viva la Mexico

23.03.2011 um 16:33 Uhr

Ein Märchen der Gebrüder Grimm

Dass ich ihr meine Nummer gegebene habe, erzählte ich gar nicht in meinem letzten Eintrag. Aber sie hat mich angerufen. Sie fand es sogar witzig mit mir. Und dann telefonierten wir eine Stunde miteinander. Worüber wir uns unterhalten haben, weiß ich nicht mehr. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass sie mich angerufen hatte. Und einen Tag später stand sich bei mir im Laden, zwischen den Salami-Scheiben und dem Fleischsalat. Ich machte ein paar witzig Sprüche über die Ladentheke und ihre kleinen Nasenflügel vibrierten beim Lachen. Meine Kunden mussten warten, aber es waren keine Beschwerden zu hören. Sie waren wohl selbst begeistert von diesem Schauspiel, was sie da vor ihren Augen abspielte. Ein dunkler behaarter Zwerg lachte aus vollem Rohr mit einer elfenbeinhäutigen großwüchsigen Elfe. Schneewittchen wäre der richtige Name für sie. Ihr Haar schwarz wie Ebenholz, ihre Lippen rot wie Blut und ihre Haut so weiß wie Schnee. Danach kommt auf der Platte ein pling pling wie von einer Maultrommel. Als ich nach Deutschland kam habe ich die Platte rauf und runter gehört. Mich faszinierten die deutschen Märchen. Besonders die Aufnahmen aus Ostdeutschland waren besonders gelungen.

 

Jetzt war sie da, Schneewittchen und sie lachte, wenn ich sie so nannte. Meinte es wäre ein zu komischer Name, die Geschichte von den sieben Zwergen kannte sie aber nicht. Ich hoffe, ich bin ihr erster und letzten, die sechs anderen Zwerge brauchen wir nicht.

 

Als ich mich dann wieder meinen Kunden widmete, lag bei allen ein Lächeln auf den Lippen, als wenn alle in dem Moment verzaubert wurden sind, als sie meinen Laden betreten hat und ich sie hinter der Theke mit den sieben Bergen aus Fleisch und Wurst entdeckte.

11.03.2011 um 15:47 Uhr

Julia ist schön

Dios, diese Frau. Es ist unglaublich, Julia. Sie ist wahnsinnig schön diese Frau. Was hat sich Christina dabei nur gedacht. Schließlich bin ich doch nicht mehr der Jüngste und etwas Bauchumfang habe ich auch zugelegt. Da will sie mich doch tatsächlich mit so einer Wahnsinnsfrau verkuppeln. Sie ist einfach eine Nummer zu groß für mich. Natürlich habe ich mich voll ins Zeug gelegt, den Latinlover bis auf die Brusthaare herauszukehren. Und sie hat auch über meine dummen Witze gelacht, ich hoffe zumindest, dass sie nicht über mich gelacht hat. Wir haben uns stundenlang über unsere Arbeit unterhalten. Das war natürlich nur aus Verlegenheit und stink langweilig. Glücklicherweise gab es nach dem Essen ein, zwei Cocktails und dann sind wir noch in einer Bar umgezogen, sodass ich mich von dem ersten Schock ihrer Schönheit erholen konnte und dann etwas mehr Selbstvertrauen bekommen habe.

Über den Umzug war sie recht glücklich und auch über den Cocktails, die ich ihr natürlich bezahlte. Die letzten Jahre musste sie immer als Vorbild für ihre kleine Schwester dienen, konnte sich kaum mal gehen lassen. Sie genoss es ein wenig in der Bar herum zu fläzen, was ihrer Schönheit keinen Makel gab.

 

Beim letzten Cubra-Libre fing sie leicht an zu singen und ich stimmte in ein mexikanisches Kinderlied ein. Singend brachte ich sie nach Hause. Das war wohl der schönste Moment des ganzen Abends, wie waren so ausgelassen und vertraut, als wenn wir uns schon eine Ewigkeit kennen würden. Für Passanten gaben wir wahrscheinlich ein sehr eigenartiges Bild ab. Ein kleiner untersetzter Mexikaner mit fleißig Haaren auf der Brust und eine großgewachsene Halbkoreanerin. Bei dem Gedanken musste ich selbst lachen.

28.02.2011 um 17:43 Uhr

Erstes Treffen mit Julia geplant

Chicos, Buenas. Jetzt habe ich mich Christina vereinbart, Julia das kommende Wochenende zu treffen. Julia ist die Freundin von Christina, mit der ich mich mal treffen sollte. Ihr erinnert euch? Sie ist dreißig geworden und ist in keiner Beziehung. Wie sieht sie aus? Puh, meinte Christina, schwer zu sagen. Schlank, dunkle Augen, braunes Haar, sie kommt aus Schweden, ihr Eltern aber ursprünglich aus Korea. Whoa, das ist ein Mix, klingt interessant. Sie ist Krankenschwester, schon damals in Schweden gewesen. Nun lebt sie aber schon fünf Jahre in Herne, da ihre kleine Schwester nach Deutschland gekommen ist. Die kleine Schwester hat Hals über Kopf einen Deutschen geheiratet, das ging dann schief, um noch etwas zu retten, ist Julia nach Herne gekommen. Sie wollte vermitteln, doch die junge Ehe ging trotzdem auseinander. Die kleine Schwester hat ein Studium begonnen und Julia hat eine Anstellung im Krankenhaus bekommen. Beide leben zusammen und leben nun schon fünf Jahre hier. Das klingt alles so unheimlich aufregend. Die Frau interessiert mich. Kann kaum noch das Wochenende abwarten, allerdings sollte ich vorsichtig mit den Erwartungen sein, sonst werde ich bloß enttäuscht.

Ach so, ich habe mit meinen Eltern telefoniert und gefragt, wie es Maria geht. Sie meinten, sie wäre längst nicht mehr im Dorf, sie sei ins Ausland gegangen, wahrscheinlich in die Staaten. Ein Jahr sei das schon her. Dios, wie lang ich schon nicht mehr zuhause war. Die Eltern von Maria haben schon eine Weile nichts von ihr gehört, obwohl sie noch regelmäßig ihnen Geld schickt. Sie wissen selbst nicht genau, wo sie steckt. Sie schien einen Abschluss für ein Studium nachzuholen. Sie wollte also studieren, dass sie intelligent ist, war mir schon immer bewusst gewesen.

14.02.2011 um 11:31 Uhr

Frauen ab Dreißig

Una mujer, Una mujer. Mich ließ es einfach nicht mehr los, was Christinaletztens zu mir gesagt hat: buscate un mujer! Letztens habe ich sogar davon geträumt, dass ich jeder Frau in meinem Laden hinterher starre, sie abwiegen und durch meinen Fleischwolf drehe. Schinken, Brust und Lende in Scheiben verkaufe. Das war grauenhaft. Aber ganz ehrlich die letzten Tage in meinem Laden habe ich wirklich jede Frau auf der anderenSeite der Theke gemustert und kurz im Kopf abgehakt, ob diese etwas fürmich wäre oder nicht. Das macht mich völlig verrückt. Was so ein kleiner Gedanken, den Christina äußerte, verändern kann. Da lebt man fünf Jahre als Single und ist glücklich, und dann sagt jemand drei Worteund zerstört die Idylle. Also werde ich ihr zusagen, ja, ich werde michmit ihrer Freundin treffen, 30 ist kein schlechtes Alter. Doch was ist mit meinem Traum, ich wette Maria ist schon längst verheiratet. In meinem Dorf in Mexiko gibt es keine Frau mit 30 Jahren, die noch nicht verheiratet ist. Außer sie ist total hässlich und total blöde, dann wirdsie aber auch bis 60 keinen Mann bekommen.

Erinnert ihr euch noch an Maria? Ich hatte euch von ihr in einem anderen Blogeintrag erzählt, die Frau auf dem Pferd, sie werde ich niemals vergessen. Ich muss unbedingt mal wieder in die Heimat fliegen, um zu erfahren, ob sie bereits verheiratet ist. Das ist mein Plan für das Frühjahr. Aber erstmal werde ich mich mit der Freundin von Christina treffen. Wie hieß sie noch einmal, hab ich völlig vergessen. Da werde ich wohl erstmal noch mit Christina darüber reden, müssen wäre ja peinlich, den Namen derFrau nicht zu wissen.

21.01.2011 um 21:05 Uhr

Brauch ich eine Frau?

Diando, buscate una mujer! Sagte mir Christina bei unserem letzten Einkauf. Sie hilft mir im Geschäft. Bereitet Salate und Speise für den Lieferservice vor oder steht hinter der Kasse, wenn ich verhindert bin. Sie ist so um die vierzig. Oft trägt sie sehr viel Make-up, um ihre tiefen Falten zu verbergen, die ihre verbrauchtes Gesicht zeichnen. Es ist proportional recht gelungen, außer ihre Nase ist nach meinem Geschmack etwas zu groß geraten, sie windet sich wie eine Wendeltreppe von der Stirn herab und endet in einem Kartoffelartigen Brocken, ähnlich schwulstig ist auch ihr Körper unter den Hüften etwas in den letzten Jahren aufgegangen.

Kurz gesagt, sie ist nicht die Frau, die mich anmacht. Also, habe ich erstmal Angst bekommen, als sie mir sagte, ich solle mir eine Frau suchen. Wollte, sie sich mir anbieten. Meine Augen müssen ihr meine Gedanken verraten haben, Kaninchen-Augen-vor-der-Schlage, sie lachte kurz und sagte, ich meine nicht mich mit dieser Frau. Du bist 35 Jahre, warum hast du keine Frau? Du bist nett, witzig und so schlecht siehst du auch nicht aus, an deinem Bauch kannst du arbeiten.
Frau
Danke, sagte ich. Lass das mal meine Sorge sein, ich werde mich zur gegebenen Zeit darum kümmern. Okay, tut mir Leid, wenn ich dir zu nahe getreten bin. Heute nur heute so den Eindruck, als wenn dir irgendwas fehlen würde. Bist du jetzt unter die Psychodoktoren gegen, fragte ich etwas verärgert? 

Aber wahrscheinlich hast du Recht, du hast aber kein Interesse an mir, fragte ich hinterhältig. Da will ich doch schon mal bohren, wo ihre Motivation für diese Frage liegt. Nein, sagte sie. Du bist nicht ganz mein Typ, tut mir Leid. Aber ich habe eine Freundin, vielleicht wäre sie etwas für dich, sie ist jetzt dreißig geworden und hängt etwas durch, deswegen. Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig aufmuntern, sagte sie.

Was das schon wieder soll, ich bin munter und auch recht glücklich so, wie es ist. Wieso kommt sie auf die Idee, ich bräuchte eine Frau?