ungebremst ins Chaos

12.04.2018 um 23:52 Uhr

Rennschnecke am Start

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Startnummer für das Laufhighlight des Jahres liegt auf meinem neuen Sofa und erinnert mich daran, dass es in nicht mal zwei Wochen los geht. Ich freue mich drauf. Zumindest so lange ich nur an diesen Lauf denke und dabei nicht mein Ergebnis von vor 4 Jahren mit einbeziehe. Dann werde ich nämlich frustriert und habe keine Lust mehr.

Meine "Leistung" verdient es momentan nämlich nicht, als ebensolche bezeichnet zu werden. Ich meine, ich weiß ja, warum es bei mir nicht so richtig läuft - megamäßiger Trainingsrückstand durch psychische Löcher und die dusselige Bandscheibe sowie ein paar mehr überflüssige Pfunde (aus denselben Gründen - ich sag nur: Frustschokolade). Und wenn man es von der Seite betrachtet, bin ich gar nicht so schlecht. Also habe ich beschlossen, es genau von dieser Seite zu betrachten. Was mir zwar schwer fällt, aber immerhin dafür sorgt, dass ich weiter zum Training gehe anstatt mich heulend mit Schokolade auf dem neuen Sofa zu vergnügen.

Heute beim Training war ein Tempolauf angesetzt. Zumindest für die anderen, ich durfte mein persönliches Schneckentempo weiterlaufen. Unser Trainer (der eigentlich gar kein Trainer ist, aber trotzdem die Anfänger auf Vordermann bringt) hat sich beinahe noch dafür entschuldigt, dass ich den anderen hinterherlaufen musste. Dabei war ich nach dieser Ansage mehr als erleichtert, schließlich hat es mich die letzten Male doch ziemlich gestresst, dass die anderen die meiste Zeit hinter MIR herlaufen mussten und so konnte ich wenigstens mein Tempo laufen. Es stört mich komischerweise gar nicht, dass die anderen schneller sind als ich. Hat es nie. Auch nicht, als ich noch schneller war als jetzt. Weil ich eine andere Einstellung zum Laufen habe. Ich möchte einfach nur ankommen während die anderen sich meistens irgendwelche Zeiten vornehmen. Dazu fehlt mir der nötige Ehrgeiz.

Die Stimmung in der Gruppe ist hervorragend. Wir werden als recht großer Trupp an dem Lauf teilnehmen, dafür gibt es extra neue Laufshirts, quasi unsere Uniform. Ich freue mich drauf.

Mir bleiben ja noch ein paar Tage zum Trainieren und wenn dazu noch das eine oder andere Pfund verschwindet, wäre ich darüber auch nicht besonders unglücklich. Läuft nämlich gerade ganz gut mit der gesunden Ernährung.

10.04.2018 um 23:34 Uhr

Beruhigende Erkenntnis

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Seit meine BFF (best friend forever, nur für den Fall, dass jemandem diese Abkürzung aus Altersgründen nicht geläufig ist) einen Hund hat, sehen wir uns öfter. Weil sie nämlich auf ihrer Hunderunde bei mir klingelt und mich zwingt mitzukommen. Nein, sie zwingt mich natürlich nicht, aber ohne sie würde ich mir manchen Spaziergang wohl verkneifen. Heute saßen wir nach einer kleinen Runde bei ihr in der Küche und unterhielten uns über alles mögliche. Also auch über den neuesten Dorftratsch. Ich bin nicht der größte Fan von Tratsch, aber da ich gerade mehr Zeit zu Hause verbringe als mir lieb ist und ich somit tendenziell zur langsamen Verdummung neige...

Jedenfalls sie hat mir erzählt, dass ihre Ex-Nachbarin ihr erzählt hat, dass sie gesehen hat, wie eine gemeinsame Bekannte morgens um 8 recht derangiert auf dem Weg nach Hause war - obwohl sie eigentlich nur eben jemanden zu seinem Schlafplatz bringen wollte. Wie drückte meine Freundin sich aus? "Y hat rumgevögelt".
Ihr versteht warum ich kein Fan von Tratsch bin?
Weil ich der Meinung bin, dass es a) mich nichts angeht was andere so tun so lange es nicht mich betrifft und ich b) mir lieber nicht vorstellen möchte, wie die Leute über meine moralischen Aussetzer reden.

In diesem Fall fand ich diese Aussage allerdings erschreckend beruhigend und meine erste Reaktion war "Gott sei Dank, ich fühle mich jetzt gerade echt besser".
BFF: "Wieso?"
Ich: "Ich hab nicht rumgevögelt." (Gut, ich unterstelle gerade, dass die Bekannte es getan hat, was eigentlich nicht okay ist. Und möglicherweise haben andere trotzdem ähnliches über mich gesagt, aber im Grunde genommen geht es ja nur darum, dass ich mir bislang irrationalerweise eingeredet habe, dass ich die einzige verheiratete Frau im Umkreis mit ähnlichen Entgleisungen bin und nun offenbar der Gegenbeweis angetreten wurde).

So führte uns das Gespräch unweigerlich zu Jan und dem, was zwischen uns war oder nicht und wie  bescheuert er sich benommen hat.
Bis mich meine Freundin plötzlich fragte ob ich mit M. (einem ähnlich jungen Mann wie Jan) auch rumgeknutscht hätte.
Ich (ganz perplex): "Mit M.? Nein, habe ich nicht. Wieso? Hat das auch irgendwer erzählt."
Ich sah, wie sie überlegte was sie darauf antworten sollte und das tat sie einen Augenblick zu lang.
Ich: "Du denkst darüber nach, also ist die Antwort ja."
BFF: "Ja."
Ich erfuhr dann auch wann das gewesen sein sollte und wer das Gerücht verbreitet hatte, aber ich war weder überrascht noch schockiert. Eher belustigt.

Wenn ich jetzt jedoch darüber nachdenke bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich das grandios lächerlich finden soll (höchstwahrscheinlich ja) oder ob ich mir Sorgen um meinen Ruf machen sollte (höchstwahrscheinlich nein, denn: ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert. Mal abgesehen davon gehe ich tatsächlich davon aus, dass die meisten Dorfbewohner genug Verstand haben um zwar einiges für möglich zu halten aber gleichzeitig zu wissen, dass hier auch schnell aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Ich kenne mich aus mit Mücken und Elefanten...).

Das ist alles so typisch Dorf.
Echt.
Es ist hier wirklich so.
Deine Mitmenschen wissen Dinge über dich, die du selbst nicht weißt.
Finde dich damit ab und halte es mit den Pinguinen aus Madagaskar "Stur Lächeln und winken, Männer".

In diesem Sinne gehe ich jetzt mit einem amüsierten Lächeln schlafen.

06.04.2018 um 10:00 Uhr

unerklärliches Ausflippen

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Es sind nun etwa vier Monate vergangen seit der Beschluss steht, dass ich einen Hund bekommen werde. Und ich freue mich drauf. Wirklich. Sehr.
Mama Hund ist seit knapp 5 Wochen trächtig und die Züchterin hält die Hundebesitzeranwärter per WhatsApp auf dem Laufenden. Das finde ich auch super. Echt.

Aber alle anderen inklusive einer meiner besten Freundinnen bekommen seit der Läufigkeit von Mama Hund bei jeder WhatsApp-Nachricht, jedem Foto oder auch einfach nur so diese "ooohhh das ist alles sooo toll", "ich freu mich ja so", "knuddelt Mama Hund von mir", "ich bin ja sooooo aufgeregt"- Anfälle. Und ich denke jedes mal nur "echt jetzt Leute, ihr seid erwachsen und es ist nur ein Hund".

Ich hab Anfälle in der Art vor Dates. Nicht dass ich sonderlich viele davon hätte. Oder das jedes Date dererlei Anfälle auslösen würde. Nur die wichtigen.

Und bevor jetzt einer anfängt mit "aber ein Hund ist ein Familienmitglied"... Ja. Das wird er für mich auch sein. Genau wie meine Katze die mittlerweile 10 Jahre alt ist und zickig wie eine Diva. Aber deshalb mache ich nicht so einen Zirkus. Ehrlich, ich kann Leute die sowas tun nur schwer für voll nehmen. Ich hoffe, wenn ich dann Hundemama bin finde ich ein paar Hundebesitzer die nicht so merkwürdige Anwandlungen haben...

18.03.2018 um 12:34 Uhr

Manchmal braucht man Gruppenzwang

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Im Grunde genommen bin ich ja an allen Fronten eher ein Einzelkämpfer. So nach dem Motto: Es wird nur so, wie ich es haben will, wenn ich es selber mache. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich einfach kein Gruppenmensch bin. Ich geh da immer unter weil ich so nett und lieb und schüchtern bin. Und weil man dort auf erschreckend viele Menschen trifft, mit denen man einfach nicht warm wird.

Doch dann gibt es da die Laufgruppe. Die Gruppe, die mich in den letzten zwei Jahren erschreckend wenig gesehen hat, mich aber immer noch wie ein vollwertiges Mitglied behandelt. Findet man ja selten. Überhaupt ist diese Gruppe einfach mega weil der gegenseitige Respekt oder besser gesagt die Anerkennung der individuellen Leistungsfähigkeit so ausgeprägt ist. Heißt konkret, dass unser mehrmaliger Landesmeister mich Schnecke mit der roten Laterne genauso als "Läufer" anerkennt und ich es ohne Neid großartig finde, wenn er mal wieder ne gute Zeit läuft oder einen Meistertitel mit nach Hause bringt.

Naja, jedenfalls habe ich mich letzte Woche durch das Zusammenraffen sämtlicher noch auffindbarer Willenskraft (Anmerkung: im Prinzip gehts mir gerade ganz gut, aber die Depression verwandelt meinen Körper in einen monströsen Betonklotz, der sich nicht gerne bewegt) in meine Laufklamotten gezwängt und bin zum Training gefahren. Dort wollte ich dann irgendwie die 5 Kilometer schaffen um so langsam mal wieder was wie eine "Laufleistung" aufzubauen. Das Dumme war nur, dass wir es dort gerade etwas "professioneller" angehen lassen und ich somit total aus meiner Komfortzone rausmusste.

Heißt:
1. Ich muss die Truppe anführen (Regel Nr.1: der langsamste bestimmt das Tempo)
2. Wir laufen nach Zeit und nicht nach Kilometern (ich durfte also nicht die bevorzugte STrecke laufen sondern wurde umgeleitet)
3. Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kannst du immer noch 4 Kilometer laufen

Insgesamt kam ich also nach über einer Stunde und mehr als 8 Kilometern wieder an der Sporthalle an. Asthmaanfall auf der Strecke inklusive (weil ich irgendwann darüber nachgedacht habe, wie sehr ich Schnecke den Verkehr aufhalte... Ich laufe lieber den anderen hinterher, das setzt mich weniger unter Druck. Denn aus der Phase "Ich muss die noch einholen" bin ich lange raus). Allerdings hätte ich ohne die Gruppe die 8 km nie geschafft bzw. hätte sie gar nicht erst probiert. Und hätte mich schon gar nicht auf ein samstägliches Bahntraining festnageln lassen.

Ich war also gestern bei nahezu arktischen Temperaturen auf dem Sportplatz und drehte auf der mir seit Schulzeiten sehr verhassten Tartanbahn meine Runden. 10 waren mein Ziel, nach 13 bekam ich die Erlaubnis, aufzuhören.
Gruppenzwang halt.

Aber so wird das vielleicht noch was mit mir.
Und dem Laufen.

05.03.2018 um 19:57 Uhr

Augen zu und...

... gebucht :)

Als im letzten Herbst meine Lieblingsfinnen von Sunrise Avenue auf eine kleine Clubtour gehen wollten, war ich fest entschlossen, mir mindestens ein Konzert zu gönnen. Leider konnte ich gar nicht so schnell gucken, wie meine bevorzugten Tourorte ausverkauft waren. So ist es halt, wenn ein einstiger Geheimtipp plötzlich Stadien füllen kann. Aber okay, für dieses Frühjahr war schließlich auch eine Tour angesagt. Als ich dafür die Preise gesehen habe, habe ich allerdings wochenlang mit mir gehadert, weil ich eigentlich nicht gewillt bin 70 Euronen für anderthalb Stunden Musik hinzulegen. Früher....

Ja, früher habe ich für schlappe 30 D-Mark (für jemanden, der 30 Mark Taschengeld bekommt auch nicht gerade wenig) ein Konzert der Toten Hosen besucht UND auf besagtem Konzert Campino angefasst! Früher bin ich 3 Stunden durch die Niederlande gefahren weil mich ein Sunrise Avenue Konzert 13 Euro gekostet hat und hab danach wie ein Hardcore-Fan am Bus gestanden bis ich die wichtigen Autogramme hatte.

Aber okay, so ist das eben. Marktwirtschaft.

Nachdem ich heute so durch den norddeutschen Sonnenschein spaziert bin und trotzdem alles total doof fand, kam ich zu dem Entschluss, ich bräuchte mal wieder etwas, worauf ich mich freuen kann. Und was wäre da wohl besser als die schnuckeligsten Finnen, die ich kenne? Eben. Also ran an den PC, ein Ticket für die Barcley Card Arena in Hamburg gekauft und eine Übernachtung im 6-Bett-Mädchenzimmer im Hostel gebucht.

Und jetzt wird sich gefreut. Auf die Band, auf einen Miniurlaub in Hamburg, auf einen völlig überteuerten Caramell Frappucino bei Starbucks und... erwähnte ich die Band schon? :D