- Gedankenfutter -

29.04.2007 um 23:15 Uhr

Morgen, oder so.

"Und ich werde morgen sterben bei jedem leisesten Klingeln, sei es die Türglocke, das Telefon, oder nur der Wind in den Maiglöckchen..."

Ich sollte mich bei irgendwem bedanken. Er war nicht da, aber dankenswerterweise hat es heute auch nicht hundertmal geklingelt irgendwo, sodass ich jedes Mal zusammengezuckt wäre. Es klingelte gar nicht. Nicht einmal.

Warum ist jemand so kalt? So unehrlich. So wie er.

Und warum ist jemand so hoffnungsvoll? So ehrlich. So wie ich.

Und warum, wer zum Teufel kann es verantworten, solche zwei Menschen zusammenzuführen, welch Ironie, welche Härte steckt dahinter, warum?

Zu lieben sollte belohnt werden, zu hoffen sollte in unserer Welt der Resignation gefördert, gelobt werden. Warum soll man sich sonst noch die Mühe machen zu lieben, zu hoffen? Und nicht nur der Mühe wegen... warum soll man sich noch solche Schmerzen zumuten, tapfer die Zähne zusammenbeißen, um hinterher doch nicht dafür belohnt zu werden?

- cut -

Eine Stunde Schreibpause. Macht das ganze zwar nicht besser, aber lässt es anders erscheinen. Ich verzeih schon wieder. Er sagte doch "morgen oder so". Warum sollte er also direkt heute kommen? Das "oder so" hatte sicher seinen Grund. Außerdem wurde er heute von einer Bekannten Im Nachbarörtchen gesichtet, mit Freundin, am Eisessen, er konnte also gar nicht kommen im Prinzip. Ist doch ok, wenn er morgen kommt. Bestimmt.

Scheiß Hoffnung.

Und verdammt, ich will nicht so doofe Einträge machen, die mir sinnmäßig gar nicht gefallen und so. Gr. 

28.04.2007 um 22:08 Uhr

Lächeln, als wäre es das Ende.

Wenn sein Teddy seit 5 Monaten vor meinem Nachttisch steht, aber er seit 3 Monaten aus meinem Bett verbannt wurde, und ihm seit 2 Monaten keinen Gute-Nacht-Kuss mehr gibt, kommt man ab und zu ins Grübeln. Wenn dann eine Freundin von ihrem Freund verlassen wird und sie ein paar Tage später bereits ihre Sachen von ihm abholt, fühlt man sich mit diesem Teddy vor dem Nachttisch sehr mulmig.

"Wenn du deines abholst, werd ich ihm seins auch endlich mal wiederbringen und meins zurückholen..." 

Spazieren, Hundi freut sich, Mittwoch, sehr warme Abendluft - sie klingelt einmal, zweimal, gibt auf. Läuft zum See, der Einsamkeit halber (die Gefahr dieser Einsamkeit ignorierend). Läuft zurück, klingelt ein weiteres Mal, will weinen. Kann nicht, lässt es. Resigniert.

Will zur Freundin, Teddy im Rucksack, Freitag, mit Roller zu ihm, klingelt. Hört Musik, laut. Klingelt wieder, will nicht mehr. Fährt zur Freundin, amüsiert sich in der süßesten Diskothek ever mit unendlich tollen Leuten, tanzt sogar, freiwillig und lachend und springend. Als die zwei springenden, tanzenden, lachenden nachts im Bett ankommen, wird DVD geschaut, den Film zwar schon auswendig kennend, aber der Gewohnheit wegen schauend. Wenig schlafend, weiterlachend, liebend. Glück ohne Ende, glauben die beiden. Auwachen und weiter lachen, nach Leer fahren, Sonne genießen, Outfit in 30 Minuten finden, froh.

Nach 1 Stunde Rückfahrt spontan (erkennt man den Widerspruch? Es lebe die gelpante Sponanität) beschlossen, wieder zu klingeln. Dies eine Mal noch. Wenn dann nicht - ich hätte es versucht gehabt. Blinken, bremsen, Motor aus, Helm ab. Lauschen. Klingeln? Klingeln. Teddy suchen, der in der hintersten Ecke der Tasche verschwunden war (?). Nochmals klingeln, schon fast resignieren. Dann öffnet sich die Tür. Seine zuckersüße Oma öffnet, ruft ihn, "jaa, ich komme sofort", geht die Treppe herunter, bleibt stehen, schaut. Lächelt nicht. "Hi." "Hi." Teddy zeigen. Verdatterter Blick.

Und er hat gestottert und wusste nicht, was sagen und kommt morgen, um mir meinen Teddy zu bringen, denn seinen hab ich ihm ja gegeben, aber meiner, den er hat, der ist in einem Karton, er weiß nicht in welchem und er muss den suchen und er wollte aber gerade duschen und sein Zimmer ist umgeräumt und neu gestrichen, deswegen weiß er nich in welchem Karton mein Lars ist und: "Ja, morgen dann, ich will dich ja nich vom duschen abhalten" "ähh, danke, bis dann".

Und ich war locker, sehr sogar, und ich habe gelächelt und war freundlich und nicht aufdringlich und habe fast nichts gesagt, weil er mir vor lauter Stottern gar nicht mehr Zeit gab etwas zu sagen. Weil es auch nichts zu sagen gab, und er trotzdem redete, stotterte. Und ich lächelte.

Als die Tür schon geschlossen war, lächelte ich noch. Ich lächelte noch, als ich schon fuhr. Mal schauen, ob ich morgen auch lächeln werde.

Und ich werde morgen sterben bei jedem leisesten Klingeln, sei es die Türglocke, das Telefon, oder nur der Wind in den Maiglöckchen...

Doch auch dann werde ich lächeln. Als wäre es das Ende.

09.04.2007 um 23:10 Uhr

Varianten des Herzens.

Aktuelle Laune in Worte gefasst: 

1. Variante:

Jeder ist glücklich, niemand ist einsam, allein, alle wissen sich irgendwo wiederzufinden, wissen, dass irgendwer sie auffangen wird. Jeder weiß, dass er erwartet wird, dass es jemanden gibt, mit dem wirklich glückliche Momente geschaffen werden können. Nur ich nicht.

2. Variante: 

Jeder ist glücklich, niemand ist einsam, allein, alle wissen sich irgendwo wiederzufinden, wissen, dass irgendwer sie auffangen wird. Jeder weiß, dass er erwartet wird, dass es jemanden gibt, mit dem wirklich glückliche Momente geschaffen werden können. Wie schön!

Es sei gesagt:

Wenn das Herz zwischen zwei Varianten schwebt, sich mit dem Verstand um die richtige Position streitet - zerreißt es.

Auf sehr schmerzhafte Weise.