Alles auf einmal
Tja. Wenn ich das so gewusst bzw. geahnt hätte, wäre ich wohl nicht so erstaunt gewesen.
Zuerst war ja alles wie immer. Die Jungs diskutierten über Dinge, die so garnicht zum Abend passten, und wir Mädels waren einfach nur zu müde um den Gesprächen zu folgen oder uns intensivst daran zu beteiligen.
Wie auch immer. Jedenfalls kam es dann halt irgendwie so aus meinem Mann heraus und .... die Nacht endete mit vielen Zweifeln, Tränen, endlich einmal ausgesprochenen Ängsten und Hoffnungen gegen 2 Uhr. Aufstehen musste er dann um 7 Uhr spaetestens wegen dem Frühdienst. Tja. Ich weiss, das er sich viele Gedanken macht. Aber, ich weiss nicht, wie ich ihn im Moment weiter aufbauen kann als das ich ihm einfach nur sage, das es garnicht so schlimm ist, wie er es sich malt. Wir haben eigentlich großes Glück. Uns geht es gut. Wir sind Gesund. Wir haben mal mehr oder minder nervigere Familien um uns herum, die auch alles, vielleicht manchmal zu viel, tun würden. Wir sind auch alt genug, um Entscheidungen selbst treffen zu können. Er ist ein starker Charakter. Aber, irgendwie ist ihm das alles zu viel im Moment. Er ist ein Gewohnheitstier, das aus seinem Alltag gerissen wurde. Und jetzt schwimmen muss. Aber, leider vergisst er über all dies die Arme zu bewegen um vom Fleck zu kommen. Um nicht unter zu gehen. Er wurde ins Kalte Wasser geworfen. Aus einer Dummheit heraus, die ihm sicherlich nach wie vor irgendwie auf den Füßen steht und ihn nicht weiter laufen lässt. Obwohl er es könnte. SIcherlich, ist die Situation nicht die Glücklichste. Ist sie nie. Wenn man von heute auf morgen gekündigt wird. Aber, er weiss doch, was er kann. Er hat das doch eine so lange Zeit schon gemacht. Es ist nichts anderes. Es nur ein neuer Arbeitgeber. Mit anderen Anforderungen. Die fuer ihn doch nur gut sein können. Er wird ja nicht dümmer davon, wenn er neues Lernt. Gern würde ich ihm die Angst vor der Zukunft nehmen. Nur weiss ich nicht so recht, wie ich es ihm noch deutlicher machen kann? Mein Zustand ist im Moment wohl ein wenig "hinderlich" um ihn zu 100% zu verstehen. Denn ich bin im Moment der Meinung, das alles gut werden wird. Und es geht anderen Menschen immer noch viel Schlechter als uns. Er will mir etwas bieten können. Aber diese Dinge, die er bieten sollte, kann man nicht mit Geld kaufen. Das hab ich ihm auch gesagt. Diese Angst, etwas von einem "Status" aufzugeben, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich weiss nicht, was er damit meint. Und diese Angst, etwas "einbüsen" zu müssen, kann ich ihm auch nicht mit meinen Worten nehmen. Was schade ist. Ich würde es so gern tun. Er macht sich natürlich auch Gedanken um mich. Und besagten Zustand. Wohl auch noch ein Grund, warum er nicht mit mir über seine Angst so redet, wie es gestern Abend dann endlich aus ihm heraus geplatzt ist. Viel zu spaet. Viel zu lange hat er es in sich hinein gefressen. Das kann auf die Dauer so auch nicht gut gehen. Weder für ihn, noch für mich.
Meinem Bauch ging es dann heute Nacht natuerlich auch nicht so gut. Wie auch, wenn die kleine mitbekommt, das da draussen etwas vor sich geht. Das hab ich ihm allerdings nicht gesagt. Tja. Bin wohl keinen deut besser. Aber, das wäre dann wohl ein weiterer Tropfen auf einem Fass gewesen, was überquoll. Es hätte weitere Zweifel und Vorwürfe mit sich gebracht.
Er ist stark. Er wird das schaffen. Er darf sich nur nicht unter Druck setzten - lassen. Weder von mir, noch von seinen Eltern und am wenigstens von sich selbst. Er muss die Zeit finden, die er sich fuer das neue geben kann. Nicht alles auf einmal wollen. Und Gefahr laufen, am Ende doch alles wieder zu verlieren. Das weiss er, sonst würde er sich nicht diese Gedanken machen. Leider bin ich mir nicht sicher, ob und wie weit ich ihm dabei helfen kann. Klar, ich bin anwesend. Hoere zu. Bin für ihn da. Wir sind verheiratet. Ich habe mich fuer ihn entschieden. Er muss es nicht weiter hinterfragen. Warum gerade er. Ich hätte doch etwas besseres verdient.
Was wäre denn besser?
Ach menno. Vielleicht liegt es einfach an der Weihnachtszeit, die uns Menschen so sentimental stimmt. Vielleicht liegt es an der Gesamtsituation. Hätte, Wenn, Aber.....
Die Kursleiterin vom Geburtsvorbereitungskurs meinte Unabhänging von "unserer Lage" wir sollten doch eine "Hausaufgabe" machen. In der wir unserem Partner einen Brief schreiben. In dem wir ihm alles erzaehlen, was uns im Moment durch den Kopf geht. Diesen sollten wir bei ihr abgeben und sie würde ihn nach der Geburt an uns weiter leiten. Diese Hausaufgabe werde ich sicherlich so nicht erledigen. Aber, vielleicht sollte ich ihm diese Zeilen hier zeigen.
Ich bin für Ihn da. Er ist für mich da. Wir sind eine Familie. Das kleine Etwas steht kurz davor, unsere Wohnung zu füllen und unser Leben perfekt zu machen. Sicherlich darf man Angst haben. Vor Heute und vor Morgen. Das Gestern jedoch sollte man hinter sich lassen. Und sich auf Morgen freuen. Egal, was Morgen vor uns bereit hält. Wir sind zusammen. Wir haben uns (und die Wirtschaftskrise). ;o) Uns geht es viel besser, als wir uns eingestehen wollen, wenn es uns schlecht geht. Wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen, aber, wir sollten uns diesem Neuen stellen. Es bringt uns nicht um. Nicht jetzt, nicht heute, nicht morgen und auch nicht gestern. Im Gegenteil. Es macht uns stärker. Es formt uns. Es ist.....
Das Leben.
Glaub ich.



Als ich kurz vor der Geburt stand, war AF auch kurzzeitig ohne Arbeit und dachte, er könne uns nix Bieten. Aber das Materielle rückt in den Hintergrund. Man kommt auch mit sehr wenig klar, ich weiß, wovon ich spreche. Viel wichtiger ist, Da-zu-sein. Zu Helfen, Arbeit ab zu nehmen ...
Und ich wette: dass Weihnachten nun auch vor der Tür steht, drückt ebenfalls auf die Stimmung. Aber das wird alles, wirste sehen. Ich drück Euch die Daumen!!
Da spricht so viel Herz raus, so viel Liebe - ich denke, es würde ihn glücklich machen, das hier zu lesen.
Alles wird gut, sag ihm das! :-)
aber ich verstehe auch seine ängste ... eine kündigung zu diesem zeitpunkt ist immer niederschmetternd - im frühling wäre alles halb so wild gewesen. auch der gedanke, euch weniger bieten zu können, kann ich gut verstehen, wenngeleich ich nun seit anderthalb jahren auch sehe, dass man mit viel weniger auskommen kann, als man denkt. es macht nicht ganz so viel spaß, wenn man immer auf´s konto schauen muss, aber man lernt die dinge zu lieben, die man nicht kaufen kann. einfach zeit zu haben, sich zeit zu nehmen, ohne geld ausgeben zu müssen - man bekommt einen anderen winkel auf´s leben, ich möchte fast behaupten, einen besseren!