ungebremst ins Chaos

29.09.2014 um 22:45 Uhr

Meine unendliche Juli-Geschichte

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: philosophisch

Das Wochenende ist vorbei und ich versuche noch, mein Treffen mit Juli irgendwie einzuordnen. Das reinste Chaos.

Mein persönlich ausgemaltes Worst-Case-Szenario ist nicht eingetreten - wie auch, die Zeitspanne um eine Freundin zu finden, diese zu heiraten und zu schwängern war eindeutig zu kurz. Das mit der Freundin allerdings...

Es ist ein wenig kompliziert. Zusammen ist er mit ihr noch nicht, aber wenn es nach ihm geht, wird es wohl darauf hinauslaufen. Erstmal befinden sie sich jedoch in der Kennenlern-Phase in der ausgelotet wird, ob und wie es zwischen den beiden weiter geht.
Ich dachte, so eine Nachricht würde mich schwer aus den Socken hauen, nach dem ganzen Gefühlschaos in das er mich (mal wieder) gestürzt hat. Aber nein, das hat es nicht.

Möglicherweise liegt es daran, dass meine "Juli und ich - Traumpaar für immer"-Phantasie oder wie auch immer ich das nennen soll, für mich eben realistischerweise genau das ist. Eine Phantasie. Ein Traum der mir irgendwie Mut macht und mich ein wenig davon abhält, den Kopf möglichst tief in den Sand zu stecken und mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass mein Liebesleben furchtbar war, ist und sein wird.

Als Erklärungsalternative hätte ich dann noch ihr Alter anzubieten. Die Frau (wobei es mir irgendwie widerstrebt sie so zu nennen) ist gerade mal 18 Jahre alt. Ich weiß, es gibt 18jährige, die um Längen erwachsener sind als ich, aber diese sind selten zu finden und bislang hat Juli keine von diesen Exemplaren erwischt. Wenn ich mir also eine "Standard-18jährige" an Julis Seite vorstelle, brauche ich mir keine grauen Haare wachsen zu lassen. Denn dann kann ich mich entspannt zurücklehnen und warten, bis sich das "Problem" von alleine erledigt hat. Juli braucht jemanden, der ihm geistig annähernd ebenbürtig ist. Da würde ich mal selbstsicher behaupten, dass das bei "Durchschnitts-18jährigen" nicht der Fall ist.

Schrägerweise freue ich mich aber aufrichtig für ihn dafür, dass er offensichtlich verliebt ist. Erinnert sich jemand an mein Rätselraten bezüglich der Zwinkersmileys? Die sind hormonell bedingt. Der "normale" Juli benutzt so gut wie nie Zwinkersmileys - das ist mir am Samstagabend klar geworden, als er umgeben von dieser klebrig-süßen Aura des Verliebtseins dauergrinsend und wie ein Duracell-Häschen hin und her getigert ist.

Nichtsdestotrotz hatte ich eine Menge Spaß.

Ich hatte den besten Döner der Welt (nachdem die Imbissbude gerade schließen wollte als wir kamen und wir danach an der McDoof-Theke festgestellt haben, dass wir eigentlich nicht auf Burger und versalzene Fritten können), den ich weder bezahlen musste, noch den Müll wegräumen. Er meinte, er wäre ein guter Hausmann woraufhin ich lachend meinte, ich würde ihn heiraten und er würde den Haushalt schmeißen während ich die Kohle ranschaffe. Woraufhin er, zwar auch grinsend aber mit ernstem Unterton erwiderte, das wäre okay wenn er das mit seiner Firma geregelt bekäme. Dafür hatte ich prompt einen Vorschlag. Ich würde die Firma übernehmen. Da guckt er mich an und sagt im Brustton der Überzeugung: "Dir würde ich sogar zutrauen, dass du das  hinbekommst. Wahrscheinlich sogar ziemlich erfolgreich."

Ernsthaft, ich liebe es wie er mich sieht. Zumindest was das angeht. Ich bin eine kluge Frau die alles kann was sie sich in den Kopf setzt. Ich wünschte, ich hätte diese Einstellung auch und würde mich nicht ständig selbst klein machen. Ich meine, theoretisch weiß ich, dass ich echt was drauf habe, aber in der Realität fehlt mir manchmal einfach der Mut. Ich arbeite dran.

Später war ich dann tatsächlich mal mutig. Ich habe ihm nämlich gesagt, dass ich die Art wie er mich sieht, mag - selbst wenn ich das nicht so genau definieren kann.
Schweigen.
Dann fing er an zu reden und mir fiel wieder ein, warum ich über solche Dinge mit Juli nicht reden sollte. Er kennt mich einfach zu gut. Bäm - Bäm - Bäm. Jeder Satz ein Volltreffer. Aber irgendwann machte er Schluss mit seiner Aufzählung und (so ungern ich mir auch Wahrheiten über mich anhöre) ich hätte gerne mehr erfahren. Ich lerne daraus so unendlich viel über mich selbst und über mein Gegenüber. Sehr spannend. Aber ich fand auch, dass er mit einem Satz besonders richtig lag: "Manche Dinge müssen einfach ungesagt bleiben."

Tatsächlich haben wir uns fest vorgenommen, uns öfter zu sehen als wir es in den vergangen Jahren getan haben, auch wenn das sicher nicht einfach werden wird auf Grund unserer Terminkalender usw.

Seufz.

Dieses Juli-Ding ist echt kompliziert.

Manche Menschen möchte man gleichzeitig umarmen  und an den Rand des Universums schießen...

25.09.2014 um 19:45 Uhr

Warten ist scheiße!

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?   Stichwörter: warten, Date, Wochenende, Vorfreude

Stimmung: aufgekratzt
Musik: Revolverheld: Ich werde nie erwachsen

Noch zwei Tage bis zu meinem Treffen mit Juli. Nachdem ich am Dienstag meiner Neugier davongelaufen bin, gestern einen Kreativschub hatte und die halbe Nacht damit verbracht habe, an einer Fanfiction zu arbeiten, habe ich den heutigen Nachmittag mit einem ausgiebigen Schaumbad eingeläutet, in Mittagsschläfchen gemacht und später Konfirmanden bespaßt. Ich war also gut abgelenkt.

Heute morgen musste ich mal wieder über den Comic in unserer Zeitung lachen.

Bild 1: Die Frau sagt zum Mann: "Willst du noch auf einen Kaffee mit reinkommen?"

Bild 2: Die Frau sagt: "Du musst aber gehen bevor mein Mann nach Hause kommt."

Bild 3: Der Mann fragt: "Wann kommt dein Mann den nach Hause?"
          Die Frau antwortet: "Nächste Woche."

Mein Mann fand das weniger witzig. Der fährt nämlich am Montag zu einem Lehrgang... Ja, klar, als ob ich in diesem Dorf, in dem jeder Nachbar gleichzeitig ein Spion ist, mir irgendwelche Männer einladen und sie mehrere Tage beherbergen würde.

Morgen habe ich frei. Ich werde den Vormittag für meine Wäsche und einen "Ausflug" ins Fitnessstudio nutzen und dort mit meinem neuen Trainingsplan starten. Tschüß Bauch, Tschüß Speckröllchen, Tschüß Schwabbelarme! Hallo Traumkörper!

Nach einer ausgiebigen Dusche, einem Eiweißshake und einem kurzen Plausch mit "wer auch immer morgen den Service macht" geht es dann für mich in die alte Heimat, wo nachmittags erstmal ein Treffen mit meiner kranken Schwester und meinem Lieblingsneffen ansteht. Vielleicht halte ich auf dem Weg nochmal an zum Shoppen. Ich brauch noch ein rotes Oberteil...

Für Samstag "Tag" ist die Planung noch nicht allzuweit fortgeschritten, aber ich denke Mal, ein paar Cappucinos bei meiner Freundin werden wohl drin sein und Lernen muss ich ja zwischendurch auch noch.

Warten an sich ist scheiße, aber es erhöht die Motivation tausend andere Dinge zu erledigen um sich abzulenken. In diesem Sinne... Ich geh dann mal Wäsche falten.

23.09.2014 um 19:25 Uhr

Zur Hölle mit den Zwinkersmileys

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Musik: Ladies night

So schnell kann's gehen. Eben noch mangels SMS-Rückmeldung am Grübeln und schon ist man WEGEN eines SMS-Dialoges am Grübeln.

Als ich heute völlig entgegen meiner sonstigen Gewohnheit auf dem "Firmenparkplatz" noch mal auf mein Handy sah, traf mich fast der Schlag. Eine SMS von Juli. Und zwar eine gewohnt kurze, denn sie bestand nur aus zwei Wörtern.

(Juli) Samstag Abend?

Super. Samstag Abend bedeutet er "gehört" mir. Keine nachfolgenden Dates. Zumindest nehme ich das an, es lohnt sich ja sonst auch nicht. Also keine Fragen stellen und den Termin sichern.

(Ich) Nehm ich. Und ich dachte schon, ich hätte was falsch gemacht.

(Juli) Nee alles gut... gibt nur Neuigkeiten *ZWINKERSMILEY*

Neuigkeiten? Hm. Sonst kündigt er sowas doch auch nicht vorher an. Und was bedeutet dieser verfluchte Zwinkersmiley???

(Ich) Ich hoffe, es sind Gute. *Grinsesmiley*

(Juli) Ansichtssache *ZWINKERSMILEY*

WAAAAH. Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn. Klar, ich weiß was "Ansichtssache" bedeutet - aber wieso dieser verfluchte Zwinkersmiley???

(Ich) Na hoffentlich ertrage ich das...

(Juli) Bestimmt

Danach habe ich mich nicht getraut, weiter zu fragen. Ich habe nicht den blassesten Hauch einer Ahnung, was für Neuigkeiten das wohl sein können. Okay, seinen Hochzeitstermin wird er jedenfalls nicht verkünden - immerhin ist er Single. Und wenn er glaubt, dass ich diese Neuigkeiten vertrage, dann wird er mir auch keine neue Freundin vorstellen. Oder mir sagen, dass ich mich zur Hölle scheren und ihn in Frieden lassen soll. Soviel also zum Thema MEGA WORST CASE Szenario. Aber bei Juli weiß man nie...

Ehrlich, das ist schlimmer als Weihnachten. Klar versucht meine Schwester da auch jedes Mal, mich erst meganeugierig zu machen um mich dann zappeln zu lassen, aber was Weihnachtsgeschenke angeht, habe ich im Lauf der Jahre eine gewisse Grundgelassenheit entwickelt.

Aber wenn Juli Neuigkeiten ankündigt... Da habe ich kein gutes Gefühl. Und jetzt muss ich tatsächlich VIER GANZE TAGE warten bis ich erlöst werde. Männer können echt so unsensibel sein. GRMPF

Nichtsdestotrotz, ein Gutes hatte die ganze Sache immerhin. Ich habe es heute tatsächlich geschafft 15 Kilometer zu laufen. Zwei Stunden in denen ich nicht darüber nachgedacht habe, was mich am Samstag erwartet. Okay, wir sprechen jetzt mal nicht über die ersten zehn Minuten in dem ich mich nackt unter ihm in seinem Bett gesehen habe... Verflucht noch eins, irgendwie fühlt es sich an, als würde ich mein Leben zurückbekommen.

21.09.2014 um 22:47 Uhr

Was ist eigentlich so schwer am SMS-schreiben?

von: blacksheep   Kategorie: Gedanken

Es ist Sonntagabend, es ist spät und ich langweile mich. Was liegt da näher als über Dinge nachzudenken, die einem sinnlos das Hirn verkleben obwohl man genau weiß, dass genau dieses Nachdenken es noch schlimmer macht?

Ich komme wohl nicht umhin zuzugeben, dass es jemand bestimmtes ist, der mich dazu veranlasst über so "lebenswichtige" Dinge wie SMSen nachzudenken. Ich muss auch zugeben, dass dieser ganze alberne Kram mich selbst sowas von nervt dass ich am liebsten gar nicht drüber reden, geschweige denn nachdenken möchte. Das Dumme an der Sache ist nur: das Denken kann man nicht abschalten. Und wenn man darüber nicht reden will, es aber trotzdem loswerden muss, kann man immerhin das www damit nerven.

Tut mir leid. Ihr müsst herhalten.

In meinen Bemühungen, möglichst unverfänglich und dabei irgendwie witzig zu sein, habe ich hin und wieder mal eine SMS an Juli verschickt, auf die er aber nicht reagiert. Das eine oder andere Mal denke ich "okay, ich habe keine Frage gestellt und er hasst unnütze Nachrichten" andererseits habe ich neulich noch erlebt, dass er den ganzen Abend mit einer Person getextet hat über die er gesagt hat sie würde ihm auf die Nerven gehen. Da fass ich mir doch an den Kopf. Wenn mich jemand nervt texte ich nicht zurück. Mal abgesehen davon, dass es unhöflich ist ständig das Handy in der Hand zu halten wenn man Besuch hat und diese Texterei nicht lebenswichtig ist.

Woran liegt es also, dass er bei mir nicht reagiert?

Er hat keine Zeit.
Ach ja? An 7 Tagen in der Woche 24 Stunden lang keine Zeit zu haben um ein paar Buchstaben ins Handy zu tippen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.

Er will keinen Kontakt.
Dann würde er mir keine Geburtstagssms schreiben und wenn doch, dann würde da nicht drinstehen dass er hofft mich bald wieder zu sehen.

Ich nerve.
Mich selbst, ja. Aber zwei SMS in drei Wochen kann man wohl schwer als nervig bezeichnen, oder?

XXXXXXXXX
Erklärungsvariante Nummer 4 befindet sich gerade im Löschvorgang. Ja, ich habe vorhin gesagt, man kann das Denken nicht abstellen, aber mit ein bisschen Mühe kann man sich vielleicht manchen Gedanken einfach mal verkneifen.

So, genug genervt. Ich versuche jetzt mal, mich in innerer Gelassenheit zu üben...

17.09.2014 um 22:11 Uhr

Könnt ihr in die Zukunft sehen?

von: blacksheep   Kategorie: Gedanken

Als ich heute Vormittag einer ungemein stumpfsinnigen, aber notwendigen Arbeit nachging, die mit einem Gummianzug und einem Hochdruckreiniger zu tun hat, hatte ich Zeit nachzudenken. Nicht, dass ich von dieser Zeit nicht ohnehin viel zu viel hätte, ob ich nun will oder nicht. Also dachte ich an die Zukunft.

Genauer gesagt, dachte ich über die im Titel genannte Frage nach.

Auf den ersten Blick ist die Antwort auf diese Frage wahrscheinlich "nein", deshalb muss ich dazu sagen, sie ist nicht wörtlich gemeint. Eher im übertragenden Sinne.  In etwa so als würdet ihr in einer leeren Wohnung stehen und  zu eurem Begleiter sagen: "Da steht die Couch, darüber das Bild mit dem Sonnenuntergang... Ich sehe das alles schon ganz genau vor mir."

Letztens wurde ich gefragt, wie ich die Zukunft sehe. Da mir diese Frage in einem wirklich, WIRKLICH äußerst ungünstigen Moment gestellt wurde, hätte meine spontane Antwort "schwarz" gelautet. Aber da mein Hirn noch halbwegs arbeitete, antwortete ich ebenso wahrheitsgemäß: "Ich sehe gar nichts." Was immerhin nicht so einen negativen Nachklang hat. Es ist nunmal so. Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Auch nicht in leeren Wohnungen, aber dort sehe ich immerhin grob, wo was am  besten stehen sollte. Das ist immerhin ein Anfang.

In einer Maßnahme für arbeitslose Jugendliche (vor gefühlten hundert Jahren, und so ganz jugendlich waren wir da auch nicht mehr) hatten wir mal die Aufgabe zu beschreiben, wie wir uns unser Leben in fünf Jahren vorstellen. Hallo? Ich weiß noch nicht mal wie mein Leben in fünf Tagen aussieht, woher soll ich dann wissen wie es in fünf Jahren sein wird? Sicher, niemand kann wissen was in fünf Jahren oder nächste Woche sein wird, aber damals hatte ich so viele Ideen wie sich mein Leben entwickeln könnte. Nach der Ausbildung in eine große Stadt ziehen, weiter in der Nähe wohnen und einen Meisterkurs besuchen, einen echt tollen Typen kennenlernen und mit ihm nach Spanien auswandern... whatever.

Eine Freundin von mir sagt immer, als sie ihren (jetzigen) Mann zum ersten Mal gesehen hat wusste sie, dass sie ihn mal heiraten wird. Damals war sie 17 und heute ist sie immer noch glücklich mit ihm. Klar fliegen auch bei den beiden manchmal die Fetzen, aber sogar dann kann man sehen, dass sie sich lieben. Klingt ein wenig nach Kitschfilm, ist aber so. Ich erlebe es live. Immer wieder.

Das einzige in der Zukunft, das ich schon gesehen habe, ist Julis Baby. Wohlgemerkt, Julis Baby. Wer die Mutter dazu ist, habe ich nicht gesehen. Aber ich sah ein entzückendes kleines Wesen mit vollen Lippen und Stupsnase. Dabei fällt mir auf, dass ich auch nicht gesehen habe, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Hm.

Wie auch immer. Könnt ihr in die Zukunft sehen oder ist da auch so eine Art Vakuum in dem höchstens mal schemenhaft etwas vorbeischwirrt?

15.09.2014 um 21:18 Uhr

Sport im Allgemeinen, das Laufen im Besonderen und ich - die dicke Schnecke

von: blacksheep   Kategorie: Gedanken

Ich weiß nicht, ob ich es in diesem Blog schon irgendwann mal geschrieben habe, aber ICH HASSE das LAUFEN.  Ihr wisst schon, enge Hosen, ärmellose Tops, teure Turnschuhe die nicht mal schön aussehen und damit dann kilometerwald durch die Gegend laufen ohne ein richtiges Ziel zu haben.

Trotzdem tue ich es so ziemlich regelmäßig und einigermaßen ernsthaft, so dass ich in diesem Jahr schon über 400 Kilometer gelaufen bin. Wahrscheinlich fragt sich der eine oder andere, warum ich denn laufe wenn ich es doch so schrecklich finde. Ganz einfach: ich wollte mir was beweisen. Ich WILL mir was beweisen. Nämlich dass sogar ich in der Lage bin, einen Halbmarathon zu laufen. Gut, Anfang des Jahres lag mein oberstes Ziel bei 10 Kilometern, aber seit ich laufe habe ich so ein paar (liebenswürdige) Verrückte kennengelernt die mich bewusst oder unbewusst zu solchen Sachen Treiben.

Wenn ich allein meine Runden gedreht habe, bin ich nie ohne meinen iPod losgelaufen weil... Warum eigentlich? Ich weiß nicht genau, wahrscheinlich weil ich Langeweile ganz schrecklich finde und der Meinung war, allein laufen ohne Musik wäre sterbenslangweilig. Ist es auch. Jedenfalls die ersten fünf Kilometer. Die ersten fünf Kilometer sind der reinste Horrortrip. Ich laufe grundsätzlich zu schnell los und habe nach 2km das Gefühl, ich müsste nötigst aufhören. Meine Beine fühlen sich an wie Betonpfeiler (schwer und unbeweglich), meine Füße entfernen sich gefühlt NULL vom Boden und der Kilometeranzeiger meiner GPS-Uhr (für die ich ein Vermögen ausgegeben habe) bewegt sich ebenso langsam wie die Schnecke in Laufschuhen, an deren Arm sie sitzt. Außerdem denke ich nach. Über meine dicken Beine, die bescheuerte Idee mit dem Halbmarathon, was ich esse wenn ich zu Hause ankomme, über mein langweiliges Leben und die Frage, wann ich endlich mal wieder morgens ohne Rückenschmerzen aufwache. Aber dann. So nach 5 oder 6 Kilometern, da läuft es plötzlich wie von selbst. Meine Füße bewegen sich einfach Schritt für Schritt vorwärts, ich hab mein Lauftempo gefunden und mein Kopf ist leer. Ehrlich, ich habe schon versucht in diesem Zustand über irgendwas nachzudenken - es funktioniert nicht. Ich glaube, das ist inzwischen mein Hauptgrund für die ganze Lauferei. Ich LIEBE diese Leere im Kopf.  Alles ist so leicht - sogar die 80kg-Schnecke die läuft - und ich kann mich nicht mal über irgendwas aufregen.

Und wenn ich nach der Laufrunde aus der Dusche komme und mich auf die Couch fallen lasse, fühle ich mich einfach phantastisch. Sehr k.o. aber phantastisch.

In Kombination mit dem Training im Fitnessstudio und einem Personal Trainer, den ich mir zwischenzeitlich mal für ein paar Stunden gegönnt habe, habe ich schon einiges erreicht.

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Male im Fitnessstudio, das damals gefühlt einzig und allein aus Spiegelwänden bestand, die ich am liebsten mit Bettlaken zuhängen wollte weil ich nicht reinsehen mochte. Und jetzt? Heute stand ich mal ganz bewusst vor so einer Spiegelwand und dachte nur: "Verdammte Scheiße, seh ich gut aus" Okay, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber im Vergleich zu damals ist es wirklich zutreffend. Und ich hab's fast ganz allein geschafft "with a little help from my friends" und David, meinem Lieblingstrainer.

15.09.2014 um 00:13 Uhr

Was wäre, wenn...?

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Habt ihr euch schonmal gefragt wie euer Leben jetzt aussehen würde, wenn ihr euch in dieser oder jener Situation anders entschieden hättet als ihr es getan habt? Oder wie es sich in Zukunft entwickeln würde wenn sich JETZT etwas ändert?

Wahrscheinlich. Ich glaube jeder tut das mal. Die einen mehr, die anderen weniger intensiv.

Es ist jetzt etwa sechs Wochen her dass ich bei  Juli übernachtet habe und, was soll ich sagen, er fehlt mir. Und ich habe absolut keine Ahnung wie ich damit umgehen soll. Warum denke ich ständig an ihn? Geht es mir wirklich um ihn und die Chance, die wir vielleicht verpasst haben oder geht es vielmehr um die theoretische Vorstellung wie mein Leben jetzt aussehen könnte wenn ich nicht in diesem Hamsterrad von Ehe festhängen würde bei der ich in letzter Zeit das Gefühl habe, dass es der Fehler meines Lebens war.

Wie auch immer. Im Haus ist es still, es stinkt nach Anti-Schimmel-Spray und ich sitze kurz vor Mitternacht in meinem Büro und denke darüber nach welche Möbel noch in Julis Wohnung passen und auf welche meiner unendlich vielen Sachen ich verzichten könnte wenn ich dafür ein neues Leben bekomme.

Das ist bescheuert, oder?

Ich hatte das Gefühl zwischen mir und Juli ist irgendwas. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Es ist etwas  besonderes, das uns verbindet und es ist so schwer greifbar dass wir uns beide in gewissem Sinne davor fürchten. Wie sonst ist es zu erklären, dass wir uns trotz der ganzen Jahre und des mehr als spärlichen Kontakts den wir in der Zeit hatten, immer noch wieder zusammenfinden? Und es mir danach immer so vorkommt als würde er mich wieder so weit wie möglich von ihm wegschieben.

Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht bin ich zu sehr Kitschfilmgeschädigt dass ich mir einfach wünsche, dass es den "Richtigen" wirklich gibt.

Ich würde ihm das alles gerne mal sagen. Aber allein der Gedanke daran, das tatsächlich zu tun löst bei mir sowas wie Panik aus. Ich hab so viel Angst davor, dass er danach NIE WIEDER mit mir redet, dass ich es lieber  bleiben lasse. Auf der anderen Seite denke ich, wenn es ihm (so unwahrscheinlich es auch sein mag) ähnlich geht wie mir, jemand den Mut aufbringen muss, den ersten Schritt zu tun. Gibt es sowas im wahren Leben? Und wenn ja, wo ist der Helfer, der ein Herz mit den "Liebenden" hat und ihnen auf die Sprünge hilft?

Ich glaube, ich werde verrückt. Zumindest ein bisschen.