ungebremst ins Chaos

07.05.2017 um 03:29 Uhr

Voll gewesen, toll gewesen...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Also, nur damit ihr gleich bescheid wisst: ich bin betrunken. Zumindest angetrunken. Ich war nämlich zwei Tage feiern. Gestern auf der allerbesten Hochzeit, auf der ich jemals gewesen bin (und das trotz der Tatsache, dass ich in einem Raum mit etwa 200 Personen immer nur auf einen fixiert war). Und heute auf dem 2.besten Resteverzehr nach einer Hochzeit, wobei, vielleicht war es auch der Beste, aber das kann ich erst morgen beurteilen, wenn ich wieder halbwegs nüchtern bin.
Wie auch immer, spätestens wenn ihr weiter das wirre Zeug lest, das ich hier gleich verfassen werde, merkt ihr eh, dass ich das eine oder andere alkoholische Getränk zu mir genommen habe. Aber von vorne...

Kurze Ausschweifung zum 1. Mai. Da habe ich Jan natürlich nicht getroffen - naja, es ist eher wahrscheinlich, dass ich ihn verpasst habe, weil ich so früh und er so spät - oder so ähnlich - dort war. Aber das ich ja nun egal.... Zurück zum aktuellen Wochenende...

Also gestern. Die Mega-Hochzeitsfeier des letzten unverheirateten Paares in unserer Clique oder des vorletzten? Egal, jedenfalls hatte ich so überhaupt keine Lust auf diese Hochzeit. Glückliches Brautpaar, Cliquenpaare mit Kindern und werdende Eltern - nicht gerade das, womit ich im Moment sonderlich gut umgehen kann. Aber gut. Morgens zum Friseur, mal eben die Haare schön, dann ein Kleid kaufen (ja, ich mach das neuerdings immer so) und dann den Tag irgendwie rumkriegen. Nachmittags Kirche. Echt schön (da der Bruder der Braut musikalisch begabt ist und aktuellel Musik im Gottesdienstprogramm untergebracht wurden) dann zur Gaststätte - den ersten Aperol reinkippen und hoffen, dass es schnell weiter geht und ich nach dem Ehrentanz unter Vorgabe fadenscheiniger Gründe abhauen kann.
Tisch gefunden, hingesetzt, an nichts böses Gedacht. Ehemann: "Ach, Jan ist auch da" Mega (Achtung, Ironie). Ehrlich, es ist schon verrückt. Es schleicht sich immer genau das ins Gehirn, mit dem man sich AUF GAR KEINEN FALL beschäftigen will. Ob ich es nun wollte, oder nicht, ich wusste immer, wo Jan war. Also her mit dem Alkohol, Hemmschwelle abbauen und rauf auf die Tanzfläche, die wilden 90er auferstehen lassen (Megageile Band...). Mitternachtsbuffet. Jan und ich treffen uns beim Mettigel und - Halleluja, ein Wunder! (Achtung, Ironie) - Er spricht ganze 3 Sätze mit mir. Bezüglich des Mettigels. Okay, das bringt den Weltfrieden jetzt nicht unbedingt voran, beruhigt mich aber für den Moment ungemein. Weil ich nämlich dachte, dass das ein Schritt auf dem Weg zu einer - wie auch immer gearteten - Normalität ist. Her mit dem Alkohol, Dauergrinsen ins Gesicht, auf der Tanzfläche abzappeln. Das Gefühl, dass es aufwärts geht, hat etwas enorm befreiendes...

Lagerfeuer (am Ende der Party wird ein Stuhlkreis gebildet, in der Mitte werden Teelichter aufgestellt, es gibt noch ein/zwei ruhige Songs während das Brautpaar versucht, auch die letzten abzufüllen....). Da etwa 60 der Gäste absolut noch nicht nach Hause wollen (um 5 Uhr morgens, wohlgemerkt), ist es eine große Runde und ich nehme aus Platzmangel, auf dem Schoß meines Mannes Platz. Jan steht an der Theke. Wenn Blicke töten könnten.

Ich liebe Ed Sheeran (sorry, aber ich hab den Fernseher laufen und auf Vox gibt es gerade immer Ausschnitttweise Ed Sheeran vor der Werbung) und ich kriege dann immer einen Ohrwurm "I'm in love with the shape of you..."

Ich hab euch gewarnt, ich bin betrunken...

Heute also der Party 2. Teil. Resteverzehr ab 11.30 Uhr. Um 18 Uhr bin ich bereit nach Hause zu gehen. Trete - mich verabschiedend - vor die Tür des Partyraumes wo mich die Stimme meines Mannes aus meinen Zuhause-Sofa-chillen-Gedanken holt. "Ach, Jan ist auch schon da." AAAAAAAHHHHH. Echt jetzt. Wäre mir nicht aufgefallen (ehrlich nicht, ich schwöre) wenn er es nicht gesagt hätte. Wie gesagt, Sofa, chillen und so.
Wie auch immer, ich verbrachte 2 Stunden auf dem Sofa - halb chillend - und danach drängte es mich zurück auf die Party. Ich habe wirklich mit mir gehadert. Ich dachte mir, es sei vielleicht besser, zu Hause zu bleiben, so nach dem Motto "Zeit heilt Wunden" oder "Gras über die Sache wachsen lassen". Ja, okay, ich weiß, ich bin eine absolute Niete darin, aber das hindert mich ja nicht daran, an diesem Makel zu arbeiten. Jedenfalls habe ich erstmal Radfahrend eine Runde durch die Felder gedreht und bin dann zur Party. Mit dem festen Vorsatz "1 Bier und wenn es dann noch scheiße ist, lassen wir es gut sein".
Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her...
So saßen Jan und ich irgendwann allein auf der Terrasse vor dem Partyraum. Wie fängt man am besten ein Gespräch an? Keine Ahnung. Also die direkte Nummer.
Ich: "Hast du gar keine Angst?"
Jan: "Wovor?"
Ich: "Was die anderen morgen erzählen, wenn wir jetzt ganz alleine hier draußen sitzen."
Jan: "Du sitzt ja direkt vor dem Fenster, da kann gar nichts passieren."
Ich: "Naja, jedenfalls finde ich es schön, dass du mit mir redest. Und mich nicht immer nur so anguckst als würdest du dir wünschen ich wäre nicht da."
Jan: "Du weißt genau warum."
Ehrlich, je öfter ich diesen Satz von ihm höre, umso weniger bin ich mir sicher, dass ich das wirklich weiß. Ich meine, okay, moralisch haben wir uns am Tag X nicht mit Ruhm bekleckert, aber wie war das noch mit der Zeit und dem Gras? Ich meine, wie soll ich das abhaken wenn er sich damit offensichtlich ebenso schwer tut?

Egal, wir kamen jedenfalls auf meine derzeitige Beziehungssituation zu sprechen woraufhin er etwas sagte, das klang wie "du hast damals versprochen, dass das mit euch so oder so vorbei ist, wenn nicht heute, dann morgen".
Es dauerte einen Moment, mein Hirn ratterte um die Information zu verarbeiten. Klick.
   "Hast du gerade gesagt, ich hätte was versprochen???"
Verwirrung, die 1. Eine Antwort bekam ich natürlich nicht, weil restliche Anwesende das Talent haben, immer dann aus der Terrassentür zu kommen, wenn es gerade um die Beantwortung wichtiger Fragen geht. Nach einem (erfolglosen) Versuch uns zum Reinkommen  zu überreden, sind wir wieder allein und reden weiter. Darüber, dass er nicht versteht warum ich mich nicht trenne, woraufhin ich versuche ihm zu erklären, dass das alles nicht so einfach ist. Und überhaupt.
Ruhiger Moment.
Ich: "Jan, jetzt mal ganz ehrlich. Wenn ich mich jetzt trenne, wo soll ich denn hin?" (Wir hatten vorher über Mietwohnungen gesprochen und darüber, dass die ja nicht bezahlbar sind)
Jan (in einem Ton als wäre es das normalste der Welt): "Zu mir."
WHAT THE FUCK? HÄ? Hab ich Ohrhalluzinationen oder was? MEGAVERWIRRUNG.
Ich leise (total davon überzeugt, dass ich da irgendwas völlig falsch verstanden habe): "Hast du gerade gesagt zu dir?"
Kurzer, sich ewig anfühlender Moment des Schweigens zwischen uns.
Jan: "Ich..."
Terrassentür auf...
   "Ihr seid ja immer noch hier draußen. Wollt ihr nicht mal reinkommen?"
Hatte ich erwähnt, dass das Timing der anderen Gäste echt höllisch miserabel war?

Wir sagten -  zum wiederholten Mal - wir kämen, wenn wir unser Glas leergetrunken hätten. Statt dessen füllten wir es wieder auf und redeten weiter. Irgendwie kamen wir tatsächlich auf den Tag X zu sprechen. Ich gebe zu, es war echt arschig von mir, ihm vorzuwerfen, er sei Schuld an dem ganzen "Schlamassel", aber irgendwie hatte ich gehofft, ihn so zu einer Reaktion provozieren zu können die uns weiter bringt.
Ich: "Du hast angefangen. Es wäre ja gar nichts passiert, wenn du mich nicht geküsst hättest."
Jan: "Du hättest nicht mitmachen dürfen"
Ich: "Du hast mich vorher abgefüllt" (Herrgott, ich war echt arschig.)
Natürlich hat uns das kein bisschen weitergebracht.

Irgendwann landeten wir dann doch im Partyraum. Dort war es laut und heiß und voller Betrunkener (okay, außer uns waren es noch 10 andere inklusive Brautpaar) und wir hockten auf unseren Barhockern neben dem Tiefkühlschrank mit dem Schnaps und tranken eben diesen mit Cola. Und ER fing damit an, unseren Tag X in Einzelheiten aufzudröseln. Wer wo gestanden und was gesagt bzw. getan hat und was dann passiert ist und mein Gehirn versuchte in rasender Geschwindigkeit zu Frage zu klären, wieso in Gottes Namen er das in der "Öffentlichkeit" tut owbohl er mir sonst manchmal vorwirft, ich würde ihn in der Öffentlichkeit ansprechen. Oder ihn nicht ansprechen, je nachdem was er gerade für besonders auffällig hält.
Jan (mal wieder): "Du hast angefangen. Hättest du nicht immer deinen Charme spielen lassen..."
Ich war kurz geneigt, in Gelächter auszubrechen. Charme spielen lassen - echt jetzt - niemand ist in sowas unbegabter als ich.
Ich: "Ich bin überhaupt nicht charmant."
Er (sieht mich mit seinen schwachmachenden Kulleraugen an): "Wenn du wüsstest, wem du schon alles den Kopf verdreht hast."
Natürlich war nicht rauszukriegen was er damit meinte. Oder wen. Aber wahrscheinlich ist genau das mein Problem. Dass ich sowas nicht weiß. Dass ich selbst nicht mal mitkriege, dass ich charmant sein kann oder es automatisch bin oder whatever. Oder dass ich es einfach nicht ernst nehme.

Der Mann verwirrt mich.

Schließlich löste das Brautpaar die Party auf indem es uns bat, nach Hause zu gehen. Ohne Zicken machte Jan sich mit mir zusammen auf den Weg (also, wir hatten in etwa denselben Weg, sonst wären wir wahrscheinlich gerade mal zusammen bis zur Kreuzung gegangen) und wir redeten wie normale Menschen miteinander. Wie Freunde, die denselben Weg haben. Schließlich begleitete ich ihn noch ein wenig über die Grenze meines Wohnortes hinaus, wo wir schließlich eine Pause einlegten, weil er noch eine Zigarette rauchen wollte.
Wir saßen auf der Leitplanke, sahen in den Himmel und er erzählte mir einen vom Polarstern. Ungelogen, der Himmel war wolkenverhangen und nur ein einziger Stern war durch eine Wolkenlücke zu sehen. Ich hab keine Ahnung ob das wirklich der Polarstern war, aber Jan klang sehr überzeugend bei seiner Erklärung (ich werde das googeln). Irgendwie war es ein klein wenig romantisch.
Wir verabschiedeten uns mit einer freundschaftlichen Umarmung. Zugegeben, ein Teil von mir wünschte sich einen Kuss, aber der größere Teil von mir hat gerade keinen gesteigerten Bedarf an noch mehr Schlamassel. Als er mich im Arm hielt, spürte ich eine gewisse Erleichterung. Ehrlich, unabhängig davon was zwischen uns beiden war oder ist oder auch nicht ist, es wäre schön, wenn wir hin und wieder einfach nur miteinander reden würden. So wie wir es auf dem Heimweg getan hatten und das sagte ich ihm auch. Also, dass es schön wäre wenn er mal wieder mit mir reden würde.
Wir verabschiedeten uns nochmal - mit noch einer Umarmung - dann stiegen wir auf unsere Räder und fuhren nach Hause. Er den Deich rauf, ich zurück ins Dorf.

Mein Kopf hat eine Menge Infos (verbale und nonverbale) zu verarbeiten und der Alkohol macht mich so langsam echt bettschwer, also werde ich mich jetzt erstmal hinlegen - hoffentlich ohne Karussell fahren... - und möglicherweise später noch mal mit ein paar Erinnerungsfetzen um mich werfen.

Aber eins weiß ich sicher. Er hat mir ein paar Dinge erzählt, mit denen er mich testen will. Relativ früh in unserem Gespräch hat er mir nämlich erzählt, dass er einer Bekannten im Vertrauen einiges erzählt hat, auf die er von Freunden angesprochen wurde, kaum dass das Gespräch beendet war. Erst war er sich nicht sicher ob er nicht doch jemand anderem auch dasselbe erzählt hat, deshalb hat er der "Tratschverdächtigen" mal ein paar Fake-News aufgetischt um zu sehen, was passiert. Und da er mir vorgeworfen hat, ich hätte von unserem Tag X sämtliche Einzelheiten in unserem "Dorfuniversum" verbreitet (Hallo, ich weiß ja bei den meisten Details selbst nicht mehr, ob das wirklich passiert ist, gesechweige denn, dass ich das jedem auf die Nase binden würde) kann ich das durchaus verstehen. Er meinte, er wäre ganz gut im Lügen, woraufhin ich erwidert habe, dass ich wetten würde, dass jemand, der ihn wirklich gut kennt, merken würde, wenn er lügt. Und mir hat er etwas erzählt, von dem ich fast sicher bin, dass er sich das ausgedacht hat, weil es so unwahrscheinlich klingt für jemanden in seinem Alter.

Ich geh jetzt erstmal schlafen...


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