ungebremst ins Chaos

01.09.2017 um 20:07 Uhr

Die "Panik" vor der 0 und das sonstige Leben

von: blacksheep   Kategorie: was mich betrifft

Ich erinnere mich noch dunkel daran, als ich mal 29 war und die 30 mit schnellen Schritten auf mich zu kam. Anfangs war ich noch ganz locker und irgendwann dachte ich dann "oh Gott, 30, ich werde alt" oder noch schlimmer "erwachsen"...

Letzteres ist jedoch, wie wir alle wissen, bis heute nicht eingetreten. Ersteres auch nicht. Jedenfalls gefühlt nicht. Mein Ausweis sagt da was anderes, aber glücklicherweise lese ich den nicht so oft :D

Mittlerweile bin ich 39 - OH MEIN GOTT!!! - und das heißt, es ist aus diversen Gründen angebracht, schonmal vorsorglich in Panik auszubrechen bevor ich nächstes Jahr 40 werde. Dagegen war die 30 ein Klacks. Ja, in zehn Jahren werde ich herzlich darüber lachen - wenn ich Panik wegen der 50 schiebe, aber bis dahin ist ja noch eine Weile.

Während mit 30 ja mehr das "Erwachsensein" ein gewisses Unwohlsein hervorrief, bringt die 40 ja (zumindest bei Frauen) noch etwas mit, das man im Volksmund "biologische Uhr" nennt. Oder, wie Jan es mit seinem unvergleichlichen Charme ausdrückte, mein "Verfallsdatum".  Die meiste Zeit denke ich gar nicht darüber nach, aber wenn ich mal einen Tag mit meinen Neffen oder Patenkindern verbracht habe, denke ich schon, dass ich gerne Kinder hätte. Ich vermisse es im Moment nicht, aber was ist, wenn ich irgendwann anfange es zu vermissen und es dann zu spät ist?

Im Moment vermisse ich mein Leben. Ein Leben.
Ich denke oft, allein leben würde keinen großen Unterschied zu meinem jetzigen Leben machen. Mal abgesehen davon, dass ich nur meinen eigenen Dreck wegputzen müsste und dass keine Schwiegermutter ständig durch mein Wohnzimmerfenster guckt.
Ich habe keine Lust mehr, mir über Männer den Kopf zu zerbrechen. Weder über meinen eigenen, noch über andere. Vor allem nicht über Jan. Oder Juli (wobei das erfreulich geringe Ausmaße angenommen hat). Oder darüber, warum so viele Menschen (ich eingeschlossen) nicht in der Lage sind, einfach zu sagen was sie fühlen oder zu tun was sie wollen. Das würde das Leben doch um so einiges einfacher machen. Manchmal. Meistens. Vielleicht.

Aber....
... ich habe einen Plan.

Mal wieder.

Ich habe mir eine Liste gemacht. Mal wieder. Darauf stehen 100 kleine Dinge, die mich glücklich machen (sollen). Jedenfalls ein bisschen. Und die will ich in den nächsten 100 Tagen "abarbeiten". Mal sehen wie weit ich komme.

Heute jedenfalls werde ich auf die Party der Oldtimer-Traktor-Freunde gehen und mich (falls nötig) betrinken - es ist schließlich möglich bis wahrscheinlich, dass Jan dort sein wird. Dem möchte ich wirklich gerne mal eine reinhauen. Nennt man "Befreiungsschlag", glaube ich. Der soll sich gefälligst aus meinen Gedanken und einem anderen wichtigen Teil meines Körpers fernhalten. Sehr fern. Timbuktu oder so. Wahlweise kann er mich aber auch packen, entführen und mich glücklich machen (was aber eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist wie ich befürchte).

So, ich gehe dann mal. Mir was aus meinem "ich hab einen ganzen (halben) Schrank voll nichts anzuziehen"-Schrank eine festzelttaugliche Klamotte aussuchen. Mich ein klitzekleines bisschen aufhübschen. Die Welt soll sehen, dass ich mich verdammt nochmal nicht vom Leben unterkriegen lasse.  Oder von meinem unenschlossenen selbst. Und schon gar nicht von einem Typen der nicht weiß was er will.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmijoni schreibt am 01.09.2017 um 22:00 Uhr:40 ist ein sehr befreiendes Alter ... 😎
    Sagt die, die mit 40 nach 14 Ehejahren und drei Kids, nochmal "neu" angefangen hat ...
    Ist nur eine Zahl, nicht mehr, nicht weniger. Das, was innen passiert, ist der Dreh - und Angelpunkt.
    ( Ich bin innerlich noch irgendwie in den 20 ... 🤔😁)
  2. zitierenAmanita schreibt am 05.09.2017 um 00:28 Uhr:Du Teenager :))) Schönen Gruß aus der hintersten Ecke der Gruft! Habe beide Schreckensdaten überschritten und glaube, dass ich es überlebt habe (es sei denn, Himmel oder Hölle sind eine 1:1-Kopie dieser Erde und die Insassen benehmen sich genau so) :D

    Die bösen Zahlen sind weder körperlich noch geistig fühlbar. Würde wir nicht dauernd von freundlichen Mitmenschen mit der Nase darauf gestoßen, und müssten wir nicht dauernd so viele Formulare mit unserem Geburtsdatum ausfüllen, könnten wir beim besten Willen nicht sagen, wie alt wir sind.

    Aus eigener Anschauung sage ich dir, dass die so genannte "biologische Uhr" eine Propagandalüge der Wirtschaftsbosse ist, die uns dazu zwingen wollen, aus dem Arbeitsleben auszusteigen, um für junge Männer Platz zu machen. In meinem auf dem Papier nunmehr 6. Lebensjahrzehnt (waaaas!!!?!)läuft die Maschin' immer noch wie eine 1, weder in Sachen Tampons noch in Sachen Verhütungsmittel kann auch nur ein Cent eingespart werden.

    Eine Kollegin aus Osteuropa (40), die einen neuen Freund hat und gerade überlegt, ob sie schwanger werden könne/dürfe/wolle, verkündete neulich, ihre Cousine (49) sei schwanger.

    Das Thema "Lernen" hört leider ebenfalls nicht auf, denn die Aufgaben werden eher mehr als weniger, und auch komplexer.

    Gut ist: Du wirst mutiger und setzt dich mehr durch, weil du das für junge Frauen unerlässliche Programm "Immer nett sein" manchmal schleifen lässt und aufs Nett-sein pfeifst (wie du nämlich inzwischen erlebt hast, hat es dich nicht weitergebracht) :)

    Schlecht ist: Die süßen Kinder sind nervende Teenager geworden, der Partner nörgelig, bequem und oberlehrerhaft statt charmant, zuvorkommend und witzig, und die eigenen Eltern/Schwiegereltern sind quengelig und/oder gebrechlich.

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