Ein Bürger namens Hase und zwei Igel namens Lehming und Schwarzer
In Bezug auf den folgenden Text eines Berliner Scharfmachers und Moralabstinenzlers vom Tagesspiegel sollte man bei einer grundsätzlich notwenigen Kritik seiner Kommentare im Grunde sich ausschließlich auf die Position beziehen, jede Form von Zahlenspielerei vermeiden, auf eine empirische Beweisführung, welche stets im diffusen enden muss, verzichten. Denn es geht nicht darum, vorzurechnen, dass Thüringen das bundesweit einzige Land ohne Rechte in seinem Landtag seit 1945 ist und bei den Straftaten mit Bayern zusammen vordere Plätze in Statistiken einnimmt.
Hier geht es um grundsätzliches. Malte Lehming, gar kein Lemming, sondern ein Igel wie in dem bekannten Märchen, ein Journalist der üblen Sorte derer mit Mauerfetisch geht hier wieder einmal auf die Menschen los, welche ihm persönlich ganz und gar gestohlen bleiben sollen, seine „Ost – Deutschen“.
Es sind diese lernresistenten Zeitungsleute, welche zwar hunderte Menschen kennenlernen können, die nicht in die ihnen vertrauten Klischees passen, dann aber wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren, wieder das Schneckenhaus der alten Vorstellungen aufsuchen, um weiterschreiben zu können, zu lamentieren, polarisieren und beleidigen.
Der Schreiber heißt also dieses Mal Malte Lehming. Und er meint es ziemlich ernst. Es gibt drei Gruppen in Deutschland, die tollen „West – Deutschen“, die integrationsfähigen „Migranten“ und die komplett irrationalen „Ost – Deutschen“, die man nicht verstehen muss.
Der Tagesspiegel – Autor freut sich, über das neue Rekordergebnis für die Kommunisten von peinlichen 27 % sprechen zu können, vergisst weder die Nazis noch die No - Go – Areas, wohl aber zu erwähnen, dass er selbst ein widerlicher Mauerfetischist mit Hang zur Gleichmacherei ist. Seine Kolumne im hier zitierten Tagesspiegel nennt er dann auch noch:
Auf den Punkt
Gute Deutsche
Malte Lehming über sogen. „Ost – Deutsche“ ( Wort verändert, da beleidigende Wortwahl ), Migranten und die Bundestagswahl
Von Malte Lehming
17.9.2009 13:57 Uhr
Berlin, kurz nach der Wiedervereinigung: Im Penny-Markt am Kottbusser Damm steht ein sogen. „Ost – Deutscher“ ( Wort verändert, da beleidigende Wortwahl ) in der Schlange und schimpft: "Schon wieder in der Schlange stehen. Dafür ham wa nich rübergemacht." Vor ihm steht ein Türke und antwortet: "Wir euch nix gerufen."
[...]
Bei
den Ostdeutschen sieht das anders aus. Die Linkspartei etwa liegt in Umfragen
bei 25 bis 27 Prozent, während sie im Westen nur auf sieben Prozent kommt. In
allen fünf neuen Bundesländern scheint sich eine politische Parallelwelt
etabliert zu haben, auch mit regional zum Teil starken Ausschlägen in Richtung
NPD. No-go-areas, also Gebiete, die Ausländer möglichst meiden sollen, gibt es
zwar im Osten der Republik, aber nicht dort, wo überwiegend Migranten leben.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die jüngste Studie des Sozialverbands
"Volkssolidarität" (20 Jahre friedliche Revolution 1989 bis 2009 -
Die Sicht der Bürger der neuen Bundesländer"). Ihr zufolge sind 40 Prozent
der Ostdeutschen negativ gegenüber Ausländern eingestellt, eine Mehrheit fühlt
sich nicht oder noch nicht hinreichend "als Bundesbürger integriert"
(nur 25 Prozent fühlen sich als "richtige Bundesbürger"), zehn Prozent
wollen die Mauer wieder haben. Das Misstrauen gegenüber den politischen
Parteien wächst, die Loyalität zum demokratischen freiheitlichen Rechtsstaat
nimmt ab.
[...]
Noch ein Witz, diesmal ein ernster: Was ist der Unterschied zwischen einem Ausländer und einem Ostdeutschen? - Der Ausländer lässt sich leichter integrieren.
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/Bundestagswahl;art15890,2902044
All dies klingt böswillig, man möchte den „Ost – Deutschen“ haben, man reibt sich so gern an ihm, arbeitet sich an seinen Klischees ab, welche er haben muss, weshalb man ihn auch ständig beleidigt. Wenn Menschen, die mit diesem Vorurteil belastet werden, dann wider des gegen sie ausgerichteten Zorns gar die Union wählen, fällt dies nicht auf, da man immer auf die anderen, die kommunistischen verweisen kann.
Man höhlt diesen einen Stein mit vielen Tropfen bitterer Satire, welche schon bevölkerungsverhetzend genannt werden sollte, wenn man ehrlich ist.
Aber wie erklärt man es Leuten wie Malte Lehming, dass man Thüringer und aus diesem Grund Süddeutscher und CDU – Anhänger ist, es also auch nicht dulden kann, wenn die eigenen Mitmenschen in Thüringen beleidigt werden, als Kommunisten –, heißt Linkewähler verdächtigt, wo doch bekannt ist, dass die noch aus dem System über gebliebenen Betonköpfe immer gleich wählen und solche, welche hinzukommen ( wohlbemekt im Promillebereich ) wohl eher unterbelichtete Protestwähler sind? Wie geht man auf solche Leute wie Alice Schwarzer ein, die dann auch noch bagatellisierendes und vielleicht nur dem Anschein nach naives Verständnis dafür aufbringt, also den anderen Igel ( wenn man an das Märchen denkt ) zu verkörpern strebt?
Denn hat sich letztere bei „Hart aber fair“ gestern deutlich zu einer rot-roten Koalition geäußert, meinte doch, man solle die Alt – Kommunisten nicht ausschließen, nein, sie gehörten in eine Regierung, weil man ja nach der Wiedervereinung diese Menschen nicht verprellen könne.
Falsch! An sich möchte man als Mensch, der in Thüringen geboren wurde und sich gegen die Kommunisten bekennt, ernst genommen werden. Dieses immer wiederkehrende Verständnis für ein Votum links von der Demokratie hilft Leuten wie Malte Lehming, der sich lieber mit Alice Schwarzer auseinandersetzt als sich einmal in die Provinz zu den Menschen zu begeben. Denn wenn sogar die "Emma" - Herausgeberin schon so denkt, darf er - nach seiner Logik - wohl weiter an der Mentalität seiner „Ost – Deutschen“ festhalten, eindimensional und realitätsfern.
Wie soll man sich denn als Thüringer bedauernd über das SPD – Ergebnis äußern, ohne in den Verdacht zu geraten, Frau Ypsilanti damit unterstützen zu wollen? Man muss stets ein großes Bild von Dagmar Metzger hochhalten, damit klar wird, wie man seine Haltung verstanden wissen will.
Trotzdem wird bei Leuten wie Lehming und Schwarzer ein Verdacht bleiben, der unerträglich ist. Dabei hetzt der eine weiter unablässig und die andere zeigt skurriles Verständnis. Was ist schlimmer?
Entscheidend ist wohl am Ende nicht, wer mit einem selbst die gleiche Partei gewählt hat, sondern nur, wen man selbst aus eigenen Gründen wählen wollte. So gesehen, scheint das Wahlergebnis die Polarisierung voranzubringen, welche es aufzulösen gilt. Dennoch haben die Grünen sich zumindest auf Bundesebene dem linken Block erstmal verweigert. Das gibt Hoffnung, wenn die SPD sich bis 2013 diesen Weg nicht versperrt. Der Spiegel berichtet:
29.09.2009
Eigenständige Opposition
Grüne verweigern sich linkem Lager
Von Florian Gathmann
Sie haben ein Rekordergebnis geholt und sind trotzdem die kleinste Fraktion im Bundestag - die Grünen hadern mit ihrer Rolle. Keinesfalls will sich die Parteispitze in einen Oppositionsblock mit SPD und Linken pressen lassen: Eigenständigkeit jenseits der Lager ist das Ziel.
[...]
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,651863,00.html

