ungebremst ins Chaos

02.01.2018 um 16:51 Uhr

Schon wieder ein neues Jahr...

Im Januar denke ich immer, dass es ewig dauert, bis das neue Jahr anfängt, doch dann wird es langsam Sommer und schwupps, schon steht man mit beiden Beinen im neuen Jahr und ist trotzdem keinen Schritt weiter. Okay, vielleicht bin ich im letzten Jahr ein klitzekleines bisschen weiser geworden, aber... nein. Vielleicht auch nicht.

Was fange ich nun mit den Erkenntnissen des letzten Jahres an? Hm. Gute Frage.

Am Freitag in der Gruppentherapie, leuchtete plötzlich eine Glühbirne über meinem Kopf auf. So ähnlich wie bei Comicfiguren, wenn sie eine Idee haben. Ich saß da und hörte, nachdem ich selbst gefühlt ewig geredet hatte, den anderen zu und erwischte mich bei dem Gedanken "warum machst du das überhaupt noch mit? warum gehst du nicht einfach?". Schon verrückt sowas zu denken, wenn man selbst nicht in der Lage ist, sein verqueres Leben auf die Reihe zu kriegen. Aber den anderen scheint es ähnlich zu gehen, wenn ich bedenke, dass sie meinen  halbstündigen fast-Monolog unisono mit einem "warum bist du dann noch mit deinem Mann zusammen?" kommentierten.

Soviel dazu.

Für die Zeit zwischen den Jahren hatte ich mich mit Lars (dem jungen Mann, von dem ich Ende November erzählt habe - der aus dem Internet) auf einen Kaffee verabredet. Zwar  hatte er inzwischen eine Freundin, aber wir waren nun beide doch neugierig auf die Person hinter dem geschriebenen. Jedenfalls dachte ich, wir wären es beide - zumal ich es ihm gesagt habe und er es erwidert hatte. Und er hatte mir versichert, dass die Tatsache, dass er nun vergeben war, ihn nicht davon abhalten würde.
Tja, und dann bekam ich am zweiten Weihnachtstag eine Nachricht, in der er mir mitteilte, er würde nun doch am nächsten Tag schon nach Köln zurückfahren (er war auf Heimaturlaub in der nähe meines Wohnortes), weil seine alten Schulfreunde keine Zeit hätten und er sich bei seinen Eltern sonst langweilen würde. Ja, könnte man soweit wohl noch nachvollziehen und ich schlug dann vor, wir könnten ja morgens zusammen Kaffee trinken bevor er sich in den Zug setzen würde. Das war ihm dann aber irgendwie zu stressig - wobei ich nicht verstehe was genau daran stressig ist, wenn man aus dem Haus zum nächsten Café geht - und überhaupt ich müsse doch verstehen, dass er "Sehnsucht nach seiner Frau" (Originalzitat) hätte.
Ich bin ja ein von Grund auf friedliches Exemplar von Mensch, aber da ist mir dann sowas von die Hutschnur gerissen. Also habe ich ihm - wie ich fand noch recht sachlich - geschrieben, dass ich das schon irgendwie verstehe, aber er auch verstehen müsste, dass ich darüber ein wenig sauer bzw. traurig bin. Ich meine, da hätte er ja gleich sagen können, dass er es sich anders überlegt hat, anstatt da noch so rumzueiern. Ich hab ja nicht verlangt, dass er alles stehen und liegen lässt, nur um unsere Verabredung einzuhalten, aber ich kenne niemanden, der freudestrahlend "ist doch alles super" sagt, wenn eine Verabredung gecancelt wird auf die man sich schon irgendwie gefreut hat. Konnte er irgendwie nicht nachvollziehen. Statt dessen warf er mir mangelndes Verständnis vor - da konnte der junge Mann wirklich froh sein, dass er mich weder hören konnte noch mir gegenüber stand. Mir sind da nämlich massenweise "Nettigkeiten" eingefallen, die ich ihm dann an den Kopf geworfen hätte.
Statt dessen habe ich in meiner neu gewonnenen Gelassenheit bezüglich mancher Dinge das Handy beiseite gelegt und  beschlossen, dass dieser Typ mich mal kann. Kreuzweise. Und dass ich allerhöchstens nochmal mit ihm rede, wenn er sich vorher reuemütig entschuldigt. So. Basta.
Abends habe ich mir dann erlaubt, fünf Minuten darüber in Trauer auszubrechen, dass die heutige Jugend offensichtlich keinen Arsch mehr in der Hose hat. Und das, wo ich doch nach dieser ganzen Sache mit Jan gerade gedacht hatte, dass... Es mag sich bescheuert anhören, aber ich hatte irgendwie wieder Hoffnung, dass ich nicht im Elend versauern muss. Nicht, dass ich jetzt vom Prinzen auf einem weißen Pferd träume, aber... Jemand der einem mal die Hand reicht und sagt, dass alles gut wird, das wäre schon schön gewesen.

Egal, jetzt ist das neue Jahr da und glücklicherweise ist tief in mir drin immer noch das Gefühl, dass alles gut wird. Wann auch immer. Ich wundere mich, dass ich dieses Gefühl immer noch habe, nachdem mir das Leben doch oft genug eins übergebraten hat.

Ich versuche gerade, neben der Umsetzung diverser guter Vorsätze, mein Leben etwas aufzuräumen. Dabei fange ich mit meinen "Besitztümern" an. Ich habe so viel Krempel und nachdem ich in den letzten Monaten viel Zeit zum Nachdenken hatte und in der Reha gemerkt habe, dass ich mit wirklich wenig klarkomme, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mein Geld oft für Dinge ausgebe, die ich nicht brauche, weil ich mich dann gut fühle. So nach dem Motto, wenn mir sonst schon keiner das Leben versüßt, mache ich das halt selber. In diesem Punkt kann ich schon ein wenige nachvollziehen warum andere kaufsüchtig werden.
Und ich habe diverse Pläne und Listen geschrieben, die a) mir dabei helfen sollen ein bisschen strukturierter zu werden, b)mich auf kostengünstige Art für eine Weile aus dem grauen Alltag verschwinden lassen und c)meine zunehmende Vergesslichkeit hoffentlich auf ein Minimum reduzieren (Ich nenne das übrigens Depressions-Demenz, weil ich neulich gelesen habe, dass Depressive ganz viele Sachen vergessen).

Ansonsten bin ich wieder voll ins "Sportprogramm" eingestiegen. Ernsthaft, fast 5 Monate zu Hause ohne Lauftraining und sonstiges an Bewegung hat nicht gerade zu einer Figur geführt, dich ich zurückhaben wollte. Vor allem nicht nachdem ich Anfang letzten Jahres so einen guten Start hatte, was die "Fettschmelze" angeht. Ich glaube, ich investiere mein Weihnachtsgeld tatsächlich mal in einen Monat weight watchers mit realen Treffen. Damit ich die ganzen Infos mal schriftlich habe und mir nicht alles verloren geht wenn ich das Programm beende.

Mein activity tracker sagt, ich muss mich bewegen...

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