ungebremst ins Chaos

26.09.2017 um 10:14 Uhr

Diese kleinen besonderen Momente

Wenn man so in seinem normalen Alltagstrott steckt, verliert man oft den Blick für diese kleinen Momente die das Leben so lebenswert machen. Man misst ihnen zu wenig Bedeutung zu, nimmt sie als selbstverständlich oder übersieht sie ganz einfach obwohl man sie erlebt.

Tatsächlich bin ich jetzt, nach 6 Wochen "gelber Schein", psychisch nicht so angeknackst wie ich es erwartet hatte - was womöglich auch daran liegt, dass ich mittlerweile "gute Laune Pillen" nehme (wobei ich gar nicht das Gefühl habe, dass die irgendwas bewirkten) und sehe jetzt diese kleinen Momente etwas deutlicher.

Und falls sich jetzt jemand fragt, von was für Momenten ich rede, gibts jetzt hier mal ein paar Beispiele

1.
Letzte Woche war ich im Buchladen. Ich bin relativ oft dort, weil es ein eher kleiner Laden ist und die Beratung einfach super. Die Tür war gerade hinter mir zugefallen und ich hatte einen kurzen Blick auf den neu dekorierten Büchertisch geworfen, als die Chefin mich fragte, ob ich einen Kaffee möchte. Sehr nett oder? Und keineswegs alltäglich. Ich meine Bücher + Kaffee ist schon eine gefährliche Kombination.

2.
Ich postete auf Facebook ein "Guten Morgen Welt, mir ist langweilig". Am nächsten Morgen riss mich das Telefon aus dem schlaf und meine Freundin quatschte mich eine Stunde lang zu. Da war mir zwar schon nicht mehr langweilig, aber ich fand's trotzdem irgendwie süß, dass sie sich dann so spontan die Zeit dafür genommen hat. Und eine willkommene Ablenkung war es in jedem Fall.

3.
Ich kommentierte ein Foto von einer Torte die meine niederländische Nachbarin gebacken hat und das die Überschrift "Wir sind bereit" trug mit den Worten "Für Torte bin ich immer bereit" und einem lachenden Emoji. Daraufhin hat sie spontan beschlossen, diese Woche noch eine Torte zu backen und mich dazu einzuladen. Süß, oder?

4.
Wahltag. (Wahlraum in der Kneipe)
Ich will eigentlich nur meine Kreuzchen machen - und gehe halb betrunken wieder nach Hause...


Gestern war was Momente angeht, ein recht ereignisreicher Tag, wobei alles mehr oder weniger alltägliche Dinge waren.
Beim Hausarzt gabe es einen neuen gelben Schein für 3 Wochen.
Er: Und wie ist die Stimmung so?
Ich: Mir ist langweilig. (Mein Humor. Er meinte eigentlich was anderes...j)
Er (mit unterdrücktem Grinsen): Haben sie keine Hobbys?


Beim Zahnarzt. Dieses Mal tatsächlich Chefbehandlung.
Er: "Das sieht alles exzellent aus bei ihnen."
Schön. Wieviel Geld kassiert er für die zwei Minuten?

Und da gerade Erntezeit ist, konnte ich mir sehr gut angucken, wie Traktoren mit Ladewagen sich auf nassem Acker festfahren und riesige Löcher hinterlassen. Ich find's jedes Mal interessant, wie sie da wieder rauskommen. Ich weiß ja, wie das ist, ich hab mich schließlich früher auch des öfteren mal "eingebuddelt" mit dem Traktor...

So, ich geh dann mal weiter mit offenen Augen durch die Welt

10.09.2017 um 20:34 Uhr

Höhlenkoller...

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Übermorgen gehe ich in die 5. Woche "gelber Schein". Es ist ja ganz schön, morgens nicht von einem nervigen Wecker sondern vom eigenen Biorhythmus geweckt zu werden, doch den ganzen Tag zu Hause zu sein und dort mehr oder weniger nichts zu tun zu haben zehrt schon gewaltig an meinen Nerven. Selbst wenn ich einsehen muss, dass jemand, der (wie ich) nicht mal einen vollen Einkaufskorb heben kann ohne dass es im Rücken weh tut, für einen körperlichen Job wie meiner es ist, derzeit nicht geeignet ist. Allerdings habe ich in dieser Woche 3x staubgesaugt und das ist definitiv ein Zeichen meines schlechten Gemütszustands. Ich meine, wer mich kennt, der weiß, dass "hausfrauliche Tätigkeiten" nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören. Aber im Moment denke ich, besser ich beschäftige mich mit "Irgendwas" als den ganzen Tag rumzusitzen und darüber nachzudenken, wie es nun weitergehen soll.

Okay, den ganzen Tag rumsitzen geht schon deshalb nicht, weil der Arzt gesagt hat, ich soll mich bewegen. Naja, immerhin komme ich beim spazieren gehen dazu, Hörbücher in Ruhe zu hören. Ist ja auch was wert.

Ansonsten versuche ich dem Höhlenkoller zu entgehen, in dem ich am Wochenende wegfahre. Dieses WE war zum Beispiel Kindergeburtstag angesagt. Ich habe meinem Neffen eine Ritterburg gebacken, von der er restlos begeistert war und sich etwa sechs Mal dafür bedankt hat. Da geht einem doch das Herz auf - vor allem wenn man zwei Stunden lang wie ein Opa mit Hut im Mercedes Auto fährt, damit die Ritterburg den langen Transport heil übersteht. Und das wo ich doch nicht gerade für Seniorengeschwindigkeit bekannt bin.

Und nächstes Wochenende gehts zu einer Freundin, die ich vor Jahren übers Internet kennengelernt habe und wir haben uns vor drei Jahren zum letzten Mal gesehen. Es wird also wirklich mal wieder Zeit. Außerdem muss ich noch mit meinem Vater ins Varieté bevor der Gutschein abläuft... Langweilig wird es also am Wochenende zumindest nicht.

Aber in der Woche kämpfe ich wirklich extrem mit mir selbst. Tage können so verdammt lang sein, wenn man nichts zu tun hat. Dazu kommt noch mein latent schlechtes Gewissen weil mein Chef nun mehr oder weniger alles alleine machen muss (ja ich weiß, ich bin "krank" und kann nichts dafür, aber ich bin halt niemand, dem es egal ist wie es in der Firma läuft) Üblicherweise esse ich, wenn mir langweilig ist und ich schlecht gelaunt bin - aber auch das verkneife ich mir gerade, denn es ist nicht besonders zuträglich für die Figur.

So, genug gejammert. Nützt ja nichts den Kopf in den Sand zu stecken. Mal sehen wie es weitergeht.

01.09.2017 um 20:07 Uhr

Die "Panik" vor der 0 und das sonstige Leben

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Ich erinnere mich noch dunkel daran, als ich mal 29 war und die 30 mit schnellen Schritten auf mich zu kam. Anfangs war ich noch ganz locker und irgendwann dachte ich dann "oh Gott, 30, ich werde alt" oder noch schlimmer "erwachsen"...

Letzteres ist jedoch, wie wir alle wissen, bis heute nicht eingetreten. Ersteres auch nicht. Jedenfalls gefühlt nicht. Mein Ausweis sagt da was anderes, aber glücklicherweise lese ich den nicht so oft :D

Mittlerweile bin ich 39 - OH MEIN GOTT!!! - und das heißt, es ist aus diversen Gründen angebracht, schonmal vorsorglich in Panik auszubrechen bevor ich nächstes Jahr 40 werde. Dagegen war die 30 ein Klacks. Ja, in zehn Jahren werde ich herzlich darüber lachen - wenn ich Panik wegen der 50 schiebe, aber bis dahin ist ja noch eine Weile.

Während mit 30 ja mehr das "Erwachsensein" ein gewisses Unwohlsein hervorrief, bringt die 40 ja (zumindest bei Frauen) noch etwas mit, das man im Volksmund "biologische Uhr" nennt. Oder, wie Jan es mit seinem unvergleichlichen Charme ausdrückte, mein "Verfallsdatum".  Die meiste Zeit denke ich gar nicht darüber nach, aber wenn ich mal einen Tag mit meinen Neffen oder Patenkindern verbracht habe, denke ich schon, dass ich gerne Kinder hätte. Ich vermisse es im Moment nicht, aber was ist, wenn ich irgendwann anfange es zu vermissen und es dann zu spät ist?

Im Moment vermisse ich mein Leben. Ein Leben.
Ich denke oft, allein leben würde keinen großen Unterschied zu meinem jetzigen Leben machen. Mal abgesehen davon, dass ich nur meinen eigenen Dreck wegputzen müsste und dass keine Schwiegermutter ständig durch mein Wohnzimmerfenster guckt.
Ich habe keine Lust mehr, mir über Männer den Kopf zu zerbrechen. Weder über meinen eigenen, noch über andere. Vor allem nicht über Jan. Oder Juli (wobei das erfreulich geringe Ausmaße angenommen hat). Oder darüber, warum so viele Menschen (ich eingeschlossen) nicht in der Lage sind, einfach zu sagen was sie fühlen oder zu tun was sie wollen. Das würde das Leben doch um so einiges einfacher machen. Manchmal. Meistens. Vielleicht.

Aber....
... ich habe einen Plan.

Mal wieder.

Ich habe mir eine Liste gemacht. Mal wieder. Darauf stehen 100 kleine Dinge, die mich glücklich machen (sollen). Jedenfalls ein bisschen. Und die will ich in den nächsten 100 Tagen "abarbeiten". Mal sehen wie weit ich komme.

Heute jedenfalls werde ich auf die Party der Oldtimer-Traktor-Freunde gehen und mich (falls nötig) betrinken - es ist schließlich möglich bis wahrscheinlich, dass Jan dort sein wird. Dem möchte ich wirklich gerne mal eine reinhauen. Nennt man "Befreiungsschlag", glaube ich. Der soll sich gefälligst aus meinen Gedanken und einem anderen wichtigen Teil meines Körpers fernhalten. Sehr fern. Timbuktu oder so. Wahlweise kann er mich aber auch packen, entführen und mich glücklich machen (was aber eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist wie ich befürchte).

So, ich gehe dann mal. Mir was aus meinem "ich hab einen ganzen (halben) Schrank voll nichts anzuziehen"-Schrank eine festzelttaugliche Klamotte aussuchen. Mich ein klitzekleines bisschen aufhübschen. Die Welt soll sehen, dass ich mich verdammt nochmal nicht vom Leben unterkriegen lasse.  Oder von meinem unenschlossenen selbst. Und schon gar nicht von einem Typen der nicht weiß was er will.