ungebremst ins Chaos

18.10.2014 um 19:07 Uhr

Laufend raus aus der Komfortzone

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Ich würde mich selbst ja weder als besonders sportlich noch als besonders ehrgeizig bezeichnen und trotzdem werde ich es morgen tun. Ich werde einen Halbmarathon laufen. Das ist schon ein wenig seltsam wenn ich bedenke, dass ich Läufer früher immer als "Verrückte" bezeichnet habe. Menschen die stundenlang mehr oder weniger ziellos durch die Gegend laufen waren mir damals suspekt.

Aber je älter man wird umso mehr richtet man es sich im Alltag ein. Und wenn man dann feststellt, dass es immer wieder dasselbe ist, wenn nichts neues und schon gar nichts aufregendes mehr passiert, fängt man an sich zu fragen ob das alles war. Ob nicht noch irgendwas geht. Man fängt an sich umzugucken. Sich an Dinge zu erinnern, die man früher auf seiner "to-do-Liste des Lebens" stehen hatte. Oder man schreibt sich einfach eine neue.

Ich wollte einfach nur einen Volkslauf mitmachen. 5 Kilometer laufen, die Ziellinie überqueren, fertig. Als ich angefangen habe, hat mir jeder Läufer, den ich kennengelernt hat gesagt: "Wenn du die fünf geschafft hast, dann willst du als nächstes zehn". Und ich habe immer mit dem Kopf geschüttelt und gesagt: "10, nie, das geht doch mit dem Auto viel schneller" und vor allem ist es im Auto nicht so anstrengend. Ich hab die fünf geschafft, dann die zehn, neulich 12 und morgen... ja, morgen schaffe ich die 21. Und danach ist nicht auszuschließen, dass ich eines Tages tatsächlich einen Marathon laufe.

Nie ist die Komfortzone einfacher zu verlassen als beim Laufen. Zumindest ist das bei mir so. Denn meine allererste Komfortzone ist mein Sofa. Mich in Sportklamotten zu schmeißen und draußen zu laufen ist die erste große Hürde. Die zweite Hürde sind die magischen 5 Kilometer. Die sind immer die Hölle. Ich laufe zu schnell los, meine Beine schreien nach dem Sofa und mein Kopf denkt nach - über alles mögliche. Danach ist das alles egal. Da bewegen sich meine Beine von selbst vorwärts und mein Kopf ist leer.

Das schöne an meinem neuesten Hobby ist ja, dass man es nahezu überall tun kann und nichts weiter braucht als ein paar vernünftige Schuhe und ein paar Sportklamotten. Die müssen ja nicht aus der aktuellsten Markenkollektion sein und ein Vermögen kosten, die aus dem Discounter tun's auch für den Anfang. Und weil ich ja gerne unterwegs bin, entdecke ich jetzt laufend die Welt. Okay, vielleicht nicht die Welt, aber immerhin bin ich schon bis in die Niederlande gekommen um zu laufen.

13.10.2014 um 00:43 Uhr

Verliebt in einen Unbekannten?

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Kann man sich in jemanden verlieben, den man noch nie gesehen hat? Von dem man nichts weiter weiß als das, was er einem in Mails oder chatrooms von sich verrät?

Ich denke schon. Irgendwie.

Mir ist natürlich bewusst, dass "Papier" geduldig ist und wahrscheinlich nirgendwo so viel gelogen wird wie in Chatrooms, aber ich glaube auch dort entwickelt man im Lauf der Zeit ein Gespür dafür, wann der andere lügt und wann er "er selbst" ist.

Ich komme nicht einfach so auf dieses Thema. Natürlich nicht, schließlich geht es ja um mein Leben. Oder zumindest um Themen, die mein Leben irgendwie berühren oder mich beschäftigen.

Ich habe jemanden kennengelernt. In einem Chatroom. Vor über einem Jahr. Wir haben uns eine Weile aus den Augen verloren, aber inzwischen schreiben wir ziemlich regelmäßig. Man könnte fast sagen, der Sonntagabend gehört uns. Er hat schonmal den Versuch gemacht nach einem Foto von mir zu fragen, aber er akzeptiert widerspruchslos, dass ich das bislang abgelehnt habe. Jetzt steht die Frage im Raum ob wir uns treffen sollen/wollen. Wir haben eine Weile herumgesponnen wie das aussehen würde, was wir machen und so weiter.

Er will das unbedingt, obwohl er, wie er schreibt, Angst davor hat mich zu enttäuschen. Ich kann diese Angst nachvollziehen, denn trotz allem, was wir inzwischen voneinander wissen, bin ich eine Fremde für ihn. Möglicherweise liegt es daran, dass ich wesentlich älter bin als er und deshalb vielleicht der Meinung ist, meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Das widerum verstehe ich nicht. Schließlich hat er ja nicht die ganze Zeit großmäulig verkündet, dass er Casanova Konkurrenz machen könnte und ein super Liebhaber ist. oder das er aussieht wie Brad Pitt zu seinen besten Zeiten (die ja so langsam vorbei sind).

Seltsamerweise hat er keine Angst, dass er von mir enttäuscht sein könnte.

Ich habe die schon. Ich hätte das vermutlich nicht, wenn ich ein Mann wäre und mit einer wesentlich jüngeren Frau flirten würde, denn das ist ja heutzutage schon Standard (man erinnere sich an Juli und seine 15jahre Jüngere Flamme). Aber wenn ich jetzt Händchen haltend mit einem Anfang 20jährigen durch die Stadt flaniere - wie sähe das denn aus? Obwohl der Altersunterschied in etwa derselbe wäre. Wahrscheinlich mache ich selbst daraus ein Problem. Aber ich bin weder Madonna noch Demi Moore oder mit deren Selbstbewusstsein ausgestattet als das ich so tun könnte als sei es das normalste der Welt (selbst wenn es das vielleicht ist und wir uns nur durch irgendwelche gesellschaftlichen Regelungen die wir uns ausgedacht haben einreden lassen dass es das eben nicht ist).

Aber trotz dieser Angst wächst der Wunsch ihn kennenzulernen. Herauszufinden wie viel von dem was er schreibt echt ist und wieviel von dem was er gerne wäre in dem steckt was er schreibt. Man kann sich ja hinter geschriebenen Worten so gut verstecken. Wer wüsste das besser als ich?

Wir haben heute lange miteinander geredet und irgendwann saß ich hinter meinem Laptop und hatte ein flaues Gefühl im Magen und Herzklopfen. Und das auf eine Weise wie ich es ewig nicht hatte.

Das Blöde ist nur, ich weiß dass, wenn wir uns einmal gegenüber gestanden haben, es zwischen uns nie wieder so sein wird wie es jetzt ist. Ob es eine positive oder negative Veränderung geben wird, sei jetzt mal dahin gestellt, aber es wird sich etwas verändern. Stellt sich nur die Frage was besser ist. Das Risiko einzugehen oder das Gefühl zu genießen und zu träumen so lange es anhält.

Ich glaube, ich habe mir die Antwort längst gegeben als ich nach Hotelzimmern in seiner Stadt geschaut habe. Ich bin es leid, Dinge zu bereuen, die ich  NICHT getan habe.


06.10.2014 um 00:23 Uhr

Ich glaub, jemand hat ein Buch über mich geschrieben...

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Als ich mich im Juli stundenlang in einem großen Kölner Buchladen aufhielt, konnte ich  natürlich  nicht umhin, mir das eine oder andere Exemplar mitzunehmen. Es gibt halt Läden, dich ich nicht betreten sollte. Vor allem Buchläden nicht.

Wie auch immer. Gestern nahm ich dann dieses Buch zur Hand und fing an zu Lesen. Es handelt von einer Frau Ende 30, verheiratet, kinderlos, guter Job, die sich jedoch in ihrer Ehe nicht mehr wohl fühlt. Eines Tages lernt sie einen Mann kennen, der eine ihr völlig unbekannte Seite in ihr weckt. Der will jedoch keine Beziehung (was ihr anfangs ganz Recht ist) und die beiden treffen sich monatelang in seiner Wohnung. Je länger es dauert umso mehr ist sie von ihrem Mann genervt was natürlich in der Katastrophe endet, dass sie nun eine Beziehung mit ihrer Affäre will (entgegen dem Rat ihrer besten Freundin) weil sie der Meinung ist, er hätte sie "gerettet". Sie trennt sich von ihrem Mann und ist steht dann erstmal ganz alleine da. Okay, am Ende taucht dann doch noch ein Mann auf in den sie sich wirklich verliebt, aber die ungefähr 290 Seiten bis dahin saß ich auf meinem Sofa und dachte: "ich versteh die Frau so gut" und ich hätte mich wahrscheinlich ähnlich bescheuert verhalten wie sie.

Dem Himmel sei Dank, dass dieses 18jährige Wesen in Julis Leben aufgetaucht ist, bevor ich mich gänzlich zum Affen mache. Wobei ich (ja, schlagt mich ruhig dafür) immer noch glaube, dass zwischen Juli und mir eine besondere Art der Verbindung besteht.

Jedenfalls wurstele ich mich jetzt erstmal weiter durch mein Leben und versuche herauszufinden, was genau ich eigentlich will. Leider ist es nie so leicht wie in Büchern oder der Zeitpunkt an dem es wie aus heiterem Himmel einfach mal Peng! macht und alles irgendwie Sinn hat und besser wird ist bei mir noch nicht gekommen. Und Geduld ist ja nun auch nicht gerade meine starke Seite.