ungebremst ins Chaos

29.09.2011 um 16:44 Uhr

Was wäre wenn...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

... oder: In der Soziologie geht es immer auch anders.

 

Wie gesagt, ich traf mich letztens mit meinem Ex. Julius. Den "es geht nicht mit ihm aber irgendwie kann ich auch nicht ohne ihn"-Ex. Und zwar an dem Morgen, nachdem ich diese "Wir machen glücklich"-Sendung gesehen habe. Es war Wahltag und der arme Junge (ich sollte besser sagen: der arme Mann, immerhin ist er jetzt auch schon 30) war um 6 Uhr in der Früh draußen zum Zettel kleben. Was mich zu dem Kommentar brachte: "Da hätte ich fast mitkommen können, um halb sieben war ich auch auf."

Woraufhin er erwiderte, dass er dann wohl nicht so schnell fertig gewesen wäre. Mein Blick sagte wohl so ziemlich alles, nämlich "Ey, ich hab Kondition, ich kann mit dir locker mithalten. Frechheit."

Und er beeilte sich, ein "Damit wollte ich nicht sagen, dass du langsam bist" hinzuzufügen. Gerade noch mal gerettet.

Wir redeten also über seine politische Karriere (er ist seit fünf Jahren im Stadtrat), über seine Nachbarin, die mit ihrem Typen Sex am Küchenfenster hat (interessante Gegend) über seinen Beziehungsstand, über meinen Beziehungsstand und dann fragte er mich, ob ich glücklich sei.

"Eigentlich schon."

"Eigentlich heißt nicht Ja."

Naja, Recht hat er. Aber ich sollte glücklich sein. Ich habe einen Freund der mich liebt, der meine Launen und mein Chaos aushält, der mir ein Haus baut und überhaupt wohl alles mögliche für mich tun würde. Ich habe zwei Jobs mit denen ich zwar keine Reichtümer verdienen aber mein Studium, mein Auto und meine Ausflüge finanzieren kann. Ich mag meine Handballmannschaft, ich bin relativ erfolgreich beim Schießen und studieren war ja immer mein Traum. Ist doch toll, oder?

Aber um unser Dorf herum steht ein Deich der zwar nicht hoch ist, aber wie eine Gefängnismauer wirkt, meine Schwiegermutter hat keine Ahnung was "Nachtruhe" bedeutet, meine Freunde und meine Familie sind zwei Autostunden von hier entfernt und wenn ich Action haben will, muss ich mir selbst was ausdenken, weil mein Freund unter Action was anderes versteht als ich. Konzerte sind ihm zu laut, er fährt nicht allzu oft weg weil er ständig irgendwas anderes zu tun hat oder, wenn er nichts zu tun hat, sich ausruhen will. Höchstens mal mit dem Auto "über Land fahren" etwas, das ich erst machen werde, wenn ich alt bin und nicht mehr laufen kann.

Über Sex reden wir am besten gar nicht. Ich kann ohne. Problemlos. Weil ich gestört bin und mein Freund nicht der Typ ist, der einen an die Wand nagelt wenn man gerade durch die Tür kommt. Ich will nicht gefragt werden, ich will rumgekriegt werden.

Julius weiß das. Woher auch immer, aber er weiß es. Und ich weiß, dass er nicht abgeneigt wäre, so eine Art Revival zwischen uns stattfinden zu lassen. Gesagt hat er es jedoch nicht. Nicht wörtlich. Aber ich kenne ihn lange genug um zwischen den Zeilen lesen zu können. Und wenn er mir sagt, dass er an gewisse Situationen zwischen uns denkt, dann weiß ich, dass er versucht, die Chance auf eine Wiederholung auszuloten. Ganz vorsichtig, denn immerhin bin ich in einer Beziehung und eine Frau mit Prinzipien.

Manchmal denke ich, scheiß auf die Prinzipien.

Eine Freundin von mir ist seit zehn Jahren verheiratet und sie und ihr Mann sagen einstimmig "Wir sind füreinander bestimmt". Hab ich früher auch mal gedacht, dass es sowas gibt. Aber mir ist die Realität dazwischen gekommen. Oder ich bin einfach zu früh dran. Ja, es ist jetzt total an den Haaren herbeigezogen, aber was wäre, wenn Julius und ich tatsächlich füreinander bestimmt sind? Wenn nur unsere Zeit noch nicht gekommen ist?

Julius hat gesagt, er will eine 100 Prozent-Beziehung. 100% im Bett und 100% der Rest. Also quasi, die totale Harmonie. Gibts nicht. Aber was ist so falsch daran, nach etwas zu suchen, das dem am nächsten kommt? Und wie weit bin ich davon weg wenn ich diesen Maßstab an meine Beziehung anlege? Ehrlich gesagt könnte ich heulen wenn ich darüber nachdenke und gleichzeitig komme ich mir wie ein Miststück vor. Es ist doch scheiße, an einen anderen Mann zu denken (und daran mit ihm eine Affäre anzufangen) wenn man in einer Beziehung ist.

Bin ich ein egoistisches Miststück oder sagt mir mein Unterbewusstsein, dass irgendwas falsch läuft? Manchmal ist das Leben kompliziert.

Manchmal? Immer!

29.09.2011 um 16:17 Uhr

dies und das

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Seit meinem (gefühlten) 23. Geburtstag, den ich in diesem Jahr aus arbeits- und lerntechnischen Gründen nicht gefeiert habe, sind schon wieder vier Wochen rum und so langsam geht es mir wie beim rosaroten Panther (Wer hat an der Uhr gedreht?).

In dieser Zeit bin ich Tante geworden, habe mich mit meinem Ex-"Liebhaber" oder wie auch immer ich ihn bezeichnen soll getroffen der glücklicher Single ist während ich eine "eigentlich sollte ich glücklich sein"-Beziehung führe, ich habe meine erste Klausur im Studium durch Blackout vergeigt und seit zwei Wochen nervt mich einfach alles. Vor allen Dingen ich mich selbst. Ach ja, und eine Schreibblockade habe ich auch noch.

Ich schlittere also in eine meiner "Alles ist ätzend"-Depriphasen und finde es zum Kotzen, dass ich das nicht aufhalten oder besser gesagt in was Positives umkehren kann. Dem Himmel sei Dank, dass im TV wenigstens O.C. California läuft, amerikanische Teenieserien haben immer sowas beruhigendes.

Aber kommen wir mal zurück zum Glück. Letztens gab's im Fernsehen eine Sendung in der man MEnschen beigebracht hat, wie man glücklicher wird. Um ihren Fortschritt zu prüfen, mussten die Teilnehmer in regelmäßigen Abständen so genannte "Glückstests" machen. Neugierig wie ich bin, habe ich mich dann auch mal an diesem Test versucht und landete bei 38 Punkten (wobei der Durchschnitt bei 71 liegt). Ich habe also den Beweis dafür, dass ich unglücklich bin. Fröhlich. Meine Zufriedenheitspunkte lagen immerhin bei 52, wo hier der Durchschnitt liegt weiß ich allerdings nicht.

Ich sollte mehr Dinge tun, die glücklich machen.

Sport. Wobei mir das mehr Spaß gemacht hat, als wir noch diesen gutaussehenden, jungen Handballtrainer hatten. Bei dem ich zwar ständig Liegestütz machen musste weil ich den Ball nicht ins Tor bekam, der aber enorm was für meine Fitness getan hat indem er mich so triezte. Dafür gehe ich jetzt Joggen. Ist zwar nicht sehr spaßig, aber es macht glücklich wenn ich ohne Pause um den See laufen kann (früher habe ich höchstens zwanzig Meter geschafft bevor ich aufgeben musste).

Urlaub. Okay, ist nicht besonders einfach wenn man gleich zwei Chefs hat die etwas unorganisiert sind wenn es um Arbeitsplanung geht.

Konzerte. Miniurlaub, quasi. In drei Wochen, endlich. Sunrise Avenue live.