Ein Märchen der Gebrüder Grimm
Dass ich ihr meine Nummer gegebene habe, erzählte ich gar nicht in meinem letzten Eintrag. Aber sie hat mich angerufen. Sie fand es sogar witzig mit mir. Und dann telefonierten wir eine Stunde miteinander. Worüber wir uns unterhalten haben, weiß ich nicht mehr. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass sie mich angerufen hatte. Und einen Tag später stand sich bei mir im Laden, zwischen den Salami-Scheiben und dem Fleischsalat. Ich machte ein paar witzig Sprüche über die Ladentheke und ihre kleinen Nasenflügel vibrierten beim Lachen. Meine Kunden mussten warten, aber es waren keine Beschwerden zu hören. Sie waren wohl selbst begeistert von diesem Schauspiel, was sie da vor ihren Augen abspielte. Ein dunkler behaarter Zwerg lachte aus vollem Rohr mit einer elfenbeinhäutigen großwüchsigen Elfe. Schneewittchen wäre der richtige Name für sie. Ihr Haar schwarz wie Ebenholz, ihre Lippen rot wie Blut und ihre Haut so weiß wie Schnee. Danach kommt auf der Platte ein pling pling wie von einer Maultrommel. Als ich nach Deutschland kam habe ich die Platte rauf und runter gehört. Mich faszinierten die deutschen Märchen. Besonders die Aufnahmen aus Ostdeutschland waren besonders gelungen.
Jetzt war sie da, Schneewittchen und sie lachte, wenn ich sie so nannte. Meinte es wäre ein zu komischer Name, die Geschichte von den sieben Zwergen kannte sie aber nicht. Ich hoffe, ich bin ihr erster und letzten, die sechs anderen Zwerge brauchen wir nicht.
Als ich mich dann wieder meinen Kunden widmete, lag bei allen ein Lächeln auf den Lippen, als wenn alle in dem Moment verzaubert wurden sind, als sie meinen Laden betreten hat und ich sie hinter der Theke mit den sieben Bergen aus Fleisch und Wurst entdeckte.
