just another weblog

24.09.2013 um 13:08 Uhr

Zur Veranschaulichung

Einmal im Jahr, von Mitte September bis Mitte Oktober, wird eines der Strandbäder in meiner Stadt zum französischen Bistrot umfunktioniert. Serviert werden typischerweise Miesmuscheln mit hausgemachten Pommes. Dazu ein Glas Weisswein, etwas Baguette, der Sitzplatz auf dem grossen Floss, direkt auf dem Wasser.

 

Die Geschichte:

 

Letzte Woche war ich mit dem Meinigen dort. Es war angenehm warm, obwohl die Tage davor ziemlich verregnet waren. Wir hatten einen schönen Tisch erhalten, mit offenem Blick auf den See. Es hatte nicht zu viele Leute, auf jedem Metalltischchen standen kleine Kerzen, jeder Stuhl war mit einer kuscheligen weissen Decke bedeckt. Alsbald kam der Garçon und nahm unsere Bestellung auf. Die Muscheln und der Wein kamen, wir assen bedächtig, redeten über unsere letzte Reise und schmiedeten neue Pläne. Mit jedem Schluck Wein wurden die Blicke tiefer, und unsere Hände berührten sich beiläufig immer wieder. Nach dem Essen begaben wir uns auf den vorderen Teil des Flosses, der etwas abgeschottet vom Bistrot liegt, und schauten aufs Wasser. Zwischendurch brach die Wolkendecke auf und der Halbmond erleuchtete den See. Er stand hinter mir, hielt mich fest, bis ich mich umdrehte und direkt auf seine Lippen schaute, die er in dem Moment leicht öffnete. Wir küssten uns endlich, die Spannung hatte sich das ganze Essen über aufgebaut und nun waren wir hungrig nach uns. Er drückte mich leicht gegen das Metallgeländer und machte unmissverständlich klar, dass er Lust auf mich hatte, was ich mit einem leisen Stöhnseufzer quittierte.

 

Langsam kamen andere Pärchen zum Wasser, was uns dann etwas zu voll wurde. Wir machten uns also auf den Weg, die Seepromenade entlang, hielten uns an der Hand. Dort, wo die Bäume das Mondlicht verdeckten, hielten wir immer wieder an um zu knutschten, entsprechend haben wir für den sonst 10minütigen Weg eine gute halbe Stunde gebraucht. Zu hause angekommen, liessen wir die Lichter ausgeschaltet, durch die grossen Fenster konnte der Mond die Wohnung in sanftes Licht tauchen, was völlig ausreichend war. Nach einem kurzen Intermezzo auf dem Esstisch gingen wir ins Schlafzimmer über und hatten schönen, schwitzigen, atemlosen Sex.

 

Die Realität:

 

Letzte Woche war ich mit dem Meinigen dort. Es war angenehm warm, obwohl die Tage davor ziemlich verregnet waren. Wir hatten einen schönen Tisch erhalten, mit offenem Blick auf den See. Es hatte nicht zu viele Leute, auf jedem Metalltischchen standen kleine Kerzen, jeder Stuhl war mit einer kuscheligen weissen Decke bedeckt. Alsbald kam der Garçon und nahm unsere Bestellung auf. Die Muscheln und der Wein kamen, und der Meinige redete unablässig vom Büro. Ich guckte immer wieder aufs Wasser, zwischendurch lichtete sich die Wolkendecke und der Mond schien auf den See, zeichnete diese kleinen glitzerigen Wellen aufs Wasser. Der Meinige erzählte weiter, guckte auf mein Hinweisen kurz raus, stopfte sich ne Muschel in den Mund und erzählte weiter, von Berichten und der Schulung etc. Ich versuchte das Gespräch immer wieder auf andere Themen zu lenken, was mir nicht wirklich gelang.

 

Ziemlich fix nach dem Essen wollte er los. Wie gesagt, es war ein schöner Abend, der zum Sitzenbleiben verleitete. Ich wartete also draussen, während er bezahlte, auf der kleinen Holzbrücke. Von dort aus hat man einen tollen Ausblick über die Stadt. Er kam kurz darauf hinzu, fragte mich, was ich denn so gucke, und ich zeigte auf die Stadtlichter. Die fand er auch schön, und setzte sogleich im Stechschritt den Heimweg an.

Oo

Abgesehen davon, dass ich in Highheels nur schwerlich marschieren kann, war mir nicht ersichtlich, weshalb er so n Stress hatte. Darauf angesprochen meinte er nur, er könne nicht in meinem Schneckentempo über die Seepromenade laufen. Ich liess mich nicht beirren und schlenderte weiterhin, worauf er zwar sein Temp reduzierte, aber 'entspannt' und 'den Moment geniessend' ist definitiv was anderes. Zu hause schmiss sich dann jeder aufs Sofa, wahlweise mit PC oder Smartphone in der Hand, und so verlief der Abend tatsächlich.

 

Was mir fehlt? Was ich vermisse? Obiges. 

18.09.2013 um 17:07 Uhr

Die heutigen Einträge

findet der geneigte Leser hier:

 

http://lascincoies.wordpress.com/

16.09.2013 um 15:44 Uhr

Das könnte länger dauern

Ich gut 2 Wochen wechsle ich hier die Abteilung, weshalb ich mich der schönen Aufgabe: "Ausmisten" widme. Was ich alles für persönliches Zeugs auf dem Rechner habe, war mir gar nicht bewusst. Ich  habe alte skype*chats von U und mir aus 2007 gefunden. Und gelesen. Und Dreck. Alles wieder da. Fast auf den Tag genau heute haben wir 8 Monate nicht mehr miteinander gesprochen/geschrieben. Und es fühlt sich immer noch falsch an. Es muss doch irgendwann auch einfach gut sein, oder nicht? Es kann doch nicht sein, dass ich noch an ihn denke, dass ich mich frage, wie es ihm geht. Dass ein paar alte Zeilen noch so eine Wirkung auf mich haben. Dass ich sehr sehr insgeheim, insgeheimer als insgeheim hoffe, dass er sich mit der tante zu tode langweilt und sie verlässt. Wozu? Wäre ich ernsthaft in der Lage, alles stehen zu lassen, wenn er vor meiner Türe stünde? Ich weiss es ist nicht mehr das Gleiche. Wir sind nicht mehr die gleichen. Und trotzdem. Es bleibt ein Fragezeichen. Was wäre, wenn...

Und dann tue ich all dies ab mit wahlweise: es ist der nahende Herbst; es ist der Regen; es sind die Hormone;  es sind die Umstände. 

Ausreden? 

Hm. 

04.09.2013 um 09:54 Uhr

scheisswelt

montagabend ist der beste kumpel meines kleinen bruders gestorben. überraschend. hat sich im training schlecht gefühlt, ins krankenhaus gefahren, eine stunde später war er tot. 28 jährig. ein kräftiger, junger mann. sein sohn ist grad 5 monate alt. man vermutet eine vaskuläre ursache, wissen tut man noch nichts. es ist einfach nur zum kotzen. wie soll man sowas verstehen? wie soll man mit sowas umgehen? wird es mit dem alter einfacher? man hat in diesem falle gar nichts, woran man sich festhalten könnte. kein unfall, keine ungesunde lebensweise, kein draufgänger. einfach so weg, weil offenbar sein stündchen geschlagen hat. verdammte beschissene scheisse, das.

02.09.2013 um 14:37 Uhr

Urlaubsbericht

Wenig spannender Titel, da der Urlaub auch nicht spannend war.

Das Positive zuerst: 

-Das Wetter war 3 Wochen lang einfach nur geilgeilgeil. So richtig Sommer. Aufstehen mit blauem Himmel, brutzeln auf der Terrasse am Nachmittag, abends in der angenehmen Kühle noch was trinken. 

-Ich habe mehr Kontakt zu meinen Cousinen gehabt und daraus könnte ein schöner Kontakt entstehen. Bisher hatte ich nur mit den Kindern meiner Tante mütterlicherseits zu tun, die sind mir aber aus verschiedensten Gründen verleidet (insbesondere, da sie sich einen feuchten Dreck um unsere Grosseltern kümmern, ausser wenn sie Geld wollen. Deshalb war es eine sehr schöne Erfahrung, mit den Kindern meines Onkels väterlicherseits Kontakt zu knüpfen. Es ist halt so, dass man als Kinder gar nicht viel miteinander zu tun hat, wenn man nur paar Wochen im Jahr "zuhause" ist. Aber mittlerweile sind die jüngsten (Zwillinge) schon 24, studieren beide, sowie ihre älteren Geschwister, entsprechend kann man gute Gespräche mit ihnen führen. Wir haben viele ähnliche Ansichten und ich hoffe, dass sie ihr Versprechen halten und mich hier besuchen, wie schon ihre Schwester, welche momentan ein Austauschjahr im burgischen Lux macht. 

-Ich habe abgenommen. Passiert mir im Urlaub immer, obwohl ich wesentlich mehr essen. Grund: ich sitze keine 8h auf einem Bürostuhl rum, sondern bin unterwegs, das hält offenbar meinen Stoffwechsel auf Trab. Ausserdem ist mir aufgefallen, dass ich wesentlich weniger aufgebläht war in den 3 Wochen, und es kann eigentlich nur am Konsum von Milchprodukten liegen, welche ich im Urlaub kaum berühre, während ich im Alltag sehr viel Yogurt, Quark mit Müsli etc, esse. 

-Es geht den meisten gut.

-Ich konnte shoppen.

-Mein Opa väterlicherseits hatte 4 junge Welpen, war das ein Spaaassss ^^, und ein schwarzes Huhn mit lauter winzigen schwarzen Küken, die sahen alle aus wie Cali*meroo!

 

Das weniger Schöne:

-Wir hatten Handwerker im Haus. Die Terrasse im 1. Stock musste neu isoliert werden, entsprechen wurden wir jeden Tag von Sägen, Hämmern, Klirren gegen 8Uhr geweckt. Da soll nochmal einer sagen, in Spa-nien wird nicht gearbeitet ;)

-Wir haben nie Siesta gemacht.

-Der Geschirrspüler war kaputt. H A S S S S S S S

-Meine Oma ist nicht so fit. Sie ist 82 geworden und ist eigentlich sehr gut auf den Beinen, aber die langjährige medikamentöse Behandlung ihres Park Inson verursacht ihr eine unschöne Nebenwirkung: sie ist etwas paranoid. Insbesondere, was meinen Grossvater betrifft. Sie leidet enorm darunter und wir entsprechend auch. Deshalb haben meine Mutter und ich diesmal ihren Neurologen aufgesucht, welcher sie untersucht hat und eine Tabletten gegen diese Nebenwirkung verschrieben hat. Dadurch ist sie nicht mehr ganz so aufgewühlt gewesen, die Vorstellungen und das Misstrauen sind aber geblieben. Mal sehen ob das Medikamten mehr Zeit braucht. Leider ist es so, dass sie 3x am Tag ihre Medis nehmen sollte, sich aber keine der beiden Schwestern meiner Mutter Zeit nehmen will, einmal in der Woche das Tablettenkästchen aufzufüllen, damit meine Oma wenigstens eine gewisse Ordnung hat. Das ist aber wieder ein anderes Thema, die beiden Damen sind erwachsene Frauen, verhalten sich aber wie 15jährige, beleidgte Teenies. Nun denn, man kann nicht alles kontrollieren. 

-Meine Mama ging deswegen aufm Zahnfleisch.

-Ich konnte nicht so viel shoppen, wie ich wollte.

-Meine Aufregung vor den Flügen. Hab zwar meist gedöst und beide waren sehr ruhig, aber ich werd die Angst einfach nicht los.

-Meine Eltern sind mit dem Auto hin- und zurückgefahren. Was total scheisse ist, weil mein Papa aus gewissen Gründen solche langen Fahrten nicht machen sollte, aber nicht davon abzubringen war. Spanischer Stolz?

-Mein Bruder ist nicht mitgekommen.

 

Heute musste ich noch nicht ins Büro, was gut ist, denn ich schlafe im Stehen ein. Gääähn. Und natürlich werden wir die nächsten Ferien auch wieder dort verbringen, was soll man denn sonst, einfach den Rücken hindrehen wie die beiden Schwestern meiner Mutter können wir einfach nicht. Vielleicht erzähl ich mal von denen, eine der beiden ist eben die Mutter dieser leidigen Cousins, über die ich mir ständig die Haare raufen könnt. Aber nicht mehr heut.

Vom duty*free Einkauf bis zum Fressgelage - eine kleine Übersicht:  

Foto-2 Foto sunset1 sunset green street ria beach oldhouse grille santiago chipirones cheese Fisch

 

Auf dem letzten Bild ist neben dem Pulpo - Lady? :) - meine Tante, die Mama der lieben Cousinen, zu sehen. An dem Tag hat sie mir einen wunderschönen Silberring geschenkt, mit 2 winzigen Korallsteinchen und dem in Galizien typischen "azabache", ein schwarzer 'Stein' organischen Ursprungs.