ungebremst ins Chaos

17.02.2016 um 14:33 Uhr

Fast wie ein Ohrwurm - nur ohne Musik

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Manche Dinge machen süchtig und ich rede jetzt nicht von Drogen. Ich rede von den alltäglichen Kleinigkeiten von denen man einfach nicht genug kriegen kann. Bücher zum Beispiel, die Milkaschokolade mit Oreokeksen, Chatrooms. Zugegeben, letzteres hat bei mir nur einen phasenweisen Suchtfaktor.

Ich habe keine Ahnung wie genau ich ausgerechnet in einen Chatroom geraten bin, dessen Hauptthema Sex ist, oder warum ich mich hin und wieder immer noch dort herumtreibe obwohl sich dort eine Menge Typen rumtreiben die Frauen Fotos mit ihren überbewerteten Genitalien im Erregungszustand schicken bevor sie überhaupt "hallo" gesagt haben oder sich für den weltbesten Stecher halten obwohl sich ihr Wortschatz auf Amateurporno- und Frauentausch-niveau befindet. Das es tatsächlich Frauen gibt, die darauf stehen ist mir unbegreiflich.

Tatsache ist, man lernt relativ schnell  zu unterscheiden ob man von einer Flachpfeife angequatscht wird oder von jemandem mit Potenzial und irgendwann... irgendwann findet man sie. Die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Ein Gegenüber mit dem man vom ersten Moment auf einer Wellenlänge liegt. Mit dem man einfach nur über Gott und die Welt redet (was wirklich vorkommt, auch wenn es schwer vorstellbar ist) oder sich auf unbekanntes Terrain wagt.

Sex, Rollenspiele, dirty talking.

Der Vorteil am Chatten ist, dass man dort so sein kann, wie man gerne sein würde, dass niemand sieht wie ich bei manchen Themen rot werde oder dass man Dinge von sich gibt, die einem in der Realität höchstens in besoffenem Zustand über die Lippen kämen. Es ist halt ein riesiger Spielplatz, wobei die Spiele im Kopf stattfinden. Doch auch wenn sich die meisten dort auf irgendeine Art und Weise verstellen, was ja durchaus legitim ist, so bin ich davon überzeugt, dass man trotz allem einen recht großen Teil von sich zeigt. Wenn man - formulieren wir es mal politisch korrekt - einen geringen Bildungsstand hat kann man seinem gegenüber nicht weis machen, einen Doktortitel in was auch immer zu haben. Der mit dem Doktortitel könnte vielleicht so tun als hätte er nicht besonders viel im Kopf, doch auch dem würde man verhältnismäßig schnell auf die Schliche kommen.

Hm, ich merke, ich fange gerade an hier ein wenig rumzueiern. Wenn ich über Sex rede muss ich mir immer vorher den Knoten aus der Zunge machen, es ist mir irgendwie unangenehm. Bei Juli nicht, da funktioniert es, also das Reden - ich überlege nur manchmal, mir dabei eine Tüte über den Kopf zu ziehen damit er nicht sofort sieht dass es trotzdem nicht so leicht ist wie es wirkt.

Also, die Frage die mich eigentlich interessiert, ist:

Ist ein Mann, mit dem man richtig guten Kopfkinosex hat, auch in der Realität tendenziell ein guter Liebhaber?

Ich meine, in der Realität ist der Sex doch auch am besten, wenn man dabei, davor oder danach in der Lage ist, darüber zu reden oder anderweitig zu kommunizieren. Darüber was einem gefällt oder nicht oder wie man angefasst werden will oder dass man mal das Kamasutra rauf und runter probieren will oder... sowas eben. Rein-Raus-fertig ist kein guter Sex - es sei denn man will gerade genau das. Aber das will man ja nicht immer. Man will doch auch mal was anderes - ans Bett gefesselt und mit Eiswürfeln gefoltert werden... sich in einer stillen Ecke vernaschen lassen wo das Risiko besteht, erwischt zu werden... gerade noch die Wohnungstür zukriegen und es dann auf dem Flurteppich tun... oder was auch immer einem sonst so in den Sinn kommt...

Hm, ich sollte versuchen über was anderes nachzudenken. Die Situation im Nahen Osten zum Beispiel. Sich Gedanken über Sex zu machen lenkt immer so ab.

14.02.2016 um 20:29 Uhr

Treffen mit Juli

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: zwischen Himmel und Erde

oder: mein Samstag als sprechende Bürodekoration...

Wir haben es tatsächlich geschafft uns zu treffen. Nachdem ja inzwischen wieder fast ein halbes Jahr vergangen ist seit wir uns mal allein gesehen haben. Auch damals zunächst in seinem Büro. Aber ich lerne ja dazu. Statt mit 6cm Absätzen an den Schuhen und mit der ständigen Sorge, damit diese lebensgefährlich aussehende Treppe zu der Holzkiste, die er Büro nennt, herunterzufallen habe ich mich dieses Mal für flache Schuhe entschieden. SEHR GUTE IDEE.

Ich kam gegen 10.45 Uhr dort an. In der Halle arbeiteten noch ein paar fleißige Männlein an irgendwas während Juli an seinem Schreibtisch saß und kalten Kaffee mit Vanillepulver trank, was vermutlich genauso eklig schmeckt wie es sich anhört. Sein erster Kommentar nach der Umarmung zur Begrüßung und der Feststellung, dass er sich freut mich  zu sehen war: "Neue Haarfarbe."
Sehr aufmerksam, wobei dieses Rot ja wirklich kaum zu übersehen ist - schon gar nicht, wenn gerade mal zufällig ein Sonnenstrahl darauffällt (Memo an mich selbst: beim nächsten Mal einen Tacken dunkler...), aber selbst wenn ich nur ein schlichtes Mittelbraun gewählt hätte, wäre ihm das aufgefallen.  Ich kenne ehrlich gesagt keinen anderen Mann, der einen so genauen Blick auf das Outfit von Frauen wirft UND es hinterher auch noch kommentiert.

Die Stimmung war... hm, anders als sonst, was jedoch jetzt keine negative Bewertung darstellen soll. Erstens war er ja in seinem Büro um zu arbeiten, da kann ich ihn ja nicht ohne Luft  zu holen zuquatschen (ich bin ein sehr rücksichtsvoller Bürobesucher) und außerdem bin ich nach den andauernden privaten Tiefschlägen in diesem Jahr auch gerade nicht besonders gut im Leute bespaßen. Und wir haben gerade mal Mitte Februar. Das kann ja echt noch heiter werden.

Wir sprachen über Urlaub (der Mann macht neuerdings so oft Urlaub dass ich gar nicht mehr hinterherkomme...), seine Pläne bezüglich "mein Haus", "mein Boot", Altersunterschiede in Beziehungen, mein furchtbar schreckliches Leben und darüber, dass ich gestört bin (Er: "Wie gestört denn?" Ich: "Nicht gestörter als jeder andere auch, aber zur Reha will ich trotzdem." Er: "Dann bin ich beruhigt."). Darüber, wer in Beziehungen die Übersicht über die Finanzen haben muss (beide, da waren wir uns einig), gemeinsame Konten, gemeinsame Bekannte und was uns sonst noch so einfiel. Zwischendurch herrschte auch mal minutenlanges Schweigen, aber das war keineswegs peinlich oder sonstwie unangenehm. Es fühlte sich jedenfalls sehr vertraut an, auch wenn ich mir manchmal etwas unproduktiv vorkam (ich kann ja anderen nur begrenzt beim Arbeiten zusehen ohne selbst etwas tun zu wollen).

Irgendwie kamen wir dann aufs Thema Zeichnen, wahrscheinlich weil er gerade eine Zeichnung für irgendwas, was er noch bauen soll, anfertigte woraufhin ich meinte, ich würde nur Häuser und Wohnungen zeichnen. Und schon bekam ich den "Auftrag" ein Haus für ihn zu zeichnen.
O-Ton Juli: "Zeichne mir mal ein Haus, so wie du meinst, wie ich gerne wohnen würde."
Ich: "Kein Problem."
Ich weiß schon genau wie das aussehen soll. Offen, großzügig, Schlafzimmer mit eigenem Bad, graue Klinker, dunkle Dachpfannen... Jetzt muss ich das nur noch zu Papier bringen. Und dann bin ich mal sehr gespannt was er dazu sagen wird.

Natürlich kamen wir auch um das Thema Kinderkriegen nicht drumrum, was nicht weiter verwunderlich ist, weil ich mit ihm ja schon immer über die ganze Sache geredet habe. Er meinte ich wäre "bestimmt eine total süße Mami" (Zitat) und das ist dann ja immer so ein Moment wo ich mir mühselig ein paar Tränchen verkneifen muss. Einerseits habe ich gerade überhaupt keinen Kopf für das Thema weil ich genug andere Baustellen zu bearbeiten habe, andererseits tickt meine biologische Uhr und drittens... naja, kriege ich den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass ich dazu gerne ihn als Vater hätte. (Ja, ich weiß schon was ich dazu zu hören kriege...).
Wie auch immer. Als ich dann möglichst cool meinte "Wer weiß ob ich überhaupt mal ein Kind kriege" kam dann von ihm ein wörtliches "da müssen wir das wohl ein wenig beschleunigen" und damit hat er mich ja erwischt, da konnte ich nicht mehr anders als zu grinsen, woraufhin er meinte "manchmal möchte ich zu gerne wissen was in deinem süßen Köpfchen so vor sich geht" und ich nur noch breiter grinste und erwiderte "Nein, möchtest du nicht".

Gegen 18 Uhr haben wir uns dann verabschiedet - obwohl ich ja gedroht hatte ich würde bleiben bis er mich vor die Tür setzt. Aber er war eh kurz davor, Feierabend zu machen und ich wollte ja noch zu meiner Zweitmama, die ich noch länger nicht gesehen habe als ihn (das schlechte Gewissen lässt grüßen). Und wir haben uns für März lose verabredet. Er hat sich nämlich schon ein Boot ausgesucht für das er sich interessiert und das ist mehr oder weniger in der Nähe von meinem Wohnort und da hatte er die Idee, wir könnten uns treffen und zusammen  hinfahren. Mal sehen ob was draus wird.

Hm. Manchmal frage ich mich warum ich ihm nicht einfach sagen kann, was mir manchmal so durch den Kopf geht. Ich meine, ich kenne ihn ja lange genug um zu wissen, dass es eigentlich nichts gibt, was ich ihm nicht sagen kann (was ihn zu einem extrem wertvollen Gesprächspartner macht).
Naja, jetzt widme ich mich mal meiner nächsten Baustelle. Ich muss den Antrag für die Reha ausfüllen. Es scheint fast so, als müsste man für manche Fragen einen extra Studiengang absolvieren um sie korrekt zu beantworten...

08.02.2016 um 14:55 Uhr

Ansichtssache...

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

An Montagen ist man ja immer ein wenig auf der Hut, denn wenn irgendwas schief geht, dann doch meistens am Montag. Oder an Freitag dem 13.

Da sitzen wir also heute ganz gemütlich beim Frühstück als Chef sich zurücklehnt und einen Satz mit "Wir haben uns da mal was überlegt" beginnt. Die Erfahrung zeigt, dass solche Sätze selten der Einstieg zu einer tollen, amüsanten oder fantastischen Neuigkeit sind. Und was passierte?

Ich wurde gefeuert.

Das klingt jetzt vielleicht schockierend, aber so richtig überrascht hat mich das nicht. Denn Junior ist in naher Zukunft mit der Ausbildung fertig und kann dann seine volle Arbeitskraft in den Betrieb schmeißen - da ist ein Sklave nicht mehr vonnöten. Bis Ende Mai habe ich noch, dann wird mein Leben anders aussehen. Nur wie, das steht noch in den Sternen.

Sorgen mache ich mir jedoch (noch) keine, denn jobtechnisch meinte es das Schicksal bislang immer recht gut mit mir, also wird es wohl auch dieses Mal irgendwie funktionieren.

Bleibt die Frage nach der Bewertung des Tages. Ist es nun gut oder schlecht, dass ich mir einen neuen Job suchen muss?
Möglicherweise hat das Schicksal mir damit einfach einen kleinen Arschtritt verpasst damit ich endlich mal in Gang komme. So nach dem Motto "Willkommen im Leben - mach was draus" - ist immerhin möglich, oder?

Ich geh mich dann mal nach einem Job umsehen...

06.02.2016 um 00:22 Uhr

Das Leben ist ein (meist) ruhiger Fluss - oder so

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Schon merkwürdig, gerade habe ich den Kopf voller Gedanken, aber sie weigern sich standhaft, von mir ausformuliert und niedergeschrieben zu werden. Geschweige denn gesagt. Womöglich liegt das aber auch nur daran, dass ich nicht immer wieder dasselbe - wenn auch in anderer Ausfertigung - von mir geben will.

Na, bei wem klingelt's jetzt in den Ohren?

Genau.
Juli.

Unser letztes Gespräch (mal abgesehen von meinem Vater ist er quasi der einzige Mensch der ein gewisses Maß an niveauvoller Kommunikation über einen längeren Zeitraum hinbekommt) ist nun schon bald ein  halbes Jahr her, was mich veranlasste, Juli eine Nachricht über moderne Kommunikationsmittel (neudeutsch: whatsapp) zukommen zu lassen. Ich weiß, er ist ein vielbeschäftigter Mann, aber... warum denke ich ständig, dass ich ihm auf die Nerven gehe nur weil er nicht innerhalb von, naja, großzügig bemessenen zwei Stunden (nachdem normale Menschen Feierabend haben) antwortet? Es kostet mich echt Kraft,  dann nicht nochwas hinterherzuschicken. Dieses "Ich will niemandem lästig sein" ist ein relikt aus meiner Kindheit und lässt sich vermutlich nie abschalten fürchte ich.

Wie auch immer. Natürlich hat er geantwortet (wenn auch erst am nächsten Morgen) und natürlich hat er dasselbe geantwortet wie immer. Nämlich dass er meiner Meinung ist und wir uns unbedingt mal wieder treffen sollten. Womit wir also (auch wie immer) beim Problem der Terminplanung wären...

Okay, genug davon.

Ansonsten plätschert mein Leben so vor sich hin. Wobei ich den Eindruck habe, dass es jetzt, wo ich das mit der Reha in Angriff genommen habe, leichter geworden ist. Schätze die Aussicht, mal eine Weile aus diesem Chaos rauszukommen, beflügelt. Jedenfalls habe ich (mal wieder) angefangen zu entrümpeln. Naja, wenn man bedenkt, dass ich mittlerweile drei Wagenladungen Krempel aus dem Haus meiner Mutter hier angefahren habe ist das auch bitter nötig um Platz zu schaffen. Außerdem lebe ich ja in der Hoffnung, dieses Jahr auf dem Flohmarkt eine Menge Zeugs loszuwerden um so noch einen Teil Beerdigungsschulden außer der Reihe abbezahlen zu können.

Geld ist so ein leidiges Thema ehrlich.
Es war mir ( und ist es eigentlich noch) immer wichtig, selbst Geld zu verdienen weil ich zum Einen niemandem auf der Tasche liegen willl und - was noch wichtiger ist - ich das Gefühl abhängig zu sein nicht mag. Aber ich habe in letzter Zeit mit erschrecken festgestellt, dass ich trotz Arbeit genau das bin. Abhängig von meinem Mann. Ich meine, klar, ich verdiene eigenes Geld, aber das deckt gerade mal die laufenden Kosten für mein Auto und ein paar Kleinigkeiten. Vielleicht mal einen Konzertbesuch samt Hotelübernachtung, aber sonst. Ein paar neue Reifen bringen mich schon an den Rand des Ruins, von eventuell notwendig werdende Reparaturen geschweige denn einem neuen Auto wollen wir mal gar nicht reden. Wie machen das andere Frauen eigentlich? Stört es sie einfach nicht oder stört es sie schon aber sie kommen damit klar?

Ich sollte lieber ins Bett gehen bevor ich mir noch mehr komische Gedanken mache.
Außerdem steht morgen mein erstes Laufevent in diesem Jahr an und auch wenn das so oder so kläglich in die Hose gehen wird - auf Grund meines desolaten Trainingszustandes. Aber was soll's. Hauptsache Spaß.

02.02.2016 um 21:38 Uhr

Schnipp - Termin beim Facharzt

Quasi als Beigabe zu meinem Reha-Antrag sollte ich ja zum Spezial-Psycho-Doc. Also hab ich da angerufen und bekam einen Termin im August angeboten. Wow, so lange wartet man sonst nur beim Augenarzt. Auf Nachfrage nach seiner "Spezialsprechstunde" (wie vom Hausarzt geraten) bekam ich dann zu hören, da müsse mein Hausarzt selbst einen Termin für mich vereinbaren.

Deshalb bin ich heute also noch mal wieder zu meinem Hausarzt gedackelt und innerhalb von fünf Minuten ist folgendes passiert: rein in die Praxis, rein ins Sprechzimmer, Termin bekommen, nach Hause gegangen. Irre oder? Ich gehe nur noch dienstags um vier zum Arzt - da will da offenbar sonst niemand hin.

Und der Termin beim Psycho-Doc ist nicht im August sondern *Trommelwirbel* MORGEN FRÜH!

Passt mir jetzt eigentlich nicht so recht, aber es gibt so Gelegenheiten, die sollte man tunlichst nicht verstreichen lassen. Turbo-Facharzttermine zum Beispiel.
Jetzt gilt es nur noch eins zu beachten: Morgen als erstes auf der Matte zu stehen, denn bei Notfallsprechstunden gilt: Wer zuerst kommt, ist zuerst dran. Der Ratschlag meines Hausarztes dazu: Nehmen sie sich ein gutes Buch mit.

Der höchst(un)sensible Kommentar meines Mannes dazu: "Und wenn du da warst bist du dann offiziell gestört und darfst zur Reha?"

Also bitte, der einzige, der sagen darf, dass ich gestört bin, bin ich selber. Höchstens noch der Arzt, aber der würde das so formulieren dass es nicht so schlimm klingt.