ungebremst ins Chaos

18.02.2015 um 20:11 Uhr

Loslassen

von: blacksheep   Kategorie: Gedanken

Stimmung: nachdenklich - philosophisch
Musik: nothing is over - sunrise avenue

Heute früh las ich beim Durchblättern meines Notizbuches den Satz "Was du liebst, lass frei" und da ich gerade in die Fastenzeit gestartet bin und es da ja auch um Verzicht und "Loslassen" geht, fand ich das ein gutes Thema über das ich heute nachdenken könnte.

Man braucht diesen oder ähnliche Sätze ja oft wenn es um Kinder geht. Darum, dass man nicht wie eine Glucke auf ihnen sitzen sondern ihnen die Möglichkeit geben soll, eigene Erfahrungen zu machen, selbst wenn man dabei hin und wieder auf die Nase fällt. Klar möchte ich Menschen, die ich liebe, Kummer ersparen, aber wie sollen wir denn stark werden, wenn wir nicht lernen, schwere Situationen zu meistern oder mit Niederlagen umzugehen?

Es heißt auch, dass man die Dinge verschenken soll, die man selbst gerne hätte. Aber warum ist das so schwer?
Vielleicht, weil man sich oft durch das definiert, was man besitzt oder geleistet hat. So wie es auch schon mal in der Werbung gezeigt wurde "Mein Haus, mein Auto, mein Boot" .... mein Doktortitel.... meine wohlerzogenen und intellligenten Kinder... und so weiter.

Vielleicht ist es aber auch nur Gewohnheit. Wir halten an Dingen fest, weil wir zu faul sind, sie zu ändern. Oder auch zu feige. Wer kann schon genau sagen, wo das eine aufhört und das andere anfängt.
Zum Beispiel in Beziehungen, seien es nun Partnerschaften oder Freundschaften. Man erhält sie aufrecht obwohl sie schon lange nicht mehr in der Form existieren wie sie einmal waren oder wie wir sie gerne sehen würden.

Natürlich geht das auch mit materiellen Dingen. Warum bewahre ich meine Boygroup-Poster & Bravoartikelsammlung zwei Jahrzehnte fein säuberlich eingeheften in Aktenordnern auf die in meinem Regal vollstauben und Platz wegnehmen? Weil sie mich an eine Zeit erinnert in der ich jung, unbeschwert und das Leben unkompliziert war (mal abgesehen von Jungs)? Aber die Erinnerung verschwindet doch nicht, nur weil man einen Haufen Altpapier entsorgt. Vielleicht wird sie ein wenig tiefer vergraben in den millionen anderer Erinnerungen in meinem Kopf, aber wer sollte sie mir denn wegnehmen?

Warum sammeln wir diesen ganzen Ballast an? Warum fällt es uns so schwer uns mit dem zu  begnügen was wirklich wichtig ist? Essen, ein Dach über dem Kopf, Freundschaft/Familie?

Alles was wir ansammeln, bremst uns aus. Das fängt ja schon beim eigenen Körpergewicht an. Je mehr man wiegt umso schwerer fallen einem manche Dinge. Es ist doch unbestritten, dass man mit einer Joey-Kelly-Statur schneller läuft als mit der von Ottfried Fischer. Allein schon aus physikalischen Gründen. Schwungmasse, Erdanziehungskraft und so weiter.
Wenn ich ein ganzes Haus voller Krempel habe, kann ich nicht spontan beschließen, in einen Bauwagen zu ziehen ohne mich von 85% meines Besitzes zu verabschieden.

Aber warum habe ich dieses ganze Zeug obwohl ich es doch eigentlich nicht wirklich zum Leben brauche?
Angst vor der Leere die entsteht wenn alles weg ist?

Wahrscheinlich aus denselben Gründen wie ich so lange kein Freund von weißen Wänden war. Sie sind leer, weiß, langweilig, unberührt. So ziemlich alles was mir irgendwie unheimlich ist, wo die Welt doch groß und bunt und voller Abenteuer steckt.

Was meint ihr?

11.02.2015 um 23:40 Uhr

Manchmal ist das Leben kompliziert

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Es gibt Dinge, von denen man besser die Finger lassen sollte.

Adam und Eva hätten nicht vom Baum der Erkenntnis essen sollen.
Pandora hätte die Büchse, in der das Leiden der Welt eingeschlossen war, nicht öffnen sollen.

Ich sollte nicht zulassen, dass sich Juli immer wieder in meine Gedanken schleicht.
Wäre es vermessen ihn als meine persönliche "Büchse der Pandora" zu bezeichnen? Vermutlich.

Es ist doch verrückt.
Ich meine, nach allem was ich mit/wegen ihm schon durchgemacht habe, sollte man meinen, dass er irgendwann mal aus meinem Kopf verschwindet weil er mir eindeutig nicht gut tut. Auf der anderen Seite gibt es kaum jemanden, der es schafft, meinen Blick zu weiten, Dinge von einem anderen Standpunkt zu betrachten oder Meinungen in Frage zu stellen.

Man sagt ja öfter mal "das ist unter meinem Niveau" und hin und wieder habe ich den Eindruck, das genau das mein Problem ist. Es gibt so viele Menschen in meinem Umfeld mit denen ich nicht reden kann weil sie mir so unflexibel erscheinen. Geistig unflexibel. Festgefahren im Alltagstrott, im Hamsterrad des Lebens. Es gibt kein anderes Thema als die Kinder, den Mann/die Frau, den Job. Jedes Mal dasselbe. Dabei ist die Welt so groß und es gibt so viele Dinge, über die man reden kann.

Afghanistan.

Pilotenstreiks.

Wie viele Klorollen verbraucht ein Mittelklassehotel im Monat?

Warum gibt es gefühlte 1000 Sorten Mineralwasser im Supermarkt obwohl sie alle gleich schmecken?

Mit Juli kann ich über Gott und die Welt reden - im wahrsten Sinne des Wortes. Und das obwohl er bei so vielen Dingen eine andere Meinung hat als ich.

Fatal, dass mich hier niemand unterbricht wenn ich zum millionsten Mal dasselbe schreibe.

Aber vielleicht kennt ihr das Gefühl ja auch. Das man die Antwort auf eine Frage sucht und dafür immer und immer wieder alles durchkaut, in der Hoffnung, er Antwort wenigstens ansatzweise nahe zu kommen. Und wenn man Glück hat, findet man auch mal ein Teil des Puzzles, das die Antwort darstellt.

Warum schaffe ich es nicht, Juli einfach als einen sehr guten Freund zu sehen?
Der er zweifellos sein kann, wenn ich bedenke, dass er vorhin angerufen hat nachdem ich mich geweigert habe, ihm eine ehrliche Antwort auf seine "und wie gehts dir?"-Nachricht zu geben.

Warum ist es so schwer, einfach mal mit dem, was man hat, zufrieden zu sein?

09.02.2015 um 18:37 Uhr

Stille

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Wenn man wochenlang Trocknungsgeräte im Haus hat, die 24/7 durchlaufen und das in einer Lautstärke, die zwei Staubsaugern auf voller Leistung ähnelt, dann wünscht man sich irgendwann nichts mehr als dass das blöde Teil endlich wegkommt damit es wieder still ist.

Sogar ich.
Dabei kann ich Stille gar nicht vertragen.
Zumindest meistens.

Und mit Stille meine ich nichts anderes als das. Nicht die Minuten des Schweigens wenn man mit jemand in einem Raum sitzt und das Gespräch gerade eine Pause macht. Nicht die Stille, die mich umgibt wenn ich in einem Raum voller Menschen sitze und niemand mit mir redet. Denn das liebe ich komischerweise. Menschen beobachten und dabei in Ruhe meine Gedanken kreisen zu lassen. Neue Geschichten zu erfinden oder alte fortzusetzen.

Aber richtige Stille...

Wenn ich zu Hause bin muss immer was laufen. Radio, CD, Fernseher. Wenn ich richtig in eine Sache vertieft bin, bekomme ich davon zwar überhaupt nichts mit, aber wenn es dann jemand ausstellt merke ich das sofort. Auch beim Autofahren gibt es höchstens 2 oder 3 Tage, an denen mir sogar leise Radiomusik zuviel ist. Das sind dann Momente in denen ich emotional so aufgeladen bin, dass ich meine ganze Energie dafür aufwenden muss, mich auf den Verkehr zu konzentrieren..

Nur wehe es ist grundlos still. Dann rappelt es in meinem Kopf und es reicht ein Bild, ein Geräusch oder ein flüchtiger Gedanke und alles stürzt auf mich ein. Verpasste Chancen, ungenutzte Gelegenheiten, ungesagte Worte, alles was mich nervt und wovon ich sonst durch irgendeinen "Dudelkasten" (wie mein Vater immer sagt) abgelenkt werde, packt mich und sperrt mich ein. Egal wohin ich mich dann gedanklich drehe, es läuft immer wieder auf dasselbe hinaus. Meistens kriege ich die Kurve indem ich Musik oder den Fernseher einschalte oder zum Sport gehe. Oder mich in eine Ecke verkrieche und mir gestatte, mich mal gepflegt zehn Minuten selbst zu bemitleiden und zu heulen. Tränen sollen helfen, aber ich finde es furchtbar wenn ich wegen objektiver Kleinigkeiten herumheule wie ein Mädchen.

Deshalb vermeide ich Stille. Ich will nicht über das alles nachdenken. Ich will im Strom meines Lebens vor mich hinplätschern und halbwegs zufrieden sein. Aber offenbar ist mir das nicht gegeben. Vielleicht sollte ich mich daran gewöhnen.

Naja, jedenfalls habe ich in vier Wochen mal einen Termin bei einer Psychologin. Vielleicht kann die mir helfen ein bisschen Ordnung in mein Gehirnchaos zu bringen. Langsam wird mir das nämlich zu anstrengend.