just another weblog

09.05.2014 um 09:30 Uhr

ungut

Unguter Tag gestern.

Hatte Stress im Büro, am letzten Tag vor dem Urlaub würgt man noch alles rein, entsprechend war mein Hirn matschig an Feierabend.

Ich hatte mich mit dem besten Freund von U verabredet, wie alle halbe Jahre. War ein lauer Abend, er kennt die Stadt nicht wirklich, so zeigte ich ihm eine offene Badeanlage, die abends zur Bar mutiert. War wie erwartet voller Leute. 

Das erste Bier hab ich praktisch sofort geleert, mein Kopf fühlte sich an als würde es platzen und ich wollte mich schnell entspannen. Beim zweiten Bier hab ich mir etwas Zeit gelassen. Dass ich den ganzen Tag nicht viel gegessen hatte, spielte meinem kleinen Rausch natürlich toll in die Hände. Das dritte Bier hätte es nicht mehr gebraucht.

Wir haben gelacht, wir haben gequatsch und am Schluss haben wir uns geküsst.  Er wollte richtig knutschen, ich hab ihn dann aber mit Spässchen gebremst und die Sache verblieb beim Spass.

Meine Güte, das Geküsse ist ja an sich egal, aber was sollte das? Erst erzählt er mir den halben Abend von U, was ich eigentlich gar nicht mehr hören will, das werd ich ihm noch sagen müssen. U ist durch, ich will nichts mehr von ihm hören und schon gar nicht über Umwege. 

Zu hause hatte ich dann jedenfalls ein mieser Trip der besonderen Art. Weil ich den Eindruck hatte, das hier was aus dem Ruder läuft. Mir ist klar, dass ich die letzten Monate auf dem "just don't think about it" Zug fahre. Das merkt man daran, dass alles liegen bleibt. Ich war nicht mehr trainieren, ich bezahle meine Rechnungen total verspätet, ich mag nicht mal mehr meine Fingernägel lackieren. 

Ich hab einfach geheult, sass auf dem Sofa und heulte und der Meinige sass davor und guckte mir zu. Er war selbst unterwegs gewesen und hatte einiges intus. Und so kam tatsächlich sowas wie ein Gespräch zustande. 

Ich weiss, wo das Problem liegt. Ich weiss nur nicht, wie ich was ändern kann bzw wie ich damit lerne zu leben, dass man gewisse Dinge nicht kontrollieren kann und jederzeit loslassen muss. Ich trage seit 3 Jahren eine Last mit mir und in letzter Zeit hat meine Kraft nachgelassen. Zuhause setze ich die Maske der starken Frau auf, damit sich keiner in die Hosen macht; denn: wenn ich Schwäche zeige, dann ist das ein schlechtes Vorzeichen für den herrschenden Zustand. Ich bin müde und ich habe den Eindruck, alles nur durchstehen zu können, wenn ich ne Mauer aufrichte, dann kann ich mich daran wenigstens festhalten.

Ich fühle mich alleine und hab keinen mehr, der mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass alles gut wird. Zu hause gibt es diese Geborgenheit seit 3 Jahren nicht mehr und der Meinige ist zwar physisch da, kann mir diesen Halt aber nicht geben. Bzw meinte er gestern, ich nehme seinen Halt gar nicht an, ich sei unnahbar. Und das stimmt genau. Da muss ich ihm recht geben. Ich will nicht nachdenken und verstricke mich dabei in Ablenkungen. Ich bin einfach müde, ich vermisse die Unbeschwertheit, die ich vor 3 Jahren noch hatte. Jetzt muss ich dafür aktiv etwas tun, für die Unbeschwertheit. Sie ist nicht mehr 'einfach da', ständig ist mir bewusst, dass es ganz schnell gehen kann und alles läuft schief. Ich arbeite seit 3 Jahren daran und dachte, ich sei eigentlich weiter, aber jetzt grad ist es wieder beschissen. 

Aber was bleibt mir anderes übrig, als mich aufzuraffen und weiterzugehen? Ich höre auf zu reden und mache stattdessen. Nachher gehe ich ins Training, die Laufschuhe sind schon im Koffer, ich hab mich endlich bei der Singakademie gemeldet und um Termine für ein Coaching gebeten.

Erwachsen sein ist mitunter echt scheisse.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. TheNicciPain schreibt am 09.05.2014 um 10:15 Uhr:Ich kanns schon wieder nachvollziehen. Es nervt einfach nur noch. Am besten alles an die Wand schmeißen. Wenn es denn so einfach wäre...
  2. Rosa26Maus schreibt am 09.05.2014 um 10:44 Uhr:Deinen letzten Satz unterschreibe ich so.
  3. lady_bright schreibt am 09.05.2014 um 10:54 Uhr:Gefangen im Hamsterrad und irgendwann fragt man sich, wozu man überhaupt noch morgens aufsteht. Kenn ich leider auch. Man muss ja funktionieren und genau so fühlt es sich an. Man lebt nicht mehr, man funktioniert nur noch.
    In deiner Beziehung konntest du diesen Halt wahrscheinlich gar nicht finden, da sie schon länger nach demselben Muster abläuft.
    Sie lebt nicht mehr, sie funktioniert so vor sich hin, so lange keiner versucht, etwas daran zu ändern und der Deinige hat anscheinend auch keine größeren Ansprüche an eine Beziehung, als das sie eben da ist. Dir reicht das nicht, das verstehe ich vollkommen.
    Halt, Ausgleich, Reibung, Oase in der trockenen Alltags- und Arbeitswüste, all das sollte Beziehung auch sein.
  4. trinidad schreibt am 09.05.2014 um 18:51 Uhr:@nicci: eben. an welche wand überhaupt? am meisten nerv ich mich über mich selbst, weil ich mir völlig bewusst bin, wie mies ich momentan drauf bin und es mich trotzdem so viel kraft kostet, den arsch hochzukriegen.
    @lady: aber ich trag ja unweigerlich meinen teil dazu bei, dass diese beziehung nicht funktioniert. ich fühl mich einfach wie gelähmt und kann nicht entscheiden, ob ich kämpfen soll weil die beziehung eben auch wegen mir und meinen eigenen problemen nicht funktioniert, oder ob der käs grundsätzlich gegessen ist.
  5. argh schreibt am 10.05.2014 um 14:19 Uhr:ich kann die situation SOWAS von gut verstehen/nachvollziehen und ich sagen ihnen eins - nachdenken ist gut, aber man kann vieles auch ZERdenken. UND man sollte seine sich seine eigene zukunft nicht "einschränken", weil man aus "pflichtbewusstsein", "schlechtem gewissen" oder ähnlichem einfach nix ändert, weil man eben in seiner situation gelähmt ist. glauben sie mir - ich ärgere mich heute noch, dass ich bestimmte sachen entschieden habe oder auch aus rücksicht auf eine beziehung unterlassen habe, obwohl mir damals eigentlich schon LANGE klar war, dass das keine zukunft haben wird, nur weil ich nicht den arsch in der hose hatte und mehr an andere, als an mich selbst gedacht habe. auch wenn ich heute mit herrn a glücklich bin, so nagen bestimmte sachen immernoch an mir, bei denen ich denke "hätte ich damals nicht das und das gemacht oder so und so entschieden" und blarf...

    fragen sie sich nur zwei sachen - unabhängig von irgendwelchen typen usw. - können sie sich vorstellen, dass sie in genau einem jahr IMMERNOCH in der gleichen situation sind, IMMERNOCH nix geändert haben und was willst DU wirklich (!!!)? ob karriere, kinder oder whatever, aber ist DAS was DU willst mit der jetzigen lage vereinbar (heißt auch mit der derzeitigen beziehung) oder eben nicht.

    ich z.b. wusste, herr ex-a will auf biegen und brechen heirat, haus, hund und kind...schon immer...und am liebsten hätte er es gehabt, wäre ich schon während des studiums auf den zug aufgesprungen. ich habe das immer nur halbherzig abgebogen, weil ich ja schon irgendwann kinder will, aber eben noch nicht damals. wozu habe ich ein studium gemacht, wenn ich danach nicht arbeite? trotz allem habe ich mir so reinreden lassen, dass ich gute jobs abgelehnt habe, weil wir dazu hätten umziehen müssen bzw. ich hätte fahren müssen und der herr das nicht einsah. und so weiter...und alles, obwohl ich zu dem zeitpunkt eigentlich schon irgendwie wusste, dass ich mit DEM mann keine kinder will...und heiraten auch nicht...und ich depp habe trotzdem das blöde spielchen mit gemacht (und noch vieles mehr).

    mach dich also nicht durch stillstand unglücklich und vor allem - je länger du jetzt nichts änderst (egal woran) - umso mehr stehst du vielleicht auch mal da wie ich und ergehst dich in elenden hätte-wäre-wenn-gedanken. ;-)

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