Das Leben ist eine Baustelle

02.07.2007 um 13:01 Uhr

Ist die Mülltrennung überhaupt noch sinnvoll?

DEFINITIV: JA (Meine Meinung!) 

"Weg mit dem gelben Sack"

 
Seit Monaten ringt die Bundesregierung um eine Reform der Verpackungsverordnung. Tüten, Tuben und Tetrapacks sollen künftig alle geregelt entsorgt, Schlupflöcher geschlossen werden. Doch ist die Mülltrennung überhaupt noch sinnvoll? Statt das Duale System zu stärken, fordern Experten längst die Abschaffung. Bis zu 50 Prozent des Mülls landen ohnehin in der falschen Tonne.

Von Claudia Thöring, tagesschau.de

Deutschland ist Weltmeister beim Mülltrennen. Die Einführung des Grünen Punkts im Jahr 1990 galt als zukunftsweisend und umweltpolitisch vorbildlich. "Damals gab es zu wenig Deponien und zu wenig Verbrennungskapazitäten. Das Duale System wurde geschaffen, als wir einen Müllnotstand hatten. Und das war damals ein richtiger Schritt", sagt Prof. Klaus Wiemer, Leiter des Fachgebiets für Abfallwirtschaft und Altlasten der Universität Kassel. "Heute ist man allerdings technisch viel weiter. Und das ganze System ist reformbedürftig."

Während Maschinen inzwischen in der Lage sind, Müll exakt zu sortieren, sind die Verbraucher damit offenbar immer noch überfordert. Bis zu 50 Prozent der Abfälle landen in der falschen Tonne, vor allem in Großstädten. "Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass im Restmüll mehr Verpackungen mit Grünem Punkt gefunden wurden als in der gelben Tonne", sagt Gunnar Sohn, ehemaliger Pressesprecher des Dualen Systems Deutschland und heute Herausgeber eines kritischen Umweltmagazins.

Ressourcen liegen brach

Warum also nicht gleich die gelbe Tonne abschaffen und den Müll wieder zusammenführen? Genau das wäre der richtige Schritt, ist Gunnar Sohn überzeugt. Er fordert daher: "Weg mit dem gelben Sack! Heute ist es technisch möglich, alles verwertbare Material aus dem Müll zu holen, nicht nur Verpackungen. Was über den Grünen Punkt gesammelt wird, ist von der Menge her lächerlich." Diese Überzeugung teilt auch Abfall-Experte Wiemer: "Es könnte viel mehr verwertet werden als jetzt. Da liegen Ressourcen in hohem Maße brach."

Das Duale System Deutschland in der Krise: Selbstentsorger und Trittbrettfahrer machen dem Dualen System zunehmend das Leben schwer. Studien zufolge kommt jede vierte Verpackung bereits ohne Grünen Punkt in den Handel. Weil immer mehr Müll in den gelben Tonnen unbezahlt ist, drohen dem Grünen Punkt rote Zahlen. Branchenexperten schätzen die Finanzierungslücke auf rund 300 Millionen Euro.

Deshalb soll nun die Verpackungsverordnung geändert werden. Geplant ist ein Zwangsanschluss an die Dualen Systeme für alle Unternehmen, die Verpackungen für Endverbraucher in Umlauf bringen. Selbstentsorgerlösungen sollen nur noch im (groß)gewerblichen Bereich zulässig sein. Wirtschafts- und Umweltministerium ringen noch um die Details dieser neuen Verordnung. Ursprünglich war ein Beschluss vor der Sommerpause geplant.

Während Experten die Existenzberechtigung des Dualen Systems in Frage stellen, hält Heike Schiffler, Pressesprecherin des Dualen Systems Deutschland (DSD) dagegen. "Die Trennung von Restmüll und Verpackungsmüll macht weiterhin Sinn. Denn der Feuchtigkeits- und Schmutzanteil im Restmüll ist viel höher. Da klebt der Müll zusammen. Faktisch ist keine Sortiermaschine bisher in der Lage, Leichtverpackungsgemische zu trennen. Eine qualitative Verwertung ist daher zurzeit nicht möglich."

"An die Mülltrennung gewöhnt"

Untersuchungen, ob das Trennen von Müll überhaupt noch sinnvoll ist, gab es in den vergangenen Jahren mehrere - ohne eindeutige Empfehlungen. "Manche wollen die gelbe und die schwarze Tonne wieder zusammenführen. Ein klarer Vorteil für die Umwelt ist aber nicht nachgewiesen und auch nicht, dass es insgesamt genauso gut funktioniert", sagt Maike Janßen, Verpackungsexpertin beim Umweltbundesamt. Die Kosten wären etwa gleich, und die Deutschen haben sich an die Mülltrennung gewöhnt. Das System funktioniert. Warum also soll man es dann wieder abschaffen für etwas Neues, das möglicherweise nicht so gute Ergebnisse bringt?"

Fest steht: Die Technik wird sich weiter verbessern. Und damit scheint die Wiedervereinigung von gelber und schwarzer Tonne nur noch eine Frage der Zeit.

©http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID7035226_REF1,00.html

 

Na wunderbar... sonst noch Probleme?

Vielleicht sollte man sich dann lieber darum kümmern, das nicht mehr 50% des Mülles falsch landen. Immerhin habe ich es meinem Herrn im Haus auch (zu 70%) beibringen koennen, was in welche Mülltonne gehört. Und das man Zeitungen und Flaschen getrennt zum Hausmüll entsorgen kann...

ARG...

Immer den Weg des Geringsten Widerstandes gehen. Klappt eh nicht, also weg damit...

Flachnasen!

Sonstige

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensandymaus schreibt am 02.07.2007 um 13:26 Uhr:Ich arbeite bei der Müllabfuhr, bin also sozusagen vom Fach :)
    Warte mal ab, wenn alles wieder in der Restmülltonne landet, wie schnell die Bürger dann über die gestiegenen Kosten meckern.

    Auch wenn 50 % falsch sortiert wird (was definitiv nicht stimmt!!) wird von den 50 % 45 % aussortiert! (versteht jemand, was ich sagen will *lach*)

    Der gelbe Sack ist für die Bürger kostenlos also können die sich auch etwas anstrengen, richtig zu sortieren.
    In vielen Kommunen wird die Restmülltonne schon verwogen. Ist da viel drin, muss mehr bezahlt werden. Also kann der Bürger doch eigentlich von der korrekten Sortierung nur profitieren.
  2. zitierentwentysixseven schreibt am 02.07.2007 um 13:37 Uhr:DANKE. soetwas wollte ich hoeren.
    Nicht das es halt 1. auf die Menschen bei den Kosten umgeschlagen wird. Ich meine. Wo ist das Problem, nen Jogurtbecher und die Milchpackung anders zu sortieren als alte Pflanzen und derartiges... Es sollte doch nicht das Problem sein... *Aufreg*

    von 50% werden 45% wohin aussortiert? Es wird also von dem schon getrennten Müll (vorausgesetzt es klappt) nochmal getrennt?
    Oh man, es kann doch nicht so schwer sein... *heul*

    DANKE dir
  3. zitierensandymaus schreibt am 02.07.2007 um 14:38 Uhr:Die Sachen aus der Gelben Tonne/Sack kommen in eine Sortieranlage. Dort stehen arme Schweine am Band, wo das Zeug lang kommt, und sortieren das aus, was halt nicht reinkommt. Das wird dann entweder recycelt (z. B. Papier) oder kommt in die Brenne (normaler Müll).
    Ganz schlimm war mal ein Fall, den ich aus der Zeitung kenne. Da war in einer Tonne von einem Restaurant ein Eberkopf drin *würg* Oder die tollen Babywindeln bei 30 °C im Schatten.
    Meine armen Jungs hier müssen wirklich einen Magen aus Stahl haben. Als Azubi durfte ich auch 4 Wochen mitfahren und war nach den 4 Wochen echt bedient.

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