- Gedankenfutter -

05.08.2007 um 22:13 Uhr

Du kannst nichts dafür, dass du so süß bist.

["Du kannst ja nichts dafür, dass du so süß bist!"]

Wir waren tanzen, am Freitag, wir alle, wunderbare Leute und wunderbarer Abend. Auch mit ihm. Und er war lieb und witzig und perfekt und voll Sanftheit und vorsichtiger Zuneigung und ich... und ich wurde immer trauriger, je näher er mirkam, weil ich merkte, wie sehr er sich immer weiter von mir entfernte. Und dann ging ich und er blieb zurück und fluchte und verzweifelte.

Ich verbrachte einen wunderbaren Sonnensamstag am Meer, aber das Meer machte nicht glücklich, weil ich fühlte, wie er litt. Und er litt sehr, so sehr, wie ich es gar nicht erahnt hatte. Und als ich heimkam, so euphorisch, aber innerlich so traurig, blickte das ICQ-Fenster. Eine Nachricht, empfangen um 4:23 Uhr in der Nacht.

timomo (4:23 AM):
egal
timomo (4:27 AM):
ich bin übelst in dich verliebt..
timomo (4:28 AM):
i'm sorry
timomo ist Abwesend: extrem schlechte Laune. Warum muss eig alles schief laufen?

Es zerriss mir das Herz, er litt so sehr, so unendlich.

Aber ich wollte ihn sehen, mit ihm sprechen, direkt. Nicht über Tasten. Ich wollte, dass er sieht, das ich ihn nicht verlieren will. Dass er mir nicht böse ist. Dass er merkt, wie sehr ich ihn mag.
Er kam mit, nochmals tanzen. Mit unbeschreiblich traurigen Augen, wie ich sie (an ihm) noch nie sah. SO viel Traurigkeit. Und ich war so hilflos. 2 Stunden lang. Erst dachte ich, er betrinkt sich. Aber er saß nur da, schaute umher, schloss wieder eine Weile die Augen, und er schwieg. Und ich trank. Nicht viel. Erst dachte ich, ich betrinke mich. Aber ich saß nur da, schaute umher, lachte zwischendurch, damit die anderen nicht nachfragten, und damit die anderen lachen konnten. Ich hatte schon einen Menschen traurig gemacht.
Er saß da. Ich saß da. Er allein, ruhig. Ich unter anderen, lachend, weil lachen das beste Schutzschild ist. Und weil ich die Kunst der Schauspielerei beherrsche. Lachend. Und innerlich schreiend, alles herausschreiend. Aber eben nur innerlich.
Dann stand ich auf. Und ging auf die Toilette. Nur um kurz nicht lachen zu müssen. Nur um kurz ehrlich zu sein. Ganz kurz. Dann wollte ich zu ihm.
Er kam mit raus. Schweigend. Unglücklich.

"Timo.."
"Mh."
...
"Ich wusste das schon lange..."
"Wars so auffällig?"
"Ja."

Ich sagte ihm, dass ich es merkte, dass ich es schon lange wusste, aber das ich so Angst hatte. Ich sagte ihm, wie sehr ich ihn mag, wie wichtig er mir war, wie unbeschreiblich toll ich ihn fand. Aber dass ich einfach nicht verliebt bin. Und er weinte. Er ist der erste Mann, der je wegen mir weinte. Der erste. Und der letzte, dem ich es wünschte. Wir haben uns in den Arm genommen, und lange so da gestanden. Ich sagte ihm, wie leid es mir tut. Hunderte Male. Er sagte mir, ich solle mir keine Gedanken machen. Es sei nicht meine Schuld. "Du kannst nichts dafür, dass du so süß bist."
Und ich erklärte ihm, dass ich einfach gehoft habe, es gehe weg, alles werde gut. Dass ich mich schlecht und egoistisch gefühlt hab, aber doch so wohl bei ihm. Dass ich bei ihm das erste Mal 2 Stunden redete ohne auch nur ansatzweise über meine Worte nachdenken zu müssen. Weil ich mich sicher fühlte. Und die ganze Zeit lag ich in seinen Armen, er hielt mich, ließ mich nicht los, ich ließ ihn nicht los, nichts war da außer er und ich. Ich sagte ihm, wie ungerecht es ist, dass ich mich nicht verliebt habe. Was für eine Laune der Natur, dass wir zwei, obwohl wir so gut zusammenpassen, obwohl wir uns so gut ergänzen, obwohl wir uns ohne Worte verstehen und das gleiche sagen und denken und über das gleiche lachen...obwohl wir einfach perfekt füreinander sind, dass es uns zwei nicht gegönnt ist, miteinander glücklich zu werden. Er piekste mich in die Seite und fragte, mit Galgenhumor: "Gibts da denn keinen Knopf zum Anschalten?"
Wir waren beide so traurig.
Und ich bat ihn, mich nicht allein zu lassen. Ich sagte, dass ich so Angst habe, dass wir uns verlieren. Dass ich so Ansgt hatte, ohne ihn zu sein und es deswegen nie angesprochen hab. Ich sagte immer wieder, dass es mir leid tut. Und er sagte, muss es nicht. Ich könne ja nichts dafür. ich sagte: "Du ja auch nicht." Wir schwiegen. Und hielten uns fest. Weil er so toll und wunderbar lieb ist.
Er versprach mir, sofort etwas zu sagen, wenns nicht mehr geht. Und er sagte, ich könne immer zu ihm kommen, immer. Es werde gehen. Und er werde bei mir bleiben.
Und dann sagte er: "Jetzt gehts mir schon viel besser. Danke, kleine." Und ich hab ihn weiter festgehalten, weil ich nicht wollte, dass er geht. So viel Glück und so viel Traurigkeit an einem Ort.
Doch dann kamen zwei Typen, fast am prügeln. Er nahm mich in den Arm, führte mich an ihnen vorbei. Sicherheit. Vollkommen sicher. Und mein Herz war wieder leicht, es flog, und er flog mit, in Gedanken. Es war nichts in Ordnung. Und doch war alles wieder gut, denn wir wussten, dass wir uns hatten. Nicht so, wie wir es uns vorgestellt hätten, aber trotzdem hatten wir uns. Nicht allein. Trotz allem. Und dann lächelte er, zum ersten Mal an diesem Abend.
Wir haben uns. Egal was passiert.

timomo (4:23 AM):
egal