"Löwenherz"
Ausdrucken, Zusammenfalten, in die Hosentasche stecken, wenn man es braucht, herausholen und sich gut fühlen!
DANKE Xenia
Das Löwenherz
Ein Löwe liegt in seinem Käfig,
nicht gut gelaunt und äußerst schläfrig.
Da hoppelt flink ein Has’ heran,
dicht vor dem Käfig hält er an.
Der Hase denkt: „Das arme Tier
ist eingesperrt im Käfig hier,
verdammt zur Tatenlosigkeit,
der wär’ doch sicher gern in Freiheit.“
Da fällt dem Hasen etwas ein.
Laut ruft er: Löwe, lass’ mich rein!
Hör bitte zu und sei kein Tor,
ich schlage ein Geschäft dir vor.
Ganz langsam hebt der Leu den Kopf:
„Was willst du denn, du armer Tropf!“
Der Hase spricht: „Du bist mein Vorbild,
vor dir läuft weg das edle Wild.
Nur einmal möcht’ ich sein wie du,
drum höre ganz genau mir zu.
Dafür brauch’ ich dein Löwenherz,
nein, dies ist kein verrückter Scherz.
Mein Hasenherz, das geb’ ich dir,
es schadet dir gewiss nicht hier,
dein Löwenherz, das gäb’ mir Mut.
Am nächsten Tag mach’ ich es gut
und revanchiere mich dafür.
Ich öffne dir die Käfigtür
und gebe dir dein Herz zurück.
Dann bist du frei und machst dein Glück.
Der Löwe nimmt den Vorschlag an.
Mit dessen Mut läuft’s Langohr dann
geradewegs zu seinem Feld
und fühlt sich wie ein großer Held.
Dort zielt ein Jägersmann auf ihn.
Wird nun der Hase vor ihm flieh’n?
Nein, zornig geht er auf ihn zu,
ruft laut: „Heut’ lässt du mich in Ruh“,
schlägt ihm die Flinte aus der Hand,
der Mann wird weiß wie eine Wand
und läuft dem Hasen schnell davon.
Der ruft ihm nach in bitt’rem Ton:
„Nie wieder wirst du Tiere jagen,
von nun an werde ich dich plagen!“
Ganz stolz läuft er zum Käfig hin,
der Löwe wartet schon auf ihn
und wird vom Hasen schnell befreit.
Sie trennen sich. Nach kurzer Zeit
ist’s Langohr wieder auf dem Feld.
Ja, gestern hat er noch als Held,
den Jäger in die Flucht geschlagen.
Soll er denn heute schon verzagen?
Da geht ihm auf ein helles Licht:
„Ich brauch’ das Löwenherz ja nicht!
Die Angst, ich lass sie nicht mehr zu,
und das ist alles, was ich tu’.
Vor der Gefahr lauf’ ich nicht weg,
denn sowas hat ja keinen Zweck.
Ich schau’ ihr mutig in’s Gesicht.
Ein Angsthas’ bin ich nämlich nicht!“
copyright by Xenia


