ungebremst ins Chaos

21.12.2017 um 14:23 Uhr

Es steht ein Porsche vor dem Nachbarhaus...

von: blacksheep   Kategorie: und sonst?

Als ich letzte Woche in allerseelenruhe am Küchentisch saß und ein Nutellabrot aß, betrat mein Mann den Raum um sich eine Tasse Tee zu holen. Nicht, dass das in letzter Zeit so etwas besonderes wäre, immerhin bin ich seit Mitte August krankgeschrieben und mein Mann seit Mitte Oktober, doch dann nahm der Nachmittag eine überraschende Wendung.

"Da steht ein Porsche vor dem Nachbarhaus."

Hä? Ein Porsche? Echt jetzt??
Ich stand auf und ging zum Fenster. Tatsächlich. Vor dem nicht mehr ganz ansehnlichen Vorgartenzaun des annähernd hundert Jahre alten und vor etwa 40 Jahren neu verklinkerten Hauses, stand ein schwarzer Porsche Carrera. Dazu gesellte sich wenig später ein ebenfalls schwarzer SUV und es dauerte nicht lange, bis zwei recht seriös gekleidete Herren und eine ältere Dame im Nachbarhaus verschwanden.

"Und?" mein Mann sah mich nachdenklich an. "Was meinst du?"
"Ich würde fast annehmen, dass es demnächst verkauft wird."
Immerhin ist unsere Nachbarin nun schon fast ein ganzes Jahrhundert alt (wenn ich mich nicht irre, wird sie nächstes Jahr 95) und lebt seit einiger Zeit bei ihrer Schwester (die mittlerweile auch über 70 ist), weil sie fast gar nichts mehr sieht und auch nicht mehr so richtig laufen kann - geschweige denn alleine wohnen, aber geistig ist sie noch ziemlich gut drauf.
Aber ich schweife ab.
Wir standen also noch eine Weile am Fenster und betrachteten schweigend das Haus.
"Angenommen, es wird wirklich verkauft, wieviel würdest du dafür bezahlen?"

Hm.
Nachdem ich mit den Basic Infos über Grundstücksgröße, Haus (Alter und Innenleben) versorgt war, kramte ich in meiner Kompetenzschublade was Häuser angeht. Nach diversen Folgen "Zuhause im Glück", "Schnäppchenhäuser", "Ab in die Ruine" und nächtelangem surfen auf Immobilienscout24 sowie Gesprächen mit meinem in allen Bereichen äußerst kompetenten Vater, kam ich zu dem Schluss: 50.000 höchstens. Schließlich muss an dem Kasten einiges getan werden und das Scheunendach ist komplett im Eimer.
Mein Mann sah das ähnlich und wir verschwanden wieder in  unserem Alltag als Teilzeitkrüppel.

Bis ich vor ein paar Tagen in der Küche saß und mein Mann sich mal wieder einen Tee holte.
"Drüben läuft einer rum und macht sich Notizen. Sieht wirklich so aus als soll es verkauft werden."
"Warum gehst du dann nicht rüber und fragst?"
"Rübergehen?"
"Willst du es nun kaufen oder nicht? (Er redet nämlich schon ewig davon, das Haus zu kaufen wenn es denn verkauft wird) Fragen kostet ja nichts."
"Meinst du?"
"Ich würde ja gehen, aber ich bin krank." *hust* *schnief* *röchel*

Ich war etwas überrascht als er sich tatsächlich in Jacke und Schuhe schwang und nach nebenan ging. Und nach kurzer Zeit mit den wichtigen Informationen wieder zurückkam.
Ja. Es soll verkauft werden. Aber offiziell wissen wir davon noch nichts.

"Rate mal, was die dafür haben wollen."
Ich (nach einem kurzen Blick in sein belustigt grinsendes Gesicht und mit der Erfahrung von... naja "Mieten, Kaufen, wohnen"...) "Zuviel."
Er: "Sag mal ne Zahl."
Ich: "Keine Ahnung. 70.000."
Er (schon halb lachend): "85.000"
Als ich die Zahl hörte, lag ich dann auch beinahe vor Lachen unter dem Tisch. "Echt? Für die Bruchbude?"

Der Makler ist nämlich der Meinung, dass man das Grundstück in zwei Grundstücke teilen kann (ja, ist theoretisch möglich, weil groß genug ist es ja) um dann in zweiter Reihe noch ein Wohnhaus zu bauen. Ich lach mich kaputt. Typisch Stadtmensch. Dafür gibt es doch im Leben keine Baugenehmigung. Schließlich steht unser Schweinestall keine fünf Meter von der Grundstücksgrenze weg. Hat der Mann schon mal was von Immissionsschutz und so gehört? Vor ein paar Jahren wollte der Sohn des Nachbarn unseres Nachbarn (ja, das mit den Nachbarschaftsverhältnissen ist hier etwas kompliziert) drei Häuser weiter ein Haus bauen, das von hier grob geschätzt 300 Meter entfernt stehen sollte. Damals musste er sogar uns fragen, ob wir etwas dagegen haben (hatten wir natürlich nicht, wieso auch). Und als gegenüber von unseren Nachbarn jemand ein Haus in eine Baulücke bauen wollte, hat der Bauherr dafür bezahlt, dass unser Nachbar die Lüftungsrohre (die aus dem Stalldach wie Schornsteine rausgucken) höher macht, weil er sonst nicht hätte bauen dürften.  Ihr erkennt die Problematik, oder?

Ich lehne mich dann mal lässig zurück und warte ab. Das Haus wird nämlich nicht mal ein verrückter Holländer haben wollen, weil dort keine Pferdeweide vorhanden ist.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 21.12.2017 um 17:36 Uhr:*ggggg*
    Es gibt genug bekloppte Städter, die solche Ruinen kaufen, ohne an die Folgen oder einschlägigen Bestimmungen zu denken.
    Ich habe leider selber solche Deppen in der Familie. Die haben zugeschlagen - trotz Denkmalsschutz, trotz totalem Verfall, trotz Bundesstraße direkt vor der Tür... Was soll man dazu noch sagen?
  2. zitierenblacksheep schreibt am 23.12.2017 um 16:13 Uhr:
    Zwischenweltler:*ggggg*
    Es gibt genug bekloppte Städter, die solche Ruinen kaufen, ohne an die Folgen oder einschlägigen Bestimmungen zu denken.


    Glücklicherweise ist der Markt hier gerade (laut Auskunft der Immobilientante der Bank) ziemlich am Boden was das Kaufinteresse an solchen Objekten angeht. Die Holländer kaufen so gut wie gar nicht mehr und die Städter, die aufs Land wollen, wollen nicht soooo viel aufs Land wie sie es hier wären :) Der einzige Vorteil am A... der Welt.

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