ungebremst ins Chaos

22.06.2017 um 19:34 Uhr

"Du musst das tun, was für dich das Beste ist."

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Diesen weisen Satz sagte mein weiser Vater heute morgen zu mir, nachdem wir schon etwa eine 3/4 Stunde telefoniert hatten. Es ist allein schon faszinierend dass mein Vater eine ganze Stunde lang telefoniert - das geht auch erst seit ich so weit weg wohne und so viel arbeite, dass ich nicht mehr so oft runterfahren kann um ihn zu besuchen. Und wenn ich runterfahre, habe ich ne Liste voller Leute, die mich auch sehen wollen.

Naja, wie gesagt, mein Vater ist ein weiser Mann. War er immer schon. Womöglich liegt das daran, dass Papa schon immer mein großer Held war, auch wenn er nicht dies Heldensachen wie auf Bäume klettern oder Achterbahn fahren mit uns gemacht hat. Womöglich liegt es aber auch daran, dass er in seinem Leben einiges erlebt hat und nun in einem Alter ist, in dem man eine gewisse Weisheit erwartet.

Aber okay, jedenfalls habe ich heute morgen mit ihm telefoniert und dabei endlich mal das gemacht, was ich schon seit einer Weile tun wollte. Ich wusste bislang nur nicht so recht, wie ich es anstellen sollte. Ich meine, wie sagt man als Sorgentochter denn seinem Vater, dass die Ehe im Eimer ist, es einem wirklich miserabel geht, man aber trotzdem irgendwie nicht so recht weiß, wie alles weitergehen soll?

Doch auch, wenn ich diesen Satz schon von anderen gehört habe, ist es ja immer noch was anderes, wenn man ihn vom eigenen Vater gesagt bekommt. Ich schätze, das ist für mich so eine Art Bestätigung dafür, dass - egal welche Entscheidung ich treffe - es für ihn okay ist. Ich meine, nicht dass ich das nicht schon vorher gewusst habe. Aber es zu hören ist dann doch noch was anderes.

Und als wäre mein Tag dadurch nicht schon ereignisreich genug gewesen (und lang genug, weil er schon um 4 Uhr angefangen hat), habe ich den Schwung gleich mal genutzt und mich aktiv in den Wohnungsmarkt gestürzt. Vor einer Weile habe ich ganz in der Nähe eine schnucklige kleine Doppelhaushälfte entdeckt. Ja, Doppelhaushälfte klingt im ersten Moment echt groß, aber in der Realität sind es keine 50 m² - wirklich schnuckelig also. Die war relativ schnell wieder vermietet, was unter anderem an dem unschlagbar niedrigen Mietpreis liegt. Vor kurzem kam dann wieder eine auf den Markt und heute habe ich zum Telefonhörer gegriffen und mich erstmal über die Fakten schlau gemacht. Und dann - ich bin echt stolz auf mich - habe ich tatsächlich todesmutig (ich hasse telefonieren mit fremden Leuten) die derzeitige Mieterin angerufen und mir das  Haus angeguckt. Und ich hab mich teilverliebt. Total verliebt habe ich mich in den Garten. Ich vermisse es wirklich, im Sommer draußen zu sitzen. Es wäre sowohl Platz für einen kleinen Gemüsegarten als auch für ein Planschbecken im Sommer :) Ein Schuppen fürs Fahrrad und Gartenmöbel und sonstiges Zeugs war auch vorhanden.
Das Haus an sich, ja, es ist durchaus groß genug für eine Person, wenn man allerdings ein "richtiges" Haus mit 140 m² gewohnt ist, sind 47m² schon echt winzig. Vor allem wenn ins Schlafzimmer kein Kleiderschrank passt (wegen der Schrägen) und das Wohnzimmer voll ist sobald da ein Sofa drin steht. Dafür ist die Küche fast so groß wie das Wohnzimmer. Und es gibt keine Badewanne - aber zur Not werde ich auch das überleben.

Ich habe also mal wieder ein kleines Schrittchen nach vorne gemacht. So oder so werde ich das Haus nicht bekommen, denn die Dame vom Bauverein hat schon von vornherein gesagt, dass die Chancen schlecht stehen, da sich schon einige dafür beworben haben. Aber so konnte ich mir schonmal ein Bild von der einzigen finanzierbaren Wohnmöglichkeit in der Gegend machen. Ist vielleicht auch nicht so falsch wenn ich noch ein bisschen Zeit habe um mir Geld auf die Seite zu legen. Um eventuell eine Küche bezahlen zu können oder einen notwendigen Maler.

Irgendwo muss man ja anfangen.

21.06.2017 um 21:48 Uhr

Manchmal...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

... möchte man durch den Ort rennen und schreien: "Kümmert euch um euren eigenen Kram!"

Ich weiß, so ein Dorf - bevorzugt so ein kleines Kaff in dem ich lebe - ist ein Universum für sich. Es ist ja eigentlich ganz schön, dass jeder jeden kennt und auch, dass jeder - zumindest bis zu einem gewissen Grad - am Leben des anderen teilhat/interessiert ist.  Aber dann gibt es auch noch diese Tratschsache, die ja ebenfalls bis zu einem gewissen Grad tolerierbar ist, doch da denke ich ganz oft "interessiert mich null, weil: geht mich nix an". Ich wünschte es gäbe mehr Leute mit dieser Einstellung.

Nur so zur Warnung, was die Bekanntheitsbeziehungsverhältnisse angeht, könnte es möglicherweise gleich etwas kompliziert werden.

Jedenfalls kam ich heute Nachmittag nach Hause und erhielt eine Nachricht von meiner Freundin, dich mich als Haus- und vor allem Katzensitter engagieren wollte, wenn sie demnächst ein paar Tage Urlaub macht. Außerdem haben wir schon ewig nicht mehr gequatscht, also bin ich schnell auf einen Kaffee rüber. Es ließ sich nicht vermeiden, dass Jans Name irgendwann fiel (was etwas mit komplizierten Nachbarschaftsverhältnissen zu tun hat) und im Zuge dessen erfuhr ich, dass Jan und ich bzw. unser "Verhältnis" (oder wie auch immer man das was wir haben/hatten oder auch nicht) des Öfteren mal Gesprächsthema sind/waren. Und da der Nachbarin meiner Freundin - nennen wir sie Nora - (die ja nun auch durch meine Freundin das eine oder andere mitbekommen hatte) das irgendwann zu blöd wurde, hat sie Jan mal direkt darauf angesprochen.

In meinem Hirn ging eine Lampe an. Jetzt ist mir klar, warum Jan mir mal vorgeworfen hat, ich hätte mit Nora über "uns" gesprochen (was mich damals total irritiert hat, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mehr Worte als "Moin" mit ihr ausgetauscht - einfach weil wir nichts miteinander zu tun hatten/haben).

Ich muss sagen, dass ich diese Art der Herangehensweise gut finde. Dass man sich den Betreffenden einfach mal schnappt und direkt fragt, was denn eigentlich Sache ist. Obwohl ich im ersten Moment dachte, die hätte ja auch einfach "lasst mich mit dem ganzen Scheiß in Ruhe, das interessiert mich nicht/geht mich nichts an" sagen können. Aber wie gesagt, ich finde eigentlich beides sehr okay.
Jans Reaktion darauf soll folgende gewesen sein: Erst hat er sich dumm gestellt und dann behauptet, das wäre ja alles totaler Quatsch ich hätte Hirngespinste und würde ihm nachlaufen (ich krieg das gerade nicht mehr so ganz zusammen, ich hab ja immer so Teildemenz was Erinnerungen an Gespräche angeht...).

Nachlaufen? Ernsthaft? Okay, zugegeben, hin und wieder provoziere ich es ja bei öffentlichen Veranstaltungen, dass wir uns irgendwann unterhalten, aber ob ich das nun als nachlaufen bezeichnen würde, wage ich mal zu bezweifeln. Ich terrorisiere ihn nicht mit Whatsapp Nachrichten (es waren 2 in einem Jahr) und wenn mich jemand nach Jan fragt, erzähle ich nichts weiter, als das wir uns ganz gut verstehen (klar, meine Freundin weiß es besser), aber das ist ja wohl auch kein Verbrechen. Und mal abgesehen davon, wenn ich wirklich so eine schrecklich nervige Trulla wäre wie es diese Reaktion vermuten ließe, dann hätte ich an seiner Stelle schon des öfteren mal ein unhöfliches - lass mich in Ruhe, ich will nichts mit dir zu tun haben - fallen lassen. Klare Worte verstehe ich durchaus.

Nora, die ihn (vermutlich) länger und (definitiv) besser kennt als ich, soll daraufhin gesagt haben, er solle mal mit mir sprechen und "die Sache" klären. Klare Ansage und so.
Wie gesagt, für eine klare Ansage wäre ich sehr zu haben.

Auf der anderen Seite erzählte meine Freundin, Jan hätte des öfteren mal nach mir gefragt wenn sie so Nachbarschaftstreffen hatten. Was im Gesamtzusammenhang weder für sie noch für mich Sinn machte. Ich meine, entweder bin ich ein liebeskrankes Huhn das ihm nachrennt und dann würde/sollte ihn mein sonstiges Leben nicht die Bohne interessieren oder er kann mich (auf welche Weise auch immer) ganz gut leiden, was dann allerdings zu der Frage führt, warum er sich so arschig benimmt. Naja, jedenfalls sagte ich meiner Freundin sie solle Jan, falls er mal wieder nach mir fragt, sagen, er solle doch froh sein, dass ich nicht anwesend wäre um ihm nachlaufen.

Kann dieser Typ nicht einfach aus meinem Kopf verschwinden? Ich meine, ich hab genug Baustellen in meinem Leben, da brauch ich mir diesen Kindergarten doch nicht auch noch antun.

18.06.2017 um 15:50 Uhr

25 Years

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Musik: 25 Years - Die Fantastischen Vier

Nach schrecklichen 3 Tagen ohne Internetverbindung - ja, ist schon scheiße am Arsch der Welt zu wohnen - habe ich wieder Anschluss an die Zivilisation.

Ich bin ja schon auf ein paar silbernen Hochzeiten gewesen und da denke ich jedes Mal - irre, 25 Jahre sind soooooo lange. Oder Jahre im selben Verein. Oder.... Naja, jedenfalls fange ich dabei auch immer an zu rechnen wie lange es dauert, bis ich mal so ein Jubiläum feiern kann/darf. Und jedes Mal waren das noch endlos viele Jahre. Was ich aber total und völlig aus den Augen verloren habe, war das Fest meiner Konfirmation. Wohl auch deshalb, weil ich damals mit dem ganzen Kirchengedöhns nicht so viel anfangen konnte und das alles nur gemacht habe, weil ich gehofft habe, mein Sparschwein damit möglichst gut füllen zu können (und dabei feststellte, dass alle anderen spendablere, reichere oder einfach mehr Familienmitglieder hat als ich). Jedenfalls erreichte mich dann vor zwei Wochen eine Nachricht per fb-Messenger (hin und wieder ist auch diese neue Technik durchaus praktisch), dass wir in diesem Jahr silberne Konfirmation hätten (WHAT- SOOOOOO LANGE IST DAS SCHON HER???) und ob ich denn auch käme - mit anschließendem Mittagessen. Klar bin ich hingegangen. Hallo, wer weiß, wann ich das nächste Mal so ein persönliches Jubiläum feiern darf (frühestens in 8 Jahren, glaube ich - DRK Ortsverein, nicht zu vergessen der Schützenverein in 16 Jahren). Oh, hab mein Klassentreffen in 2 Jahren vergessen :O Außerdem bin ich ja immer neugierig, wie die anderen sich so gemacht haben. Mal abgesehen davon, ist der Pastor in meinem Heimatdorf sowas von megacool (er hatte nämlich vorher nen "richtigen" Beruf bevor die Leute ihn überredet haben, nun doch noch Pastor zu werden wie er das ursprünglich mal wollte). Es gab also einen echt tollen Gottesdienst zum Thema "It's my life" (Danke Dr Alban für den Hit von 1992) mit moderneren Liedern und einer Predigt, in der erstmal an das Jahr 1992 erinnert wurde und dann bezug auf unsere derzeige Lebensphase genommen wurde. Sehr schön. Und natürlich gab es ne neue Konfirmationsurkunde.
Was ich später beim Essen so interessant fand ist, dass wir gar nicht so viel in der Vergangenheit geschwelgt haben, sondern uns tatsächlich mehr auf das "Jetzt" konzentrierten, wie der Pastor es in seiner Predigt gesagt hatte. Also ganz anders als bei Klassentreffen (zumindest bei denen der Realschule) wo immer ganz viel verklärte Rückblicke stattfinden.

Ansonsten war mein letztes Wochenende recht entspannt. Hab noch meine Neffen besucht, wo Opa gerade den Babysitter machte und mein Neffe (5) fragte: "Willst du Opa beschäftigen wenn wir im Bett sind?" Was für ein kluges Kerlchen. Und bei meinem Patenkind war ich dann auch noch - wenn schon denn schon - der hat sich prompt mit Mama für ein paar Tage Urlaub bei mir angemeldet und Erdbeertorte ohne Glibber (=Tortenguss) bestellt.

Diese Woche ging relativ schnell vorbei, ich war nämlich schwer beschäftigt mit Erdbeermarmelade und Holunderblütengelee. Am Dienstag fiel dann meinem Chef ein, dass die Party, die am Samstag stattfinden sollte, ja die Mitarbeiterfete ist zu der er mich auch angemeldet hat (allerdings hatte er vergessen mir davon   zu erzählen :D ) wo ich mich dann gestern bis Mitternacht rumgetrieben habe. Dann habe ich mich verabschiedet, denn einer muss ja die Arschkarte haben und heute früh die Tiere versorgen... Chef ist dann gegen Mittag aufgestanden und rief mich kurz an für einen Lagebericht.
Er: "Wie gehts dir?"
Ich: "Gut."
Er: "Na wenigstens einem von uns."
Ohne Worte.
Naja, den Rest des Tages wird jetzt erstmal gechillt. Garten wäre schön, aber für heute muss eine offene Terrassentür reichen. Wie immer.

09.06.2017 um 13:41 Uhr

Fishing for Mitleid

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Echt jetzt, es gibt so Tage, da möchte ich gerne mal wieder ein kleines Kind sein. Da wo Papa noch da ist, wenn man mal Trost braucht. Oder ein Pflaster. Oder beides.

Ich hab mich nämlich gestern beim Lauftraining mal so richtig gepflegt auf die Fresse gepackt. Lippe dick, Handgelenke angeschrammt und Knie aufgeschürft. KNIE AUFGESCHÜRFT!!! Alter, hat das eigentlich früher auch schon so weh getan??? Knie dick und brennt wie Teufel. Mimimi.
Aber man ich wollte ja nicht wie ein Weichei dastehen, also aufstehen, Dreck abklopfen und noch fast 7km weitergelaufen. Nebenbei bemerkt, mit persönlicher Bestzeit, die noch besser gewesen wäre, hätte meine GPS-Uhr sich beim Fallen selbst ausgestellt. Die Tochter einer Laufkollegin läuft nämlich jetzt mit uns und ich wollte nicht ganz so schneckenmäßig rüberkommen, deshalb war ich flott unterwegs.

In der Hoffnung, wenigstens zu Hause eine ordentliche Portion Mitleid zu bekommen, machte ich mich auf den Heimweg. Und musste zu Hause feststellen, dass mein Mann schon im Bett lag. Um 20.30 Uhr. Wo gibts denn sowas???
Also habe ich mich selbst mit einem Eis getröstet. Das war immerhin ein Anfang.

Jetzt sitze ich mich dickem Knie und Eisbeutel auf dem Sofa. Habe vorhin meinen Vater angerufen und ihm gesagt, er müsse mein Knie pusten, wenn ich morgen komme und was kriege ich zu hören? Er würde schonmal den Laubpuster der Nachbarn klar machen, der würde wenigstens was schaffen...  Hm, Väter sind offensichtlich auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Wobei... Mein Vater hatte schon immer diesen seltsamen Humor (was erklärt, wo ich meinen Humor her habe). Als ich das erste Mal vor Liebeskummer heulend zu Hause saß, erkundigte er sich auf seine spezielle liebevolle Weise, ob er mir ein Handtuch bringen sollte - so viele Taschentücher hätte er nicht im Haus...

Ich habe also folgendes gelernt:
- ab einem gewissen Alter muss man selbst sein Knie pusten
- Laufen ist ein durchaus gefährlicher Sport
- es ist gut, immer Eis im Kühlschrank zu haben (sowohl welches fürs Knie als auch welches für den Magen)