ungebremst ins Chaos

20.06.2015 um 22:58 Uhr

Juli bringt mich zum Denken...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: im Keller
Musik: Sarah Connor - Mit all deinen Farben

20.06.2015

 

Es ist 22:30 Uhr. Ich bin gerade von meinem Treffen mit Juli zurück und sitze bei meinem Vater in der Küche. Ich schaue auf dem PC eine Folge „Graf Duckula“ und versuche die Gedanken in meinem Kopf zu ordnen.

Zwei Dinge hat mir dieser Abend mal wieder deutlich vor Augen geführt.

Erstens: Bei manchen Menschen ist es egal wie lange sie dich nicht gesehen haben, sie lesen in deinem Gesicht immer noch wie in einem offenen Buch.

Zweitens:  Ich werde offensichtlich nie lernen, manche Dinge einfach NICHT zu sagen. (Aber selbst wenn wäre das dank Punkt 1 wohl hinfällig).

 

Aber kommen wir erstmal zu Juli und seinem (übervoll gepacktem / stressigem) Leben. Er hat im Augenblick eine Menge um die Ohren. Beruflich ist er ja seit ich ihn kenne schon immer voll beschäftigt, aber dann gibt es da noch ein paar andere Dinge, die ihn derzeit stressen. Die Politik, das ehrenamtliche Engagement und dann noch etwas, was ich als „undefinierbaren Lebensstress“ bezeichnen würde. Alles zusammen wirkt sich natürlich auch auf die Beziehung zu seiner Freundin aus.

An diesem Punkt wird mal wieder deutlich, dass zwei Seelen in meiner Brust schlagen. Auf der einen Seite möchte ich natürlich, dass es ihm (in jeglicher Hinsicht) gut geht – auf der anderen Seite stehen meine Gefühle für Juli dem irgendwie im Weg.

 

Womit wir bei den Tatsachen angekommen wären, an die mich der heutige Abend erinnert hat.

 

Juli fragte mich nach der Kinderwunschgeschichte, woraufhin ich mit leichtem Augenzwinkern meinte, wenn er den Wunsch hätte, in nächster Zeit Vater zu werden, wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Immerhin habe ich heute früh meine „Eisprungspritze“ bekommen. Dadurch kamen wir dann zu dem ominösen „Hilfsangebot“ das ich vor einer Weile von einem Freund bekommen habe. Ich hatte mir fest vorgenommen, niemandem zu erzählen wer dieser Freund ist (zumindest niemandem der ihn auch kennt) aber Juli runzelte nur zweimal die Stirn und schon wusste er um wen es sich handelt. An meinem Pokerface muss ich dringend arbeiten. Aber genauso wie ich das nicht sagen wollte, wollte ich genauso wenig zugeben, dass ich ein Angebot dieser Art eventuell angenommen hätte, wenn es von jemand anderem gekommen wäre. Mein Schweigen auf seine Frage, wer denn dieser jemand sei, war da schon Antwort genug. Und als wir gerade dabei waren, unsere Verabschiedung auf dem Parkplatz noch ein paar Minuten hinauszuzögern, kamen wir auf das Thema Sex zu sprechen, wobei ich anmerkte, dass ich diesbezüglich wegen der Aussagen meiner Mutter etwas „gestört“ sei, was sich aber inzwischen gebessert hätte, woraufhin er meinte „da habe ich ja sicher nichts zu beigetragen“. Ich antwortete völlig ruhig und ernsthaft, dass er gar nicht wüsste, zu was er bei mir alles beigetragen hätte. Julis Reaktion darauf war seine Lieblingsfrage des Abends: „Zum Beispiel?“ (Seine andere Lieblingsfrage heute war: „Warum?“).

Meine Antwort: „Du hast mein erstes Mal ausgebügelt.“

Daraufhin war er – wie drückte er sich aus? - ein wenig perplex.

 

Naja, jedenfalls haben wir uns dann (leider) mit einer langen, freundschaftlichen Umarmung verabschiedet und er bat mich, dass ich mich Dienstag nach dem Embryotransfer bei ihm melde und fügte an, dass er bis dahin vielleicht auch seine Gedanken bezüglich dem, was ich so von mir gegeben habe, bearbeitet hätte – was auch immer ihn jetzt so beschäftigt.

 

Wie gesagt, ich sitze jetzt in der Küche und lasse meine Gedanken wandern während ich gleichzeitig versuche, sie zu ordnen / zu verarbeiten. Deshalb nicht wundern, wenn ich hier womöglich etwas wirres Zeug von mir gebe.

 

Ich habe mich gerade gefragt, warum ich es nicht schaffe (oder es aufgegeben habe?) gewisse Dinge vor ihm zu verheimlichen. Habe ich im Laufe der Zeit zu einem gewissen Grad gelernt, vor ihm zu meinen Gefühlen zu stehen oder ist das womöglich der Hoffnungslosigkeit der Situation geschuldet? Also ich meine, da der Zug bezüglich uns beiden (zumindest laut der Vernunftebene) abgefahren ist, da kann ich doch jetzt frei von der Leber weg sagen was mir so in den Sinn kommt. Ohne den Gedanken im Hinterkopf zu haben ob ich seinem Bild von der „perfekten“ Freundin entspreche. Versteht ihr was ich meine?

 

Wann könnte ich ihm gegenüber besser ich selbst sein als jetzt? Mit all meinen Zweifeln und Unsicherheiten, mit meinem Pragmatismus, meinen Unzulänglichkeiten und meinem manchmal merkwürdigen Humor.

 

Komischerweise überkommt mich gerade der Wunsch, mich dafür bei Juli zu bedanken. Und dafür, dass er mir mal wieder eine andere Sichtweise ermöglicht hat.

 

Anmerkung: Warum stellt Juli mir die Fragen, die mir im "Normalfall" eigentlich mein Mann stellen sollte?

 

Aber jetzt muss ich ins Bett – denken ist anstrengend...

18.06.2015 um 20:47 Uhr

ein kleines bisschen Vorfreude

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

So, offizielles Lauftraining für diese Woche überstanden. Und wenn ich bedenke, dass ich mich dabei momentan wie ein Elefant im Hamsterrad fühle, war mein Tempo mit durchschnittlich 7:35 min/km gar nicht so übel. Allerdings war ich zweimal kurz vorm Kollaps weil mein Kopf sich wieder nicht ausschalten ließ und versuchte sich Sorgen über alles mögliche zu machen - das führt während des Laufens bei mir hin und wieder zu einer Art Asthmaanfall, was wiederum dazu führt, dass ich mich über mich selbst aufrege, was es wiederum so schlimm macht, dass Laufen danach nicht mehr möglich ist. Das ist blöd, aber (noch) nicht zu ändern. Ich hoffe ja, dass ich in der nächsten Woche die eine oder andere entspannte längere Laufrunde drehen kann ohne dabei Kopf - Knie - Rücken oder sonstwas zu haben.

Morgen ist erstmal Ultraschall angesagt, mal sehen ob sich dieses Mal eine Eizelle zeigt damit die Frauenärztin mir mal konkret sagen kann, welchen Tag meines Urlaubs sie mir verderben wird indem sie mich aus selbigen in ihre Praxis zitiert.
Objektiv betrachtet ist jetzt vielleicht nicht so ein geeigneter Zeitpunkt für eine Kinderwunschbehandlung, aber nur weil ich gerade nicht weiß wo oben und wo unten ist, kann ich nicht nochmal fast 600 Euro für ein halbes Jahr Gefriertruhe bezahlen.

Für die Zukunft hoffe ich, dass ich meine innere Gelassenheit wiederfinde, die mir im letzten 3/4 Jahr abhanden gekommen ist. Ohne sie ist mir mein Leben nämlich um einiges zu anstrengend.

Die freien Tage werden mir sicher helfen, mal wieder zumindest vorübergehend einen klaren Kopf zu bekommen. Zuvorderst dafür zuständig sind Neffe Nr. 1 und 2 - der klugscheißernde 3jährige und der 4 Monate alte Zwerg zum rumschmusen. Dann natürlich meine Ersatzmutti, die ich nötig mal besuchen muss weil ich schon so ewig nicht mehr dort war und mein Vater, endlich mal wieder jemand, mit dem man sich "richtig" unterhalten kann - so über Gott und die Welt und was es sonst noch so gibt.

Mein "Date" mit Juli steht auch und ich überlege noch, ob ich mir einen Spickzettel schreibe damit ich nicht wieder vergesse, ein paar Fragen zu stellen, die mir im Kopf herumgeistern. Oder ich schreibe mir einfach die Wörter "Haus" und "Hase" auf die Hand - könnte auch reichen. Sieht nur mit Mitte 30 reichlich blöde aus. Apropos aussehen - was ziehe ich an? Wenn ich Glück habe kommt der nette DHL Mann morgen und bringt mir ein Paket Klamotten, dann könnte ich mich nächste Woche sogar mal ins Schwimmbad wagen, denn ein neuer Badeanzug ist auch dabei :)

Außerdem steht ganz groß LERNEN auf meinem Urlaubszettel - nirgendwo geht das besser als in Papas Küche, wenn man nicht fernsehen darf weil Vattern gerade Siesta hält und man außerdem NDR 1 (den Seniorensender) hören muss weil das altersschwache Radio keinen anderen Sender mehr empfängt. Im übrigen kann man sich auch nirgendwo gesünder ernähren als bei meinem Vater, weil der so gut wie nie Cola im Haus hat, aber immer irgendwelches Obst.

15.06.2015 um 19:05 Uhr

Umbruchstimmung

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Stimmung: schwankend
Musik: Sunrise Avenue - Nothing is over

Seit meinem letzten alkoholbedingtem Ausflug ins "sorgenfreie" Leben ist bei mir irgendwas in Gang gekommen wie ich neulich rückblickend festgestellt habe.

Seit ich bewusst denkend durch die Welt laufe, bin ich ein Hamster. Soll heißen ich bewahre so  ziemlich jeden Sch... auf den ich kaufe, geschenkt bekomme oder der mir sonst irgendwie vor die Füße fällt. Das bedeutet, ich brauche eine Menge Platz für Dinge, die ich seit Jahren besitze, aber nicht brauche/mir nicht ansehe.  Und plötzlich schlittere ich in eine überwältigende "alles muss raus"-Phase und seit dem habe ich unglaubliche zwei Altpapiertonnen (die 240 Liter Dinger) mit unnütze Platz verschwendendem Papier (unter anderem meine Caught in the Act Zeitschriftenartikel und Postersammlung aus dem letzten Jahrtausend - ja, es ist ewig her...) gefüllt und warte darauf, dass sie abgeholt werden, denn ich habe immer noch Altpapier. Wobei sich mir die Frage stellt, wo und vor allem WIESO ich das seit fast 20 Jahren horte.

Dekoartikel, Bücher, Aktenordner, Klamotten und so weiter, alles möglich wanderte entweder in die Tonne, in Flohmarktkartons oder zu neuen Besitzern - egal wohin, hauptsache weg von mir.

Man liest ja immer, dass es befreiend sein soll wenn man sich von Sachen trennt und ich dachte, so schwer wie ich mich von Sachen trenne wird mir das vermutlich das Herz zerreißen, aber.... NEIN, ich fühle mich dabei FANTASTISCH. Weg mit dem Ballast. Ich fühle mich leichter und habe auf einmal so wahnsinnig viel Platz. Allein mein Büro könnte ich jetzt um die Hälfte verkleinern.

Die äußere Ordnung ist hergestellt.
Sehr faszinierend finde ich, dass ich jahrelang versucht habe aus dem Chaos, das ich Haushalt nenne, eine aufgeräumte Umgebung zu machen in die man zu jeder Tages- und Nachtzeit Besucher einladen könnte und dann muss es nur eines Tages "klick" machen und es geht wie von selbst.

Wenn bloß alles so einfach wäre...

Das Chaos in meinem Kopf ist weiterhin da.

Am Freitag war es mal wieder extrem grenzwertig, ich war am Ende des Tages völlig sozialuntauglich und sehr bemüht, nach der Arbeit unauffällig zu verschwinden. Das funktioniert natürlich nicht wenn man für die beste Freundin arbeitet und die schon auf einen halben Kilometer Entfernung sieht, wenn man einen Knoten im Hals hat. Wir redeten also etwa zwei Stunden lang miteinander, wobei sie eigentlich mehr redete während ich heulte und davon Kopfschmerzen bekam.
Sie verglich meinen Mann mit stillem Mineralwasser und mich mit Vodka-Red Bull (worüber ich tatsächlich schmunzeln musste) und erklärte mir zum wiederholten Male, dass sie auch dann weiter mit mir befreundet sein würde, wenn ich eines Tages allein (oder mit einem anderen Mann) irgendwo anders leben würde.

Wir saßen Kaffee trinkend auf der Terrasse und sie meinte irgendwann: "Du brauchst einen Mann wie M."

In einem Zeitfenster von ein paar Milisekunden schießt mir folgendes durch den Kopf: Oh Gott, uns hat doch jemand gesehen! Quatsch, dann hätte sie mich schon längst danach gefragt. Was genau meint sie damit?

Aber ich bekomme es irgendwie hin ruhig zu bleiben und ganz lässig zu fragen: "Wie kommst du auf M.?"

Sie: "Naja, ich meine jemanden, mit dem du Spaß haben kannst. Der nicht so eine Schlaftablette ist."

Ich glaube sie hat Recht. Sie hat verdammt oft Recht, nur ich will sowas immer nicht wahrhaben. Danke Mama, dass du mich mit deinem blöden Gequatsche über Männer so verkorkst hast, dass ich jetzt im Unterbewusstsein so geprägt bin, dass ich es auf KEINEN FALL so machen will wie du und es aber in der Realität offenbar genau darauf hinausläuft.

Nach diesem Gespräch verbrachte ich zwei weitere Stunden heulend in denen ich meinem Mann erklärte, was mit mir gerade los ist. Wobei ich lieber sagen sollte, dass ich es versucht habe, denn so richtig verstanden hat er mich nicht. Das wundert mich auch ehrlich gesagt nicht besonders, da ich mich ja selbst oft nicht verstehe.

Und für heute hatte ich dann geplant, diesen ganzen Mist mal bei meiner Psychologin auf den Tisch zu packen und als ich dort ankomme stellt sich heraus, dass sie sich unseren Termin nicht notiert hat und nun jemand anderes auf ihrer "Couch" sitzt. Na super. Der nächste Termin ist in zwei Wochen.

Bis dahin wird sich sicher noch etwas tun, denn nächste Woche habe ich Urlaub und ich gedenke, Juli dann einen Besuch abzustatten.

Ja, ich weiß. Aber was soll ich machen, ich kann einfach (noch) nicht anders. Im übrigen mache ich mir gerade wirklich Sorgen. Denn wenn es um Terminplanungen geht reagiert er für gewöhnlich auf Textnachrichten, auch wenn es ein paar Tage dauern kann. Geduld gehört nun nicht gerade zu meinen Stärken, aber obwohl ich inzwischen seit 10 (!) Tagen auf eine Antwort warte, schaffe ich es noch, meine tippenden Finger still zu halten und ihm nicht zu schreiben. Innerlich ist das eine sehr verzwickte Situtation, denn auf der einen Seite fange ich bei sowas immer an, die Schuld bei mir zu suchen - was lächerlich ist, da ich ja nichts weiter getan habe als eine Nachricht zu schreiben - ich stalke ihn ja nicht und im übrigen bin ich 140km von ihm entfernt, da geht von mir ja keine größere Gefahr aus. Auf der anderen Seite denke ich dann immer es ist etwas schlimmes passiert, denn bei jemandem, der so pflichtbewusst ist wie er, muss es schon einen triftigen Grund geben warum er überhaupt nicht reagiert.

Das kleine fiese Männchen in meinem Ohr ist dabei ehrlich gesagt auch nicht gerade hilfreich. Manchmal sitzt es da und flüstert "Hey, vielleicht ist seine Freundin abgehauen, dann könntest du doch noch mal einen Versuch machen". "HALLO? AUFWACHEN!" brüllt dann die Vernunft dazwischen. "Das hier ist das Leben und kein Rosamunde-Pilcher-Roman in dem zwei Menschen nach diversen Widrigkeiten des Lebens erkennen, dass sie doch zusammengehören und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage." Obwohl ja an diesen Schnulzen irgendwo doch was dran sein muss, denn ein bisschen Romantik und rosa Wolken muss es doch auch geben.

Wo ist der Schalter für den Gefühlsmixer?  Bitte einmal abschalten. Wenigstens für eine Nacht damit ich mal ruhig und erholsam schlafen kann.

Wie sagte mein Mathelehrer früher immer: "Aus dem Dunkel sprach eine Stimme zu mir: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Ich lächelte und ich war froh und es kam schlimmer."

Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.