Das Leben ist eine Baustelle

19.06.2006 um 16:54 Uhr

einen Koffer

von: twentysixseven   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: heiter
Musik: CRUCIFY - Tory Amos (Album: Little Earthquakes)

Wegwerfgesellschaft, Ellenbogengesellschaft, Egoismus, Ausbeutung, Tristes, Überflutung, Konsumgüter - Alltag.

Warum hänge ich an zu vielen Dingen, die bei weitem nicht so wichtig sind, wie sie mir scheinen. Warum fällt es dennoch so schwer, sie loszulassen. Sie gar nicht erst "anzufassen", wenn sie noch weit genug entfernt sind? Haben wollen. Um jeden Preis, auf das die Wohnung aus allen Nähten platzt. Doch um wirklich glücklich zu sein, braucht man keine teuren Konsumgüter. Man braucht sie eigentlich fast nur, um sich wohl zu fühlen.

Manchmal stelle ich mir vor, ich hätte nur einen Koffer, in dem ich all das verstauen müsste, was mir wichtig ist. Ich glaube, dass man all das in nur einem einzigen Koffer unterbringen kann. Man muss sich nur vertrauen. Man muss sich trauen etwas aufzugeben. An das glauben, was einem wichtig ist. Allen anderen Ballast von sich abwerfen.

Leider ist das nicht so einfach. Es gehört mehr dazu, als nur loszulassen. Gewohntes gibt man nicht so leicht auf, gewöhnliches vielleicht schon eher. Doch, wo beginnt gewohntes gewöhnlich zu werden?

Je mehr wir streben, umso schlimmer wird. Je mehr wir sehen, umso schwerer wird der Verzicht. Das wir es vermissen, wenn wir es nicht hätten, zeugt von schweren „Schädigungen“. Wie oft stand man einfach nur so da, inmitten der Natur, an einem See, an einem Meer, mit weit ausgebreiteten Armen, den Wind in den Haaren, die Sonne auf der Haut? Was genau denkt man in diesem Augenblick? „Was will ich mehr! Das ist alles, was ich will. Was ich brauche!“ Wir sind zufrieden mit dem, was wir haben.

Ich will mich von meiner Last nicht frei sprechen. Die liegt in mir. Sie liegt wohl in jedem von uns. Wenn wir uns dessen bewusst werden, dann fällt es uns schwer, es zuzugeben. Denn, wir sind es ja nicht anders gewöhnt. Wäre es nicht ein Teil von uns, würden wir auch leben. Und es würde uns nicht stören, das wir etwas nicht besitzen.

Dennoch, ich wünschte, ich hätte diesen Koffer; doch, um glücklich zu sein, muss man sich auch wohl fühlen

 


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