ungebremst ins Chaos

30.06.2014 um 13:21 Uhr

Ist das mein/sein Ernst?

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Gestern war er da. DER Tag auf den ich mich so gefreut habe und vor dem mir gleichzeitig so gegraut hat weil man nie weiß, was einem mit ihm erwartet. 

Mein Treffen mit Julius.

Seit Mittwoch wusste ich schon, was ich anziehen wollte, auch wenn ich diese Planung nach einem spontanen Shoppinghalt am Samstag wieder über den Haufen geworfen habe. Aber hey, das macht man doch so wenn man das "perfekte" Outfit gefunden hat, oder nicht?

Nach der Party vom Samstag und einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag, stand ich also bei meinem Vater im Bad. Frisch geduscht und sämtliche unnötigen Haare von meinem Körper entfernt, schlüpfte ich in die neue enge Jeans, das schwarze T-Shirt mit den weißen Tupfen (so fiftys look) und die hohen Schuhe. Dezentes Makeup damit ich nicht wie sonst so leichenblass im Gesicht aussehe, farbloser Lipgloss. Die Haare glatt und offen und die Glitzerohrringe in die Ohren. Zusammen mit den knallrot lackierten Fingernägeln war ich ausnahmsweise mal sehr zufrieden mit meinem Outfit.

Kommentar meines Vaters auf die Frage wie ich aussehe: "Gewöhnungsbedürftig."

Aber darüber muss man sich wohl nicht wundern, wenn man erst mit Ende 20 anfängt, hohe Schuhe zu tragen und mitte 30 werden muss um sich zum allerersten Mal (ungelogen) die Fingernägel in knallrot zu lackieren. Ansonsten hab ich alle Farben so ziemlich durch (sogar gelb obwohl das wirklich sehr scheußlich aussieht), nur knallrot hab ich mich nie getraut. Das ist so eine "guck her"-Farbe und ich fand das an mir irgendwie... nuttig ist das falsche Wort... hm... naja, ich wollte zwar hin und wieder, dass die Männer gucken, aber dass sie soooo gucken wollte ich auch nicht. Selbes Spiel mit knallrotem Lippenstift - traue ich mich immer noch nicht.

Pünktlich stehe ich auf dem Parkplatz, sein Auto ist noch nicht zu sehen. Ich hab Herzklopfen. Ich klappe die Blende herunter und ziehe mit einem Blick in den Spiegel noch mal den Lipgloss nach und denke mir "alter, was hab ich hier eigentlich vor?". Für meine Verhältnisse so deutlich aufgebrezelt dass es für jeden, der mich kennt nur einen plausiblen Schluss zu ziehen gibt: sie will den Kerl rumkriegen. Oder ihn zumindest heftig provozieren.

Ich denke für einen Moment darüber nach, den Schlabberpulli aus dem Koffer über mein Shirt zu schmeißen und die Ohrstecker rauszunehmen und die roten Nägel zum "Überbleibsel der Party gestern" zu erklären. Ich hab mal wieder Angst vor der eigenen Courage. Jetzt stell dich mal nicht so hasenfüßig an, schimpft meine innere Stimme die mich des öfteren zu irgenwelchem Unsinn anstiftet, wenn du mal ehrlich bist, willst du das doch. Du willst, dass er dich so sieht und denkt "Alter ist die heiß" und dass er dann nochmal genauer hinsieht und denkt "die würd ich gerne..." HALT DIE KLAPPE! faucht meine Vernunft und versucht, mich auf dem Pfad der Tugend zu halten. Wie gesagt, sie versucht... Was soll denn schon groß passieren? Er wird dich nicht mitten in der Eisdiele aus den Klamotten zerren und dich an Ort und Stelle flachlegen. Und sich ein paar Streicheleinheiten fürs weibliche Ego abzuholen ist ja nun wirklich nichts schlimmes. Genau. So ist es. Es besteht also kein Grund, das Drama schon anzufangen bevor überhaupt raus ist, dass es eins geben wird.

Julius ist ziemlich pünktlich, der blumige Duft des Bodysprays den ich mir dezent in den Ausschnitt gesprüht habe ist noch nicht ganz verflogen. Wir begrüßen uns mit einer Umarmung und finden einen Tisch, der nicht mitten im Geschehen ist. Wenig später stehen die Eisbecher vor uns auf dem Tisch und während wir löffeln, reden wir. Über alles mögliche. Natürlich starten wir mit dem allgemeinen Smalltalk. Was macht die Firma, wie läuft dein Studium, und so allgemein, wie sieht es bei dir beziehungstechnisch aus bis er dann diese eine Frage stellt.

Und wie sieht es mit eurer Familienplanung aus?

Mein Hirn arbeitet im Fast Forward-Modus. Themawechsel, die Wahrheit oder die ganze Wahrheit? Wohin will ich dieses Gespräch lenken? Will ich es wirklich in DIESE Richtung lenken? Hm. Zeit schinden.

Ich: "ja, das ist nicht so'n leichtes Thema"

Er: "Aha" (er ist zwar interessiert aber nicht so neugierig dass er mich zum reden drängen würde)

Ich erzähle ein bisschen von dieser Kinderwunschgeschichte und schon ist dies ein allgemeines Thema. Man kennt jemanden der auch... und so. Seine Reaktion ist okay und ich werde irgendwie abenteuerlustig.

Ich: "Ja, wenn man darüber mal zuviel nachdenkt, kommt man schon manchmal auf komische Ideen. Ich meine, ich könnte ja billiger an ein Kind kommen (da waren wir gerade mit dem Thema Kosten zugange), ich müsste mir bloß nen Kerl besorgen..."

Er: "Und ich hätte nicht mal was damit zu tun."

Ich (emotionslos bzw. neutral): "Eben, da ich ja verheiratet bin wäre es rechtlich gesehen das Kind von meinem Mann."

Das Gespräch läuft völlig normal weiter als würden wir uns das Wetter oder Arbeitsmarktpolitik unterhalten, wir trinken den ersten Kaffee und ich verabschiede mich irgendwann  mal kurz um auf die Toilette zu gehen. Zwei Minuten Unterhaltungspause, die Stille auf dem "stillen Örtchen" und plötzlich...

KLINGELING! JEMAND ZU HAUSE? HAST DU MITGEKRIEGT WAS ER DA GERADE GESAGT HAT?????

Mein Hirn fängt an zu rattern und bleibt an einem Wort hängen: "Ich" Genau das hat er gesagt. "Ich". "Ich hätte damit nichts zu tun"

HAALLOOOOOO????? HAST DU GESCHNALLT WAS HIER ABGEHT?????

"Ich hätte damit nichts zu tun" Der Satz schwirrt mir im Kopf herum. Er hat mir jetzt doch nicht allen Ernstes zu verstehen gegeben, dass er???? Nein. Nicht wirklich. Oder doch? "Ich hätte damit nichts zu tun".

Der Typ würde dir ein Baby machen, ja, nervt mich meine innere Stimme, er  hat dir gerade verklickert, dass du nicht suchen brauchst. Er steht zur Verfügung. Gut, er hat es nicht direkt gesagt, aber wie lange kennst du ihn jetzt? Ewig. Und wie oft hat er Dinge getan von denen du niemals erwartet hättest, dass gerade er sie tut? Eben. Hör auf meine Worte und denk mal drüber nach.

22.06.2014 um 00:18 Uhr

Public Viewing & Flirting...

Dieses Jahr gucke ich die WM-Spiele der deutschen Mannschaft mal nicht im Kreis der Clique wo ich 1. zuviel esse und 2. viel zu viel Alkohol trinke, sondern beim Public Viewing was von der Dorfjugend organisiert wird.

Heute mache ich mich also in meinen leicht zerknitterten Alltagsklamotten und nicht noch extra aufgehübscht auf den Weg und bekomme einen Logenplatz in der ersten Reihe. Mein Mann ist auch dabei, sichert sich aber einen Platz an der Theke bei seinem Kumpel. In der ersten Halbzeit schlafe ich auf meinem mordsbequemen Sessel beinahe ein weil zwei Stunden Schlaf pro Nacht in meinem Alter eben doch nicht ausreichen. Die Halbzeitpause kriege ich im Halbschlaf mit und dann reißt mich Mario Götze mit seinem Tor aus dem Dämmerzustand. Der Adrenalinpegel rast hoch und als er sich wieder runterfährt trifft mein Blick seinen. 

Jan sitzt auf einem Barhocker hinter der Theke und ich habe Null Ahnung seit wann er da ist.

Ich wende meinen Blick der Leinwand zu und versuche, mich wieder auf das Spiel zu konzentrieren, das inzwischen wirklich in Schwung kommt. Wie gesagt, ich VERSUCHE es. Aber nicht daran zu denken, dass er nur knapp fünf Meter von mir entfernt in diesem Raum ist, ist genauso zwecklos wie während einer Diät zu versuchen nicht an Süßigkeiten zu denken. Erinnerungen steigen in mir hoch.

An den Samstag der Jahreshauptversammlung als er mich gefühlte hundert Mal beim Karten pusten besiegt hat und mich dabei jedes mal mit diesem triumphierenden Lächeln angesehen hat. An das Schützenfest vor ein paar Wochen als wir an der Würstchenbude standen uns über Bäuche unterhielten und er mit todernster Miene verkündete, das "gute Maschinen unter Dach stehen" müssen. Ihr könnt euch denken was er meint, oder?

Ein Lächeln schleicht sich unvermeidbar in mein Gesicht und ich kann nicht verhindern, dass ich von Zeit zu Zeit zu ihm rübergucke, zumal er fast genau in meiner Blickrichtung sitzt. Zack. Wieder treffen sich unsere Blicke für eine Millisekunde bevor er schnell weg sieht weil er sich das hinsehen vermutlich ebenso zu verbieten versucht wie ich. Ebenso erfolglos und ebenfalls lächelnd.

Das Spiel ist vorbei und ich denke ich sollte zusehen dass ich nach Hause und ins Bett komme weil ich morgen früh um zehn schon wieder "verabredet" bin. Mein Mann beschließt noch ein Bier zu trinken. Und auch wenn ich mir einrede, dass es KEINE Absicht ist dass ich genau dann das Haus verlasse als er draußen vor der Tür steht ist mir klar, dass ich jedes Mal diesen Moment abzupassen versuche.

"Hi."

Er spricht mich an als ich mein Fahrrad von der Mauer ziehe. Ich drehe mich um und schwinge mich auf den Sattel.

"Hi." Ich rolle ein Stück zu ihm hinüber. "Erzähl mir nicht, dass dir kalt ist." sage ich mit Blick auf seine Jacke.

"Natürlich nicht. Aber irgendwo muss ich ja meine Zigaretten, den Schlüssel und den Schnaps unterbringen."

"Gut, dass wir Frauen dafür Handtaschen haben."

Er grinst mich frech an. "Und trotzdem hast du deinen Anhänger in der Partyhütte liegen lassen."

1:0 für ihn.

"Willst du echt schon nach Hause?"

"Ich hatte wenig schlaf gestern."

"Was hast'n gemacht?"

"Am PC gesessen und schwupps war sieben Uhr."

"Morgens???"

"Ja klar, morgens."

Er schüttelt fassungslos den Kopf. "Naja, du sitzt ja öfter spät im Büro."

Ich (irritiert): "Woher weißt du das denn?"

"Bei dir oben ist abends immer Licht an."

Jetzt bin ich diejenige die frech grinst. "Du spannerst also abends vor meinem Fenster."

1:1 - Ausgleich. Ich werde irgendwann noch mal richtig schlagfertig. Und das alles vor den Augen von ein paar anderen Jugendlichen, die sich während unseres Gespräches zur Raucherpause eingefunden haben.

"Wartest du auf deinen Mann?" fragt die Tochter unserer Nachbarn.

"Nö. Jan stand hier nur gerade so alleine, da dachte ich, ich leiste ihm ein wenig Gesellschaft."

Es wird noch ein wenig gesmalltalkt bevor Jan und ich wieder allein draußen stehen. Wir sind gerade beim Thema "Auto" angelangt. Er hat allerhand Schnickschnack in seinem Auto den kein Mensch braucht, zum Beispiel ein Telefon dass man über Knöpfe am Lenkrad bedienen kann. Was uns zum Thema telefonieren bzw. Handys, Whatsapp und Telefonflatrates führte. Am Ende wusste ich, dass er zur Anti-Facebook-Fration gehörte (was mir schon klar war, denn sonst wäre er ja bei Facebook...) und er wusste, dass ich im studi-vz nach ihm spioniert habe wobei ich nicht weiß ob es so klug war das zuzugeben... Egal. Auf dem Weg nach drinnen versuchte er noch schnell, mich zu einer Runde Karten pusten zu überreden, aber ich habe dankend abgelehnt mit der Begründung, ich müsse das erst noch eine Weile zu Hause üben, würde ihn dafür aber beim nächsten mal richtig alt aussehen lassen *zwinker*. Ich bekam ein ironisches "ja, sicher" zurück ebenfalls begleitet von einem Augenzwinkern. Dann ging er ins Haus und ich machte mich auf den Heimweg.

Ich bin ja mal gespannt, was da nun wieder von gemacht wird. Jedenfalls habe ich mich bemüht, das umzusetzen, was ich heute bei Facebook gelesen habe:

Das Leben ist zu kurz um sich darüber zu ärgern, was andere Menschen über dich denken oder sagen. Also hab Spaß und gib ihnen etwas, worüber sie reden können - scheinbar ist ihnen ihr eigenes Leben zu langweilig...

21.06.2014 um 16:40 Uhr

Kopfkino

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Letzte Nacht habe ich durchgemacht. Ich saß ein meinem Büro am Schreibtisch und wollte nicht ins Bett weil ich noch nicht müde war und nachdem ich dann alle News im Fratzenbuch, sowie alle emails und wichtigen Blogeinträge gelesen hatte wurde mir langweilig. Da dachte ich mir, ich guck mich mal in einem Chatroom um und sehe wer sich da so rumtreibt. Zugegeben, es war ein "Erotikchatroom" wenn man es denn so nennen will, wobei die meisten Typen von denen man da so angeschrieben wird, Null Phantasie haben. Drei Sätze und schon kommt man sich vor als hätte man die Hauptrolle im billigsten Porno ever.

Aber dann tauchen sie auf. Die Nachtschwärmer. Die sich kurz vom lernen ablenken wollen, gerade von einem Date kommen oder aus sonstigen Gründen nicht schlafen können. Die entweder einfach neugierig sind, mal wieder was zum lachen brauchen oder das tun, was ich dort tue:

Die Nadel im Heuhaufen suchen.

Manchmal hat man Glück und wird nicht sofort nach der Größe der Oberweite und dem Vorhandensein von Schambehaarung gefragt. Die richtig interessanten Kandidaten fragen erst spät bis gar nicht nach Alter, Aussehen und Beruf oder gar dem "real name". Mit denen redet man wie bei einem "normalen" Date stundenlang über Gott und die Welt bevor man (wenn überhaupt) zum erotischen Teil übergeht.

Ich liebe es.

Wenn man "ihn" gefunden hat, ist das wie mit einem guten Buch, man möchte einfach nicht aufhören zu lesen. Und sogar im chat bin ich da echt pingelig. An das ewige kleingeschreibe kann ich mich ja gerade noch gewöhnen und Buhcstabendreher :) passieren mir auch - aber wenn es vor Rechtschreibfehlern nur so wimmelt vergeht mir total die Lust.

Die guten Gespräche speichere ich ab. Sie zu lesen hilft mir wahnsinnig weiter wenn ich an meinem Roman sitze und versuche, den Protagonisten unterschiedliche Sprechweisen zu verpassen. Jemand der gebildet ist und einen guten Job hat sagt nunmal nicht ständig "ey Alte, lass ficken".

Anonymität macht frei. Man kann sein wer man will und was man will, man kann tun was man will und jemanden einfach wegklicken wenn man genervt ist (was im richtigen Leben ja auch manchmal wünschenwert wäre...). Ich habe ja oft ein ziemlich loses Mundwerk, aber in der realen Welt werde ich ziemlich schweigsam wenn jemand versucht mit mir intensiv über Sex zu reden. Ich bin auf dem Gebiet ein wenig gestört (danke, Mama) aber ich arbeite dran und es wird ständig besser, aber manchmal wünschte ich mir, ich bräuchte nur einen Schalter umlegen und könnte mal so richtig wilde Sau spielen. Einfach nur um zu sehen wie das ist.

Im Chat geht das. Zack, Schalter um und ich bin die kleine Schwester deines besten Freundes die du ohne sein Wissen flachlegst, das Luder das immer nackt auf dem Balkon gegenüber steht und an sich rumspielt während du zusiehst,  die Schlampe die für jeden die Beine breit macht wenn sie gerade Lust drauf hat, die Angestellte die unterm Schreibtisch vom Chef hockt und ihm einen bläst oder was auch immer. Willig, tabulos, dauergeil.

Zugegeben, am Anfang hatte ich das Gefühl, sogar in der Einsamkeit meines abgeschiedenen Büros rot zu werden, wenn ich Sätze wie "ich will dass du mich leckst" , "oh gott, jaa, besorgs mir" oder "fick mich richtig hart" getippt habe. Es wollte auch einfach nicht in meinen Kopf rein, dass Männer sowas hören wollen, aber ich werde inzwischen so oft nach realen Treffen, meiner Telefonnummer oder zumindest der Mailadresse gefragt, dass ich denke ich muss wohl ziemlich gut "mit Worten ficken" können. Zumindest so lange ich sie nur tippen und nicht aussprechen muss.

Nein, ich gebe natürlich niemandem meine Telefonnummer, ich zeige mich nicht vor der Kamera, ich treffe mich auch nicht mit einem von ihnen und wenn ich eine mailadresse rausgebe, dann natürlich nicht die "Standardadresse". Ich habe meine Prinzipien.

Mein "Lieblingsliebhaber" ist (so behauptet er jedefalls) 20 Jahre alt. Ich glaube ihm das sogar weil der Sex den wir miteinander haben noch so unschuldig ist. Zwar auch laut und leidenschaftlich, aber mit ausgiebigem Vorspiel und kuscheln hinterher. Er ist auch der einzige, mit dem ich  bislang öfter gechattet habe, quasi eine virtuelle Affäre. Das mag der eine oder andere vielleicht für verwerflich halten, aber ich finde ja, jeder muss selbst für sich entscheiden auf welche Weise man glücklich wird. Und dazu  muss man eben manchmal viel herumprobieren.  Ich meine, manche Männer gehen heimlich in den Puff obwohl sie ne Frau haben. Julius hat mich mal gefragt was ich tun würde, wenn mein Partner beim Sex etwas will was für mich absolut nicht in Frage kommt. Meine Antwort war, dass ich ihm die Wahl lassen würde entweder darauf zu verzichten oder zu einer Prostituierten zu gehen und sie dafür zu bezahlen. Man bekommt doch sowieso nie zu 100% das, was man will, warum sollte man sich das, was fehlt, dann nicht woanders holen?

20.06.2014 um 22:33 Uhr

Ein Date...

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Seit gestern habe ich sämtliche Einträge dieses Blogs nochmal durchgelesen oder zumindest überflogen und dabei gingen mir eine Menge Dinge durch den Kopf.

1. Ich habe manchmal sehr philosophische Anwandlungen und einen tollen Sinn für Humor.

2. Bezüglich Männern beschwere ich mich andauernd.

3. Hätte ich diese "Leselust" bezüglich des Blogs vor meiner Hochzeit gehabt wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht verheiratet.

Es ist merkwürdig wie schnell man Dinge ignoriert, die einen stören. Das winzige Kaff in dem man lebt, wo den Nachbarn nichts mehr interessiert als die Frage, ob du vielleicht gerade irgendwelchen Blödsinn machst, umgeben von kilometerweitem Nichts. Die (damals noch nicht) Schwiegermutter, die auch abends um 22.30 ungefragt im Wohnzimmer steht und nach irgendwelchen Rechnungen fragt. Den langweiligen Kerl den man sich geangelt hat (der Mensch ist ein Gewohnheitstier). Und so weiter.

 

Aber eigentlich wollte ich über was anderes schreiben.

Ich habe nächsten Sonntag ein "Date". Eine Verabredung zum Eis essen mit Julius. Der Mann, der vermutlich noch in meinem Kopf herumgeistern wird wenn ich in einem Altersheim vor mich hinvegetiere. Vielleicht gibt es das ja tatsächlich. Dass sich die Lebenswege zweier Menschen immer wieder kreuzen. Und sei es nur in einer Eisdiele. Er muss zahlen, was ursprünglich als Strafe dafür gedacht war, dass er auf meiner Hochzeit nicht mit mir tanzen wollte. Aber wahrscheinlich sind weniger die 6,50 Euro für meinen Eisbecher eine Strafe als die Tatsache, dass er Zeit mit mir verbringen muss. Vielleicht auch nicht, wer weiß das schon so genau.

Ich jedenfalls freue mich wahnsinnig auf ihn.

Es gibt da diesen Spruch "ich wollte mich geistig duellieren, aber du warst unbewaffnet" und ich habe leider festgestellt, dass ich wenig Menschen kenne, mit denen ich mich geistig duellieren könnte. Das wird jetzt furchtbar eingebildet klingen aber es gibt so verdammt viele Menschen, die unter meinem Niveau sind. Ich kann mit dummen Menschen einfach nicht umgehen. Oder mit langweiligen. Oder humorlosen. Intelligenz ist ja nicht vom Bildungsgrad abhängig, denn sonst müsste ich meinen Vater, den ich für wirklich klug halte aufgrund seiner geringen Schulbildung (damals hieß das glaube ich noch Volksschule) als dumm bezeichnen. Und die wenigen angemessenen Diskussionspartner in meinem Umfeld sehe ich leider viel zu selten. Einer von ihnen ist Julius.

Es ist verrückt wenn ich bedenke wie oft ich ihn schon verflucht habe. Aber irgendwie...

Ich bin neugierig. Ich stelle Fragen. Ich habe (für andere manchmal merkwürdig erscheinende) Gedanken über die ich gerne reden würde. Was aber nicht einfach ist weil offensichtlich viele Menschen vergessen wie vielseitig das Leben ist sobald sie sich in ihrem alltäglichen Hamsterrad eingerichtet haben. Mein Vater ist Schuld. Ich wollte als Kind immer so sein wie die anderen. Wenn ich etwas wollte begann ich meine Begründung mit "die anderen haben auch..." und das Argument, das postwendend zurückkam war "du bist aber nicht die anderen". Heute habe ich den Salat. Ich (und vor allem die anderen) müssen nun mit meiner individuellen Einstellung zurechtkommen oder sich von mir fernhalten - da ich mich aber nun schlecht von mir selbst fernhalten kann macht es das ganze nicht unbedingt einfacher.

Was ich sagen will ist, dass ich wohl ein Gegenüber brauche, das ebenfalls eine "unnormale" Denkweise hat und mich dadurch auf der einen Seite versteht und mir auf der anderen Seite durch seine Argumente mein Blickfeld erweitert. Es mir ermöglicht Dinge aus einer Perspektive zu  betrachten, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Der mich quasi geistig herausfordert. Mich inspiriert.

*seufz*

Neun Tage können verdammt lang sein wenn man auf etwas wartet. 

Mit meiner Freundin rede ich darüber lieber nicht, die lässt mich einweisen wenn sie hört, dass ich mich wieder mit Julius treffe...

 

 

18.06.2014 um 20:15 Uhr

schriftlich bestätigtes Versagen

Als ich gestern nichtsahnend den Briefkasten öffnete, befand sich darin ein Brief von der Kinderwunschpraxis in der wir seit einer Weile in Behandlung sind. Oder besser gesagt, noch nicht in Behandlung sind weil die dusselige Krankenkasse mit ihrer Kostenübernahme-Bescheinigung nicht in die Hufe kommt und wir deshalb noch warten müssen.

Es war eine Rechnung über einen lächerlich niedrigen Betrag von 6,80 für die Erstellung eines Behandlungsplans.

Diagnose: sterile Ehe

Klingt das nicht schrecklich? Ich meine, zuzugeben, dass das mit dem Kinder kriegen bei uns problematisch ist weil die Spermien meines Mannes nicht so richtig schwimmen wie sie sollten ist ja schon irgendwie blöd, klingt aber lange nicht so herzlos und endgültig.

Das Problem ist, es liegt nicht an mir und seit ich das weiß geht mir irgendwie nichts anderes durch den Kopf als "ich sollte mir einen anderen Mann suchen" oder mich zumindest von einem anderen schwängern lassen. Dann brauche ich weder die Hormonspritzen, noch die Eizellenabsaugung und die Befruchtung über mich ergehen lassen, und erspare mir so eine Menge Nadelstiche in meinen empfindlichen Körper. Außerdem ist mir die Lust auf Sex total vergangen, zumindest mit meinem Mann weil ich den idiotischen Gedanken habe, dass es ja eh nichts bringt (also kein Kind) und da bei mir ja der Spaßfaktor an der ganzen Geschichte begrenzt ist, habe ich einfach aufgehört.

Ich denke daran wie es sich wohl anfühlt Jan zu küssen. Es würde mir nicht einfallen, eine Beziehung mit ihm haben zu wollen, denn sollte ich mir jemals einen anderen Mann suchen mit dem ich ernsthaft mein Leben verbringen will, dann... (und ich wünschte mir würde nicht ausgerechnet dieses Beispiel einfallen).... dann jemanden wie Julius. Jemanden, der mit mir intellektuell auf einer Ebene ist. Mit dem ich diskutieren kann auch wenn wir unterschiedliche Meinungen haben. Der mich dazu bringt über Sex zu reden obwohl ich mir lieber die Zunge abbeißen würde als genau das zu tun. Der mich darin unterstützt Dinge zu tun auf die ich Lust habe und es nicht mit einem gleichgültigen "wenn du meinst" hinnimmt und sich nie nach den Fortschritten erkundigt.

Ich bin herzlos und egoistisch und ich fühle mich schrecklich deswegen. Aber ich habe keine Ahnung wie (oder ob) ich dagegen überhaupt etwas tun kann, geschweige denn will. Manchmal denke ich, ich sammle einfach Gründe um hier wegzukommen und ich tue eine Menge fieser Dinge damit mein Mann mich loswerden will (was vermutlich nie passieren wird weil er auch einfach alles erstmal aushält und hinnimmt und sich so gar nicht aus der Ruhe bringen lässt).

Vielleicht hätte ich nicht heiraten sollen. Es ist keine gute Idee den ersten, der einem einen Antrag macht zu heiraten nur weil man vielleicht nie einen zweiten bekommt. Falls ihr Single seit - merkt euch das und denkt daran wenn euch jemand einen Heiratsantrag macht. Notfalls lasst die Hochzeit platzen und sei es eine Woche vorher. Eine Bekannte sagte mir neulich, dass man selbst eine einvernehmliche Scheidung für Minimum 2.500 Euro bekommt. Ist das nicht unfair wenn man bedenkt, dass eine Hochzeit für weniger als 200 Euro zu haben ist?

Manchmal wünschte ich mir, ich könnte einfach aufhören nachzudenken und zufrieden mit dem sein, was ich habe. Im Prinzip geht es mir ja nicht schlecht. Wenn man davon absieht, dass ich am Arsch der Welt lebe, in meinem Job unterfordert bin, die Diskussionsthemen meines Umfeldes sich auf "Kinder(erziehung)" und "Nachbarschaftstratsch" beschränken und ich mich ständig frage ob das wirklich alles ist, was das Leben mir zu bieten hat.

Aber ich fürchte "zufrieden sein" ist eine Eigenschaft, die mir nicht mitgegeben wurde.