Bibber.
Ich friere! Im Büro heizt die Heizung nicht. Mein Allerwertester friert am Bürostuhl fest und meine Hände schaffen nur noch mühsam die Tastaturtasten. Frau Pain hätte ein Wort dafür: Shice.
Ich friere! Im Büro heizt die Heizung nicht. Mein Allerwertester friert am Bürostuhl fest und meine Hände schaffen nur noch mühsam die Tastaturtasten. Frau Pain hätte ein Wort dafür: Shice.
Gott was war mir langweilig gestern. Und was mache, ich wenn mir bocklangweilig ist? Online gehen. Sinnlose Dinge bestellen. Zeitschriftenabos ordern. Alle Zeitungen nacheinander lesen und wenn ich fertig bin von vorne anfangen. Gestern war mir wohl noch langweiliger als sonst. So kam es dazu, dass ich jetzt tatsächlich an einem Fußball-Online-Spiel angemeldet bin. Ich bin nicht wirklich Fußball-Fan. Ich finde kickende Männer weder besonders attraktiv noch unattraktiv. Es kratzt mich quasi nicht. Jetzt aber schon. Denn ich vermute, dieser Kram macht süchtig. Und ich werde wohl in Zukunft samstags die Sportschau gucken, um zu sehen, wie 'meine Jungs' abgeschnitten haben. Soweit isses schon. Ich frage mich nur, was ich in Zukunft tue, wenn ich wieder solch massive Langeweile-Attacken erleide. Falls ich mir dann den Musikantenstadl online reinziehe ist es definitiv an der Zeit meinen Internet-Anschluss in die Tonne zu treten.
Ich schaue nicht viel fern, dementsprechend auch nicht viel Werbung. Wenn es dann doch passiert, irritiert es mich häufig. Zum Beispiel gibt es da einen Schokoriegel mit Namen `Kinder Maxi King`. Vergessen wir mal das Kinder und konzentrieren uns auf den Anhänger: Maxi King. Und nun stelle man sich die Werbung dazu folgendermaßen vor: Eine Poolparty. Eine Menge fantastisch aussehender, halb bekleideter Menschen, vorwiegend junge Frauen. Dann Auftitt Shaggy, Mr. Lovalova himself. Der brummt in dem ihm eigenen Timbre einen Satz in die Kamera: `Mmmmhhh... Massive Satisfaction!` Den Satz bitte mal wirken lassen.
So. Und jetzt nochmal den Namen des Riegels lesen. Denkt man dabei wirklich an Schokolade? Oder hat die Firma im Sinn einer neuen Produktpalette den Markt zu ebnen?
Eines vorweg: Es war gut gestern. Ich glaube ich werde mal wieder slammen. Eine schöne Veranstaltung, nette Leute und nach drei Vorträgen fühlt sich ein Saal ungefähr so familiär an, wie das Wohnzimmer zuhause. Ein überfülltes Wohnzimmer. Was einen erhöhten Puls bedingt. Eine Mit-Slammerin lief vor Beginn der Veranstalung etwa drei mal an mir vorbei auf die Toilette und konnte sich kaum entscheiden, ob sie hyperventilieren oder doch lieber gleich umfallen soll. In diesem Moment hab ich beschlossen, das mein Stress-Level noch einiges aushält und ich das jetzt ordentlich durchstehe. Die Nervöse hat übrigens sehr nette Gedichte ganz wunderbar vorgetragen. Solange es einen Text zum festhalten gab war alles wunderbar. Erstaunlich, welche Kraft Lyrik haben kann.
Gott macht Werbung. Auf Autobahnplakaten. Da steht dann zum Beispiel: 'Ich habe Dich gewählt.' Oder: 'Wir müssen miteinander reden.' Unterschrift: Gott. Sogar eine Kontaktaufnahme ist möglich unter, wie passend, www.gott.net.
Das riesige 'Wir müssen miteinander reden'-Plakat hängt genau über dem des großen gelben M an der A7 und lässt es ziemlich klein aussehen. Ich musste lachen. Was das kostet! Wie Gott das wohl bezahlt? Und wie beantwortet er die ganzen Anfragen? Vielleicht hat er ein Call-Center. In dem sitzen dann lauter katholische Theologie-Studenten und verdienen sich ein Taschengeld nebenbei.
Nur McDonald's wird sich ärgern. Der Herr raubt ihnen echt die Show. Das hätte sich das Unternehmen vermutlich nicht träumen lassen, dass ihnen der Burger ausgerechnet von der Seite versalzen wird. Tja. Da hilft ab jetzt wohl nur noch beten.
Am Wochenende war Klassentreffen. Und das gleich in mehreren Wortsinnen: Ein Treffen der Klasse von damals, ein klasse Treffen und ein Treffen verschiedener Klassen. Soviel zum philosphischen Teil.
Praktisch war es echt verrückt. Manche haben sich in der vergangen Zeit nicht, aber auch gar nicht verändert. Andere haben sich verdoppelt, was die Identifizierung sehr erschwerte. Alle coolen Mädels sind jetzt verheiratet und Mütter. Alle coolen Jungs sind verheiratet und Papa oder auf dem Weg es zu werden. Alle Hallodris haben BWL studiert, was die derzeitige Finanzkrise mal aus einem ganz anderen Licht beleuchtet. Alle daheim gebliebenen haben sich nichts mehr zu erzählen.
Unglaublich, was die Zeit mit den Menschen anstellt oder eben auch nicht. Insgesamt war es ein echt entspannter Abend. Als wäre ein großer Schlussstrich unter die ganzen nicht so schönen Geschichten gezogen worden, die damals gelaufen sind. So konnte man hin und zurück gehen, feststellen, dass das eigene Leben nicht völlig verkehrt ist und sich mit einem Lächeln auf den Lippen wieder dem Alltag zuwenden.
Man, bin ich froh, dass die Schule aus ist.
Es geht wieder los. Es wird gewählt. Überall und allerortens werden Plakate angetackert. Markige Sprüche, selbstischere Blicke und Dekoltées. Die Parteiinfo darunter: Eigentlich austauschbar. Gut gemacht sind mittlerweile die meisten, das muss man ihnen lassen, den Werbern. Aber ich finde dem Gros der Politkern sieht man durchaus an, das Fotoshootings nicht ihre Kernkompetenz sind. Muss ja auch nicht. Sonst wäre Angela vielleicht Germany's next Top Model geworden und nicht Kanzlerin.
Mir jedenfalls geht diese Plakatierungswut ordentlich auf den Keks. Im Fernsehen schalte ich um. Auf dem Weg zur Arbeit aber grinsen mir täglich etliche Zahnreihen entgegen die mich zu überzeugen versuchen. Von was eigentlich? Wer der geilste Hecht ist im Politker-Karpfenteich? Wer am symphatischsten in die Linse lächeln kann? Wer dabei am konzentrieresten, glaubhaftesten gucken kann? Und was ist das für ein Prinzip? Wer am meisten nervt gewinnt? Ich hab keine plausible Idee für einen intelligenteren Wahlkampf. Aber das muss es echt nicht sein.
'Früher war alles besser. Blödsinn. Früher waren die Dinge gut, die auch heute gut wären, hätten wir sie in Ruhe gelassen.'
Danke, Herr Malmsheimer, solche Erkenntnisse liebe ich.
Mal wieder die Schweizer. Mal wieder Radio. Langsam verdienen sie eine eigene Rubrik hier. Jedenfalls schnappe ich gestern dort einen Begriff auf: Hagelabwehrverband. Hagelabwehrverband? Was bitte soll das denn sein? Gegoogelt. Und tatsächlich gefunden. Diese Herrschaften schießen Silberjodid (frag mich nicht) per Rakete in die Wolken, was die Bildung von Milliarden mehr Kondensationskernen (hä?) bewirkt. Wenn ich das einigermaßen kapiere, verändert das die Hagelkörner insoweit, das sie den Flug zur Erde nicht überleben und nur als Regen landen.
...
Tja.
Was will man dazu sagen. Wetterfrösche à la Eidgenosse. Ob die auch was mit dem Klimawandel zu tun haben? Und hat jetzt der gute alte Regenmacher ausgedient? Und schifft das wegen denen jetzt vielleicht den halben Sommer lang? Wegen abgeschossener Silberjodid-Raketen in den Alpen?
Das ist mir irgendwie alles zu High-Tech. Da lob ich mir Bodo Wartke. Der singt gegen den Regen. Schlicht, schlau und ganz wunderbar. Wenn wohl auch nicht immer mit der gewünschten Wirkung. Leider.
Fremde Menschen misst man im Bruchteil einer Sekunde ab: Sympathisch? Unsymphatisch? Ekel? Nett? Alles im Bereich des Möglichen. Manchmal reicht nur die Stimme um abzuwägen, wie man jemanden findet.
Meine Nachbarn, ein älteres Ehepaar, hatten Besuch. Den habe ich nicht gesehen. Nur gehört. Unsere Wohnzimmer befinden sich direkt übereinander, ihr Garten liegt also quasi direkt vor meinem Fenster. Den Besucher hörte ich schon, als er noch auf der Straße stand. Zu laut. Immer zu laut. Kein Satz, der nicht halb gebrüllt war. Mit einer Vehemenz, die jeder Aussage etwas radikales verlieh. Die jeden am Kaffeetisch dazu zwang ebenfalls lauter zu sprechen, weil es sonst kein Durchkommen gab, gegen dieses verbale Bollwerk. Dazu allerschönster, nein, stimmt nicht, allerübelster Stammtisch-Tonfall. Auf einer Sympathie-Skala von eins bis zehn würde ich diesen Herrn entspannt auf eine minus fünf setzen. Mindestens.
Aber zum Glück muss man sich nicht mit jedem Zeitgenossen rumschlagen. Und gestern habe ich dann einfach mal das Fenster zugemacht. Was für ein Luxus.
Ein Abend am Wasser liegt vor mir und ich freue mich. Das Wetter ist ausnahmsweise mal gnädig, die Sonne scheint noch, jetzt müssen nur noch die Mücken andere Opfer finden und es ist perfekt.
Kitschig kann manchmal einfach doch wunderschön sein.
Highlight aus dem schweizer Radio: Ein schwitzerdütsches Cover von 'Sun of a preacherman':
‘Dereinzige, wo mi hät chkenne verführe, isch der Sohn vom Pfarrer gsi."
Ich brech ab.
(Nachtrag: Boah Tippfehler ‘die Sonne des Pfarrers‘ und keiner hat es gemerkt... )