Kritische Betrachtungen zur Vergangenheitsglorifizierung

01.08.2009 um 22:40 Uhr

Den Kakao, durch den sie Dich ziehen... Hochschuldesaster, zweiter Teil

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Spiegel davon Wind bekommen und die Selbstdiffamierung lobend erwähnen würde. Nun ist es passiert.

Fast nicht auszudenken, wieviele Studenten Leipzig wohl verlieren wird, wenn sich herumspricht, mit welch hinterwäldlerischen Methoden hier nicht gegen, sondern angeblich ( ! ) für die Stadt und ihre Uni geworben werden soll. Die Hochschulinitiative zur Blamierung bestimmter Bundesländer, die keine inhärente Gemeinsamkeit aufweisen, hat den Spiegel erreicht, was für die Kampagne ein riesiges Publikum bedeutet.

Der Autor des weiter unten noch genauer zu betrachtenden Artikels selbst hat übrigens nicht in Leipzig studiert, sondern in München. Mit Sicherheit hätte ihn eine solche „Hochschulinitiative“ auch kaum in die sächsische Halbmillionenstadt gelockt. Ein echter Brüller und Schenkelklopfer ist aber der Titel seiner Diplomarbeit:

Titz, Christoph: Gelernte Verantwortung: Eine Studie zur Entwicklung des Stellenwerts von Ethik in der deutschen Journalistenausbildung in Deutschland im Kontext US-amerikanischer Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet. Diplomarbeit.

Quelle: http://www.ifkw.lmu.de/lehrbereiche/froehlich/abschlussarbeiten/index.html

Verantwortung und deutscher Journalismus? Wie passt da etwas zusammen? Die Idee des Journalismus in Deutschland ist letztlich die Spaltungsstrategie gegenüber der Gesellschaft und stereotyper Beschreibung jeglicher Person.

Wir erinnern uns: Zum Beispiel sind da die Rentner, welche eine böse Bastion darstellen, die keine Kürzung ihrer Bezüge akzeptieren, oder was ist mit der Jugend, die einmal von Generation zu Generation immer dümmer wird, dann wieder doch besser als ihr Ruf ist. Dabei heißt es dann: Die Jugend, nicht etwa die Jugendlichen, welche ja erst jugendlich sein müssen, jung reicht da nicht. Die Jugend klingt allumfassender, klischeehaftiger. Frauen, Männer, Hartz – IV – Empfänger, Manager, alles nur noch Schlagworte. Und wie könnte die Bevölkerung besser darüber informiert werden, welche stereotypen Eigenschaften eben DIE DA jeweils grundsätzlich zeigen, gäbe es unsere verantwortungsbewussten Medien nicht.

Es sind die verschiedenen Gruppen, die einzeln stehen und von den anderen Gruppen schief angeschaut werden dürfen, ja sogar müssen, um die bedrängte Lage der Nation immer wieder zu erfinden. Ob sich jeder zu seiner Gruppe zählt, ist egal, die einzelnen Antagonisten haben keine Bedeutung. Genau das ist deutscher Journalismus. Doch zurück zu dem Thema Hochschulinitiative:

Fragen wir uns kurz zuvor noch, was der erwähnte Journalist Christoph Titz beim Spiegel sonst so schreibt, wenn er nicht gerade seinen Mauerfetisch auslebt. Die Antwort ist folgende: Er führt banale Interviews mit äußerst attraktiven Absolventinnen von Hochschulen über deren sinnfreie Studien, um sich selbst sowie seinen Lesern ein wenig die Zeit zu vertreiben:

27.07.2009

GRAFFITI-FORSCHUNG

Womit Frauen auf dem Klo prahlen

"Dreckig und unangenehm" war der Forschungsgegenstand von Studentin Katrin Fischer: Für ihre Magisterarbeit inspizierte sie die Klo-Graffiti in Frauen-Toiletten der Uni Bonn. Im Interview erklärt sie, was Klokommunikation so besonders macht - und wie es sich anfühlt, selbst an Wände zu schreiben.

[...]

SPIEGEL ONLINE: Das ist der Klassiker in jedem öffentlichen Klo. Mal eine der Nummern angerufen, um den Wahrheitsgehalt zu prüfen?

Fischer: Nein. Da weiß man ja nicht, ob die Nummer stimmt und bei wem man landet.

SPIEGEL ONLINE: Lassen wir mal die Hose runter: Ich habe schon mal was an eine Klowand geschrieben. Und sie?

Fischer: Ich hatte nie das Bedürfnis, in einem Klo was zu schreiben, ganz ehrlich.

SPIEGEL ONLINE: Glaube ich nicht.

Fischer: Naja, vor kurzem habe ich es dann doch gemacht, um zu wissen, wie es sich anfühlt.

[...]

Das Interview führte Christoph Titz

Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,638193,00.html

Auch wenn man es denken möchte, der Artikel ist kein Witz, sondern eben ein Titz, ein typischer sicherlich, wenn es da etwas typisches gibt. Aber nun zu seinem Artikel über die widerliche PR – Aktion der Bundesregierung und der Kultusminister verschiedener Bundesländer:

31.07.2009

UNI-WERBUNG OST

Pausengong für Gang und Dong

Von Christoph Titz

Trist und grau finden West-Abiturienten Deutschlands Osten und wollen partout nicht nach drüben gehen. Werber haben die ironische Kampagne "Studieren in Fernost" erfunden. Und was sagen Ost-Rektoren? Sie nörgeln lautstark: Für ihren Geschmack sind die Filme viel zu grell und klamaukig.

Da ist der Spiegel sich selbst wieder einmal treu. Der Terminus „nach drüben gehen“ bescherte dem Autor sicherlich ein wohliges Gefühl der Überlegenheit am Morgen. Tatsächlich soll noch weiter unten auf die Kommentare eingegangen werden, welche auf der Website der Initiative niedergeschrieben wurden. Sie geben Zeugnis davon, wieviel Spott die Rektoren bundesdeutscher Hochschulen ertragen werden müssen, so niemand diese Verarschungskampagne stoppt. Sicher, kein schönes Wort. Aber wenn etwas so widersinniges von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde und dann ein Titz darüber schreibt, darf und muss auch hier einmal ein Kraftausdruck stehen dürfen.

"Saublöd" findet Franz Häuser, Rektor der Uni Leipzig, den Spot im Internet, der seit kurzem für die Hochschule wirbt. In einem sonderbaren Filmchen fahren zwei Chinesen, Gang und Dong, in Vampirkostümen vor Häusers Uni. Sie tragen frackähnliche Jacken, Vampirzähne und auf die Augenlider aufgeklebte Zombieaugen. "Heute besuchen wir Deutschlands zweitälteste Universität", flimmert es in Schwarz-Weiß über den Schirm. Krisselige Optik, Stummfilmmusik, eingeblendete Texttafeln.

Schmutz ohne Chance, sich dagegen zu wehren. Ich kann es nur noch mal sagen ( Leute nennt mich Kassandra! ): Wer sich mit DEMOSTEN identifiziert, hat in Deutschland 2009 verloren. Lasst es sein, seid authentisch Ihr selbst, verweigert Euch JEDER Ostwestidentifikation, nur so kann man in Ruhe leben und seine Meinungen ohne die Furcht vertreten, dass sie irgendwer als ost – typisch oder west – typisch, als anbiedernd oder verfälscht interpretiert.

"Eure Magnifizenz, herzlichen Glückwunsch zum 600. Geburtstag", sagt Dong. Und der Leipziger Rektor Häusler sagt artig "Vielen Dank", als wäre er es, der 600 Jahre alt wird. Dann hebt er an zur Lobpreisung der weltoffenen, modernen Leipziger Universität "im Konzert der deutschen und europäischen - ja vielleicht auch der Welthochschulen".

Kein Zweifel, es prallen zwei Welten aufeinander - hier die betont schrägen Besucher, dort ein betont seriöser älterer Herr in staatstragendem Gestus. Man kann das für albern halten. Oder für lustig, besonders weil Häuser mit seiner dicken güldenen Amtskette und der gedehnten Sprechweise tatsächlich wirkt, als wäre er schon seit mehreren Jahrhunderten im Amt.

Der Spiegelautor findet also den Mummenschanz an der Leipziger Uni lustig. Vom lustig finden zum sich lustig machen ist es nur ein kleiner Schritt, sollte man dringend anmerken. Nebenbei ist der Bogen zu 1968 ( Muff oder so unter irgendwelchen Talaren, man weiß schon... ) hergestellt, selbiges Datum in der DDR ja bekanntlich keine Rolle gespielt hatte, demzufolge dieser Muff von zumindest 600 Jahren noch vorhanden sein muss.

Und wer den Minifilm gesehen hat, wird hier sicherlich zu keiner anderen Einschätzung gelangen können: Ein älterer Herr versucht gegen die sublime Verarsche eines Medienunternehmens zu bestehen, indem er seine Persönlichkeit gegen den Trash setzt, ein Spießrutenlauf gewissenmaßen, ein demütigendes Szenario, welches ihm von seinem CDU – Kultusminister eingebrockt worden war.

Da die Sprachwahl des Schreiberlings Titz nun wiederum so widerlich formal ostwestalgisch ist, habe ich mich dazu durchgerungen, einige der selbstentlarvenden Stellen farbig zu unterlegen, um anhand dieses Artikels klar und deutlich exemplarisch aufzuzeigen, auf welcher Seite er steht:

 

Im Osten studieren? Nö, lieber nicht

Viel lieber hätte er über Betreuungsverhältnisse, Forschungsprojekte, Internationalität und Wohnheimplätze geredet, sagte Häuser SPIEGEL ONLINE über den fertigen Film - aber das meiste von dem, worüber er gesprochen habe, hätten die "hochprofessionellen Macher" des Films weggeschnitten.

Vielleicht war es besser so. Die aufwendige Werbekampagne "Studieren in Fernost" ist eine fast verzweifelte Gemeinschaftsaktion der fünf ostdeutschen Bundesländer, um ihre Studentenzahlen zu steigern. Dafür brauchen sie Zuzug aus dem Westen. Und darum haben sie die "Hochschulinitiative Neue Bundesländer" gegründet.

Aufwändig an dieser Bonbonpapier – Wackelkamera – Alan – Smithee – Kitsch – Ästhetik ist wohl einzig die monetäre Belastung von  zehn Mio €! Und „verzweifelt“  hat man auch schon immer gern gelesen, wenn der Spiegel oder Springer über den braun – dunkelroten Solisumpf geschrieben haben.

Die fand in einer Umfrage heraus: 20 Jahre nach dem Mauerfall können sich lediglich fünf Prozent der westdeutschen Jugendlichen vorstellen, in einem ostdeutschen Bundesland zu studieren - Berlin immer ausgenommen, dort kennt man solche Sorgen nicht. "Arm", "grau", "trist" erscheint den jungen W***** ( gemeint sind die sog. West – Deutschen, Anm. d. Zit. ) der Osten, ergab die Befragung. Kurzum: eine rundum spaßfreie Zone.

Das Wort „spaßfrei“ wird weiter unten noch einmal aufgegriffen werden. Und "Zone" assoziieren sowieso einige Menschen immernoch im Sinne der DDR. Die Bürger in diesen sogenannten "neuen" Ländern verstehen bekanntlich keinen Spaß, wenn sie jemand beleidigt und sie das merken. Somit wurde auch hier wiederum eine durchsichtige doppelte Aussage in den Text geschmuggelt.

Zehn Millionen für den großen Trommelwirbel

Das soll sich jetzt ändern. Denn seit Jahren schon mühen sich die fünf Länder jeweils auf eigene Faust, für ihre Hochschulen zu trommeln. Sie haben gute Argumente zur Hand: Von Massen-Unis sind die meisten Hochschulen weit entfernt, bieten eine weit bessere Betreuung und oft auch Ausstattung, als es in Westdeutschland üblich ist. Die Mieten sind durchweg niedrig, allgemeine Studiengebühren gibt es keine. Und dennoch - die West-Abiturienten zeigten sich gegen die Lockmittel weitgehend resistent.

Wenn es so wie bisher nicht geht, dann muss es anders gehen, dachten sich die Werber der edlen Berliner Agentur Scholz&Friends.

„Edel“ ist diese Form des Pseudowerbens sicherlich nicht, sondern es zeigt sich, dass auf der imaginären Spielwiese der Reklameprofis deren Deutschlandbild zelebriert wird, welches eben zweigeteilt bleibt, und minderwertiges wird minderwertig beworben.

Ihr Kalkül ist klar: Man muss in erster Linie Aufmerksamkeit wecken und auf die Kraft des Web setzen. Man muss die Vorbehalte bei Jugendlichen brechen, indem man Deutschlands Osten vom Grau-Image befreit und als bunt und vielfältig inszeniert

[...]

Und was macht der Journalist? Er verrät das Kalkül, entschärft es. Nunja, es sei ihm vergeben, der Schmonzes wäre sowieso nie aufgegangen. Es gibt eben "Vorbehalte", die man "brechen" ( autsch ) soll, weshalb eine kunterbunte Inszenierung notwendig ist?

Bitte keine Fans der Spaßgesellschaft

Die Ost-Hochschulen sind nicht der Auftraggeber, sie selbst zahlen für die Kampagne keinen Cent. Die Kosten tragen die Länder zusammen mit dem Bundesbildungsministerium. Trotzdem rumort es unter den Rektoren wegen des Programms, das ihnen mehr Studenten bescheren soll. Zu schrill, zu bunt, zu doof, schallt es aus den Leitungsetagen der Hochschulen von der Ostsee bis nach Sachsen.

Und damit haben sie nicht nur recht, sie untertreiben politisch korrekt, um nicht anstößiges zwischen die Zeilen zu verpacken. Allerdings wissen sie eben, dass kunterbunt nun mal eben schwachsinniger Unfug ist. Dieser Herr Titz muss es eigentlich auch wissen. Aber in dem Moment, da er dies nicht sagt, spaltet er seine Leserschaft, die einen süffisant mit ihm lachende Rotweintrinker, die anderen sauer auf sein Unwissen. Wem es bis jetzt noch nicht aufgefallen war, muss jetzt spätenstens begreifen, dass solche Artikel immer mit der Ost - West - Schere im Kopf geschrieben werden, die der Autor nicht einmal geschickt nutzt, sondern hierfür nur seine alte Schablone über den Text legt.

Einer der Kritiker fordert einen Pausengong für Gang und Dong, die als Campus-Scouts nach und nach an allen 44 Unis und Fachhochschulen und Unis Filme drehen. Auf meinem Campus, stellte Micha Teuscher, Rektor der Hochschule Neubrandenburg klar, wird nicht herumgealbert: "Ich werde mich dagegen wehren, dass so etwas bei uns gedreht wird", sagte Teuscher der Wochenzeitung "Die Zeit". Und: "Wir wollen nicht die Fans der Spaßgesellschaft anziehen", so der ernste Leiter der kleinen Fachhochschule mit gut 2200 Studenten.

Also was nun? „Auf meinem Campus“ oder „bei uns“? Die erste – nicht wörtliche! – Bemerkung stammt von Titz.

"Es gibt eine Diskrepanz zwischen der bunten Aufmachung und der noch unzureichenden Vermittlung an Inhalten", schimpfte auch Sabine Kunst, Präsidentin der Uni Potsdam, in der "Zeit". Leipzigs Rektor Häuser stört "das Bild, das die Macher vom Niveau der Schüler haben".

Ach es stört ihn? Tststs... Die eine schimpft, den anderen stört irgendetwas. Die Sprache von Herrn Christoph Titz sagt doch im Grunde alles über seine innere Haltung. Er kann wohl keinen der oben erwähnten Kritiker irgendwie positiv betrachten, haben diese Menschen doch eine eigene Meinung, sind unbelehrbar, wollen nicht den Kakao schlürfen, durch den sie von ihren CDU-Ministern und SPD-Journalisten gezogen werden.

Allerdings räumt Häuser ganz pragmatisch auch ein: "Ich kann nicht einschätzen, ob man das so machen muss." Und: "Wenn es bei den jungen Leuten ankommt, soll es mir recht sein", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Naja, hat er da noch etwas versöhnliches gesagt. Selbstverständlich darf dies nicht fehlen, wo man jederzeit dieses Zitat gegen ihn verwenden kann.

[...]

Zu viel Klamauk, zu wenig Inhalte, das ist aus Sicht der Kritiker das Hauptärgernis. Sachliche Informationen über die Hochschulen bietet die Kampagne indes schon - ein, zwei Klicks weiter. Und bei den Inhalten setze die Arbeit der Unis und FHs an, wenn erst einmal das Interesse der Schüler geweckt sei, hält Ulrich Vetter, Sprecher der Universität Rostock, den Kritikern entgegen. Vor zwei Wochen traf er sich mit Leitern der anderen Marketingabteilungen nordostdeuscher Hochschulen. Als "durchaus positiv" beschreibt Vetter ihren einhelligen Tenor.

Anders als viele Uni-Chefs in den neuen Ländern glaubt er an die erwünschte Wirkung. Vetter erzählt, er habe seinen Kindern im Teenageralter die Werbung mit Gang und Dong gezeigt - denen habe es gut gefallen. "Wir sind ja nicht die Zielgruppe", sagt der 50-Jährige. Ziel der Kampagne sei eben, dass Schülern im Westen Unis auffallen, von denen viele gar nicht wüssten, dass es sie gibt. "Die Kampagne soll uns die Schüler zutreiben", sagt Vetter. Und versucht sich selbst in einem griffigen Werbespruch: "Die Türe aufmachen, dass müssen wir dann schon selber."

Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,639249,00.html

Dass der Sprecher aus Rostock an den Erfolg glaubt, sagt doch letztlich nur, auf welche Hoffnungen man sich oben an der Ostsee verlässt. In Leipzig hat man ganz andere Potentiale, da braucht es keinen >>Bonbonpapier – Wackelkamera – Alan – Smithee – Kitsch<<, um wahrnehmbar zu sein, weiß, dass derartiges nur allzu sehr dazu generiert wird, der Stadt Leipzig und ihrer Würde zu spotten. In Sachsen sollte man eben auf sächsische Ideen vertrauen.

Nebenbei: Wer beispielsweise in Bochum sollte bitteschön nicht wissen, dass Rostock eine Uni hat? Ich stelle mir diese Deppen in McPomm schon so vor: „Ach, wir werden ja nicht wahrgenommen. Hach! Am besten wir blamieren uns so sehr, dass uns keiner mehr vergisst!“

Und genau dies ist in Bälde zu befürchten. Denn sobald ein neuer Jahrgang mit dem Studium begonnen hat, wird es eine Auswertung der Hochschulinitiative geben. Diese wird eine Gewissheit bringen, welche von den Medien statistisch beurteilt werden muss, genau dies ist ja auch ihre tatsächliche Aufgabe. Und sie werden schonungslos sein – das inhaltliche Versagen der Werbeidee werden sie aber geflissenentlich leugnen, weil sie es natürlich lustig finden, wenn Menschen zweiter Klasse durch den Kakao gezogen werden und außer ein paar Rektoren niemand das Spiel durchschaut. Der Grund wird im rhetorischen Sinn sicherlich nicht mit einem WEIL eingeleitet werden, sondern einem TROTZ. Damit sei dann der letzte Versuch gescheitert, die Unis in diesen Ländern dürfen schließen - wenn es nach den Journalisten geht. Ein logischer Schluss, wo indes klar sein muss, dass man hier viele Studenten verscheucht haben wird. Aber die Medien wollen keine Freiwilligkeit, schon gar keine individuelle Entscheidung, sondern Ostwestreaktionäre in den Hochschulen. Eine solche Kampagne stellt fraglos die entsprechenden Weichen.

Aber ist die Lage wirklich so schlimm? Es gibt Hoffnung, die Kommentare auf der Seite der Initiative sprechen jedenfalls eine sehr deutliche Sprache:

·  jemensch schreibt am 17.07.2009:

krasse machine: sexistisch, rassistisch und völlig am inhalt vom studieren vorbei! über die qualität der lehre und forschung und wie die zu meinen interessen passen, wer fragen stellt, die mich ebenfalls interessieren - darüber sagt die machine nichts.

konklusion: die machine ist eine fehlentwicklung.

besser wäre es gewesen, das geld für die machine in ein projekttutorium zu stecken!

·  xxas schreibt am 23.04.2009:

wer finanziert sowas? wem ist seine zeit nicht zu schade für sowas?

bis jetzt hatte ich gehofft, die antwort darauf wäre : niemand.

leider getäuscht.

·  Annette schreibt am 30.04.2009:

Wow, ich war tatsächlich schon nach der 2. Frage GENERVT… hab mich aber trotzdem durchgekämpft und war am Ende etwas sauer… die Fragerei dauert zu lange und warum soll ich an Hand der Klamottenauswahl, meinen Studienwunsch herausfinden?
Fazit: Zu schrill, zu albern, zu unsinnig und zu langatmig.

·  Prof.Kompressor schreibt am 31.07.2009:

Wenn ich das hier sehe fühle ich mich wie Ranicki beim Fernsehpreis. “Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet.“ und jetzt „finde Ich es auch schlimm, dass ich das erleben musste.“
Ist das hier alles nur n’ Gag um zu zeigen für wie niveaulos und debil Ihr die Abiturienten von heute haltet? Nehmt die 10 Mio die der Quatsch hier kostet und kauft HRE-Aktien, da ist es besser angelegt…

·  Hans Team Fernost schreibt am 31.07.2009:

Die Suchmaschine ist ja nur der erste Schritt, um darauf aufmerksamn zu machen, DASS man in Ostdeutschland studieren kann. WAS man dort studieren kann und alles weitere, finden die Nutzer von schülerVZ auf den Profilen und in den Gruppen der Hochschulen, die von diesen bzw. deren Studierenden selbst gepflegt werden. Bisher wurde die Suchmaschine übrigens schon 80.000 mal durchgespielt. Was wir ganz ordentlich finden.

„DASS man in „Ost – Deutschland“ studieren kann...“  Alberner können selbst die Macher nicht mehr bloßstellen, was sie hier verzapfen! Und was dieses merkwürdige Spiel angeht, scheint es nicht wirklich zu funktionieren. Wer wird da gezählt und wie oft?

Quelle: http://www.studieren-in-fernost.de/maschine/

Mein Fazit: Es ist an den Bürgerinnen und Bürgern selbst, etwas dagegen zu tun. Man kann einfach lamentieren, aber ein etwas klarerer Protest wäre schön. Gegen Bildung wurde gestreikt, gegen Verblödung und Verarsche nicht.

 


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