ungebremst ins Chaos

22.12.2009 um 15:43 Uhr

Kommt Zeit, kommt Rat

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

So heißt es doch immer, wenn man sich an einem Punkt befindet, an dem man nicht weiter weiß. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, jetzt erstmal Weihnachten und Silvester zu überstehen bevor ich mich weiter mit meinem verkorksten Leben befasse.

Vielleicht wird man in der Weihnachtszeit einfach übersensibel und nimmt alles, was einem gefühlsmäßig so in die Quere kommt, viel stärker wahr als man es sonst täte.

Meine Schwester meint auch, ich soll erstmal bis nächstes Jahr abwarten und dann noch mal über alles nachdenken, aber um ehrlich zu sein, habe ich ihr auch nur einen Teil meiner momentanen Lage erzählt. Julius habe ich bewusst außen vor gelassen. 

Ich weiß ja, wie mein Umfeld auf diesen Namen reagiert. Ich kann es sogar verstehen, immerhin geht das schon seit Ende 2003 so. Sechs Jahre. Warum kann man nicht nach spätestens zwei Jahren oder so mal einen Punkt erreichen, an dem das Thema abgehakt ist? Ich meine, irgendwann muss doch auch das Unterbewusst sein mal begriffen haben, dass manche Dinge einfach nicht gehen. Dass das mit Juli uns nichts geworden ist und nichts werden wird, weil... was weiß ich. Weil er sich nicht festlegen will. Weil wir zu verschieden sind. Oder warum auch immer.

Vielleicht hat Zwischenweltler mit seinem Kommentar recht und Julius ist gar nicht der Grund sondern einfach nur eine Art "Mann im Ohr" der mich an Dinge erinnert, die ich sonst so gerne verdränge.

Aber wenn ich jetzt wieder alles über den Haufen schmeiße, was dann? Werde ich dann glücklich/er? Wahrscheinlich auch  nicht. Jahrelang habe ich gesucht nach "Mr. Right" und mich dabei in ständig neue Katastrophen gestürzt. Vielleicht muss man sich irgendwann einfach damit abfinden, dass man nicht auf Mr. Right warten kann sondern sich mit dem arrangieren muss was man bekommen kann.

Ich habe mal folgendes Zitat gelesen "Eine Frau sollte keinen Mann heiraten, den sie liebt, sondern einen der sie liebt". Ich weiß nicht mehr, von wem es stammt, aber manchmal denke ich, dass das gar nicht so verkehrt ist.

Und mein Freund ist ja nicht die schlechteste Wahl.

Mir wurde letztens gesagt, ich sei unkonventionell. Ich finde, dass ich langsam verspießere, aber vielleicht liege ich falsch. Immerhin ist mir schon oft aufgefallen, dass andere Menschten mit anders einschätzen als ich mich selbst.

Wenn ich also, sagen wir mal, 344 Tage im Jahr mit meinem Freund glücklich oder sagen wir, auf einem annehmbaren Stand zufrieden, bin, vielleicht sollte ich dann einfach die restlichen 21 Tage im Jahr irgendwie, irgendwo mit irgendwem die Sau rauslassen. Feiern gehen, frech und vorlaut sein und mal eine nicht mehrheitsfähige Meinung vertreten. Möglicherweise kann man mit fast jedem Mann glücklich werden wenn man sich einen gewissen Freiraum einräumt um nicht wie eine Primel einzugehen.

Ich werde bei Gelegenheit drüber nachdenken.

 

20.12.2009 um 14:14 Uhr

Die Moralpolizei

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Am Freitagnachmittag war ich mit Julius zum Kaffee verabredet. Ich saß also ihm gegenüber in seinem Büro, am Schreibtisch seines Vaters, mit einer Tasse Tee in der Hand. Wer weiß, woran es liegt, aber irgendwie brauchen wir immer mindestens eine halbe Stunde bis wir so richtig ins Gespräch kommen. Möglicherweise liegt es daran, dass ich immer im Kopf habe, dass Juli kein Typ für Larifari-Smalltalk ist. Genauer gesagt, dass er das verabscheut.

Wir redeten also über alles Mögliche. Übers Heiraten (weil seine Sekretärin an dem Tag heiratete), über den Tod (ist merkwürdig, weiß ich), über den manchmal notwendigen Abstand auf allen Ebenen, Zeit und anstehende Entscheidungen. Also das volle Programm. Da ich ja momentan auch vor der einen oder anderen wichtigen Entscheidung stehe (unter anderem ja auch so langsam vor der Hochzeitsentscheidung) passte das ganz gut.

Das Dumme ist nur, vor ein paar Tagen war ich mir noch ziemlich sicher, dass das mit dem Heiraten eine gute Idee ist. Jetzt bin ich das nicht mehr. Allerdings weiß ich im Moment noch nicht, ob es an meiner Depriphase liegt, die ich grundsätzlich bekomme, wenn ich mal ein paar Tage von meiner Familie und meinen Freunden umgeben war, oder ob ich ernsthaft anfange zu Zweifeln.

Wahrscheinlich ist es ein Teil von beidem. Ich meine, es ist ja normal, dass man Familie und Freunde vermisst, wenn man weiter weg wohnt und sich alles neu aufbauen muss. Aber wie lange dauert es, bis man ein neues  Zuhause als sein Zuhause ansieht und aufhört sich zu fragen, ob es nicht besser wäre, wenn man in sein altes Zuhause bzw. sein altes Umfeld zurückkehrt? 

Natürlich ist mir klar, dass es nicht alle meine Probleme löst, wenn ich wieder in die alte Heimat ginge. Da war auch nicht immer alles gut. Aber zumindest war alles in der Nähe. Meine Freunde, meine Familie, meine Fußballjungs.

Aber hier... hier ist mein Freund. Und das ist auch schon so ziemlich das einzige, was mich hier hält. Ich meine, klar, ich gehe gern  zum Schießen, aber das kann ich woanders auch tun. Und sicher gibt es hier auch ein paar Leute, die ich ganz gut leiden kann, aber die zu verlassen würde nicht so weh tun. Meinen Freund zu verlassen würde weh tun. Weil er so ein netter Kerl ist und weil er alles für mich tut. Und weil ich weiß, wie traurig er wäre, wenn ich gehen würde.

Was für'n Scheiß. Kann man so eigentlich glücklich werden?

Ich meine, wie bescheuert ist das denn, wenn man bei einem Mann bleibt, den man zwar sehr mag, weil er so nett ist und alles für einen tut, aber wo man auch immer wieder merkt, dass einem was fehlt. Ein bisschen... Spannung, Reibereien, meinetwegen auch einen ordentlichen Knatsch.

Kann ich mir wirklich die nächsten 40 Jahre einreden, dass alles gut ist, wie es ist? Dass ich mich die nächsten 40 Jahre zu tode langweile weil  ich heute schon sagen kann, wie der 20.12.2019 aussieht? Nämlich genau so eintönig und vorhersehbar wie die Zehn mal 365 Tage dazwischen? Wenn das einzige, was sich ändert, das Wetter ist und das, was mittags auf den Tisch kommt?

Ich weiß es nicht. Aber wenn ich mir das einreden kann, wie ist das mit dem schlechten Gewissen, das ich meinem Freund gegenüber habe weil ich mich nicht traue ihm zu sagen, dass ich irgendwie... unglücklich bin? Weil, wenn ich ihm sage, dass ich unglücklich bin, ist er auch unglücklich und ich kann es nicht haben wenn er unglücklich ist.

Würde ich jetzt einen Sündenbock brauchen, würde ich sagen, Julius ist Schuld. Weil der mir nämlich am Freitag auf den Kopf zugesagt hat, er sei sich nicht sicher, ob ich für mich wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe. Aber ich will ihn nicht zum Sündenbock machen. Für die Wahrheit kann er ja nichts. Auch wenn es vielleicht jetzt ganz schön wäre, jemanden zu haben, dem man die Schuld für den ganzen Schlamassel geben könnte.

Als ich gestern Abend ins Bett ging, wusste ich schon, was oder besser gesagt wer in meinem Traum aufkreuzt. Julius. Ich war im Traum unterwegs. Ich war völlig aufgeregt und außerdem ziemlich durcheinander weil ich ja in einer Beziehung stecke (was vielleicht erklärt, warum ich planlos durch die Stadt gefahren bin). Juli hatte mir in einer ziemlich langen SMS erklärt, dass er mich vermisst, mich sehen will und... naja, mit mir schlafen will. Das einzige, woran ich mich dabei erinnere, war der letzte Satz. Er endete mit "...wundervoll wie du bist." Obwohl ich mir total klar war, dass es moralisch nicht ganz einwandfrei ist, habe ich ihm sinngemäß etwas geantwortete wie "Ich bin gleich da und kann es kaum erwarten". Daraufhin kam von ihm (ziemlich wörtlich) "Darauf habe ich jetzt verdammt nochmal gewartet". Er war also ziemlich scharf auf mich und ich auf ihn. Und dann passierte etwas so bescheuertes, das es nur im Traum gibt. Statt mir hatte plötzlich Dirk Matthies vom Großstadtrevier (ich sag ja, es ist bescheuert) vor, etwas moralisch nicht einwandfreies zu tun und sein Kollege Lothar will dies mit aller Macht verhindern. Glücklicherweise bin ich dann aufgewacht. Es war mir dann doch wohl zu blöd. Im Nachhinein kamen die beiden mir vor wie eine Art Moralpolizei auf Streife.So nach dem Motto: Denk drüber nach, was du tust.

Ich denke, nicht erst seit Freitag. Sondern immer mal wieder.

Ich glaube, ich habe noch Gefühle für Julius. Bin aber inzwischen so weit, dass ich mich bei meiner Vernunft packe und mir selbst erzähle, wie bescheuert das ist. Hätte der liebe Gott oder wer auch immer gewollt, dass sich mit uns was entwickelt, hätte er sich wohl eher eingeschaltet. Manchmal denke ich sogar darüber nach, mich nochmal auf ihn einzulassen nur um mir selbst zu beweisen, dass ich mal wieder anfange, ihn  zu idealisieren.

Vielleicht sollte ich einfach aufhören zu denken und mich mit den nächsten todlangweiligen 40 Jahren als verkümmernder Feigling arrangieren.

03.12.2009 um 19:45 Uhr

alles bestens, erstmal

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Heute hatte ich mal wieder einen Termin zum "Tussen-Tüv" (sagt man, laut RTL Recherche neuerdings zum Routine-Besuch beim Gynäkologen...).

Meine Frauenärztin hatte jedenfalls nichts zu beanstanden. Das wir ein Baby wollen findet sie "wunderbar". Sie meint "Sie sollten schonmal Folsäuretabletten nehmen" und dass ich das schon tue findet sie - genau - "wunderbar". Dazu einen Blick in meinen Impfpass ob auch alles da ist, was muss. Okay, um meinen Titer für Röteln zu bestimmen wurde ich dann promt zur Ader gelassen (so weiß ich immerhin schon, dass das Sofa, auf dem ich später beim CTG liegen werde, bequem ist) und was Masern angeht habe ich vergessen zu fragen. Egal, ich kann ja morgen noch anrufen und nachfragen. Oder ich frage wenn das Ergebnis da ist. Dann kann ich, wenn's denn nötig sein sollte, auch noch eben zum Hausarzt rennen und mich pieksen lassen. 

Was tut man nicht alles, wenn man optimalere Bedingungen für eine Schwangerschaft schaffen will.

Okay, alles, was sonst wunderbar ist, wird getrübt durch die Tatsache, dass ich immer noch keinen Job habe, mein ALG I Anfang Januar ausläuft, ich kein ALG II kriege weil mein Schatz mich ja ernährt und mir ein Dach über dem Kopf gibt und ich mich dann selbst krankenversichern muss. Kann mir mal irgendwer sagen, wie ich mich selbst krankenversichern soll wenn ich kein Geld verdiene?

Aber okay, ich mache mir nicht wirklich Sorgen darüber. Eventuell wird dann halt etwas eher geheiratet als geplant...