ungebremst ins Chaos

29.10.2008 um 19:15 Uhr

gezählte Tage

von: blacksheep   Kategorie: Bauernleben

So, in zwei Tagen ist die Woche und somit auch der Monat zu Ende und meine Tage in der Firma sind gezählt. Ich habe noch Urlaub und Überstunden für zwei Wochen Freizeit. Das bedeutet, dass ich nur noch  zwei Wochen arbeiten muss. Gott sei Dank. Nachdem mein Chef am Samstag seinen Frust an mir abgelassen hat, habe ich auch keine Lust mehr, länger als nötig dort rumzuhängen. Ich meine, ich kann ja mit Kritik umgehen aber wenn einer anfängt, laut zu werden und fast rumzuschreien finde ich das nicht in Ordnung. Ich war den ganzen Samstag total im Arsch und Montag habe ich zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht, nicht zur arbeit zu gehen. Und er hat sich nicht mal entschuldigt. Allerdings hat er gestern zu unserer Tierärztin gesagt sie solle mir im Stall helfen und "Nett zu mir sein" (Zitat).

Morgen muss ich mal wieder um 4 Uhr auf der Arbeit sein, Schweine verkaufen. Mit Chef zusammen. Darauf habe ich auch total keinen nerv, aber das ist wahrscheinlich auch das letzte Mal. Zum Glück.

Natürlich mache ich mir schon ein paar Gedanken, wie das ab nächsten Monat weiter geht, schließlich habe ich noch keinen Job. Den brauche ich aber möglichst schnell, schließlich will ich umziehen, muss ich auch, schließlich habe ich meine Wohnung nur noch bis Ende Januar.

21.10.2008 um 20:42 Uhr

Fortsetzung

von: blacksheep   Kategorie: Bauernleben

Nachdem ich jetzt endlich was zu essen hatte, geht es wieder. Bis vor einer Stunde hätte ich nämlich schwören können, dass immer noch Montag ist. Da es heute geregnet hat, dachte ich, ich könnte dann wohl mal früher gehen. Wenn das Wetter gut ist muss ich noch genug arbeiten. Aber morgens um kurz vor 10 hatte ich mir einen Monteur für die Fütterungsanlage bestellt der dann "am Nachmittag" kommen wollte. Bis 17 Uhr habe ich mich dann mit diversen stumpfsinnigen Arbeiten beschäftigt und gewartet. Um halb sechs habe ich dann Feierabend gemacht und um halb sieben rief unsere Tierärztin an und sagte: "Hey, du wirst es nicht glauben, aber JETZT ist dein Monteur da."

Also wieder ab in die Firma. Aber wenigstens hat er (der übrigens auch ganz nett anzusehen war) die Anlage in einer 3/4-Stunde wieder zum Laufen gebracht. Hätte mich bestimmt einen Tag gekostet.

Es kann nur besser werden.

20.10.2008 um 19:59 Uhr

Scheinheilig

Soviel also zum Thema "Zusammen ziehen". Leos Mutter hat beschlossen, Terror zu machen was heißt, dass wir im Januar nicht zusammen ziehen können.

Ich könnte echt kotzen. Wenn ich komme ist alles wie immer und dann kommt Leo ganz kleinlaut an und druckst rum von wegen zu früh, eigene Wohnung blabla und ich weiß sofort, dass seine Mutter ihm das eingetrichtert hat. Erstens finde ich das scheiße von seiner Mutter weil sie es nicht gesagt hat und zweitens finde ich das scheiße von Leo, weil er nicht gesagt hat, dass diese Zickerei von ihr ausgeht. Ich merk das doch.

Super. Ich stehe jetzt da ohne Job, ohne Wohnung und gestern habe ich für fünf Minuten echt darüber nachgedacht, mir einen neuen Freund zu suchen.

Ich wollte Leo eigentlich gestern sagen, dass ich gekündigt habe, aber nachdem er den Hammer mit der Wohnung brachte, war das Thema auch erstmal erledigt. Ich bin, nachdem er mir das gesagt hat, auch nicht mehr geblieben. Zehn Minuten vor dem Mittagessen habe ich meine Sachen zusammen gesucht und bin nach Hause gefahren. Ich hatte echt keinen Nerv mehr, mich mit mit der Familie auch noch an einen Tisch zu setzen. Das werde ich auch nächstes Wochenende nicht tun, selbst nicht, wenn ich dort hinfahre. Die Alte will Krieg, meinetwegen. Wenn die Frau morgen tot umfallen würde, wäre ich nur aus einem Grund traurig: weil Leo traurig wäre.

Leo ist sowieso derjenige, der einem am meisten leid tun kann. Er will eigentlich, dass ich zu ihm ziehe. Aber er will nicht, dass dann zu Hause die ganze Zeit schlechte Luft ist. Er will weder mir noch seiner Mutter auf die Füße treten und damit ist er echt nicht zu bedauern.

Aber wenn ich es genau betrachte, bin ich eher traurig als wütend. Ich bin ein netter Mensch, ich hab niemandem was getan und trotzdem kriege ich ständig mit dem Knüppel eins drüber.

Unsere Tierärztin meinte, ich müsse versuchen, das positive zu sehen. Klar hat es was für sich eine eigene Wohnung in der Nähe von Leo zu haben. Wir könnten uns jeden Tag sehen wenn wir wollen, er kann öfter bei mir übernachten und trotzdem zu Hause arbeiten. Ich kann meine Wohnung einrichten wie ich will, ich muss kein Tischgebet ertragen und überhaupt kann ich machen was ich will - vor allem überall die Heizung aufdrehen und niemand dreht sie wieder runter.

Leo sagt, er will seinen Eltern eine eigene Wohnung bauen bzw. die im alten Wohn-Stall-Gebäude fertig machen aber im Moment bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich ihm das glauben kann.

17.10.2008 um 22:13 Uhr

aufholen

von: blacksheep   Kategorie: Bauernleben

Nachdem ich ja die ersten vier Tage der Woche wegen eines Rückenleidens (zwei Spritzen in den Rücken und das, wo ich doch so schiss vor Nadeln habe) krankfeiern durfte, musste ich heute wieder in der Firma ran. Ein Blick ins Wetter und ich dachte mir, es sei an der Zeit was aufzuholen. Die Folge war, dass ich heute an einem Tag das gemacht habe, wofür ich mir sonst die ganze Woche Zeit genommen hätte. Schließlich vergügt sich Chef im sonnigen Griechenland und da kann man auch mal einen Gang runterschalten. Oder zwei. Wie auch immer, alles, was ich heute und morgen reiße, sind Überstunden und wenn ich das richtig sehe, bedeutet das, dass ich nur noch fünf Wochen arbeiten muss. Hier jedenfalls. Klingt doch super.

Obwohl es gestern nur knapp 6l pro m² geregnet hat, waren die nassen Ecken auf der Fläche schon wieder so pampig, dass man wie auf Schmierseife gefahren ist. Voll ätzend. Deshalb bin ich nach Einbruch der Dunkelheit auch noch mit Festbeleuchtung am Schlepper auf dem Acker rumgegurkt damit der Teil zumindest fertig ist falls es heute Nacht noch anfängt zu regnen.

Morgen dann huschhusch durch den Stall, dann den Rest fertiggrubbern und dann ab zu Leo.

14.10.2008 um 20:15 Uhr

Veränderungen

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

So, in der letzten Woche, samt Wochenende, sind einige Entscheidungen gefallen.

1. Ich habe gekündigt. Ab dem 1.12. bin ich nun entweder arbeitslos oder habe schon eine neue Stelle, wobei ich natürlich hoffe, dass letzteres der Fall sein wird. Ich hatte jedenfalls gestern schon ein Vorstellungsgespräch was sehr aussichtsreich verlaufen ist (hoffentlich liege ich mit meiner Einschätzung da nicht so falsch).

2. Leo und ich werden zusammen ziehen, im Januar. Nachdem wir das am Samstag beschlossen haben, haben wir uns fast den ganzen Sonntag pausenlos angegrinst wie die Honigkuchenpferde weil wir uns beide so darauf freuen.

Soweit also die Kurzfassung.

Also, das Wochenende war so oder so erstmal schön. Freitag abend waren wir mit der Clique los zum Kilbern. Hat dieses Mal auf jeden Fall mehr Spaß gemacht, zum Einen weil wir nicht so viele waren und zum anderen weil andere Leute dabei waren. Samstag hat Leo erstmal noch gearbeitet und abends waren wir dann im Kino und haben den "Baader-Meinhof-Komplex" angesehen. Viele Tote, viiieeeel Blut und Gemetzel aber ganz interessant gemacht. Um dem Film folgen zu können, muss man sich aber schon mal mit dem Thema RAF auseinander gesetzt haben und ich glaube ein gewisses Maß an Intelligenz wird auch benötigt. Ich bin ja nun auch 30 Jahre alt, aber ich habe nach dem Film tatsächlich Alpträume gekriegt. Ich kann ja damit umgehen aber es ist schon merkwürdig wenn man auf einmal selbst mit so ner Mörderkanone in der Gegend rumballert.

Aber nun nochmal was schönes. Leo hat am Samstag zum ersten Mal "Ich liebe dich" gesagt. Und ich hab genau das getan, was Frauen tun wenn's schnulzig wird: Ich hab geheult.

Am Sonntag hat Leo dann beschlossen, im November, wenn er Urlaub hat, oben zu renovieren, also unser Schlafzimmer (das im Moment noch eine Rohbau-Rumpelkammer ist) fertig zu machen und das Wohnzimmer neu zu tapezieren. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er es genauso macht, wie ich es haben möchte.

Da ich es gestern im Rücken hatte (und immer noch habe - der Doc hat mir heute morgen zwei Spritzen in den Rücken gegeben und das, wo ich doch so Angst vor Nadeln habe...) muss ich zur Zeit nicht arbeiten und bin deshalb gestern nach meinem Vorstellungsgespräch wieder Richtung Leo gefahren. Als erstes habe ich einen Stopp bei Ela gemacht weil Leo ja noch auf der Arbeit war. Und weil ich unbedingt jemandem erzählen musste, dass ich zu Leo ziehe, habe ich es ihr erzählt. weil ich mir bei ihr auch sicher bin, dass sie es nicht weiter erzählt. Sie freut sich jedenfalls darauf und ich bin echt froh, dass sie dort wohnt weil ich mich mit ihr ziemlich gut verstehe.

Später bin ich dann zu Leo gefahren. Er hatte morgens seinen Eltern erzählt, dass wir zusammen ziehen wollen. Seine Mutter findet das zu früh, aber eigentlich müssen Leo und ich uns ja einig sein. Bei mir kommt sowas immer so an als würde sie mich nicht mögen, also sind mir mal wieder die Tränen gekommen und ich hab zu Leo gesagt, dass ich nicht zu ihm ziehen will, wenn seine Mama mich nicht haben will. Er hat daraufhin gar nichts gesagt. Als ich ihn dann angeguckt habe, war das erste was ich dachte "Wenn er ne Frau wäre, würde er jetzt heulen". Ich glaube er hatte Angst dass ich jetzt überhaupt nicht mehr zu ihm ziehen will. Ich hab ja schon Männer traurig gesehen, aber Leo traurig zu sehen ist etwas, das ich überhaupt nicht gut haben kann.

Naja, hoffen wir mal, das Leos Mama sich wieder einkriegt. Aber da sie ja sowieso nie was sagt, wird man da auch nicht hinter kommen. Allerdings werden Leo und ich schon beweisen, dass wir das richtige gemacht haben.

Und ich habe mich schon fast wieder eingekriegt. Deshalb mache ich mich gleich mal an die Planung unseres Schlafzimmers...

08.10.2008 um 20:09 Uhr

Ende in Sicht

von: blacksheep   Kategorie: Bauernleben

Ich werde kündigen. Ich habe keine Ahnung ob es richtig oder falsch ist. Ich weiß nur, dass ich nicht so weiter machen will und kann. Aber ich hatte bisher immer Glück und war kaum drei Monate arbeitslos bevor was neues kam. Das heißt, ab heute sieben Wochen um einen neuen Job zu finden - oder wahlweise - schwanger zu werden. Es wäre vernünftiger gewesen vorher einen neuen Job zu haben oder schwanger zu sein aber wenn man nur das tut, was vernünftig ist, kommt man nicht weiter. Ist ja auch nicht schön wenn man schon mit einem Null-Bock-Gefühl aufsteht.

Ehrlich gesagt hatte ich schon ein wenig ein schlechtes Gewissen, nachdem unsere Tierärztin ja gestern auch schon gekündigt hat, aber ich hatte ja im August schon angedeutet, dass ich irgendwann weg sein werde und letztendlich war es gar nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Chef hatte sogar spontan jemanden im Kopf den ich mal wegen eines Jobs anrufen könnte.

Wie auch immer. Nachdem das geklärt war fühlte ich mich in jedem Fall besser. Ich würde fast sagen befreit. Merkwürdigerweise arbeite ich immer leichter wenn ich ein Ziel vor Augen habe. Sei es, dass etwas fertig werden muss oder einfach nur das Ende des Jobs.

Nächste Woche habe ich erstmal ein laues Leben, Chef ist in Griechenland...

07.10.2008 um 20:15 Uhr

Zuhause

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Heute ist meine erste Nacht zu Hause seit fünf Tagen. Davor war ich immer bei Leo. Es ist so ein schönes Gefühl abends von der Arbeit zu kommen und jemand ist da. Besonders jetzt wo mich auf der Arbeit alles täglich mehr ankotzt. Ich schiebe diverse Überstunden weil Chef immer mitte der Woche einfällt was bis zum WE alles noch fertig sein muss und die ersten zwei Tage hänge ich nur so rum. Unsere Tierärztin hat heute ihre Kündigung abgegeben, sie ist ab 15. November weg. Mein  Ziel ist im Moment der 1.12. Das heißt, ich habe knapp 3 Wochen um einen neuen Job zu finden. Ich hab keine Ahnung ob das funktionieren kann, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen.

Jedes Mal, wenn ich zu Leo fahre, habe ich mehr das Gefühl "nach Hause" zu fahren. Ähnlich als wenn ich zu meinem Vater fahre. In meiner Wohnung bin ich nicht wirklich zu Hause. Es ist eher eine Art "persönliche Unterkunft". Im Augenblick überlege ich sogar, ob ich die Wohnung kündige und pendle. Da habe ich bei 4 Tagen die Woche immer noch mehr Geld über als wenn ich in meiner Wohnung bleibe und ständig zu Leo fahre.

Das einzige Hindernis scheint im Moment Leos Mama. Oder vielleicht Leo weil ich nicht weiß ob er es schafft seiner Mama beizubiegen, dass ich bei ihm einziehen soll. Schätze wir werden am WE nochmal drüber reden. Ich meine, ich hab drei Monate Kündigungsfrist für meine Wohnung, dann ist es Ende Januar...