrich von Bodenstedt (1819 - 1892)

Klafft zwischen Sein und Nichtsein wirklich eine so tiefe Kluft. Oder erscheint es uns nur so, da wir von dem Übergang und dem sich daran anschliessenden nichts wirkliches wissen?
Die Liebe überbrückt viele Klüfte, tiefe und weniger tiefe im Leben. Können wir immer wieder sehen.
Auch hier, sie überdauert den Tod. Sie hebt ihn für den Bleibenden teilweise auf. Lässt den Gegangenen weiterleben, auf eine ganz besondere Art und Weise..Im Herzen, in Gedanken, im Inneren.

Wie gepflückter Blumen Duft.
Wir sind wohl mehr als, nur ein gepflückter Blumen Duft, dennoch ist es ein sehr schönes Beispiel, wie ich finde.
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15.09.2009 um 23:21 Uhr

Goethe und die Unsterblichkeit

Stimmung: gut

Den Beweis der Unsterblichkeit
muss jeder in sich selbst tragen,
ausserdem kann er nicht gegeben werden.
Wohl ist alles in der Natur Wechsel,
aber hinter dem Wechselnden ruht ein Ewiges.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe
( Zum Kanzler Müller )

Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen
ist für vornehme Stände und vor allem für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben.
Ein tüchtiger Mensch aber, der schon hier etwas ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, lässt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe
( Zu Eckermann )

Nein, beweisen lässt sich eine Unsterblichkeit wohl nicht. Aber sehr schön sagt Goethe doch, dass hinter dem Wechselnden ein Ewiges steht.
Etwas erstaunlich die Aussage Goethes, die Unsterblichkeitsideen sei Sache der gehobenen Schichten und der Frauenzimmer.

Gut, mag ja sein, dass heute wie auch zu Goethes Zeiten, Menschen die hart arbeiten, sich über die Unsterblichkeit eher weniger Gedanken machen.
Ganz klar ist für mich selbst auch, wir sollten aus unserem Leben hier und jetzt versuchen das beste aller Leben zu machen.
Denn im Moment haben wir nur dieses, wie es danach weitergeht wissen wir nicht wirklich.

Es wäre wohl auch nicht der Sinn unseres Lebens, auf ein nächstes, ein besseres Leben, zu warten. Welches uns für dieses entschädigen soll, oder auf eine glückselige Ewigkeit. Denn was sollte uns dieses im heutigen Leben bringen?.
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12.08.2009 um 18:14 Uhr

Friedrich Schiller beschimpft das Publikum

Stimmung: gut

Es gibt nichts Roheres
als den Geschmack des jetzigen deutschen Puublikums, und an der Änderung dieses elenden Geschmacks zu arbeiten, ist der ernstliche Plan meines Lebens.

Zitat: Friedrich Schiller
( in einem Brief an Fichte, Jena 03.08.1795 )

Damit nicht genug.

Die Genügsamkeit des Publikums
ist nur ermunternd für die Mittelmässigkeit, aber beschimpfend und abschreckend für das Genie.
(über die tragische Kunst )
Ich verspreche mir von der Dankbarkeit
des Publikums nicht viel; denn mit dem Guten gefällt man selten.

Zitat: Friedrich Schiller
( in einem Brief an Cotta, Jena 07.09.1795 )

Da erregte sich Schiller über sein, und über DAS Publkum im allgemeinen.
Was Schiller wohl heute zu unseren Fernsehprogrammen und dem heutigen Publikum sagen würde?
Schiller heute als Fernsehkritiker, dagegen könnte Reich-Ranicki wohl fast einpacken.
Ich glaube, es würde für sehr viele Sendungen ein Verriss ohnegleichen herauskommen samt ätzender Publkumsbeschimpfung.
Vielleicht würde Schiller im TV auch einen Niedergang der Kultur sehen, oder die Möglichkeiten dieses Mediums feiern. Ich weiss es nicht.

Dabei heisst es doch so schön, ein jeder lebe nach seiner Facon und werde damit glücklich.
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11.07.2009 um 18:09 Uhr

Vom Wollen und Können

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Michel, de, Montaigne, wollen, können, Gott, Unrecht, verurteilen, unmoeglich, Ziele

Stimmung: gut

Natürlich sind wir vor Gott nicht vollkommen;
wir können es auch vor uns selbst nicht werden. Unserem menschlichen Wollen ist es nie gelungen, die Ziele zu erreichen, die wir selbst uns gesteckt haben; und wenn es doch einmal gelungen wäre, würden wir wieder höheres von uns verlangen und diesem dann ebenso eifrig und vergeblich nachjagen.
Erfüllung ist uns nicht beschieden.
Was der Mensch selbst von sich verlangt ist unerfüllbar. Er ist eigentlich recht ungeschickt, seine Verpflichtungen zuzuschneiden nach dem geistigen Mass, das für ein anderes Wesen als den Menschen gilt: wem schreibt er das vor, was ja doch, wie er weiss keiner tun wird? Ist es ein Unrecht für ihn, wenn er nicht tut, was für ihn zu tun unmöglich ist? Die Gesetze, die uns dazu verurteilen, dass wir nicht können, verurteilen uns dann, weil wir nicht können.

Zitat: Michel de Montaigne ( 1533 - 1592 )

Wahre Worte, die Montaigne da sagt.
Ich sage:
In seinem Denken mag der Mensch grenzenlos sein, in seinem Handeln jedoch nicht. Da werden dem Menschen seine Grenzen aufgezeigt.
Dieses mag sogar gut so sein, denn wenn es nicht so wäre, würde es die Welt wie wir sie kennen, vielleicht schon garnicht mehr geben.
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28.04.2009 um 16:31 Uhr

Franz von Gaudy sah eine Wasserrose

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Franz, von, Gaudy, Wasserrrose, Wald, Teich, Krone

Stimmung: gut
Musik:

Wasserrose

Im Wald geschützten Grunde
ein stiller Weiher ruht,
von Abendsonnenstrahlen glimmt
rosigroth die Fluth,
Viele breite Blätter,
die schwimmen auf dem Teich
und träumend schließt die Krone,
die Wasserrose bleich.

Zitat: Franz von Gaudy (1800 - 1840 )

Öfter schon sah ich sie ruhen, die Wasserrose im stillen Teiche im waldgeschützten Grund.
Doch diese Wasserrose, die Franz von Gaudy sah, ich hätte sie auch gerne gesehen.
Genau in dem Moment, in dem die Flut durch Abendsonnenstrahlen rosig rot erglimmt, und träumend schliesst die Krone,
die Wasserrose bleich.
Welch ein erhebender Anblick, welche Worte für das gesehene von Franz Gaudy.
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30.03.2009 um 15:05 Uhr

Die Welt besitzen

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Friedrich, Schiller, Welt, Mensch, Augenblicke, Schoepfung

Stimmung: gut

Es gibt Augenblicke im Leben,
wo wir aufgelegt sind, jede Blume und jedes entlegene Gestirne, jeden Wurm und jeden geahnten höheren Geist an den Busen zu drücken -- ein Umarmen der ganzen Natur gleich unsrer Geliebten....
Der Mensch, der es so weit gebracht hat, alle Schönheit, Grösse, Vortrefflichkeit im Kleinen und Grossen der Natur aufzulesen und zu der Mannigfaltigkeit die grosse Einheit zu finden, ist der Gottheit schon sehr viel näher gerückt. Die ganze Schöpfung zerfliesst in seine Persönlichkeit.
Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte, so besässe jeder einzelne die Welt.

Zitat: Friedrich Schiller ( philosophische Briefe )

Welch grosse Worte von Schiller:

Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte, so besässe jeder einzelne die Welt.

Können wir dieses, alle Menschen lieben?

Wir sind nicht Gott, vielleicht gelingt es uns deshalb nicht.
Es heisst, liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.
Dafür muss man sich erst einmal selbst lieben, um den nächsten lieben zu können.
Was aber, wenn der nächste sich nicht selbst liebt, und somit auch die anderen Menschen nicht?

Ein Umarmen der Natur, gleich einer Geliebten, ja.
Aber ein Lieben aller Menschen, egal wie sie sind, was sie gemacht haben, nein. Das kann ich nicht.
Ich kann, zum Beispiel, nicht die Roten Khmer lieben, die Millionen von Menschen auf schändlichste Art und Weise töteten. Wohl ohne jeden Skrupel und Reue.

Somit werde ich nicht die Welt besitzen, da ich nicht alle Menschen lieben kann. Nun ja, Ich bin ja auch nicht Gott. Der könnte es wohl, trotz allem.

03.12.2008 um 18:25 Uhr

Schiller und die Ungeduld

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Schiller, Ungeduld, Reinbeck, Ungemach, Erde, dreht, taeglich

Stimmung: gut

Wenn ich mal ungeduldig werde,
Denk' ich an die Geduld der Erde,
Die, wie man sagt, sich täglich dreht
Und jährlich so wie jährlich geht.
Bin ich denn für was andres da? -
Ich folge der lieben Frau Mama.

Zitat: Schiller

Überstandenes Ungemach hat einen eigentümlichen Reiz.

Zitat: Schiller ( zu Reinbeck )

Zwei Schiller Zitate, passend zur momentanen Blogigo Situation. Hoffen wir, dass das Ungemach des nicht einloggen können, bald ein Ende hat und seinen eigentümlichen Reiz entfaltet.;-)

26.11.2008 um 16:08 Uhr

Michel de Montaigne und die Anmut

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Michel, de, Montaigne, Anmut, zart, verborgen, gekuenstelt, Auge

Stimmung: gut

Was anmutig ist,
bemerken wir nur, wenn es überspitzt, geschwollen, verkünstelt auftritt:
geht es im einfachen Kleid der Selbstverständlichkeit einher, so wird es von einem groben Blick, wie wir ihn haben, leicht übersehen;
das Schöne daran ist zart und verborgen; um dieses heimliche Licht zu sehen, braucht man ein scharfes, gut gereinigtes Auge.

Zitat: Michel de Montaigne ( 1533 - 1592 )

Ich hoffe, mein Auge ist immer gut genug gereinigt, denn ich möchte lieber diese heimlichen Lichter wahrnehmen, als dieses oftmals so offensichtlich und übertrieben daherkommende.
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27.09.2008 um 20:36 Uhr

Der Weise

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Weise, Johann, Wolfgang, von, Goethe, Schein, sein

Stimmung: gut

Der Weise sagt --
der Weise war nicht klein --:
Nichts scheinen, aber alles sein.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe
( Hanswursts Hochzeit )

Sehr kluge Worte von Goethe.
Wieviel mehr wert ist doch das Sein als der Schein. Wieviel verlässlicher, direkter. Der Schein, er trügt so oft. Manchmal wird er uns aber auch ohne eigenes Zutun auferlegt. Durch Fehlinterpretation von anderen. Indem sie ihr denken, ihre Wünsche und Ängste auf uns übertragen.

Wahrscheinlicher ist dieses Zitat von Goethe aber eher als Aufruf zum Understatement gedacht. Nichts scheinen, und dennoch alles sein. Mehr zu sein, mehr zu können, als der erste Blick vermuten lässt.
Nicht mit seinen Fähigkeiten hausieren gehen, um dann bei näherer Betrachtung mit ihnen zu überraschen.

07.09.2008 um 00:20 Uhr

Da irrte Schiller

Stimmung: gut

Wo Selbständigkeit ist, da fehlt die Weiblichkeit, wenigstens die schöne.

Zitat: Friedrich Schiller
in einem Brief an W.v.Humboldt 17.12.1705

Ich denke da irrt Friedrich Schiller.
Wieso sollte allen Frauen die selbständig sind die Weiblichkeit fehlen? Die schöne.
Wird eine Frau erst weiblich schön, wenn sie sich von einem Mann abhängig macht. Sich kleiner macht als sie ist?

Ich kenne etliche Frauen, die sehr selbständig sind und dennoch sehr weiblich, dazu noch schön.

Diese Meinung Schillers über selbständige unabhängige Frauen, dieses, sein Frauenbild wird wohl auch eher seiner Zeit geschuldet sein.
Oder herrscht auch heute noch diese Meinung allgemein vor?
Ausserdem ist Schillers Satz sehr verallgemeinernd. Könnte oder sollte man ihn in dieser Form noch heute gelten lassen?

14.08.2008 um 19:10 Uhr

Morgenstunde

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Morgenstunde, Richard, Dehmel, Gedicht, Dichter, Träume, Lilie, Morgenstern

Stimmung: gut

Morgenstunde
Ob du wohl auch so schlaflos liegst
Und dich in wachen Träumen wiegst,
Vor Glück, wie sehr die Sehnsucht brennt!
Ich starr ins dunkle Firmament:
Der Morgenstern, in grossen Bogen,
Ist langsam längst heruntergezogen
Und lässt mich lächelnd fühlen, was uns trennt.

Vor meinem schwachen Augen
- Nun weiss ich doch zu was sie taugen -
Strahlt er, je höher her, je flimmernder.
Weihnächtig glänzt die graue Stille.
Oh zögre, Alltag! Ohne Brille
Sieht man die Welt unendlich schimmernder.

Schon aber glitzert sein Gezitter blasser;
Nun steh' ich auf und geb' der Lilie Wasser
Die du mir gestern heimlich brachtest.
Und wenn du mich dafür auslachtest:
Sanft nehm' ich sie von ihrer Stätte
Und leg' sie auf mein warmes Bette
Und fühle lächelnd, wie du nach mir schmachtest.

Richard Dehmel (1863 - 1920 )

Richard Dehmel war ein Freund Liliencrons.
Dehmel war ein Grübler, dem man einen Mangel an Poesie, Lüsternheit, Unnatürlichkeit, Künstelei vorwarf.
Aber seine Gedankenfülle, sein Bemühen nach einem seiner Persönlichkeit entsprechenden dichterischen Ausdruck wurde auch anerkannt.
Richard Dehmel gestaltete seine Werke, im Laufe seiner Entwicklung des öfteren noch um.

Dieses Gedicht " Morgenstunde" empfinde ich als ein sehr schönes Werk, in dessen Worten man wahrlich eintauchen kann. Ein Gedicht welches berührt und in dem man die geschilderte Situation einer heimlich gebrachten Lilie, gepaart mit Sehnsucht nach dem gerade vergangenen und dem noch kommenden, förmlich wahrnimmt.

08.07.2008 um 21:56 Uhr

Das verlassene Mägdlein

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Gedicht, Mägdlein, verlassen, Eduard, Moerike, Flammenschein, Träne

Stimmung: gut

Das verlassene Mägdlein

Früh, wenn die Hähne krähen,
Eh` die Sternlein verschwinden,
Muss ich am Herde stehen,
Muss Feuer anzünden.

Schön ist der Flammenschein,
Es springen die Funken;
Ich schaue so darein,
In Leid versunken.

Plötzlich, da kommt es mir
Treuloser Knabe,
Dass ich die Nacht von dir
Geträumet habe.

Träne auf Träne dann
Stürzet hernieder;
So kommt der Tag heran -
Oh ging` er wieder.

Dieses Gedicht schrieb Eduard Mörike ( 1804 - 1875 )
Mörike war ein in sich gekehrter Mensch.
Er besass eine fast schon als Naivität zu bezeichnende
Empfänglichkeit, für so gut wie alles, was ihm in der
Natur oder in seinem Leben begegnete.So setzte er seine
Beobachtungen oder Erlebnisse in Poesie um. Nahm alles
als Anregung was er sah.
Mörike war beeinflusst von Goethe.
Über Mozart schrieb er eine frei erfundene Novelle:
" Mozart auf der Reise nach Prag "

Eduard Mörike wurde 1804 in Ludwigsburg geboren,
war Pfarrer in Cleversulzbach bis 1843, und starb
1875. Lange Zeit blieb er als Lyriker unbeachtet.

17.05.2008 um 01:31 Uhr

Selbständigkeit und Wille

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Schiller, Brief, Goethe, Selbständigkeit, Natur, Wille

Stimmung: gut

Wie sind wir doch mit aller unsrer geprahlten Selbständigkeit an die Kräfte der Natur angebunden, und was ist unser Wille, wenn die Natur versagt!

Zitat: Schiller, aus einem Brief an Goethe, 29.02.1795

Zu Zeiten der Postkutsche bzw. des Fussmarsches, vielleicht noch mehr als heute.
Aber auch heute ist es mit unserer Selbständigkeit nicht weit her, wenn die Natur uns einen Strich durch die Rechnung macht. Das kann sie immer noch ganz gut.

29.04.2008 um 17:03 Uhr

Friedrich Schiller, ein Narr ?

von: sternenschein   Kategorie: Zitate   Stichwörter: Friedrich, Schiller, Narr, Zitat, Wolzogen

Stimmung: gut

Wenn ich mündlich ein Narr bin,
so werde ich schriftlich wohl nicht viel weiseres sein?

Zitat: Friedrich Schiller
( in einem Brief an Henriette von Wolzogen )

Sind wir nicht alle mal mündlich ein Narr, närrisch eben?
Besonders wohl wenn wir verliebt sind.
Und wie sieht es dann schriftlich aus?
Sind wir da besser, weil wir die Gedanken sammeln können?

19.04.2008 um 18:38 Uhr

Den Tod nicht zu verneinen

Stimmung: gut

Ich habe meinen besonderen Wortgebrauch:
ich " verbringe " mein Zeit, wenn sie schlecht und unerfreulich ist; wenn es aber eine gute Zeit ist, will ich sie nicht " verbringen ", sondern sie auskosten, mich an sie klammern: über die bösen Tage muss man hinwegeilen, bei den guten verweilen.
Die übliche Wendung " Zeitvertreib " und " sich die Zeit vertreiben" ist ein Ausdruck dafür, wie es vorsichtige Menschen machen: sie denken, ihr Leben könnten sie nicht besser anwenden, als wenn sie es vergehen und verstreichen lassen, es verbiegen und vertun;
sie wollen, soweit es ihnen möglich ist, nichts davon wissen und nichts damit zu tun haben, als wenn es etwas langweiliges und verächtliches wäre.
Aber ich weiss: das Leben ist anders; ich finde es wertvoll und recht nett, sogar im letzten Teil seines Ablaufes, wie ich es jetzt habe;
die Natur, die uns das Leben anvertraut hat, hat ihm vielerlei Chancen gegeben, so dass wir nur uns selbst es zuzuschreiben haben, wenn es auf uns lastet und wenn es uns ungenutzt entgleitet.

"Das Leben des Toren ist unfruchtbar und unruhig; alles wird in der Zukunft gesucht"
Und doch richte ich mich darauf ein, dass ich mich zu gegebener Zeit leidlos von ihm trennen kann; aber deshalb, weil das Leben seinem Wesen nach vergänglich, nicht weil es mir lästig und widerwärtig ist.

Den Tod nicht zu verneinen, steht eigentlich nur denen wohl an, die das Leben bejahen.

Zitat: Michel de Montaigne ( 1533 - 1592 )