Ankommen.
Es sinnkriselt um mich herum. Menschen, die meisten weitgefasst rund um die dreißig, stellen ihr Leben infrage: Kind oder nicht Kind, Job behalten oder Job wechseln, Haus kaufen oder weiter mieten, weg gehen oder bleiben, und dahinter oft die Frage: Was habe ich eigentlich bisher erreicht?
Früher dachte ich mir immer: Ach, der Fußballprofi, der ist fünf Jahre älter als ich, der Popstar auch, das kann ich doch gar nicht erreichen. Heute denke ich mir: Was, Mario Götze ist Jahrgang 1992? Und der 'alte' Ballack ist grade mal ein paar Jahre älter als ich? Die Welt fühlt sich irre an. Als meine Mutter so alt war wie ich, war ich schon dreizehn. Ich hingegen dümpel so vor mich hin zwischen Alltag und Freizeit, zwischen Büro, Konzerthalle und Sportplatz. War es das?
Muss man nicht langsam mal einen Plan haben im Leben? Sollte man nicht Ziele setzen? Doch mal anfangen zu sparen für Haus, Hund, Kind? Endlich mal die eine Leidenschaft im Leben entdecken, der man sich dann mit Hallo und Juchhu bis neunzig widmen kann? Ornithologie wie Loki Schmidt?
Ich weiß nicht. Eigentlich bin ich mit dümpeln grade sehr zufrieden, zumal die Aussichten gut sind. Auf Familie irgendwann einmal. Auf Haustiere. Auf eine andere mögliche berufliche Laufbahn. Ich kann wenn ich will, ich muss aber nicht. Und vielleicht ist genau das der Unterschied zur großen Sinnkrise: Die Aussichten sind zwar nicht hundertprozentig durchdefiniert, aber trotzdem gut.
